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GP Challenge

Bis zur Erschöpfung

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Rüdiger Meyer

Viele sind froh, wenn ihr Elektro-Trolley 18 Löcher hält. Doch wir wollten es genauer wissen: Wie lange kann man mit einer Ladung Golf spielen? Also haben wir uns morgens um 5:20 Uhr im Golfclub Budersand aufs erste Tee gestellt und getestet, ob erst dem Big Max e-Lite 3 oder uns der Akku ausgeht.

Wenn wir in 20 Jahren GolfPunk eines gelernt haben, dann das Zweifeln an Marketing-Versprechen. Entsprechend misstrauisch wurde ich, als uns Maxi Reiter, Marketing-Chef von Big Max, im März erzählte, der vergleichsweise kleine Akku des neuen e-TI würde 27 Löcher durchhalten. Als ich ihn off the record noch einmal darauf ansprach, wurde er sogar noch mutiger: 27 Löcher seien nur die Garantie, die Big Max gibt. Er sei sich sehr sicher, man könne auch problemlos zwei komplette Runden schaffen. Offensichtlich habe ich mein anschließendes "Jaja" zu laut gedacht, denn Reiters nächster Satz lautete: "Probier's doch selbst, wenn du mir nicht glaubst."

Und so stehe ich zwei Monate später auf dem Parkplatz des Golfclub Budersand auf Sylt und frage mich, ob ich mir das wirklich gut überlegt habe. Mein einziger freier Tag war ausgerechnet der Pfingstsonntag, an dem die Startzeitensituation in Budersand so wuselig ist wie ein Ameisenbau nach dem Fund eines Brotlaibs. Also gab es nur eine Möglichkeit: so früh zu starten wie möglich. Und so klippe ich, während die letzten Gäste von der Partynacht ins "Budersand Hotel" zurückkehren, schnell die drei Räder an den Trolley, richte den Handgriff auf und stecke den Akku in den Anschluss am Gestänge. Nach drei Minuten stehe ich mit Clubmanager Jan auf dem ersten Tee und wir sehen die Sonne so orange wie Halle Berry in "Stirb an einem anderen Tag" aus dem Meer steigen.

GP Challenge: GP Challenge:
Nach einem perfekten ersten Drive fordert der Kaltstart seinen Tribut und ich donnere erst einen Ball links in die Heide und dann einen rechts ins hohe Gras. Als ich auf der 2 auch noch einen Drive in Richtung Jans Vorgarten jage, droht die Challenge, an einem unvorhergesehenen Problem zu scheitern: Reichen meine Golfbälle überhaupt aus? Doch wo man viele Bälle verliert, findet man auch viele, und so ist das Konto schnell wieder ausgeglichen. Auch eine zweite Sorge kann ich schnell ad acta legen. Als jemand, der noch nie zuvor in seinem Leben einen Elektro-Trolley benutzt hat, war ich mir unsicher, wie ich damit zurechtkommen würde. Aber der e-Lite 3, an den ich den e-Ti-Akku gesteckt habe, ist tatsächlich so intuitiv, dass ich auch ohne Lesen der Betriebsanleitung keine Probleme habe. Über einen silbernen Drehring am Griff lässt sich die Geschwindigkeit stufenlos anpassen und auch die Steuerung ist easy, da der e-Lite nun mal leicht ist.

Entsprechend genussvoll laufen die ersten 18 Löcher ab. Weil Hörnum noch schläft, herrscht eine himmlische Ruhe auf dem Golfplatz, der von der langsam aufsteigenden Sonne in ein betörendes Licht- und Schattenspiel getaucht wird. Sogar unser Spiel ist ganz ansehnlich, sodass wir uns um kurz nach acht Uhr mit guter Laune zum zweiten Mal aufs erste Tee stellen. Ein kurzer Check des Akkus zeigt: Ich brauche dringend einen Schokoriegel. An der Batterie selber leuchten währenddessen noch satte vier der fünf Leuchten, als ich mit einem Tee auf den roten Knopf drücke.

