Featured StoriesFeatured Stories

Los Cabos – Teil 2

Birdies Con Care

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Rüdiger Meyer

Das laue Lüftchen heute hat aber nicht nur auf die Scorekarte positive Effekte. Sie sorgt auch für eine extrem ruhige See, sodass ein Segeltörn zum Sonnenuntergang plötzlich extrem einladend klingt. Wir sind nicht die Einzigen mit dieser Idee. Ein Boot nach dem anderen macht sich vom Hafen von Cabo San Lucas auf zum Arch of Cabo San Lucas. Der aus einem Granitfelsen geformte Bogen stellt die Grenze zwischen dem Pazifik und dem Golf von Kalifornien dar - oder der Cortezsee, wie die Einheimischen es nennen - und ist zum Wahrzeichen der Region geworden. Obwohl an diesem Tag ausnahmsweise mal keine Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen, streiten sich Dutzende Boote um die Poleposition vor dem Bogen, damit die Touristen in ihren Fotos die Illusion wahren können, man habe es hier mit einem ungestörten Stück Natur zu tun. Allerdings werden die Kameraobjektive schnell in eine andere Richtung ausgerichtet, als klar wird, dass wir Touristen nicht die Einzigen sind, die einen Blick auf El Arco erhaschen wollen. Ein Buckelwalpaar auf dem Weg ins Wintergefilde gibt sich bereits vor der offiziellen Walsaison von Mitte November bis April die Ehre, spritzt kleine Wasserfontänen aus den Blaslöchern und taucht mit seinen imposanten Schwanzflossen wieder im Meer unter wie kurz darauf auch die knallrote Sonne.

Nach diesem Highlight ist es Zeit, sich vom Ozean zu verabschieden und im Landesinneren das wahre Baja California zu entdecken. Hier zählt beispielsweise der Fox Canyon zu den bisher noch unentdeckten Höhepunkten. Am Rande eines Gebiets, das eine Palmenoase und Mangoplantagen zu bieten hat, gibt es ein felsiges Tal mit Wasserbecken, die einen Wasserfall speisen, den man in 90 Minuten umwandern oder unter dem man zur Abkühlung schwimmen kann.

Los Cabos: MythBusters: Was passiert, wenn man ein Mentos in den See wirft?
MythBusters: Was passiert, wenn man ein Mentos in den See wirft?

»
SEIT 1992 DAS ERSTE NICKLAUS-DESIGN IM PALMILLA GOLF CLUB ERÖFFNETE, VERMEHRTEN SICH HIER DIE GOLFPLÄTZE WIE DIE STECHMÜCKEN NACH DER REGENZEIT.
«

Das sollte man im Cabo San Lucas Country Club nicht tun. Zwar gibt es einige Wasserhindernisse, doch für die Bewässerung wird aus ökologischen Gründen Brauchwasser eingesetzt. Das 1994 eröffnete Par 72 gehört zu den ältesten Golfplätzen von Los Cabos. "Der sandige Lehmboden lässt sich butterweich profilieren", schwärmte Architekt Roy Dye, der während des Baus an Krebs verstarb, weshalb sein Sohn Matt das Layout fertigstellte. Das zum Los Cabos Golf Resort gehörende Par 72 ist eines der günstigeren Golf-Angebote, wofür man lange Zeit einen nicht akzeptablen Pflegezustand vorfand - auch weil ein Hurrikan über viele Jahre Spuren hinterlassen hatte. Dies hat sich zuletzt gebessert. Der Club hat ordentlich Geld investiert, sodass aktuell nur noch die Teeboxen Pflegeprobleme aufweisen. Die größte Verbesserung kam aber durch den kalifornischen Golfarchitekten David Fleming, der Mitte der 2010er die Löcher 10 und 11 neu gestaltete, die sich mit ihren tollen Bunker-Landschaften vom Rest des Platzes abheben. Die anderen 16 Bahnen sind mit ihren breiten Fairways und den ebenso gut spielbaren Waste Areas keine große Herausforderung, auch wenn die Länge mit 6.618 Metern von den Backtees schon sehr sportlich ist und ein Teich zwischen den parallel verlaufenden Schlussbahnen der beiden Neunlochschleifen zum Bällegrab werden kann.

