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Die angenehmsten Orte der Welt

Terras Da Comporta

Von Jan Langenbein

Tief im Westen Europas locken seit Neuestem 18 Spielbahnen, an denen eine knappe Ewigkeit gearbeitet wurde. Umso schneller werden sie nun aber in den Rankings der besten Golfplätze des Kontinents nach oben schießen, garantiert.

Mit knapp fünfeinhalb Millionen ausländischen Besuchern im Jahr 2022 schoss Lissabon in die Top Ten der bei Touristen beliebtesten Städte Europas und ließ dabei selbst Metropolen wie Rom, Berlin oder Wien hinter sich. Ein paar Zehntausend dieser Horden dürften auch Golfer gewesen sein, denn neben einer bildhübschen Altstadt, einer grandiosen Küche und dem angenehm milden Klima bietet das Umland von Portugals größter Stadt mit famosen Wiesen wie Penha Longa oder Oitavos Dunes mindestens eine Handvoll guter Gründe, die Golfschläger im Travelcover zu verstauen und den gut dreieinhalbstündigen Flug von Deutschland nach Lissabon anzutreten. Beide Plätze krönten bereits Sieger der Open de Portugal in einer Zeit, als dieses Traditionsturnier noch Teil der European Tour war. Genau wie die 18 Löcher von Troia Golf, einem Robert-Trent-Jones-senior-Design auf der abgeschiedenen Tróia-Halbinsel. Die liegt Luftlinie zwar nur 35 Kilometer südöstlich vom Stadtzentrum Lissabons entfernt, die spektakuläre Anreise erfolgt aber über die gigantische Brücke des 25. April und schließt eine Fährfahrt mit ein. So nett diese Golfplätze im Speckgürtel Lissabons auch sein mögen, was der Region zur Golf-Destination der absoluten Spitzenklasse noch fehlte, war eine Anlage von unbestreitbarer Weltklasse, die nicht nur Kurzstreckenflüge buchende Genuss-Golfer aus der Europäischen Union anlockt, sondern auch Bag-Tag-Barrys aus Übersee, deren Reiseplanung sich ausschließlich nach Ranglisten der 100 besten Golfplätze der Welt richtet. Dieser Mangel ist spätestens seit der Eröffnung der 18 Löcher von Terras da Comporta im Spätsommer vergangenen Jahres behoben. Bis am südlichen Ende der Tróia-Halbinsel jedoch die Golfbälle fliegen konnten, war es ein langer und zäher Weg.

Die angenehmsten Orte der Welt: Sandkastenspiele: Zumindest beim Ausstieg wird Hilfe angeboten (l.)Die angenehmsten Orte der Welt: Sandkastenspiele: Zumindest beim Ausstieg wird Hilfe angeboten (l.)
Sandkastenspiele: Zumindest beim Ausstieg wird Hilfe angeboten (l.)

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DIESER PLATZ FORDERT SPIELER DAZU HERAUS, DIE KONTUREN DES GELÄNDES ZU LESEN UND DEN BALL ÜBER HÜGEL UND SENKEN SPRINGEN ZU LASSEN.
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Erste ernst zu nehmende Pläne, in den ausufernden Sanddünen von Comporta, einem verschlafenen Küstenörtchen 50 Kilometer südlich der Lissaboner Altstadt gelegen, einen Golfplatz zu bauen, wurden 2008 von keinem Geringeren als David McLay Kidd zu Papier gebracht. Mit weltweit gefeierten Spitzenplätzen wie Bandon Dunes und Machrihanish Dunes hatte sich der gebürtige Schotte längst in die Ruhmeshalle der größten Golfplatzarchitekten aller Zeiten katapultiert und galt als unangefochtener Experte für neue Designs auf Sandboden. Und Sand gab es in Comporta in rauen Mengen. "Mir war vom ersten Besuch an klar, dass dieses Grundstück mindestens neun von zehn möglichen Punkten verdient", erinnerte sich David McLay Kidd bei der Eröffnung von Terras da Comporta. "Es war also meine Pflicht, hier einen Golfplatz zu bauen, der auch mindestens neun von zehn Punkten verdient." Eine die Weltwirtschaft an den Abgrund führende Rezession, ein bankrotter Unternehmer und zu guter Letzt noch eine weltweite Pandemie mit Lockdowns und Ausgangssperren ließen jedoch zusammengenommen über Jahre hinweg die Maschinen in Comporta stillstehen und im wahrsten Sinne des Wortes Gras über McLay Kidds Design wachsen, ehe sich 2019 die größte Immobiliengesellschaft Portugals des brachliegenden Projekts annahm und auch den Designer zurück nach Comporta brachte. Weit mehr als ein Jahrzehnt nach dem ersten Spatenstich konnte der Dunas Course von Terras da Comporta im Oktober 2023 endlich der staunenden Golf-Weltöffentlichkeit präsentiert werden. Und siehe da, die nahezu unendliche Wartezeit und all die Querelen bei der Entstehung der 18 Löcher waren nicht umsonst. McLay Kidd gelang an der portugiesischen Atlantikküste ein Design, das sich mit neuen Golfpilgerstätten wie Bandon Dunes am Pazifik oder Sand Valley im Herzen Wisconsins durchaus messen kann. Kein Wunder, schließlich hatte der Schotte auch bei diesen amerikanischen Über-Golf-Resorts seine Finger im Spiel.

