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Collin Morikawa

Wer zuletzt lacht

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images, Imago

Das Spiel von Collin Morikawa ist fürs Masters gemacht. Doch den Sieg hat er immer knapp verfehlt. Das könnte sich 2026 ändern, denn der 29-Jährige hat wieder die Form gefunden, die ihn zu zwei Major-Siegen führte.

Collin Morikawa hat sich selbst stets über sein Lachen definiert. "Mein Lächeln war schon immer mein Ein und Alles. Das macht mich aus", verriet er den versammelten Journalisten bereits 2019 in seiner ersten Pressekonferenz als Profi. Die Selbsteinschätzung verfing. Nachdem der Amerikaner den beeindruckendsten Karrierestart seit Tiger Woods hingelegt hatte, titulierten ihn Golfmedien als den "lächelnden Attentäter" oder warnten: "Lasst euch nicht von seinem Lächeln täuschen, Leute - dieser Junge ist eiskalt!" Doch zuletzt sah man Morikawas Lachen immer seltener. Seit seinem Zauberjahr 2021 konnte er nur bei der mäßig besetzten Zozo Championship 2023 einen Sieg einfahren. Zwar fiel er nie aus den Top 20 der Weltrangliste, aber die Niederlagen nagten so an ihm, dass es schien, als wäre er die Reinkarnation von Timm Thaler, der als Junge sein Lachen verkauft hat.

Auch als Morikawa im Februar beim Pebble Beach Pro-Am antritt, sind die Mundwinkel eher nach unten gezogen. Mit einem verpassten Cut auf Hawaii und Platz 54 bei der Phoenix Open ist die Saison nicht gerade ideal gestartet, und als 25. nach zwei Runden scheint er auch in Pebble Beach aufs Mittelmaß verdammt zu sein. Doch als ihm am Samstag aus heiterem Himmel eine 62 gelingt, ist Morikawa plötzlich mitten im Geschehen. An eine entspannte Gesichtsmuskulatur ist trotzdem nicht zu denken. In Führung liegend unterläuft dem 29-Jährigen am vorletzten Loch einer der schlechtesten Eisen-Schläge seiner Karriere, der nur knapp den Pazifik verfehlt und in einem Bogey resultiert. Am 18. Tee ist die Lage klar: Ein Birdie bringt ihm den größten Sieg seit vier Jahren, ein Par das Play-off. Und ein Bogey? Nun ja, sagen wir es mal so: Der Einzige, der für sehr lange Zeit die weißen Beißer des 29-Jährigen zu sehen bekäme, wäre sein Zahnarzt.

Collin Morikawa: Siegesfeier: Collin gibt sich die Kanne (r.)Collin Morikawa: Siegesfeier: Collin gibt sich die Kanne (r.)
Siegesfeier: Collin gibt sich die Kanne (r.)

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ICH HABE DIE ANDEREN NIE ALS TYPEN GESEHEN, BEI DENEN ICH WACKLIGE KNIE BEKOMME, WENN ICH SIE SEHE. BEI TIGER WOODS WAR DAS ANDERS.
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Als ob das nicht schon Druck genug wäre, spielt sich vor Morikawa ein kleines Drama ab. Jacob Bridgeman haut seinen zweiten Schlag auf den Strand, den dritten ins Meer und versucht anschließend vergeblich, seinen Ball auf dem Grün zu markieren, ohne dass der Sturm ihn davonträgt. Sage und schreibe 19 Minuten wartet Morikawa im Fairway auf einen Schlag, den er bewusst in den Pazifik zielen muss, damit der Wind ihn zurückträgt. Mit seinen Gedanken beschäftigt geht er immer wieder in Richtung Meer, um sich ein wenig Ablenkung zu verschaffen. Erfolgreich: Morikawa gelingt ein perfekter Eisen-Schlag und zwei Putts später ist er zurück im Gewinnerkreis. Doch zum allerersten Mal in seinem Leben bleibt das Siegerlächeln aus. Stattdessen fließen ihm die Tränen über die Wange - vielleicht weil er kurz darauf bekannt geben wird, dass Ehefrau Katherine Zhu ihr erstes gemeinsames Kind erwartet. Erst als Morikawa von Amanda Balionis zum Interview gebeten wird, besinnt er sich wieder auf sein Markenzeichen zurück: "Ich versuche gerade, wieder zu lächeln, weil ich glaube, dass die Tränen langsam nachlassen."