Doch zum Trauern gibt es keinen Grund, schon gar nicht in Mexiko. Einerseits, weil die Sonne jeden Ärger über das eigene Spiel verdampfen lässt, andererseits weil in Mexiko jedes Jahr mit einem rauschenden Fest an die Toten erinnert wird. Der in der Nacht vom 01. auf den 02. November gefeierte Dia de los Muertos wirkt auf den ersten Blick vielleicht wie die mexikanische Version von Halloween, ist aber viel mehr und allgegenwärtig. Bunte Totenkopf-Fähnchen hängen über den Straßen, Restaurant-Eingänge werden mit Schädelpyramiden verziert, überall sind Blumen zu sehen und sogar in einigen Pro-Shops schlägt sich das Fest nieder. In Puerto Los Cabos etwa gibt es Ballmarker und Schlägerhauben, auf denen ein Skelett eine Margarita zwischen den Fingerknochen hält.

Los Cabos: Nach drei Triple-Bogeys: Abschiedsgeschenk von Odysseus (l.)Los Cabos: Nach drei Triple-Bogeys: Abschiedsgeschenk von Odysseus (l.)
Nach drei Triple-Bogeys: Abschiedsgeschenk von Odysseus (l.)
Ausgestattet mit dem neuen Merchandise geht es auf die 27-Loch-Anlage. 2007 bauten Greg Norman und Jack Nicklaus im Osten von San José del Cabo jeweils neun Löcher hoch über dem Golf von Kalifornien beziehungsweise der Cortezsee, zehn Jahre später kehrte der "Golden Bear" zurück, um weitere neun zu errichten. Nicklaus' Ocean- und Vista-Schleifen sind an diesem Tag auch die vorbestimmten 18 Löcher und lassen keine Wünsche offen. Der aufgrund der langen Wege und großen Höhenunterschiede ebenfalls nur mit einem Cart zu befahrene Platz bietet spektakuläre erhöhte Teeboxen, atemberaubende Blicke aufs Meer und vier Pausen-Palapas. In den Palmdach-Hütten warten ein Barkeeper und ein Koch darauf, für das leibliche Wohl der Golfer zu sorgen. Und angesichts der kostenlosen hochprozentigen Getränke muss man froh sein, dass die Polizei auf den 18 Bahnen keine Alkoholkontrolle durchführt - zumal einem auch ganz ohne Spirituosen angesichts der extrem kurvigen Cartwege mächtig schwindlig werden kann.

Der Ocean Course beginnt unspektakulär mit einem Par 5 und drei Par 4, die wenige Highlights bieten, jedoch bereits einen deutlichen Unterschied gegenüber den anderen Plätzen aufzeigen. Nicklaus verzichtet weitestgehend auf Waste Areas, setzt dafür aber auf viele klassische Bunker, die in künstlich erzeugte Hügel geschnitten sind. Dazu sind die Tees so angelegt, dass es immer wieder - machbare - Forced Carries über undurchdringliches Gestrüpp gibt, so auch an Bahn 5. Das Fairway des Par 4 verläuft diagonal nach rechts, sodass sich jeder die Linie anhand der eigenen Carry-Distanz suchen muss.

Los Cabos:
Anschließend bestimmt ein trockenes Flussbett, das sich 50 Meter vor dem Grün durchs Fairway zieht, die Schlägerwahl: Bleibt man defensiv und legt vor oder greift man das spektakulär bis an die Klippen gebaute Grün an? Auch die 6, ein bis zu 198 Meter langes Par 3, das sich zwischen ein Hotel und die Cortezsee zwängt, ist so spektakulär wie sportlich anspruchsvoll. Die neun neuen Löcher des Vista Course liegen etwas mehr im Landesinneren und kommen nicht mehr so nah ans Meer, belegen dafür aber das aufregendere Gelände mit großen Höhenunterschieden, Flussbetten und mehr Spielraum in der Breite. Highlights wie die 2, deren Fairway und Grün inselartig zwischen tiefen Arroyos liegen, oder die in eine Art Punchbowl Green mündende 8 sorgen dafür, dass man das immer wieder in der Ferne aufblitzende Meer kaum vermisst. Obwohl der Vista zehn Jahre später entstand, wirkt er in Kombination mit dem Ocean wie aus einem Guss. "Die Größen der Grüns und die Bunker-Formen sind nahezu gleich. Wenn man es vorher nicht wüsste, würde man nicht vermuten, dass die Löcher zu unterschiedlichen Zeiten gebaut wurden", gab sich Nicklaus' Chef-Designer Jim Lipe bei der Eröffnung stolz, durch die die Zahl an Nicklaus-Plätzen in der Region auf sechs erhöht wurde. Kein Wunder, dass manche für Cabo San Lucas scherzhaft schon längst einen anderen Spitznamen gefunden haben: Cabo San Nicklaus.

