Bei der Suche nach den Einhörnern unter den potenziellen Golfanlagen geht es darum, dieses sensationelle Stück Land zu finden, das großartigen Eigentümern gehört, die nicht nur die nötigen Genehmigungen bekommen können, sondern auch über die notwendige Liquidität verfügen und wissen, was es kostet, ihr Land in einen Weltklasse-Golfplatz zu verwandeln. Wenn man in meinem Alter und an meinem Stand der Karriere angekommen ist, dann möchte man sich, so gut es geht, nur noch mit Einhörnern beschäftigen. [lacht] Das Golf-Business boomt im Moment und deshalb werden auch eine Menge Projekte angeboten, die ich als Esel bezeichnen würde. Man kann zurzeit einen Esel nach dem anderen bauen, wenn man das möchte. Ich dagegen reite lieber Einhörner und deshalb werden Jobanfragen bei uns im Büro sorgfältig vorselektiert, damit wir unsere Zeit nicht mit einem weiteren Esel verschwenden müssen.
Was ist schwieriger zu finden: das passende Land samt den Genehmigungen, um ein Weltklasse-Design bauen zu können, oder ein Besitzer, der versteht, was es braucht, um solch eine Anlage entstehen zu lassen?
Gute Frage! Selbstverständlich braucht es beides, aber ich denke, der Kunde ist tatsächlich noch entscheidender. Wenn ein Landbesitzer wirklich versteht, was nötig ist, um einen großartigen Golfplatz zu bauen, dann können wir uns gemeinsam hineinknien den oft mühseligen Genehmigungsprozess zusammen in Angriff nehmen und kleine Schwächen des Grundstücks in Stärken umwandeln. Ein Besitzer, dessen einziger Wunsch darin besteht, 1.000 Wohneinheiten auf der Anlage unterzubringen, hat seinen Fokus nicht auf Golf ausgerichtet, und dann kann kein Spitzengolfplatz entstehen. Daher würde ich sagen: Besitzer mit der richtigen Vision und den materiellen Möglichkeiten sind wichtiger und rarer.
Gibt es außer Land und Besitzer noch weitere Faktoren, die dir bei der Auswahl eines neuen Projekts wichtig sind?
Besonders attraktiv an River Ranch war, dass der Golfplatz öffentlich sein wird. Ein tatsächliches Einhorn-Projekt zu finden kommt öfter vor, als man denkt. Aber viele dieser Projekte sind privat mit 100 Häusern auf dem Grundstück und außer diesen 100 Hausbesitzern wird kaum jemand sonst den Platz spielen können. Verstehe mich nicht falsch, ich baue auch private Golfplätze, aber es ist erfüllender, wenn nach der Eröffnung des Platzes die ganze Welt vorbeischauen und sehen kann, was dort geschaffen wurde. Es ist ein wenig, als hätte man einen Film produziert, und nun kann sich ein breites Publikum davon überzeugen, wie viel Kreativität und Arbeit in dieses Werk geflossen sind.

»IN DEN VEREINIGTEN STAATEN SEHEN WIR SEIT NUNMEHR 30 JAHREN EINE RENAISSANCE DES GOLDENEN ZEITALTERS DER GOLFPLATZARCHITEKTUR; IN EUROPA IST DAVON KAUM ETWAS ZU SEHEN.«
In gewissen Details könnte es durchaus Unterschiede geben, wenn es sich um private Clubs handeln würde. Wenn hauptsächlich Mitglieder einen Platz spielen, dann bin ich eher bereit, den einen oder anderen blinden Schlag von den Golfern zu fordern. Gewisse Designelemente, die auf einem öffentlichen Platz die Spielgeschwindigkeit hemmen würden wie zum Beispiel aufeinanderfolgende Par-3-Löcher, kann man sich als Designer auf privaten Anlagen viel eher erlauben. Für mich persönlich macht es einen großen Unterschied, ob eine Anlage privat oder öffentlich sein wird. Schließlich stecke ich zwei Jahre meines Lebens in ein neues Design und die Frage, ob es danach 500 Jungs und ihren Freunden oder 50.000 Golfern jedes Jahr zur Verfügung steht, ist entscheidend. Das Zielpublikum unterscheidet sich grundlegend und deshalb ist es für einen Designer meiner Meinung nach viel spannender, öffentliche Golfplätze zu entwerfen.
Spielt das Klima, das in der Region eines potenziellen Projekts herrscht, eine Rolle?