Dass Morikawas Sieg mehr als ein Strohfeuer ist, beweist er in den Wochen darauf mit zwei weiteren Spitzenresultaten beim Genesis Invitational und beim Arnold Palmer Invitational. Und auch wenn ihn bei der Players Championship eine Rückenverletzung zum vorzeitigen Rückzug zwingt, ist die Konkurrenz gewarnt - ganz besonders wenn es zum Masters geht.

Collin Morikawa:
Als Morikawa 2020 zum ersten Mal in Augusta National antrat, erging es ihm nicht wie den meisten Neulingen, die am Freitag mit hängendem Kopf und ein paar Andenken aus dem Merchandise-Zelt die Magnolia Lane nur im Rückspiegel sehen. Morikawa schaffte den Cut und fuhr als 44. ein achtbares Ergebnis ein. Das war aber erst der Auftakt. In seinen fünf Auftritten seither ist er als 18., 5., 10., 3. und 14. immer vorne dabei gewesen und verspielte 2024 nur durch zwei Doppel-Bogeys auf der Schlussrunde den Titel. Unter Hunderten Spielern, die im Lauf ihres Lebens wenigstens 20 Masters-Runden gespielt haben, ist Collin Morikawa mit einem Durchschnitt von 71,33 Schlägen der sechstbeste Spieler aller Zeiten, nur übertroffen von Scottie Scheffler, Jordan Spieth, Jon Rahm, Tiger Woods und Xander Schauffele. Direkt dahinter liegen Phil Mickelson und Vorjahressieger Rory McIlroy. Ein Masters-Sieg von Collin Morikawa in diesem Jahr wäre daher keine Überraschung, sondern nur konsequent.

Einen Großteil seines Erfolgs verdankt der Kalifornier Rick Sessinghaus. "Meinen ersten Golf-Unterricht hatte ich in einem Junior Camp auf dem Scholl Canyon Golf Course in Glendale. Ich war fünf", erinnert sich Morikawa. Damals bringt ihm ein Ehepaar die ersten Golfschwünge dabei, doch Collin ist völlig fasziniert von Sessinghaus, der am anderen Ende der Driving Range die besseren Spieler unterrichtet. Drei Jahre später gehört Collin dazu. Dafür gibt der begeisterte Fan der Los Angeles Dodgers sogar seine Liebe zum Baseballspiel auf. Von Rick Sessinghaus, der abgesehen von einer sechsmonatigen "Beziehungspause" im Herbst 2023 bis heute Morikawas Coach geblieben ist, lernt der Junge nicht nur die Technik, sondern vor allem auch Taktik und situatives Spiel. "Es gibt da draußen viele gute Schwünge, aber wenige Golfer", erkennt der PGA-Pro bereits damals Collins Potenzial, dessen Einlösung nicht lange auf sich warten ließ.

Collin Morikawa: Typisch Influencer: das Ringlicht immer dabei (l.)Collin Morikawa: Typisch Influencer: das Ringlicht immer dabei (l.)
Typisch Influencer: das Ringlicht immer dabei (l.)
Mit 16 Jahren tritt er 2013 bei der Western Junior Championship an und wirkt wie ein Hustler: Als vollkommen unbeschriebenes Blatt gelingen ihm vier Runden unter 70. "Dieses Turnier hat mich ins Rampenlicht gebracht", blickt Morikawa zurück. Plötzlich stehen die Unis Schlange und er hat die Qual der Wahl zwischen dem kalifornischen Quartett Stanford, UCLA, USC und University of California in Berkeley. Dass er sich gegen die USC, die Alma Mater seiner Mutter, entscheidet, hat weniger mit dem Golfprogramm als vielmehr mit dem Drumherum zu tun. Morikawa will Wissen erwerben, wofür die UC Berkeley die beste Option scheint. Nicht umsonst haben hier Steve Wozniak, Google-CEO Eric Schmidt, Dr. Bruce Banner, Doc Emmett Brown und Dr. Ian Malcolm ihren Abschluss gemacht - auch wenn die letzten drei fiktionale Charaktere sind.

