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Buyer's Guide 2023

Driver

Von Jan Langenbein, Fotos: PING, TAYLORMADE, PR, CALLAWAY, COBRA, MIZUNO, SRIXON

Während Callaway und Taylormade mehr Carbon in ihren neuen Topmodellen verbauen, als Jean Pierre Kraemer an einen Supra kleben kann, geht man in Japan ganz andere Wege. Das Ziel ist jedoch stets dasselbe: mehr Länge bei gleichzeitig steigender Fehlertoleranz. Nicht alle Marken scheinen mit dieser Aufgabe ausgelastet zu sein, denn offensichtlich blieb noch Zeit für Werbeslogans aus dem Zufallsgenerator.

PASST GENAU

Bild oben: Drei grundverschiedene Paradym-Modelle decken das gesamte Handicap-Spektrum ab


In einer Saison, in der bisher schrittweise Verbesserungen der Schlägermodelle aus dem vergangenen Jahr den Ton angeben, schwimmt Callaway gegen den Trend und präsentiert eine radikale Abkehr von der Bauweise der eigenen Driver der vergangenen Jahre. Nach dem Gesetz der Serie stünden bei Callaway für 2023 eigentlich neue Epic-Schläger auf dem Programm, doch die neuen Paradym-Driver sind aus technologischer Sicht ein derartiger Paradigmenwechsel, dass man sich in Kalifornien dafür entschied, auch in Sachen Namensgebung vollkommen neu anzufangen.

Doch was ist aus technischer Sicht neu an den drei Paradym-Modellen? Zum ersten Mal kommt in einem Driver ein 360-Carbon-Chassis zum Einsatz. Abgesehen von der Schlagfläche und dem verstellbaren Gewicht im hinteren Teil des Schlägerkopfs wird kein Titan mehr verwendet. Der gesamte Mittelbau der Paradym-Driver besteht somit aus einem Carbon-Teil, das die kompletten 360 des Kopfs umschließt. Evan Gibbs, Entwicklungschef für Hölzer bei Callaway, erklärt die Vorteile dieser neuen Bauweise: "Die Verbindung aus der besonders dünnen Triaxial-Carbon-Krone aus zusammenhängenden Carbon-Fasern und der Schlägersohle aus Forged Carbon, das aus klein geschnittenen Carbon-Fasern durch ein Schmiedeverfahren in Form gebracht wird, ermöglicht uns komplexe Formen, die mit bisherigen Herstellungsmethoden undenkbar waren." Hauptvorteil dieser neuen Bauweise sind neben der Steifigkeit der gesamten Konstruktion, die sich auf die Performance auswirkt, vor allem das geringere Gewicht. Carbon ist leichter als Titan und das zentrale Bauteil der Paradym-Schlägerköpfe spart gegenüber vergleichbaren Titan-Drivern satte 44 Prozent Gewicht ein. Dies ermöglichte den Entwicklern, den Paradym-Drivern durch optimierte Gewichtsverteilung ein Trägheitsmoment zu verpassen, wie es bei gleich großen Drivern aus Titan nicht möglich wäre.

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DER TREFFMOMENT DURCH DEN BALL HINDURCH, SELBST WENN ICH IHN NICHT PERFEKT TREFFE, IST EIN UNBESCHREIBLICHES GEFÜHL. KEINE AHNUNG, WIE CALLAWAY DAS HINBEKOMMEN HAT, ABER ES FÜHLT SICH EINFACH GROSSARTIG AN!
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PROFIWERKZEUG

Gary Woodland, neu im Cobra Team, hat 2023 den Aerojet LS im Bag


Im Inneren der Schlägerköpfe kommt die altbekannte Jailbreak-Technologie zum Einsatz. Diese wurde vom Callaway-Supercomputer und der dort beheimateten künstlichen Intelligenz überarbeitet und fällt nun 33 Prozent leichter aus. Ziel ist es, der Schlagfläche mehr Stabilität sowohl in horizontaler als auch in Torsionsrichtung zu verleihen, um höhere Ballgeschwindigkeiten und damit mehr Länge möglich zu machen. Da Schlagfläche und Jailbreak-Technologie in allen Callaway-Drivern eine Einheit bilden, wurde auch das Face-Cup-Design der Schlagfläche überarbeitet. Hergestellt aus extrem festem geschmiedeten Titan ermöglichen die neuen Schlagflächen eine noch effizientere Energieübertragung auf den Ball als bisher. Wozu das Ganze? Längere Drives natürlich.

