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Golfpunks dieser Welt

Skip Alexander

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images

Er spielte keine Rolle bei Majors und holte nur drei Titel auf der PGA Tour. Doch ein Ryder-Cup-Einzel ließ Skip Alexander zur Legende werden. Nicht weil er mit 8&7 den höchsten Sieg einfuhr, sondern weil er zuvor dem Tod noch härter in den Hintern getreten hatte.

Nach der Schlussrunde der Kansas City Open 1950 will Skip Alexander nur nach Hause. Mit einer 72 hat er seine gute Ausgangsposition verspielt und am Ende den achten Platz belegt. Zudem schwindet seine Hoffnung, Frau und Kind vor seiner Werbetour in Südamerika noch einmal kurz zu sehen, als er aufgrund einer Regenunterbrechung seinen Flug verpasst. Zum Glück weiß das Militär einen Ausweg. An Bord einer Maschine der US Army kann Alexander von Olathe nach Louisville fliegen und dort eine Maschine nach Hause nehmen. Doch dazu kommt es nicht. Beim Landeanflug geht der Treibstoff aus und das Umschalten auf einen vollen Tank misslingt. 500 Meter vor der Landebahn von Evansville, Indiana, schlägt die Maschine auf. Skip Alexander überlebt den Aufprall, ist aber in der Maschine eingeschlossen. "Das Flugzeug ging in Flammen auf", erinnert er sich Jahre später an den Tag, der sein Leben für immer verändert. "Der Pilot, Co-Pilot und ein Dritter wurden getötet. Ich war schwer gezeichnet und hatte mir den Knöchel gebrochen. Ich brach die Flugzeugtür mit meinem Arm auf, sprang runter ins Feuer und lief zu den Eisenbahngleisen. Ich war ein kleines Feuer, das von einem großen Feuer davonrannte. Ich habe die Flammen an den Schuhen und Beinen ausgeklopft und das Feuer auf meinem Kopf weggerubbelt. So habe ich mir meine Hände verbrannt."

Alexanders Verletzungen sind so schlimm, dass selbst die Ärzte von "Emergency Room" sie nicht in einer Folge hätten behandeln können. Es wird berichtet, dass Retter ihn aufgrund seiner versengten Haut anfangs versehentlich für einen Afroamerikaner hielten. Beide Ohren sind fast vollständig verkohlt und auch Gesicht, Augen, Schulter, Nacken und Unterschenkel weisen schwere Verbrennungen auf. Zudem sind seine Hände so verbrannt und entstellt, dass Bill Beck in einem Artikel für die "St. Petersburg Times" zu dieser Beschreibung greift: "Seine Hände waren so verdreht, dass seine Finger in seltsamen Winkeln abstanden, wie bei der Vogelscheuche in ,Der Zauberer von Oz'."

Unvorstellbare 17 Operationen muss er über sich ergehen lassen, mehr als 50 Stunden liegt er unter dem Messer. In so einer Situation ist Golf das Letzte, woran man denkt - es sei denn, man heißt Skip Alexander. In einem Interview mit "Sports Illustrated" erinnerte sich Skips Sohn Buddy Jahre später an die Bitte, die sein Vater dem Chirurgen mitgab: "Ich möchte meine Hände in einer griffähnlichen Position fixieren lassen. Mein Sponsor hat mir ein Geschenk geschickt: einen kurzen Schläger mit einem Griff. Ich möchte, dass Sie diesen Schläger mit in den Operationssaal nehmen. Sorgen Sie dafür, dass ich ihn greifen kann."

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ICH HABE DIE FLAMMEN AN DEN SCHUHEN UND BEINEN AUSGEKLOPFT UND DAS FEUER AUF MEINEM KOPF WEGGERUBBELT.
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Das erste Mal einen Schläger in der Hand hat der am 06. August 1918 in Philadelphia geborene Skip bereits als Jugendlicher. Mit drei Jahren zieht er mit seinen Eltern ins Golf-Mekka North Carolina, genau gegenüber vom damaligen Durham Country Club.

Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Chuck fängt er dort als Caddie an und lernt vom drei Jahre älteren Henry Poe und dessen Vater die Grundzüge des Golfspiels. So gut, dass er an der vor allen Dingen für Basketball bekannten Duke University angenommen wird - das College, an dem sein Vater Stewart 1923 für eine halbe Saison das Football-Team trainieren durfte. Skip führt die Blue Devils von 1938 bis 1940 zu drei Southern- Conference-Meisterschaften und sichert sich zusätzlich zweimal den Einzeltitel. Seinen größten Amateur-Triumph holt er 1941 nur wenige Kilometer von zu Hause bei der North & South Amateur Championship in Pinehurst. Kurz darauf wechselt er ins Profi-Lager und einer erfolgreichen Karriere steht eigentlich nichts im Wege - außer einem kriegsgeilen japanischen Premierminister. Am 07. Dezember 1941 befiehlt General Tojo Hideki den Angriff auf Pearl Harbor und zieht die USA so in den Zweiten Weltkrieg. Skip Alexander tauscht Golfschläger gegen Bajonett und zieht als Lieutenant der US Army für vier Jahre in den Pazifikkrieg. Dass er das Golfspiel auf den Philippinen nicht verlernt, beweist er im Dezember 1945 mit seinem Sieg bei einem Mini-Turnier in Manila und kurz darauf bei der Army Olympic Golf Championship auf Honolulu.

Entsprechend leicht fällt es ihm, vom Schlachtfeld aufs Fairway zurückzukehren. Im Mai 1946 gewinnt er die Carolinas Open und kurz darauf auch die Gainesville Open. Zwar reicht es auf der PGA Tour noch nicht für den Durchbruch, Alexander hinterlässt aber Eindruck. Der 1,88-Meter-Hüne dominiert die Long-Drive-Wettbewerbe und zeigt 1947 mit einer 58 in einem Demonstrationswettbewerb sein ganzes Potenzial. Im Februar 1948 kann er es endlich auch auf der großen Bühne vorführen. Bei der Tucson Open liegt Alexander vor den Augen von Clark Gable nach drei Runden noch auf dem siebten Platz, doch inspiriert vom "Vom Winde verweht"-Star sagt er sich: "Ehrlich gesagt, meine Liebe, das ist mir egal", und fängt mit einer sensationellen 62er-Schlussrunde den Führenden Bobby Locke noch ab. Zwei Monate später ist es wieder der Südafrikaner, der bei der National Capital Open das Nachsehen gegen Skip Alexander hat. Der Rising Star aus den USA sammelt genug Punkte, um sich als Siebter für das US-Ryder-Cup-Team im englischen Ganton zu qualifizieren, verliert aber seinen einzigen Einsatz im Vierer.

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Zwei Jahre später ist er auf bestem Wege, sich erneut für den Kontinentalwettstreit zu qualifizieren. Im September 1950 gewinnt er die Empire State Open in einem 18-Loch-Play-off - ein sehnlichst erwarteter Geldregen. Ein Jahr zuvor haben er und Ehefrau Kitty eine Tochter bekommen und können jeden Cent gebrauchen. Für Skip wird der Traum jedes Hobbyspielers zur Tortur: Unlimited Golf. Nahezu jede Woche ist er am Start, wird zweimal Zweiter und landet zehnmal in den Top Ten. Nach seinem achten Platz in Kansas City ist er Dritter der Ryder-Cup-Qualifikation, doch je höher man fliegt, desto tiefer stürzt man. Im Fall von Skip Alexander leider nicht im übertragenen Sinn.

Als die Kleinmaschine auf der Startbahn von Evansville aufschlägt, gehen auch Alexanders Ryder-Cup-Träume in Flammen auf. Viele Wochen muss er in Indiana im Krankenhaus bleiben, bis er über den Berg ist. Anschließend wird er ins Duke University Hospital verlegt und muss mehr plastische Eingriffe über sich ergehen lassen als Michael Jackson und Cher zusammen. Als er am 28. Februar 1951 entlassen wird, ist Skip Alexander entgegen allen Erwartungen nicht nur mit dem Leben davongekommen, die Ärzte haben so gute Arbeit geleistet, dass er nur neun Monate nach dem Inferno wieder auf der PGA Tour antritt. "Sie haben einen Fingerknöchel entfernt und die beiden anderen versteift", gibt Alexander später Einblick in seine Tortur. Wie gewünscht hat der Arzt seine Hand zum leichten C geformt, damit er wieder einen Schläger greifen kann. Die Verletzungen lassen nur einzelne Starts zu, aber sie reichen aus, um sich den letzten Qualifikationsplatz für den Ryder Cup zu sichern.

