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Costa de Prata – Teil 2

Silver Surfer

Von Rüdiger Meyer, Fotos: PR, Rüdiger Meyer

Wie die Häuser trägt auch der Platz eine renommierte Handschrift. Martin Ebert, der fast alle Open-Austragungsorte fit für die Majors gemacht hat, führte im Namen von Donald Steels Firma die Arbeiten aus. Das auf einem Hochplateau gelegene Gelände bietet auf den Front Nine nur wenige Highlights, darunter die um einen künstlichen See angelegten Bahnen 2 und 3 und den Abschlag der 4, von dem man einen traumhaften Ausblick über die Lagune von Óbidos hat. Richtig Fahrt nimmt die Runde allerdings erst auf den Back Nine auf, die durch das Villenviertel führt. Sei es Bahn 12, ein kurzes Par 4, in dessen Dogleg ein Teich ist, oder das bergab führende lange Par 3 der 13. In Erinnerung bleibt mir jedoch vor allem das Finale. Die erneut mit einem Blick auf die Lagune startende 17 ist ebenso reizvoll wie schwierig angelegt, und die 18 wird von einem erhöhten Abschlag in ein Dogleg gespielt, das in der Drive-Landezone von einem Graben gekreuzt wird. Der anschließende Schlag ins Grün ist ein echter Nerventest, vor allen Dingen wenn das am Fairway stehende Hotel in Zukunft wirklich einmal mit Leben gefüllt wird.

Dass es an der Silver Coast tatsächlich auch dieses Leben gibt, merkt man vor allen Dingen in Óbidos. Die 3.000-Einwohner-Stadt hat eine bewegte Vergangenheit von den Kelten bis zu den Römern hinter sich, aber den größten bleibenden Eindruck haben die Mauren hinterlassen. Sie erbauten das Schloss und die Stadtmauer, die bis heute zwei der größten Attraktionen Portugals sind. Innerhalb der spektakulären Mauern, auf denen ich trotz Höhenangst und fehlender Absicherungen einen Rundgang drehe, leben heute gerade einmal 50 Menschen, doch tagsüber strömen Tausende über die Kopfsteinpflasterstraßen. Und noch einmal deutlich mehr, wenn die Stadt im März ihr Schokoladen- und im Sommer ihr Mittelalter-Festival veranstaltet.

Costa de Prata:

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WER GLAUBT, DASS DIE IN EINEM 90°-DOGLEG IN DIE TIEFE FÜHRENDE 17 NICHT MEHR ZU ÜBERTREFFEN SEI, WIRD AM TEE DER 18 EINES BESSEREN BELEHRT.
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Den Namen der historischen Stadt hat auch das letzte Design von Severiano Ballesteros übernommen. 2012 eröffnete Royal Óbidos und bereits der Blick auf die Scorekarte zeigt, dass Seve den Platz für seinesgleichen und nicht meinesgleichen angelegt hat. Satte 6.692 Meter misst er von den Backtees, und obwohl ich die gelben Tees wähle, sind bei stürmischen Böen immer noch knapp 6.000 Meter zu bewältigen. Kein Wunder, dass hier zwischen 2020 und 2025 die Challenge Tour Station machte. Leider krankt Royal Óbidos an einem Problem, das viele Turnierplätze plagt: Die Wege vom Tee zum Grün sind streckenweise nicht nur lang, sondern auch steil, sodass die meisten Spieler zum Cart greifen. Dabei sind die Bahnen selber angenehmer zu gehen als zu spielen, denn Ballesteros' Hang zu Wasserhindernissen stellt viele Amateure vor Herausforderungen. Dies zeigt sich nirgends stärker als auf der fehlkonstruierten Bahn 12. Während mein 250 Meter carry schlagender Spielpartner einen entspannten Drive übers Dogleg spielt und mit keinen Hindernissen zu kämpfen hat, muss ich bei meinem Abschlag Wasser, Bunker und ein extrem schmales Fairway navigieren. Selten war eine Risk-Reward-Rechnung ungleicher verteilt als hier. Da trifft es sich gut, dass Planungen für ein Baugebiet am rechten Rand ein zukünftiges Neudesign sehr wahrscheinlich machen. Allen fairen und unfairen Herausforderungen zum Trotz ist Royal Óbidos ein unterhaltsames Design, das zu den besseren Plätzen Portugals gehört. Es hat nur ein Problem: Nur wenige Meter entfernt liegt ein Platz, der zur absoluten Spitze Kontinentaleuropas zählt.