Obwohl der Atlantik vom Dunas Course nie sichtbar, höchstens hörbar ist und der dichte Pinienwald abseits der Spielbahnen den hier ständig wehenden Wind spürbar entschärft, ist sich der Schöpfer dieses Designs absolut sicher, um welche Gattung von Golfplatz es sich hier handelt: "Terras da Comporta ist ein Links-Platz, kein Zweifel. Man spielt so nah am Strand, wie es in Portugal möglich ist, durch massive Dünen mit bis zu 30 Metern Höhenunterschied auf Sandboden und Fescue-Gras. Dieser Platz fordert Spieler dazu heraus, die Konturen des Geländes zu lesen und den Ball über Hügel und Konturen springen zu lassen." Riesige Sandflächen abseits der Fairways, anstelle von dichtem Rough im Vergleich zu unnachgiebigen Topfbunkern zumindest etwas zahmere Blow out-Bunker rund um die Grüns und die in Portugal im Vergleich zu den Küsten Schottlands oder Irlands selbstverständlich meist viel angenehmeren Wetterbedingungen dürften in Zukunft jedoch auch eingefleischte Links-Skeptiker nach Terras da Comporta locken. Ein waschechter Links-Platz, der von einem veritablen Stararchitekten designt wurde, in Verbindung mit den klimatischen und kulinarischen Vorteilen Südeuropas ist schließlich ein absolutes Novum.

Die angenehmsten Orte der Welt:
Ebenso neu für ein Golfprojekt dieser Tragweite ist der nachhaltige Ansatz, der sowohl für den Golfplatz als auch für die dazugehörigen Gebäude wie das Clubhaus und die geplanten Lodges und das Hotel gewählt wurde. "Ich habe lange Gespräche mit den Greenkeepern geführt, die natürlich einen saftig grünen Golfplatz bevorzugen. Doch ich habe sie überzeugt, dass ein guter Golfplatz auf Sandboden im Sommer nicht unbedingt grün sein muss. Diese Gegebenheit spielt sich am besten, wenn die Fairways und Grüns hart und trocken sind. Nur so kommen die subtilen Konturen zur Geltung und ganz nebenbei sparen wir Unmengen an Trinkwasser", beschreibt McLay Kidd seine Philosophie. Große Teile der Gebäude der Anlage werden aus Holz der direkten Umgebung errichtet, was den CO2-Fußabdruck von Terras da Comporta gering hält. Zudem fügt sich die Farbe dieses Baustoffes äußerst harmonisch in die natürliche Schönheit der Landschaft ein. Menschengemachte Fremdkörper und Farben, die an diesem Ort nicht vorkommen, sucht man in Terras da Comporta vergebens.

Die angenehmsten Orte der Welt: Frühschicht: Auch ein Sandkasten braucht Pflege
Frühschicht: Auch ein Sandkasten braucht Pflege
Da sich die Besitzer im Klaren darüber sind, dass keine Golf-Destination der Spitzenklasse mit 18 Löchern auskommen kann, buddelt die Mannschaft von Terras da Comporta bereits für den zweiten Championship-Platz der Anlage in den Dünen, diesmal unter der Anleitung von Sergio Garcia. Das Torre Course getaufte Projekt soll 2025 eröffnet werden, ist also noch Zukunftsmusik. Bis dahin gilt es, erst einmal David McLay Kidds fertiges Meisterwerk zu entdecken.

 
WOHNEN

WOHNEN

ALMALUSA COMPORTA
Bis die zwischen den Pinien und Fairways versteckten Lodges von Terras da Comporta bezugsfertig sind, kommen Golfer am besten im wenige Kilometer entfernten "AlmaLusa Comporta" unter. Die geschmackvolle Einrichtung dieses schicken Boutique-Hotels mit 53 Zimmern, von denen 31 stattliche Suiten sind, besteht ausschließlich aus Arbeiten von lokalen Künstlern und Handwerkern und von der Bar auf der Dachterrasse bietet sich jeden Abend bei hervorragenden Cocktails ein famoser Blick über die benachbarten Reisfelder von Comporta und den keine 500 Meter entfernten Atlantik.
www.almalusahotels.com

Golfplätze in der Region

Dunas Course

Dunas Course

18 Löcher, Par 71, 6.646 Meter

Adresse
Estrada N261 km 1.8
7570-788 Carvalhal, Portugal
Tel. +351 269.096.583
www.comporta.com

Greenfee
185 Euro

Aufgrund einer Bankenpleite gefolgt von einer Pandemie dauerte es von den ersten Arbeiten bis zur Fertigstellung des Dunas Course unglaubliche 15 Jahre. Doch seit Ende des vergangenen Jahres hat dieses spektakuläre David-MacLay-Kidd-Design auf der Tróia-Halbinsel nun endlich seine Tore für Golfer aus aller Welt geöffnet. Und es ist sicher keine Übertreibung zu behaupten, dass die Golfpilger wirklich aus allen Ecken des Planeten hierher wallfahren werden. Schließlich erinnern diese über unendliche Sanddünen und durch wunderschönen Pinienwald verlaufenden 18 Löcher an Klassiker wie Pinehurst oder Bandon Dunes und in Kombination mit der portugiesischen Gastfreundschaft des Teams von Terras da Comporta und erstklassigem Service bietet diese Anlage das wahrscheinlich Beste aus zwei Welten.

Killerloch
Die 13 ist zwar nicht das kniffligste Par 4 des Platzes, der erhöhte Abschlag allerdings mit Abstand der spektakulärste. Von weit über dem Fairway können Bomben in Richtung Spielbahn gezündet werden, die eine gefühlte Ewigkeit in der Luft stehen und trotz 409 Metern von den Backtees oft nur ein Wedge zur Fahne nach sich ziehen.
www.comporta.com

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