Dass es an der Silver Coast tatsächlich auch dieses Leben gibt, merkt man vor allen Dingen in Óbidos. Die 3.000-Einwohner-Stadt hat eine bewegte Vergangenheit von den Kelten bis zu den Römern hinter sich, aber den größten bleibenden Eindruck haben die Mauren hinterlassen. Sie erbauten das Schloss und die Stadtmauer, die bis heute zwei der größten Attraktionen Portugals sind. Innerhalb der spektakulären Mauern, auf denen ich trotz Höhenangst und fehlender Absicherungen einen Rundgang drehe, leben heute gerade einmal 50 Menschen, doch tagsüber strömen Tausende über die Kopfsteinpflasterstraßen. Und noch einmal deutlich mehr, wenn die Stadt im März ihr Schokoladen- und im Sommer ihr Mittelalter-Festival veranstaltet.

»WER GLAUBT, DASS DIE IN EINEM 90°-DOGLEG IN DIE TIEFE FÜHRENDE 17 NICHT MEHR ZU ÜBERTREFFEN SEI, WIRD AM TEE DER 18 EINES BESSEREN BELEHRT.«
Der 2017 von Cynthia Dye McGarey gestaltete West Cliffs ist nicht nur ein Test des eigenen Spielvermögens, er liefert auch einen hohen Unterhaltungsfaktor - wenn man denn die richtigen Tees wählt. Während mein Spielpartner Jamie von den Backtees die ganzen 6.382 Meter auskostet, gehe ich verschämt zu den Abschlägen mit der 55 und spare mir 800 Meter. Eine weise Entscheidung, denn weil Pete Dyes Nichte Cynthia Restriktionen beim Einsatz von Fairways und Grüns unterlag, sind von zahlreichen Abschlägen längere Carrys nötig, um überhaupt zum unterhaltsamen Teil zu kommen. Auch West Cliffs braucht ein wenig, um mir richtig Spaß zu machen. Weil die Investoren auch Geld am Verkauf von Immobilien verdienen wollten, führen die ersten vier Löcher zwischen Häusern durch. Zwar sieht man bereits bei der Anlage der Bahnen das Talent von Cynthia Dye durchschimmern, richtig ausspielen kann sie es aber erst ab Loch 5. Das kurze Par 3 wird auf ein erhöhtes, tückisches Grün gespielt, das von vorne nach hinten und von rechts nach links wegfällt. Wer hier nicht viel Spin auf den Ball bringt, kann sich bei vorne gesteckter Fahne schon mal mental einen Drei-Putt aufschreiben. Im Anschluss beginnt der wilde Teil des Platzes, der mit vielen Höhenunterschieden, traumhaft designten Bunkern und vielen Herausforderungen aufwartet. Als ich an der 9 an einer von ihnen scheitere, meinen zweiten Schlag deutlich nach links verziehe und in fünf Metern Tiefe einen Ball an der Greenkeeper-Hütte entdecke, stehe ich vor einer Gewissensentscheidung.


Golfplätze in der Region

Praia d'el Rey
18 Löcher, Par 73, 6.434 MeterAdresse
Avenida Dom Pedro Primeiro
2510-452 Vale de Janelas
Tel. + 351 262.905.005
praia-del-rey.com
Greenfee
bis 02. Juli: 122 Euro, 03. Juli bis 05. September: 82 Euro, 06. Sept. bis 13. November: 94,50 Euro, 15. November bis 28. Februar '27: 89 Euro
Bevor die Silberküste zur Golf-Destination wurde, gab es bereits Praia d'El Rey. 1997 öffnete das Design von Cabell B. Robinson seine Pforten. Auf den Front Nine arbeitet man sich zwischen Villen hindurch Richtung Wasser, spielt ein Par 3 parallel zum Meer und biegt danach in einen Pinienwald ab, wo Genauigkeit höchste Priorität hat. Die Back Nine sind dann zu großen Teilen so nah am Wasser gebaut wie man selber, wenn man die Schönheit dieser Bahnen erblickt. Nur schade, dass es zum Finale noch einmal zwischen den Villen entlanggeht.
Killerloch
Nur drei Par 4 sind kürzer als die von den Backtees 375 Meter lange 15 und dennoch hat sie auf der Scorekarte die dritthöchste Schwierigkeit. Dies liegt zum einen an der exponierten Lage direkt am Meer, die dem Wind volle Angriffsfläche bietet. Zum anderen befindet sich direkt in der Landezone ein Hügel, in den zwei Bunker modelliert wurden, aus denen man nur mit dem Sand Wedge aufs Fairway pitchen kann.
www.praia-del-rey.com