 

Golfplätze in der Region

Quivira Golf

Quivira Golf

18 Löcher, Par 72, 6.418 Meter

Adresse
Predio Paraíso Escondido s/n
23450 Cabo San Lucas,
Tel. +52 624.142.9973
quiviraloscabos.com

Greenfee
Oktober bis Mai: 400 Euro (ab 11 Uhr: 350 Euro, ab 12:45 Uhr: 310 Euro), Juni bis September: 340 Euro (ab 11 Uhr: 300 Euro, ab 12:45 Uhr: 260 Euro)

Bereits die Auffahrt zum Golfplatz des Pueblo Bonito Golf & Spa Resort ist beeindruckend. Nach Passieren des Wachhauses geht die Fahrt noch zehn Minuten weiter, bis man das Clubhaus des riesigen Resorts erreicht. Lange Wege sind auch auf dem Platz Programm, dessen Löcher Jack Nicklaus 2014 immer an den spektakulärsten Punkten baute. Wann immer der Kurs wie auf den Löchern 6, 7, 12, 13 oder 14 dem Ozean sehr nahe kommt, schlägt der Puls so hoch wie der eines Verliebten beim dritten Date. Das Erstaunliche ist aber, dass auch die auf vermeintlich langweiligerem Land entstandenen Bahnen spektakulär und strategisch interessant designt sind.

Killerloch
Keine Frage: Loch 6 ist ein sensationelles Erlebnis. Zuerst wird die lange Cartfahrt mit einer Verpflegungsstation in spektakulärer Lage belohnt, im Anschluss gibt es ein kurzes Par 4 der Träume. Am Tee stellt sich die Frage, ob man mit einem aggressiven Drive aufs Grün angeben oder lieber auf Nummer sicher spielen will, und ist man im Dogleg angekommen, öffnet sich der Blick auf ein spektakulär vor dem Meer gelegenes Grün.
www.quiviraloscabos.com

Diamante el Cardonal

Diamante el Cardonal

18 Löcher, Par 73, 6.615 Meter

Adresse
Diamante Blvd.,
23473 Cabo San Lucas
Tel. +52 624.144.2900
diamantecabosanlucas.com

Greenfee
Nur spielbar als Hauseigentümer, -gast, Pro-Am-Spieler oder Teilnehmer einer Verkaufspräsentation (Greenfee dann gerüchteweise 215 Euro).

Auch wenn Tiger Woods' erstes Design gegenüber dem Dunes Course von Diamante verblasst, ist es ein ansehnliches Debüt. Vom Tee lässt Tiger viel Raum zum Streuen, jedoch ist eine gesunde Länge eine Grundvoraussetzung, um hier bestehen zu können. Die variantenreiche Anlage der Grüns zeugt davon, dass Tiger entweder eine Zukunft im Golfdesign hat oder sich gutes Fachper- sonal gesichtert hat.