Der 2017 von Cynthia Dye McGarey gestaltete West Cliffs ist nicht nur ein Test des eigenen Spielvermögens, er liefert auch einen hohen Unterhaltungsfaktor - wenn man denn die richtigen Tees wählt. Während mein Spielpartner Jamie von den Backtees die ganzen 6.382 Meter auskostet, gehe ich verschämt zu den Abschlägen mit der 55 und spare mir 800 Meter. Eine weise Entscheidung, denn weil Pete Dyes Nichte Cynthia Restriktionen beim Einsatz von Fairways und Grüns unterlag, sind von zahlreichen Abschlägen längere Carrys nötig, um überhaupt zum unterhaltsamen Teil zu kommen. Auch West Cliffs braucht ein wenig, um mir richtig Spaß zu machen. Weil die Investoren auch Geld am Verkauf von Immobilien verdienen wollten, führen die ersten vier Löcher zwischen Häusern durch. Zwar sieht man bereits bei der Anlage der Bahnen das Talent von Cynthia Dye durchschimmern, richtig ausspielen kann sie es aber erst ab Loch 5. Das kurze Par 3 wird auf ein erhöhtes, tückisches Grün gespielt, das von vorne nach hinten und von rechts nach links wegfällt. Wer hier nicht viel Spin auf den Ball bringt, kann sich bei vorne gesteckter Fahne schon mal mental einen Drei-Putt aufschreiben. Im Anschluss beginnt der wilde Teil des Platzes, der mit vielen Höhenunterschieden, traumhaft designten Bunkern und vielen Herausforderungen aufwartet. Als ich an der 9 an einer von ihnen scheitere, meinen zweiten Schlag deutlich nach links verziehe und in fünf Metern Tiefe einen Ball an der Greenkeeper-Hütte entdecke, stehe ich vor einer Gewissensentscheidung.

Costa de Prata: Lesen im Divotsatz: 'Sie treffen den Slice ihrer Albträume!' (r.)Costa de Prata: Lesen im Divotsatz: 'Sie treffen den Slice ihrer Albträume!' (r.)
Lesen im Divotsatz: 'Sie treffen den Slice ihrer Albträume!' (r.)
Nicht etwa weil ich mich frage, ob ich den Ball hole. Schließlich sind keine Aus-Pfähle zu sehen und die Chance auf ein Par ist nicht ausgeschlossen. Als ich unten bin, entdecke ich, dass es nicht mein Ball ist. Stattdessen prangt auf dem Ball ein fettes goldenes Logo: "Trump Scotland". Nachdem ich kurz überlege, den durch diese Schmiererei verschandelten Ball in den nächsten Teich zu werfen, überzeugen mich meine Spielpartner, ihn auf den Back Nine ins Spiel zu bringen - nur um mich anschließend neun Löcher lang zu verspotten. Als ich gleich an der 10 die erste realistische Birdie-Chance des Tages habe, legt man mir nahe, doch dazu zu stehen und meine rote Mütze mit den großen weißen Lettern aus dem Bag zu holen. Und als der dritte Putt in Folge unter dem Loch entlangläuft, wird gefragt, warum ich den Ball nicht weiter links anhalte, man wisse doch, dass Trump eine Rechts-Tendenz habe. Doch mein Roasting ist nicht der einzige Faktor, der die Laune des Flights hebt, denn auf den Back Nine reiht sich ein Highlight an das nächste und die letzten fünf Bahnen sind eines der besten Finishes in Europa. Die 14 ist ein bergab führendes, kurzes Par 4, das kein Wasser und nur einen Bunker, dank des tückischen erhöhten Grüns aber völlig zu Recht Stroke Index 2 hat. Es folgen ein kurzes Par 5, das eine realistische Birdie-Chance bietet, und ein brillantes Par 3, das von den Backtees anders als von der erhöhten vorderen Teebox einen blinden Schlag ins Grün erfordert. Und wer glaubt, dass die in einem 90°-Dogleg in die Tiefe führende 17 nicht mehr zu übertreffen sei, wird am Tee der 18 eines Besseren belehrt. Obwohl der Abschlag erhöht ist, muss man für die Ideallinie eine Düne überspielen. Wer aus Angst rechts davon ausweicht, wird mit einem 180-Meter-Schlag auf ein von einem Teich verteidigtes Grün konfrontiert. Dass mein Trump-Ball hier sein nasses Grab findet, ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil mir das Triple-Bogey eine eigentlich gute Runde zerstört, und Segen, weil ich nicht in Versuchung gerate, den Ball mit nach Hause zu nehmen. Ein goldener Ball wäre einfach das falsche Andenken an die Silver Coast.