Mittlerweile sind einige Early-Bird-Golfer aufgetaucht, unser Spielfluss wird durch sie aber nicht groß gestört. Als wir uns zum zweiten Mal das erste Fairway hinauf zum Grün bewegen, fällt mir auf, dass sich die Geschwindigkeit des Trolleys trotz des Anstiegs nur marginal reduziert; der Motor ist kräftig genug, um dies wegzudrücken. Hinzu kommt, dass die Steuerung erstaunlich leichtgängig ist. Für Kurven reichen Druckbewegungen, ein Anheben des Vorderrads wie bei klassischen Trolleys ist so gut wie überflüssig.

GP Challenge:
Als wir die Front Nine unserer zweiten Runde beenden, verabschiedet sich Jan - angeblich wegen dringender Termine. Vielleicht hat er aber auch gesehen, dass beim Akku immer noch drei Lampen leuchten, und eine simple Knochen-Nutzen-Rechnung aufgestellt. Als ich die Back Nine allein in Angriff nehme, stelle ich fest, dass ich einen fatalen Fehler begangen habe: Ich trage neue Schuhe, die langsam, aber sicher zu drücken beginnen. An Ausziehen ist allerdings nicht zu denken, da ich Angst habe, den Rest der Strecke sonst barfuß absolvieren zu müssen. Nach sechs Stunden kommen mir zwei Gedanken. Der erste notiert, dass ich 36 Löcher in der gleichen Zeit absolviert habe, die man bei manchen Clubturnieren für 18 braucht. Und der zweite dreht sich um eine alte Batteriewerbung aus den 80er-Jahren, in der ein trommelnder Hase immer weiterspielt, während seine rosa Kameraden schlappmachen. Trommelt etwa auch mein Trolley immer weiter über die Fairways von Budersand? Schlimmer noch: Bin ich womöglich eines dieser anderen Karnickel mit minderwertigen Batterien und mache gleich schlapp?

Als ich nach 40 Löchern sehe, dass die Akku-Anzeige immer noch bei zwei Lichtern steht, schreibe ich eine verzweifelte Nachricht an Jan, ernte aber nur ein "Da musst du jetzt durch" mit einem Tränen lachenden Smiley. Immerhin bin ich nicht mehr allein. Weil sich das Spieltempo deutlich verlangsamt hat, nimmt mich ein Schweizer namens Alex mit. Als ich ihm von meiner Mission erzähle, ernte ich einen Blick, der irgendwo zwischen beeindruckt und befremdet liegt. Immerhin habe ich so eine gute Ausrede für mein maues Spiel.

GP Challenge: GP Challenge:
Weil auf meinen dritten Back Nine immer noch Lampen leuchten, überlege ich, ob ich abbrechen soll, falls der Akku die dritte Runde komplett schafft. Nicht nur wegen körperlicher Erschöpfung, sondern weil ich um 15:55 Uhr auf dem Autozug gen Festland sein muss. Doch dann geschieht es: Die kleine Steigung vor dem Grün der Bahn 12 saugt den Akku so aus wie die Zecke, die sich zu meinem Entsetzen an meinem rechten Bein festgebissen hat. Es ist vorbei! Nach 25 Kilometern, 48 Löchern und 8 Stunden 40 Minuten Laufzeit verlangt der e-Lite 3 nach etwas, was ich eigentlich schon seit drei Stunden brauche: mehr Energie.

Weil ich weit vom Clubhaus entfernt bin, spiele ich dennoch weiter und merke, dass das Gefährt auch ohne Strom zu gebrauchen ist. Da mit dem Akku auch die Motorbremse ausgeht, lässt er sich wie ein leichtgängiger Trolley schieben. An der 15 nutze ich trotzdem die Abkürzung zum Clubhaus und mache Feierabend. Zu Hause angekommen schließe ich den Akku an die Steckdose und nach sechs Stunden leuchten wieder alle Lampen. Ich dagegen brauche noch 48 Stunden mehr, bis meine Batterien wieder voll sind.

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