Hätte der Kontinentalwettstreit in der alten Welt stattgefunden, wäre Alexander vermutlich nicht mitgefahren, doch 1951 wird der Prestigekampf gegen die Briten nicht nur in den USA, sondern fast im Wohnzimmer des Rekonvaleszenten veranstaltet: in Pinehurst, North Carolina. Kaum einer denkt, dass die Teilnahme mehr als nur pro forma sein könne. In einer Ära, in der Matches über 36 Löcher ausgetragen werden und regelmäßig Spieler ohne Einsatz bleiben, scheint es absurd, dass Kapitän Sam Snead ausgerechnet einen so ramponierten Golfer aufstellen würde. Tatsächlich begleitet Alexander die Vierer nur von der Seitenlinie. Weil die University of North Carolina am Tag darauf ein prestigeträchtiges Footballspiel gegen Tennessee hat, bleiben am Samstag die Schläger im Bag und die Teams gehen ins Stadion. "Es war kalt und Dutch Harrison wurde krank", erinnerte sich Skip Alexander Jahre später. "Snead kam zu mir und fragte, ob ich spielen könne. Ich sagte Ja, aber ich war überall bandagiert und meine Hände bluteten."

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Weil die USA bereits nach den Vierern mit 3:1 führen, setzt Snead sein Sorgenkind ins vorletzte Einzel - in der Hoffnung, dass der Drops bis dahin bereits gelutscht ist. Für Alexander kommt es doppelt dick, denn sein Gegner ist kein Geringerer als John Panton, der von allen britischen Spielern als die härteste Nuss angesehen wird. Zufall oder Absicht? Darauf hat Skip Alexander auch Jahre später noch keine Antwort. "Ich weiß nicht, ob Snead wusste, dass ich gegen John Panton spielen würde, das Match einfach aufgab und mich wie ein Lamm zur Schlachtbank führte. Aber ich wäre ganz sicher nicht die erste Wahl gewesen, um gegen ihre Nummer eins anzutreten. Ich hätte eher Ben Hogan gegen ihn spielen lassen."

Tatsächlich gibt es ein Opferlamm, aber nicht dasjenige, das alle erwarten. Panton bricht auf den Back Nine der Morgen-Session völlig ein und geht mit fünf Löchern Rückstand auf Alexander in die Pause. Und das, obwohl der Amerikaner mehr wie ein Mix aus Mumie und Notaufnahmepatient als wie ein Profi-Golfer wirkt. Alexander trägt in der Novemberkälte North Carolinas Baumwollhandschuhe, die nach den ersten 18 Löchern blutdurchtränkt sind. Als es am Nachmittag weitergeht, ändert sich nichts. Alexander, der seit dem Unglück nie mehr als 18 Löcher an einem Tag gespielt hat, humpelt immer stärker über den Platz, saut mehr Handtücher ein als ein notgeiler Teenager und baut dennoch seinen Vorsprung aus. Nach 28 Löchern liegt er 8auf und hat nur ein Ziel: den Sack dichtmachen, bevor ihm das letzte saubere Handtuch ausgeht. Es gelingt. Mit 8&7 fährt Skip Alexander einen der höchsten Siege der Ryder-Cup-Geschichte ein. Auch wenn der Triumph für den Ausgang des Ryder Cup ohne Belang ist, bleibt er als eine der größten golferischen Leistungen aller Zeiten in Erinnerung. Zeitgenössische Kolumnisten halten sein Comeback für beeindruckender als das von Ben Hogan und Kapitän Snead hebt bei der Siegerehrung seinen Helden ganz besonders hervor: "Der Kerl hier verdient den größten Applaus von allen. Vor ein paar Monaten hätte keiner von uns gedacht, dass er je wieder Golf spielt."

Für Skip Alexander ist es das letzte Highlight der Karriere. Statt auf der PGA Tour zu spielen, arbeitet er als Head Professional im Lakewood Country Club in Florida. Am 24. Oktober 1997 stirbt er im Schlaf. Immerhin hat er dem Tod noch 47 Jahre abgetrotzt.

 
Titel

Titel

CAROLINAS OPEN - 1946
GAINSVILLE OPEN - 1946

PGA TOUR
TUCSON OPEN - 1948
NATIONAL CAPITAL OPEN - 1948
EMPIRE STATE OPEN - 1950
RYDER CUP - 1949, 1951

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