Das Klima gibt vor, welche Grassorte verwendet werden kann. Im Pazifischen Nordwesten der USA haben wir die Möglichkeit, Fescue zu säen. Fescue, wie wir es in River Ranch verwenden werden, erlaubt es mehr als jedes andere Gras, dass der Ball rollen kann. Ich war schon immer der Meinung: Wenn der Ball nicht rollt, dann ist es nicht wirklich Golf, was gespielt wird. Wenn der Ball nach der Landung springt und rollt, wird Golf plötzlich zu einem drei- oder sogar vierdimensionalen Spiel. Das macht es unglaublich interessant. Auf solchen Plätzen müssen Spieler mit hohen Schwunggeschwindigkeiten ihren Verstand benutzen und einen klaren Plan haben; gleichzeitig können jedoch Spieler mit weniger Geschwindigkeit und Länge die Konturen zu ihren Vorteilen nutzen.
Wie hoch ist dein persönlicher Zeitaufwand, den ein Bauprojekt in Anspruch nimmt?
Von den ersten Gesprächen bis zur Eröffnung des Platzes vergehen im Schnitt etwa drei Jahre, wenn alles normal verläuft. Davon verbringe ich sicherlich mehr als 100 Tage vor Ort auf dem Grundstück und der Baustelle. Ein Golfplatzprojekt ist daher eine signifikante Verpflichtung für mich und meine Familie. Da hilft es, wenn eine Baustelle wie die von River Ranch nur wenige Flugminuten von meinem Wohnort in Bend, Oregon, entfernt ist.

Bisher ist nichts in Planung. Als ich Comporta in Portugal baute, war ich überzeugt davon, dass mein Telefon ständig klingeln würde und Entwickler aus ganz Europa mit Sätzen wie "Hey, wir haben dieses großartige Stück Land in Spanien oder Griechenland, das du dir unbedingt anschauen solltest" am anderen Ende wären. Doch bisher hat sich niemand gemeldet.
Ist es in Europa schwieriger, ein neues Golfplatzprojekt in die Tat umzusetzen?
Schwer zu sagen. In Großbritannien habe ich bisher sechs Plätze gebaut und vielleicht denken potenzielle Entwickler, dass der Sättigungsgrad meiner Designs zumindest im Vereinigten Königreich erreicht ist - wer weiß? Was Europa angeht: Ich würde liebend gerne ein zweites Comporta bauen. Die Gegend rund um Comporta ist fantastisch und der Sandboden ein Traum. Ich habe die Verantwortlichen damals bekniet: "Ihr habt fantastisches Land und könnt dafür jeden großartigen Architekten der Welt für die zweiten 18 Löcher bekommen. Ruft Tom Doak an oder Bill Coore!" Dann haben sie sich für Sergio García entschieden. [verdreht die Augen] Wenn jemand mit einem vergleichbaren Stück Land in Kontinentaleuropa auf mich zukommen würde, würde ich sofort zuschlagen. Europa braucht gute neue Anlagen. In den Vereinigten Staaten sehen wir seit nunmehr 30 Jahren eine Renaissance des goldenen Zeitalters der Golfplatzarchitektur; in Europa ist davon kaum etwas zu sehen. Platzdesign steckt dort immer noch in den 80er- und 90er-Jahren mit einer sehr oberflächlichen Architektur, die einfach nicht interessant ist. Ich hatte gehofft, dass Comporta als eine Art Initialzündung für minimalistisches Golfdesign in Europa fungieren könnte. Bisher ist das aber leider noch ausgeblieben.
Was war der Ausgangspunkt dieser neuen Architekturbewegung in den USA?
Mike Keiser hat mit Bandon Dunes vor etwas über 30 Jahren bewiesen, dass eine Golfanlage von Weltrang keine Kompromisse eingehen darf, wenn es um den Golfplatz geht. Keine Straßen, keine Häuser und keine Privatgrundstücke dürfen bei den Filetstücken des Baulands dem Golfplatz vorgezogen werden. Es ist toll zu sehen, wie viele großartige Projekte in der jungen Vergangenheit realisiert wurden oder gerade in der Entwicklung sind, bei denen der Golfplatz - und nichts anderes - absolut im Mittelpunkt steht. Deshalb bin ich absolut davon überzeugt, dass wir uns gerade im wahrscheinlich besten Zeitalter für Golfplatzarchitektur seit mindestens 100 Jahren befinden.