 

Golfplätze in der Region

Praia d'el Rey

Praia d'el Rey

18 Löcher, Par 73, 6.434 Meter

Adresse
Avenida Dom Pedro Primeiro
2510-452 Vale de Janelas
Tel. + 351 262.905.005
praia-del-rey.com

Greenfee
bis 02. Juli: 122 Euro, 03. Juli bis 05. September: 82 Euro, 06. Sept. bis 13. November: 94,50 Euro, 15. November bis 28. Februar '27: 89 Euro

Bevor die Silberküste zur Golf-Destination wurde, gab es bereits Praia d'El Rey. 1997 öffnete das Design von Cabell B. Robinson seine Pforten. Auf den Front Nine arbeitet man sich zwischen Villen hindurch Richtung Wasser, spielt ein Par 3 parallel zum Meer und biegt danach in einen Pinienwald ab, wo Genauigkeit höchste Priorität hat. Die Back Nine sind dann zu großen Teilen so nah am Wasser gebaut wie man selber, wenn man die Schönheit dieser Bahnen erblickt. Nur schade, dass es zum Finale noch einmal zwischen den Villen entlanggeht.

Killerloch
Nur drei Par 4 sind kürzer als die von den Backtees 375 Meter lange 15 und dennoch hat sie auf der Scorekarte die dritthöchste Schwierigkeit. Dies liegt zum einen an der exponierten Lage direkt am Meer, die dem Wind volle Angriffsfläche bietet. Zum anderen befindet sich direkt in der Landezone ein Hügel, in den zwei Bunker modelliert wurden, aus denen man nur mit dem Sand Wedge aufs Fairway pitchen kann.
www.praia-del-rey.com

Guardian Bom Sucesso

Guardian Bom Sucesso

18 Löcher, Par 72, 6.238 Meter

Adresse
Avenida do Hotel Nş 1
2510-662 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.310
bomsucessoresort.pt

Greenfee
ca. 80 Euro

Der von Martin Ebert und Donald Steel designte Platz beginnt unspektakulär. Die neben dem Parkplatz beginnenden Front Nine weisen zwar schon Höhenunterschiede auf, die Bahnen sind jedoch typisch Resort-Platz. Dies ändert sich auf den Back Nine. Die Löcher werden mutiger, unkonventioneller und steigern sich in ihrer Qualität, bis sie von der 16 bis zur 18 in einem fantastischen Crescendo enden. Die leer stehenden Häuser, die wie ein Museumsdorf die Fairways säumen, stören allerdings den Gesamteindruck.

