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Top Ten

Sternschnuppen

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images

Sie glühten hell, aber nur kurz. Über diese zehn Amateure und Profis sprach für kurze Zeit die ganze Welt.

10: Guan Tianlang –
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Guan Tianlang

Beim Masters 2013 schrieb Guan Tianlang auf vielfache Art und Weise Geschichte. Mit gerade einmal 14 Jahren war der Gewinner der Asia-Pacific Championship der jüngste Masters-Teilnehmer aller Zeiten. Und in der zweiten Runde stand er im Zentrum einer Diskussion, die dafür sorgte, dass sich der vornehme Augusta National Golf Club viele Sympathien verscherzte: Unter all den langsamen Teilnehmern im Feld suchte man sich ausgerechnet den Jüngsten und Unerfahrensten raus, um ihm einen Strafschlag für Slow Play aufzudrücken. Dennoch schaffte er als einziger Amateur den Cut und gewann den Silver Cup. Die Karriere des jungen Phänomens entwickelte sich seither allerdings weniger phänomenal. Aktuell liegt der 24-Jährige in der Weltrangliste jenseits der 3.000.

09: Beau Hossler –
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Beau Hossler

Als der 17-jährige Kalifornier 2012 die US Open im Olympic Club aufmischte, hätte es nicht gewundert, wenn er zwischen den Runden "Dungeons & Dragons" gespielt hätte. Schließlich sah er mit seiner Lockenpracht und der Zahnspange Dustin aus "Stranger Things" wie aus dem Gesicht geschnitten aus. Doch statt den Demogorgon jagte Beau Hossler Birdies. Während der zweiten Runde stand sein Name plötzlich ganz oben auf dem Leaderboard vor einem gewissen Tiger Woods und selbst nach drei Runden lag der Teenager als Achter noch in Reichweite. Erst auf den letzten sechs Löchern schoss sich Hossler aus den Top Ten. Nach drei Jahren an der Uni startete der heute 27-jährige eine solide, jedoch unspektakuläre Karriere, deren bisheriger Höhepunkt eine Play-off-Niederlage gegen Ian Poulter bei der Houston Open 2018 war.

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Lloyd Saltman

Seit sein Bruder Elliot 2011 nach einem Betrugsversuch von der European Tour gesperrt wurde, hat der Name Saltman ein Geschmäckle. Der drei Jahre jüngere Lloyd hat bisher aber nur sportlich Schlagzeilen gemacht. Vor der ehrwürdigen Kulisse von St. Andrews hatte der Enkel des ehemaligen schottischen Nationaltorwarts Tommy Younger dank des alle dominierenden Tiger Woods mit dem Sieg zwar nie etwas zu tun, sorgte aber dennoch für ein spektakuläres Finish. Weil sein Landsmann Eric Ramsay mit einer exzellenten Schlussrunde die Messlatte hoch gehängt hatte, brauchte Saltman ein Par, um sich die Silver Medal für den besten Amateur zu sichern. Mit einem 25-Meter-Putt durch das Valley of Sin, der 60 Zentimeter vom Loch entfernt liegen blieb, sicherte er sich einen Platz in den Annalen der R&A. Wie so viele konnte er aber nie daran anknüpfen. Drei Top-Ten-Platzierungen auf der European Tour und zwei Siege auf drittklassigen Touren stehen für den 37-Jährigen in den Büchern.

07: Jay Overton –
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Jay Overton

Mit zwei Jahren bekam Jay Overton von Sam Snead seinen ersten Golfschläger in die Hand gelegt. Das hat für den Jungen aus Tarpon Springs, Florida, zwar nicht zu einer ähnlich erfolgreichen Karriere geführt, aber bei der PGA Championship erzielte der Club Pro ein Resultat, auf das auch "Slammin' Sammy" stolz gewesen wäre. Nach der ersten Runde des Turniers im Oak Tree Golf Club hatte der semi-erfolgreiche Führende Bob Gilder getönt, die PGA sei leichter zu gewinnen als andere Majors, weil die Teaching Pros das Feld schwächen würden. 24 Stunden später lag Gilder plötzlich sieben Schläge hinter Jay Overton, der sich knapp hinter Paul Azinger an die Spitze des Feldes gesetzt hatte. Am Ende reichte es für den 37-jährigen Overton, der im Übrigen weder verwandt noch verschwägert mit PGA-Tour-Profi Jeff Overton ist, für Platz 17.

06

Jordan Niebrugge

Abgesehen von Bryson DeChambeau war das amerikanische Walker-Cup-Team 2015 mit Jordan Niebrugge, Beau Hossler und Lee McCoy ein Who's who der Eintagsfliegen - entsprechend brutal gab es vom britisch-irischen Team auch eins auf den Deckel. Dabei war 2015 eigentlich das Jahr des jungen Manns aus Wisconsin. Zwei Monate zuvor hatte Niebrugge die Golfwelt in Erstaunen versetzt, als er auf dem Old Course von St. Andrews mit Platz sechs das zweitbeste Amateur-Ergebnis der Moderne erzielte. Bizarr: Eigentlich sorgte während des Turniers ein anderer Amateur für die Schlagzeilen. Der Ire Paul Dunne lag nach drei Runden in Führung, hielt mit einer 78 aber dem Druck nicht stand und landete fünf Schläge hinter Niebrugge. Für die Karriere danach hätte der Amerikaner aber sicher gerne mit dem irischen Konkurrenten getauscht. Nicht nur war Dunne im Walker Cup auf der Siegerseite, er gewann später auch auf der European Tour, während Niebrugge nur auf der PGA Tour Canada siegreich war.