Obwohl Morikawa bereits von Anfang an der Starspieler seines Teams ist, bewirbt er sich in seinem zweiten Studienjahr zusätzlich noch an der Haas Business School, einem der angesehensten Studiengänge der USA. Wie wichtig es ihm ist, nicht nur eine weiße Kugel durch die Gegend zu schlagen, zeigt sich 2016. Bei der Air Capital Classic hat das Golftalent die Chance, gegen echte Profis auf der Web.com Tour anzutreten. Mit 17 unter Par schafft es der 19-jährige Amateur ins Play-off gegen Ollie Schniederjans und den späteren US-Open-Sieger J. J. Spaun. "Management-Agenturen fingen an, ihn zu kontaktieren. Sie wollten, dass er die Schule beendet und Profi wird", erinnert sich Sessinghaus gegenüber der Tageszeitung "Rafu Shimpo". Morikawa bleibt standhaft, spielt sich stattdessen an die Spitze der Amateur-Weltrangliste und büffelt fleißig weiter: "Das Studium abzuschließen war mir wirklich wichtig. Das war schon immer mein Plan. Ich wollte meinen Abschluss in Betriebswirtschaft machen und dann bereit sein." Nach vier Jahren hat er sein Diplom in der Hand und die Grundlage für einen Bürojob in der Tasche. Nicht dass er ernste Pläne gehabt hätte, einen seriösen Beruf zu ergreifen. "Ich habe ewig von der PGA Tour geträumt", strahlt er nach seinem Wechsel ins Profi-Lager. Und auf die Nachfrage, was sein Plan B ist, wenn es nicht klappt, verkündet er kurzerhand, dann werde er eben auf der Korn Ferry Tour oder in Europa spielen.

 
Steckbrief

Steckbrief

Name: COLLIN MORIKAWA
Jahrgang: 1997
Wohnort: LAS VEGAS, NEVADA
Profi seit: 2019
Weltrangliste: PLATZ 6 (MÄRZ '26)
Beste Runde: 61 (TOUR CHAMPIONSHIP 2023)
Lieblingsverein: LOS ANGELES DODGERS

ERFOLGE
2019: BARRACUDA CHAMPIONSHIP
2020: WORKDAY CHARITY OPEN, PGA CHAMPIONSHIP
2021: WGC-WORKDAY CHAMPIONSHIP, THE OPEN CHAMPIONSHIP, DP WORLD TOUR CHAMPIONSHIP
2023: ZOZO CHAMPIONSHIP
2026: AT&T PEBBLE BEACH PRO-AM

Trotz des klaren Berufsziels ist ihm klar, dass es nicht über Nacht gehen wird. Nach der ersten Runde seines Profi-Debüts bei der Canadian Open 2019 steht Justin Thomas während eines gemeinsam Abendessens dem jungen Überflieger mit Rat und Tat zur Seite. "Er sagte mir, man habe so vielen Erwartungen, aber man wisse nie, wie es startet. Justin Rose habe, als er Profi wurde, 21 Cuts in Folge verpasst. Wir seien nicht nur hier, um ein paar Jahre zu spielen, wir seien hier für ein ganzes Leben. Das ist der beste Rat, den ich bisher bekommen habe." Bei Collin Morikawa ist er aber überflüssig, denn er macht den umgekehrten Rose, startet mit 22 geschafften Cuts in die Karriere und liegt damit in der ewigen Bestenliste nur hinter Tiger Woods. Morikawas Bilanz in dieser Zeit: ein Sieg, drei weitere Top-Five-Resultate, drei Top Ten und dreieinhalb Millionen Dollar Preisgeld.

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