Killerloch
Bahn 17 von Bom Sucesso liegt auf dem höchsten Punkt der Anlage und bietet einen spektakulären Blick auf die Umgebung. Doch davon sollte man sich nicht ablenken lassen, schließlich fordert das 525 Meter lange Par 5 bei jedem Schlag höchste Konzentration. Die im Birdie-Book wie eine Amöbe aussehende Bahn schlängelt sich wie ein gespiegeltes C mit einem engen Fairway um eine Schlucht und endet in einem brillanten Grün, das gleichzeitig erhöht und in einer Senke liegt.
www.bomsucessoresort.pt

Royal Óbidos

Royal Óbidos

18 Löcher, Par 72, 6.692 Meter

Adresse
Cabeço da Serra 2510-665 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.220
royalobidos.com

Greenfee
bis 31. Mai, September u. Oktober: 94 Euro, Juni bis August: 77 Euro, ab November: 73,75 Euro

Dass Royal Óbidos das letzte Design von Seve Ballesteros ist, merkt man bereits an der Länge. Massive 6.700 Meter misst das Par 72 von den Backtees und anders als bei den anderen drei Plätzen der Silberküste spielt hier Wasser eine massive Rolle, vor allem auf den Back Nine. Dies allerdings nicht wegen des Ozeans, den man nur in der Ferne sieht, sondern durch neun künstliche Teiche, die sieben Grüns auf tückische Weise verteidigen. Selten sah man die Persönlichkeit eines Architekten deutlicher, denn vom Tee reduzierte der wild drivende Spanier das Wasser, aber beim Spiel ins Grün setzt der Eisen-Zauberer auf Präzision.

Killerloch
Bahn 2 ist ein Par 5, das kaum härter sein könnte. Auf der von den Backtees 548 Meter langen Bahn hat Seve die Drive-Landezone zum Flaschenhals gemacht. Longhitter können den Teich zwar überspielen, müssen dann aber zwei Bunker navigieren. Wer vor den Teich vorlegt, hat von dort an auf der linken Seite nur Wasser, das das Grün an drei Seiten verteidigt. Man könnte es niemandem verübeln, danach frustriert vom Platz zu gehen und lieber die direkt nebenan liegende Minigolf-Anlage auszuprobieren.
www.royalobidos.com

Royal Óbidos

West Cliffs

18 Löcher, Par 72, 6.382 Meter

Adresse
Estrada do Rio Cortiço 4
2510-665 Vau, Óbidos
Tel. + 351 262.249.880
westcliffs.com

Greenfee
ca. 189 Euro (bis 15. Nov.), ca. 135 Euro (ab 15. Nov. - Feb. 2027)

Elf Jahre lang arbeitete Pete Dyes Nichte Cynthia Dye McGarey an dem Layout, ehe es realisiert werden konnte. Diese Detailarbeit resultierte in einem der besten und anspruchsvollsten Layouts Portugals. Wer sich hier die falschen Tees an der 1 aussucht, wird an vielen der Forced Carries scheitern. Aber selbst wer die richtigen Boxen wählt, muss sich noch mit wilden Grüns und fantastischen Bunkern auseinandersetzen, die jedoch etwas weniger Sand gebrauchen könnten.

Killerloch
Loch 7 ist schon unter normalen Umständen eine Domina: brutal und sexy. Tee und Grün des bis zu 537 Meter langen Par 5 liegen etwa auf einer Höhe, doch das Fairway in der Mitte hat eine tiefe Senke, in der sich eine Waste Area befindet, nach sintflutartigen Regenfällen im Februar temporär aber ein (als Boden in Ausbesserung gekennzeichneter) Teich. Wer das Green in Regulation dennoch erreicht, hat das Par immer noch nicht sicher, denn das Grün kippt von hinten nach vorne und hat zudem viele subtile Ondulierungen.
www.westcliffs.com

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