05: Lonnie Nielsen –
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Lonnie Nielsen

Sechs Jahr lang versuchte es der Mann aus Iowa auf der PGA Tour, doch nachdem er gerade mal 119.000 Dollar hatte erspielen können, musste er erkennen, dass es lukrativer ist, Trainerstunden zu geben. Umso erstaunlicher, dass seine größte Stunde im Profi-Golf gerade in diesen Karriereabschnitt fällt. 1986 qualifizierte sich Lonnie Nielsen für die PGA Championship im Inverness Club und fand sich nach zwei Runden auf Platz 17 wieder. Von Nervosität keine Spur: Am Wochenende ließ er Jack Nicklaus fünf Schläge hinter sich und Greg Norman, der 1986 den Saturday Slam kreierte, weil er am Finaltag aller vier Majors die Führung verspielte, hätte für Nielsens Runden von 72 und 70, die am Ende für den elften Platz reichten, ein Vermögen bezahlt.

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Lee McCoy

1991 war Phil Mickelson der bisher letzte Amateur, der auf der PGA Tour gewonnen hat. Seither waren Top-Five-Platzierungen das Höchste der Gefühle für die einstigen Gentlemen-Sportler und keine davon wie der alleinige Platz vier von Collegespieler Lee McCoy bei der Valspar Championship 2016. Dabei sah es nach einer 74er-Runde noch aus, als sollte der damals 22-Jährige erwartungsgemäß den Cut verpassen. Doch von Runde zwei bis vier spielte niemand besser als der Student der University of Georgia und in der Finalrunde ließ er seinen Spielpartner, den amtierenden Masters- und US-Open-Champion Jordan Spieth, vier Schläge hinter sich. Fast 300.000 Dollar gingen McCoy damals als Amateur durch die Lappen. Eine Summe, die er bis zu seinem Karriereende 2022 nicht erreichte - auch weil er seit einem schweren Autounfall 2016 immer wieder Handgelenksprobleme hatte.

03

Tommy Aycock

Unter Teaching Pros ist der 1995 verstorbene Aycock eine solche Legende, dass die PGA von Südtexas ihren Besten jedes Jahr mit der "Tommy Aycock Trophy" auszeichnet. Dies liegt hauptsächlich an seinen Erfolgen bei der lokalen PGA-Meisterschaft, die er so oft wie kein anderer gewann, jedoch auch an seinem bemerkenswerten Ergebnis bei der PGA Championship 1974, bei der er als Elfter das bis heute beste Resultat eines Teaching Pro einfuhr. Drei weitere Male schaffte er dort noch den Cut, aber sein Herz hing daran, anderen den Golfsport beizubringen - zumindest bis 1991. Damals wollte sein Heimatclub sein Gehalt um 75 Prozent kürzen. Aycock lehnte ab, qualifizierte sich für die Champions Tour und verdiente rund 650.000 Dollar.

02: Michael Block –
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Michael Block

Der Star der diesjährigen PGA Championship ist die perfekte Definition einer Sternschnuppe. Nachdem er in Oak Hill alle in seinen Bann gezogen hatte, fand sich Michael Block eine Woche später bei der Charles Schwab Challenge auf dem letzten Platz wieder. Wie eindrucksvoll sein 14. Platz war, zeigt sich erst, wenn man vergleicht, wie sich andere Teaching Pros in jüngerer Zeit bei der PGA Championship geschlagen haben: In den 30 Jahren davor kam niemand mit einem besseren Rang als 30 ins Clubhaus. Dazu noch dunkte Block ein Ass vor den Augen von Rory McIlroy buchstäblich ins Loch, was das Ganze noch märchenhafter machte. Dass der 46-Jährige so etwas wiederholen könnte, ist ebenso unrealistisch wie die Vorstellung, dass er künftig weiterhin nur 150 Dollar für eine Trainerstunde im kalifornischen Arroyo Trabuco Golf Club berechnet.

01: Catherine Lacoste –
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Catherine Lacoste

Die Tochter von Tennislegende RenÚ Lacoste und Ladies Amateur Champion Simone de la Chaume ist die einzige Amateurin, die jemals die US Women's Open gewonnen hat. Fünf Tage nach ihrem 22. Geburtstag feierte die Frau, die dank der Modemarke ihres Papas den Spitznamen "Crocodile Kid" erhielt, 1967 einen triumphalen Sieg in Hot Springs, Virginia. Bei ihrem gerade mal dritten Auftritt in einem Profi-Turnier ging sie bereits nach der zweiten Runde mit fünf Schlägen in Führung und hielt diese sogar bei schlechtem Wetter zusammen. Abgesehen vom Versuch im Jahr darauf, den Titel zu verteidigen, der mit einem 13. Platz endete, war es ihr letzter Auftritt in einem Major. Schlagzeilen machte sie noch einmal, als sie 1969 die British Ladies Amateur und die US Women's Amateur gewann; kurz danach gab Catherine Lacoste mit nur 25 Jahren ihr Karriereende bekannt.

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