In Sachen Modellpolitik bleiben die Paradym-Driver der altbekannten Aufteilung in drei unterschiedliche Schlägerköpfe treu, um möglichst jedem Golfer, egal ob Tour-Pro oder Wochenend-Hacker, den optimalen Schläger in die Hand zu geben. Im Paradym-Standardmodell kommt ein verstellbares Gewicht im Heck zum Einsatz, das ein Feintuning der Ballflugkurve um bis zu zwölf Meter erlaubt. Höhere Handicaps dürften sich schnell mit dem Paradym X anfreunden, da dieser Driver dank einer fehlerverzeihenden Gewichtsverteilung einen hohen Ballstart bei wenig Spin liefert. Dieses Modell eignet sich am besten für Golfer, die extreme Fehlertoleranz und eine leichte Draw-Tendenz in einem Driver suchen. Am anderen Ende des Handicap-Spektrums ist der Paradym Triple Diamond beheimatet, dessen kompakte Formgebung die besten Voraussetzungen für Shotshaping auf Tourniveau bietet. Mit seinen 450 Kubikzentimetern Schlägerkopfvolumen spricht er hauptsächlich bessere Spieler und Longhitter an, die sich über das weiter vorne in der Schlägersohle verbaute 14-Gramm-Zusatzgewicht freuen, senkt es doch den Spin, um auch bei enormen Schwunggeschwindigkeiten eine effektive, also nicht zu hohe Schwungbahn zu ermöglichen.

Kein Wunder, dass der Paradym Triple Diamond direkt zum Saisonauftakt der PGA Tour auf Hawaii ins Bag von Jon Rahm wanderte, der das Weltklassefeld in Kapalua mit dieser Waffe dominierte und die zweitbeste Durchschnittsweite der Woche vom Tee mit 307 Yards erzielte. Zwei Wochen später legte der Spanier beim The American Express gleich den nächsten Sieg nach und war danach voll des Lobes für seine neue Waffe: "Der Treffmoment durch den Ball hindurch, selbst wenn ich ihn nicht perfekt treffe, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Keine Ahnung, wie Callaway das hinbekommen hat, aber es fühlt sich einfach großartig an!"

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WEGWEISEND

Das 360-Carbon-Chassis entfernt das gesamte Titan aus dem Zentrum des Schlägerkopfs


In den Entwicklungs- und Marketingabteilungen von Cobra scheinen sich eine Menge "Top Gun: Maverick"- Fans zu tummeln, anders ist die amerikanisch-patriotische Form- und Namensgebung der neuen Aerojet-Driver wohl kaum zu erklären. Der schnittige Name soll klarmachen, dass die wesentliche Weiterentwicklung der drei Aerojet-Modelle im Bereich der Aerodynamik stattfand und diese Driver nun angeblich beinahe so windschlüpfig sind wie eine F18 der US Navy. Am sogenannten Advanced Aerodynamic Shaping der Aerojets wurde ausgiebig gefeilt und am deutlichsten wird diese Arbeit im Aerojet LS, der über die prägnanteste aerodynamische Form verfügt. Der stromlinienförmige Frontbereich in Verbindung mit einem erhöhten hinteren Teil und einer stärker gekrümmten Krone trägt zu einer deutlichen Reduzierung des Luftwiderstands bei und steigert so Geschwindigkeit und Carry-Längen. Im Vergleich zum LTDx LS von 2022 lieferte der Aerojet LS bei Roboter-Tests eine bis zu 1,5 mph höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit. So imposant die Längen des Aerojet LS auch sind, nur echte Könner mit wirklich guten Handicaps sollten sich dieses Profigeräts annehmen, denn einfach zu bändigen ist dieses Kraftpaket nicht. Für Otto Normal-Golfer sind die Aerojet- und Aerojet- Max-Modelle die bessere Wahl.