Killerloch
Das vom Backtee gerade mal 140 Meter lange Par 3 kalkuliert ein, dass hier gerne mal Gegenwind herrscht. Hinzu kommt, dass man vom Tee den Eindruck eines Bergab-Schlags bekommt, das Grün in Wirklichkeit aber höher liegt. Diese optische Illusion wird von einer Schlucht erzeugt, die die gesamte Fläche zwischen Tee und dem sehr schmalen Grün einnimmt. Nicht umsonst das Signature Hole des Platzes.
www.diamantecabosanlucas.com

Cabo San Lucas Country Club

Cabo San Lucas Country Club

18 Löcher, Par 72, 6.615 Meter

Adresse
Via de Carlos Lote 601 s/n
23410 Cabo San Lucas
Tel. +52 624.147.7594
cabocountry.com

Greenfee
Oktober bis Mai: 400 Euro (ab 11 Uhr: 350 Euro, ab 12:45 Uhr: 310 Euro), Juni bis September: 340 Euro (ab 11 Uhr: 300 Euro, ab 12:45 Uhr: 260 Euro)

Auf dem Totenbett zeichnete Pete Dyes Bruder Roy sein letztes Loch, das Roys Sohn Matt mit dem Rest des Platzes in die Tat umsetzte. Davon ist jedoch wenig übrig. Erst vernichtete ein Hurrikan den halben Platz, dann gab es zwei komplette Redesigns. Zuletzt kürzte der Mexikaner Agustin Pizá die Back Nine und baute mit Bahn 11 ein starkes Par 3. Die vielen Redesigns haben allerdings für ein konfuses Routing gesorgt, so muss man nach der 7 einen Kilometer zurückfahren, obwohl die heutige 17 direkt danebenliegt.

Killerloch
Ein 558 Meter langes Par 5 würde selbst auf der PGA Tour eine steile Aufgabe sein. Auf einem Resort-Platz hingegen wirkt es wie der Mount Everest. Der entspannteste Schlag dabei ist der Drive. Beim Lay-up verengen dagegen zwei Fairway-Bunker auf der linken und ein Teich auf der rechten Seite die Landezone. Das Wasser zieht sich bis zum sehr kleinen Grün rechts entlang, sodass man sich für ein Par auf dieser Bahn ruhig kräftig auf die Schulter klopfen darf.
www.cabocountry.com

Cabo San Lucas Country Club

Puerto los Cabos

9 Löcher, Par 36, 3.270 Meter (Ocean),
9 Löcher, Par 36, 3.142 Meter (Vista),
9 Löcher, Par 36, 3.142 Meter (Mission)

Adresse
Boulevard Mar de Cortez s/n,
La Playa, 23403
Tel. +52 (624) 146-9659
puertoloscabos.com

Greenfee
01. November bis 15. Mai: 340 Euro (ab 12 Uhr: 275 Euro, ab 13:30 Uhr: 250 Euro), 16. Mai bis 30. Juni und 16. bis 31. Oktober: 290 Euro (ab 12 Uhr: 235 Euro, ab 13:30 Uhr: 215 Euro), 01. Juli bis 15. Oktober: 240 Euro (ab 12:30 Uhr: 180 Euro) Tipp: Mit dem Triple Crown Golf Pass kann man je eine Runde auf Puerto Los Cabos, Cabo Real und dem Club Campestre San José für 443 Euro (Juli bis Oktober) bis 628 Euro (November bis Mai) spielen.

Bis 2018 bestand der Platz aus neun Nicklaus-Löchern auf flachem Terrain und neun Norman-Löchern mit wilden Höhenunterschieden - keiner wilder als der auf Bahn 7. Mit Nicklaus' Rückkehr und der neuen Vista-Schleife wirkt der Platz jetzt mehr aus einem Guss, was das Routing und das Bunkering angeht. Und dennoch bietet fast jeder Abschlag ein optisches Highlight, seien es Höhenunterschiede, Meeresblick oder Forced Carries.

Killerloch
Die 5 des Ocean ist nicht nur das spektakulärste Loch, sondern auch eines der schwierigsten. Obwohl man die zwischenzeitig in ein brutales Par 4 veränderte Bahn wieder zurück in ein Par 5 verwandelte, ist das bis zu 486 Meter lange Monster auf der Scorekarte noch immer die drittschwierigste Bahn. Dies liegt an den zwei frontalen Hindernissen, die vom Tee und auf dem Weg ins Grün überwunden werden müssen - und an dem lang gezogenen, anspruchsvoll ondulierten Grün selber.
www.puertoloscabos.com

Featured Stories