OPEN CHAMPIONSHIP 2026 Der fantastische Mr. Fox
20.07.2026 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Photo by Oisin Keniry/R&A/R&A via Getty ImagesMit einer Bravourleistung sicherte sich Ryan Fox bei der Open Championship seinen ersten Majortitel und ließ dabei zahlreiche Top-10-Spieler hinter sich.
Ryan Fox muss es auf den letzten Bahnen in Royal Birkdale vorgekommen sein, als habe sich das ganze Universum dagegen verschworen, ihm seinen ersten Majortitel zu gönnen. Der Neuseeländer hatte sich am Samstag mit der dritten 62 des Turniers fast aus dem Nichts in die finale Gruppe gespielt und sah nur noch den Amerikaner Sam Burns auf dem Leaderboard vor sich - allerdings nur für fünf Löcher, denn mit drei Bogeys auf den Bahnen vier bis sechs sorgte Burns dafür, dass die Open ihrem Namen gerecht wurde - sie war wieder völlig offen.
So offen, dass wie an den Tagen zuvor jemand mit einer Sensationsrunde sich an die Spitze des Feldes spielte. Der Weltranglisten-Dritte Cameron Young hatte bei böigen Winden eine 64 hingelegt, an der sich die gesamte Konkurrenz die Zähne ausbiss. Selbst zwei Stunden, nachdem er im Clubhaus war, grüßte er noch von der Spitze und sah, wie ein Spieler nach dem anderen daran scheiterte. Bryson DeChambeau, der nach seinen Strafschlägen vom Freitag anscheinend vor allem daran interessiert war, mit kindischem Verhalten auf die vermeintliche Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, verspielte an Bahn 11 endgültig seine Chancen, als er einen Ball verlor und ein Triplebogey notierte.
Titelverteidiger Scottie Scheffler hätte eigentlich etwas Ähnliches passieren sollen, als er an der 17 seinen zweiten Schlag ins Niemandsland katapultierte. Obwohl sein Ball nie gefunden wurde, gab ihm der Referee einen Free Drop, weil er in Richtung einiger Zelte geflogen war und er dadurch Anspruch auf Erleichterung aufgrund eines TIO (Temporary Immovable Object) habe. Das resultierende Birdie machte dem Weltranglistenersten kurzzeitig Hoffnung, Young einzuholen, aber ein Bogey an der 18 sorgte dafür, dass uns eine weitere tagelange Regeldiskussion erspart blieb.
Besser an der 18 machte es Tommy Fleetwood, der mit einem sensationellen Birdie seine in Rekordzahlen (mehr als 300.000 Zuschauer waren die Turnierwoche vor Ort) erschienenen Fans zu Jubelstürmen brachte. Leider konnten sie sich nicht über die Claret Jug für den Engländer freuen, der mit einer Bogeyserie von Bahn neun bis elf seine Titelchancen ebenso verspielt hatte wie der Südkoreaner Si Woo Kim und der Australier Lucas Herbert auf ihren Back Nine.
So musste Cameron Young nur noch auf den Schlussflight warten, weshalb er sich bereits auf ein mögliches Playoff vorbereitete. Sam Burns wurde dabei sein Putter zum Verhängnis. An der 14 verschob er einen Birdieputt aus gut einem Meter, der ihn zurück an die Spitze gebracht hätte, und auch auf den folgenden Bahnen wollte keiner seiner Birdieputts fallen, sodass er mit acht unter Par mit Platz drei Vorlieb nehmen musste. Dort fand sich auch Ryan Fox wieder, als er an der 15 ein unglückliches Ergebnis für einen guten Schlag akzeptieren musste. Sein Ball schlug an dem Par 3 in die Bunkerwand ein und katapultierte so unglücklich zurück, dass Fox nur seitlich herausspielen konnte. Doch der Neuseeländer spielt so erfreulich schnell, dass er sich gar keine Gedanken darüber machte, an der 16 seinen zweiten Schlag drei Meter an die Fahne nagelte und sich mit einem Birdie zurück an die Spitze spielte.
Bei den Buchmachern war er zu dieser Zeit klarer Favorit, hatte er doch noch mit der 17 das leichteste Loch des Platzes vor sich. So leicht, dass er dachte, ein Eisen reiche ihm vom Tee, um die Bunker aus dem Spiel zu nehmen und dennoch das Par 5 mit dem zweiten Schlag zu erreichen. Dabei hatte er die Rechnung jedoch ohne die von der Hitze ausgebrannten Fairways von Royal Birkdale gemacht. Sein Ball rollte sage und schreibe noch 80 Meter und fand nach mehr als 300 Metern mit der letzten Umdrehung den Fairwaybunker rechts. Zwar hatte Fox trotzdem noch eine Birdiechance, konnte diese aber nicht nutzen. Und da die 18 die zweitschwierigste Bahn war, lief alles auf ein Playoff hinaus. Allerdings schien niemand Ryan Fox darüber informiert zu haben. Der 56. der Weltrangliste nagelte seinen Drive an den Bunkern vorbei, setzte ein brillantes Eisen drei Meter an die Fahne und stellte sich ohne große Spirenzien an den Putt. Dass er dabei zitterte, war ihm nicht anzusehen: "Ich hatte beim Putt überhaupt kein Gefühl, so sehr hat alles gewackelt. Ich war einfach nur froh, dass ich den Ball einigermaßen in die Nähe des Lochs gebracht habe", erklärte er in der Pressekonferenz. Und dennoch versenkte er ihn eiskalt in der linken Hälfte des Lochs.
Mit gen Himmel gestreckten Armen ließ sich Fox feiern, der nicht nur gerade vier der besten zehn Spieler der Welt in Schach gehalten, sondern sich mit seinem schnellen Spiel unter Golf-Fans viele neue Freunde gemacht hatte. Darauf angesprochen, legte er eine Attitüde an den Tag, von der sich viele Pros (und Amateure) etwas abschauen könnten. "Als Kind habe ich fast jede Sportart ausgeübt. Beim Tennis wollte ich den Ball hart schlagen, und beim Cricket wollte ich den Ball hart schlagen. Alles ging einfach sehr schnell. Ich war bei nichts besonders methodisch, und das hat sich einfach auf das Golfspielen übertragen. Es ist gar nicht so schwer, einen Schlag und einen Schläger auszuwählen. Ich gehe an den Ball, entscheide mich schnell für einen Schlag - und je weniger Zeit ich habe, darüber nachzudenken, desto weniger können sich Fehler einschleichen." Selten waren die traditionellen Worte auf dem Leaderboard der Open passender als in diesem Jahr: "Well played Ryan".












