In den ersten 90 Jahren seiner Unternehmensgeschichte hatte Alberto ausschließlich Herrenhosen produziert und sich mit dieser Markenphilosophie einen enormen Wissensschatz angeeignet: "Alberto steht seit jeher für gelebtes und angewandtes Spezialistentum mit viel Kompetenz und Expertise." Dass diese Kompetenz heute auch auf dem Damenmarkt ausgeweitet wurde, ist nicht nur Anna Mühlen und Marco Lanowy zu verdanken. Den Anstoß dafür gab die Kundschaft selbst. "Wir wurden immer wieder gefragt, warum es unsere Golfpants nicht auch für Frauen gibt", erinnert sich Lanowy.
Das war 2013. Seither ist das Damensegment bei Alberto Golf stark gewachsen - und inzwischen sogar zum größeren Geschäftssegment geworden. "Der Damenbereich macht bei Alberto Golf mittlerweile 60 Prozent der Verkäufe aus", sagt Lanowy. Dass Frauen beim Hosenkauf etwas anders ticken als Männer, liefert zumindest einen Teil der Erklärung. Während Männer durchschnittlich zwei bis drei Hosen im Kleiderschrank haben, kommen Frauen laut Lanowy auf das Doppelte - plus Röcke und Kleider. Und selbst die Grenzen zwischen den Geschlechtern sind nicht immer so eindeutig, wie man vermuten könnte: "In Japan tragen viele Männer unsere Damenhosen, schlichtweg weil sie schlanker geschnitten sind."


»HEUTZUTAGE WERDEN VIEL ZU VIELE DINGE FÜR VIEL ZU KURZE LEBENSZYKLEN ENTWICKELT. REIN WIRTSCHAFTLICH MAG DAS ZUNÄCHST CLEVER WIRKEN, AUF LANGE SICHT IST ES JEDOCH AUF VIELEN EBENEN EINE KATASTROPHE.«
Diesen Freiheitsgedanken verfolgt Alberto auch bei der Farbenwahl, schließlich sind sie für Golfer und Golferinnen die beste Möglichkeit, ihre Individualität auszudrücken. "Wir haben beispielsweise Stahlblau mit knalligem Orange kombiniert und generell mit sehr auffälligen Colorways gearbeitet", erinnert sich Lanowy an die ersten Modelle von Alberto Golfwoman. Mittlerweile sind auch viele andere auf diesen Zug aufgesprungen. Neue Labels bringen frischen Wind auf den Platz und sprechen damit auch jüngere Zielgruppen an. Lanowy sieht dies nicht als Angriff auf die eigene Marke, sondern er begrüßt diese Entwicklung ausdrücklich: "Ich finde es spannend, wie viele junge Labels es aktuell im Bereich der Golf-Fashion gibt. Dadurch erfährt der Sport auch in neuen Altersgruppen einen steigenden Zuspruch."


Lanowy kennt diesen Wandel auch aus dem Tennissport. Dort wagte der für seine exzentrischen Outfits berühmte André Agassi Ende der 1980er den Aufstand gegen Wimbledon, weil ihm der Dresscode des Londoner Clubs nicht gefiel. Doch auch er hat nichts daran ändern können, dass Weiß in Wimbledon bis heute als unumstößlicher Teil der Etikette gilt, während andere Turniere mehr modischen Spielraum erlaubten. Ähnlich verhält es sich für Marco Lanowy auch mit Golf: Die Dresscodes sind lockerer geworden, stilistische Experimente ausdrücklich möglich. Der klassisch-moderne Look bleibt dennoch präsent.


Dass Alberto Golf überhaupt den Weg in den Jugendmarkt eingeschlagen hat, hängt auch mit einer Frage zusammen, die Lanowy bereits 2013 gestellt wurde: An wen richtet sich Alberto Golf eigentlich? Seine Antwort damals: "An die Generation iPhone." Heute ist das Smartphone dagegen bei der Teenagerin ebenso angekommen wie beim Großvater. Und genau deshalb ist es nur konsequent, dass Alberto auch die nächste Generation ins Visier nimmt - zumal die Hosen ohnehin darauf ausgelegt sind, ihre Trägerin möglichst lange zu begleiten. "Heutzutage werden viel zu viele Dinge für viel zu kurze Lebenszyklen entwickelt. Rein wirtschaftlich mag das zunächst clever wirken, auf lange Sicht ist es jedoch auf vielen Ebenen eine Katastrophe", sagt Marco Lanowy. "Wir setzen lieber auf Nachhaltigkeit." Und auf Qualität. "Dafür reiben wir uns auf. Wenn wir 100 Hosen herstellen und 99 wären perfekt, würden wir uns wirklich den Kopf zerbrechen, weil wir alle 100 perfekt haben wollen." Sein Anspruch: "Wenn du mit einer Alberto-Golf-Hose zufrieden bist und irgendwann wieder in den Laden kommst und sagst: ,Davon möchte ich noch eine', dann ist unser Ziel erreicht."
Dafür investiert Alberto viel Arbeit in Entwicklung und Tests. Denn eine Golfhose muss funktionieren - bei Hitze und Regen, während des Abschlags und auf dem Weg zum nächsten Tee. Auch bei den Materialien macht Lanowy klare Unterschiede: "Du kannst auf billige Funktionalität setzen, die sich nach Plastik anfühlt. Oder du setzt hochwertige Tech-Stoffe ein, die die Bewegungen des Körpers auf dem Grün optimal unterstützen und gleichzeitig ein perfektes Touch & Feel haben." Sein Fazit fällt entsprechend selbstbewusst aus: "In 22 Jahren Golfhosen haben wir hier einiges bewegt."
Den Beleg dafür findet Lanowy, wann immer er ein Golfturnier besucht. In den Anfangsjahren beobachtete er bei Turnieren genau, was etwa ein Alex Cejka trug. Heute findet man Lanowy mitunter entspannt im Liegestuhl am 19. Loch - immer mit einem Auge für die Hosen der Spielerinnen und Spieler. "Für mich ist das hoch spannend. Natürlich freue ich mich, wenn ich Alberto sehe. Aber noch schöner ist es, wenn ich Hosen aus der Anfangszeit unseres Programms entdecke." Denn genau darin steckt für Lanowy der vielleicht wichtigste Beweis für die Qualität einer Marke: nicht der kurzfristige Trend, sondern die Zeit. "Das zeigt mir, dass wir etwas in den Markt gebracht haben, mit dem heute noch jemand stolz herumläuft. Das ist das schönste Kompliment für uns."