Die Standardvariante des Aerojet wurde entwickelt, um ein möglichst breites Spektrum an Spielern anzusprechen. Mit einem Gewichtselement im hinteren Teil der Sohle bietet er ein ausgewogenes Verhältnis aus Fehlertoleranz und Ballgeschwindigkeit für größtmögliche Weiten.

Der Aerojet Max liefert dank eines Zwei-Gramm-Gewichts im hinteren Bereich und des Drei-Gramm-Gewichts in der Ferse eine stabile, hohe Flugbahn mit einer geringen Draw-Tendenz. Durch Tauschen der Gewichte lässt sich die Draw-Tendenz noch einmal verstärken, was hohen Handicaps und Slicern sehr zugutekommt.

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STROMLINIENFÖRMIG

Die Form der Aerojet-Drivers ist das Ergebnis jahrelanger Forschung mit hohem Schwungtempo


Die wichtigste technische Neuerung aller drei Aerojet-Modelle befindet sich im Inneren der Schlägerköpfe. Dort kommt die neue PWR-Bridge-Gewichtstechnologie in Form eines 13 Gramm schweren Brückenelements zum Einsatz. Über der Sohle aufgehängt verlagert es nicht nur den Schwerpunkt nach vorne für maximale Geschwindigkeit und weniger Spin, gleichzeitig ermöglicht diese Brücke auch eine flexiblere Sohlenstruktur für eine verbesserte Energieübertragung zum Ball. Vergeblich sucht man in den Aerojet-Drivern allerdings die in den vergangenen Jahren lieb gewonnene CNC-gefräste Schlagfläche der LTDx- und RadSpeed-Modelle. Als Gesamtpaket mit einer nahe zu unwiderstehlichen Mischung aus Länge, Fehlertoleranz und Preis sind die Aerojet-Driver besonders für sportliche Amateur-Golfer in diesem Frühjahr ein absolutes Muss bei jedem Demo-Tag.

Zwei Marken aus Japan, die in Sachen Driver hierzulande unberechtigterweise oft unterm Radar fliegen, haben in dieser Saison ebenfalls interessante Neuheiten zu bieten. Zum einen wären da die ZX-Mk-II-Driver von Srixon. Mit der weiterentwickelten Rebound-Frame-Technologie sind diese dank einer äußerst effizienten Kraftübertragung auf den Ball echte Ballgeschwindigkeitsmaschinen, die in Sachen Materialauswahl neue beziehungsweise alte Wege beschreiten. In der Krone der Srixon-Driver kommt nämlich nicht mehr wie bisher üblich Carbon zum Einsatz, sondern ultradünnes Titan. Der Grund dafür liegt im Rebound Frame, dessen subtile Wölbungen und unterschiedlichen Wandstärken in verschiedenen Teilen des Schlägerkopfs mit Carbon aus dominantem Material nicht realisierbar wären. Die Titankrone der ZX Mk II ist an einigen Stellen unglaubliche 0,45 Millimeter dünn, wodurch carbonbedingte Gewichtseinsparungen ohnehin maximal ein läppisches Gramm betragen würden und somit irrelevant wären. Golfer, die schnörkellose Driver mit Old-School-Sound und dennoch allen Performance-Vorteilen moderner Technologien bevorzugen, sind bei Srixon in dieser Saison gut aufgehoben.

Daneben wissen auch die neuen ST-230-Driver zu überzeugen. In Sachen Materialkunde und Verarbeitung war das Team von Mizuno schon immer absolute Spitze, was jedes Jahr in enorm schnellen Schlagflächen messbar war. Doch mit dem Ansatz, möglichst viel Carry-Distanz aus den Schlagflächen ihrer Driver zu kitzeln, stießen die Ingenieure in Japan an physikalische Grenzen. Auch der Schlägerkopf muss seinen Teil zur Weitenjagd beitragen und so verfügen die Mizuno-Driver des Jahrgangs 2023 nun über die Coretech-Kammer. Diese umschließt ein Edelstahlgewicht mit einem TPU-Elastomer, um die Schlagfläche zu entlasten und zusätzliche Energie freizusetzen. Gleichzeitig verlagert es das Gewicht näher an die Schlagfläche, um die Spin-Raten zu reduzieren und gleichzeitig ein solides und kraftvolles Feedback zu liefern.

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