Filme, Golf & Jams (Figjam) - Nur dabei statt mittendrin

Filme, Golf & Jams (Figjam) Nur dabei statt mittendrin

27.04.2026 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Netflix

Die vierte Staffel der Netflix-Doku "Full Swing" ist nicht nur halb so lang wie die vorherigen, sie wirkt auch halb gar. Obwohl man sich die Ryder-Cup-Klatsche für die USA immer wieder anschauen kann.

Als Netflix im Februar 2023 die Golf-Doku "Full Swing" startete, waren die Auswirkungen riesig. Spieler wie Joel Dahmen wurden über Nacht berühmt, kaum bekannte Caddies galten plötzlich als Stars und Golf wirkte auf Nicht-Golfer endlich mal cool. Der Zeitpunkt war perfekt gewählt. Die zweite Staffel stand im Zeichen von LIV, bei Staffel drei warteten alle auf exklusive Einblicke in die Verhaftung von Scottie Scheffler (und wurden enttäuscht). Die vierte Staffel musste vor allem zwei Dinge abdecken: Rorys Karriere-Grand-Slam und den Ryder Cup in Bethpage Black. Tatsächlich stehen beide Ereignisse im Fokus; was allerdings fehlt, sind die überraschenden, menschlichen Geschichten. Der Grund ist offensichtlich: Netflix hat nur vier Folgen bestellt. Nimmt man die Qualität der neuesten Ausgabe als Maßstab, ist dies jedoch kein Verlust.

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Bei den bisherigen Staffeln wurde zu Recht kritisiert, dass der rote Faden fehlt, weil teilweise mehrfach zu den gleichen Turnieren gesprungen wurde. Dieses Mal sind die Folgen chronologisch erzählt und haben den Ryder Cup als Bindeglied im Hintergrund. Nur leider funktioniert die Dramaturgie der einzelnen Folgen nicht. Wie man auf die Idee kommen kann, die packende Schilderung des historischen Masters für einen zusammenhanglosen Hausbesuch bei Luke Donald zu unterbrechen, bleibt wohl für immer das Geheimnis von Produzent Chad Mumm. Noch ärgerlicher: Der Zugang zu den Spielern war offenbar so limitiert, dass man bei Rory zum Teil auf ein Sponsoren-Interview zurückgreift, während Scottie Scheffler, der 2025 mit zwei Major-Siegen der dominante Spieler des Jahres war, kürzer im Bild ist als Donald Trump bei seinem peinlichen Ryder-Cup-Auftritt.

Das größte Problem ist jedoch, wie offensichtlich die PGA Tour, die seit 2024 Anteile an Chad Mumms Produktionsfirma Pro Shop hält, Einfluss auf die Inhalte hat. Die vorgegebene Linie sieht man vor allen Dingen an einer Sache: Während der gesamten drei Stunden wird LIV behandelt, als wäre es "Macbeth": Niemand spricht das Wort aus. Zudem wirkt die letzte Folge wie eine Absolution für Keegan Bradley. Obwohl der US-Kapitän beim Ryder Cup alles falsch gemacht hat, was man falsch machen konnte, gibt es kein Wort der Kritik. Im Gegenteil: Alle Beteiligten dürfen ihm huldigen. Die Weichspülung geht so weit, dass sogar bei den Ryder-Cup-Absagen die Kameras ausgeschaltet bleiben. Stattdessen werden Interviews mit den verschmähten Chris Gotterup und Maverick McNealy so geschnitten, dass Bradley gut rüberkommt. Wenigstens verschließt die Doku nicht die Augen vor dem unsäglichen Verhalten der amerikanischen Ryder-Cup-Fans - auch wenn neue Einblicke Fehlanzeige sind. Denn erneut weigerten sich insbesondere die Amerikaner, die Netflix-Kameras mitzunehmen. So bleiben am Ende nur drei Dinge hängen: Ben Griffin ist ein extrem sympathischer Spieler, Tommy Fleetwood verdient ein Denkmal und die nächste Ryder-Cup-Niederlage der Amerikaner kann gar nicht hoch genug ausfallen.