Guardian Bom Sucesso
18 Löcher, Par 72, 6.238 MeterAdresse
Avenida do Hotel Nş 1
2510-662 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.310
bomsucessoresort.pt
Greenfee
ca. 80 Euro
Der von Martin Ebert und Donald Steel designte Platz beginnt unspektakulär. Die neben dem Parkplatz beginnenden Front Nine weisen zwar schon Höhenunterschiede auf, die Bahnen sind jedoch typisch Resort-Platz. Dies ändert sich auf den Back Nine. Die Löcher werden mutiger, unkonventioneller und steigern sich in ihrer Qualität, bis sie von der 16 bis zur 18 in einem fantastischen Crescendo enden. Die leer stehenden Häuser, die wie ein Museumsdorf die Fairways säumen, stören allerdings den Gesamteindruck.
Killerloch
Bahn 17 von Bom Sucesso liegt auf dem höchsten Punkt der Anlage und bietet einen spektakulären Blick auf die Umgebung. Doch davon sollte man sich nicht ablenken lassen, schließlich fordert das 525 Meter lange Par 5 bei jedem Schlag höchste Konzentration. Die im Birdie-Book wie eine Amöbe aussehende Bahn schlängelt sich wie ein gespiegeltes C mit einem engen Fairway um eine Schlucht und endet in einem brillanten Grün, das gleichzeitig erhöht und in einer Senke liegt.
www.bomsucessoresort.pt

Royal Óbidos
18 Löcher, Par 72, 6.692 MeterAdresse
Cabeço da Serra 2510-665 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.220
royalobidos.com
Greenfee
bis 31. Mai, September u. Oktober: 94 Euro, Juni bis August: 77 Euro, ab November: 73,75 Euro
Dass Royal Óbidos das letzte Design von Seve Ballesteros ist, merkt man bereits an der Länge. Massive 6.700 Meter misst das Par 72 von den Backtees und anders als bei den anderen drei Plätzen der Silberküste spielt hier Wasser eine massive Rolle, vor allem auf den Back Nine. Dies allerdings nicht wegen des Ozeans, den man nur in der Ferne sieht, sondern durch neun künstliche Teiche, die sieben Grüns auf tückische Weise verteidigen. Selten sah man die Persönlichkeit eines Architekten deutlicher, denn vom Tee reduzierte der wild drivende Spanier das Wasser, aber beim Spiel ins Grün setzt der Eisen-Zauberer auf Präzision.
Killerloch
Bahn 2 ist ein Par 5, das kaum härter sein könnte. Auf der von den Backtees 548 Meter langen Bahn hat Seve die Drive-Landezone zum Flaschenhals gemacht. Longhitter können den Teich zwar überspielen, müssen dann aber zwei Bunker navigieren. Wer vor den Teich vorlegt, hat von dort an auf der linken Seite nur Wasser, das das Grün an drei Seiten verteidigt. Man könnte es niemandem verübeln, danach frustriert vom Platz zu gehen und lieber die direkt nebenan liegende Minigolf-Anlage auszuprobieren.
www.royalobidos.com

West Cliffs
18 Löcher, Par 72, 6.382 MeterAdresse
Estrada do Rio Cortiço 4
2510-665 Vau, Óbidos
Tel. + 351 262.249.880
westcliffs.com
Greenfee
ca. 189 Euro (bis 15. Nov.), ca. 135 Euro (ab 15. Nov. - Feb. 2027)
Elf Jahre lang arbeitete Pete Dyes Nichte Cynthia Dye McGarey an dem Layout, ehe es realisiert werden konnte. Diese Detailarbeit resultierte in einem der besten und anspruchsvollsten Layouts Portugals. Wer sich hier die falschen Tees an der 1 aussucht, wird an vielen der Forced Carries scheitern. Aber selbst wer die richtigen Boxen wählt, muss sich noch mit wilden Grüns und fantastischen Bunkern auseinandersetzen, die jedoch etwas weniger Sand gebrauchen könnten.
Killerloch
Loch 7 ist schon unter normalen Umständen eine Domina: brutal und sexy. Tee und Grün des bis zu 537 Meter langen Par 5 liegen etwa auf einer Höhe, doch das Fairway in der Mitte hat eine tiefe Senke, in der sich eine Waste Area befindet, nach sintflutartigen Regenfällen im Februar temporär aber ein (als Boden in Ausbesserung gekennzeichneter) Teich. Wer das Green in Regulation dennoch erreicht, hat das Par immer noch nicht sicher, denn das Grün kippt von hinten nach vorne und hat zudem viele subtile Ondulierungen.
www.westcliffs.com



