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Die angenehmsten Orte der Welt

Barnbougle

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Rüdiger Meyer

Das tasmanische Resort könnte auch in der Rubrik 'Die abgelegensten Orte der Welt' auftauchen. Dass dennoch Tag für Tag Hunderte begeisterte Menschen über die Fairways strömen, beweist, wie einzigartig es sein muss.

Gibt es Liebe auf den ersten Blick? Für Forscher ist die Antwort auf diese Frage ein klares Nein: Unser Körper produziert lediglich einen Hormoncocktail, der es uns suggeriert. Wer immer diese Studie durchgeführt hat, hat noch nie Barnbougle Dunes besucht. Als es mich 2013 in den Norden Tasmaniens verschlug, war es ein echtes Abenteuer. Weil der Flug aus Melbourne nach Launceston zwei Stunden Verspätung hatte, musste ich im Dunkeln die mit Kängurus und Wallabys gesäumten 80 Kilometer nach Bridport fahren und hätte auf dem Privatweg nach Lost Farms noch beinahe einen Wombat unter die Räder bekommen. Über den Platz selber hatte sich die Dunkelheit wie ein Tuch gelegt, das erst gelüftet wurde, als ich am nächsten Morgen auf den Balkon meiner Lodge trat - und schockverliebt war. Zugegeben: Ich hatte zu dieser Zeit noch wenige Golfplätze von Weltniveau gesehen, aber die sich durch Dünen schlängelnden Fairways, die sich unaufdringlich in die Landschaft einpassen, und die natürlich aussehenden Blow-out-Bunker machten mir schlagartig klar, meine große Liebe gefunden zu haben. Sie wurde nur noch inniger, als ich meine Runde auf Barnbougle Dunes spielte.

Die ersten zwei Löcher waren unspektakulär, da sie über flaches Gelände führten, aber als ich zum dritten Tee kletterte und in der Ferne einen gigantischen Dünenbunker sah, stellten sich zum ersten Mal meine Haare auf den Armen auf. Was danach folgte, gehört zu der besten Folge an Golflöchern, die die Welt gesehen hat: Bahn 4 ist ein kurzes Par 4, in dessen Dogleg ein Bunker steht, in dem man sich fühlt, als wäre man in King Kongs Händen eingeschlossen. Auf dem Weg zum fünften Tee beginnt der Puls zu rasen. Nicht weil man eine Düne besteigt, sondern weil die 20 Meter Fußweg auf der Kuppe einen atemberaubenden Blick auf die Bass-Straße liefern. Und anschließend muss man wie ein Biathlet den Herzschlag runterregeln, um das Eisen auf ein tiefergelegtes Grün zu spielen, das mehr Bewegung hat als ein Australian Shepherd beim Hüten einer Herde.

Die angenehmsten Orte der Welt: Die angenehmsten Orte der Welt:
Jedes Loch hat seinen eigenen Charakter, sodass ich mich auch viele Jahre und Tausende gespielte Golflöcher später noch an jeden Schlag erinnere. Sei es Bahn 6, bei der ich mich nicht von zwei Dünen ins Bockshorn jagen ließ, die das Fairway vom Tee optisch verknappen; die 10, bei deren Infinity-Green ich kurz den Gedanken hatte, ich könne wie ein alter Seefahrer vom Rand der Erde fallen; das dreistufige Grün der 13, auf dem ich auch nach zwei Stunden Putten nicht den Spaß verloren hätte; oder die 18, die mich in tiefe Depression versetzte, weil das beste Date meines Lebens zu Ende ging. Dass ich dabei mit Handicap 10 eine 102 auf der Scorekarte stehen hatte? Vollkommen egal!

Seit jenem Tag in Barnbougle Dunes habe ich viele Plätze gespielt, die in den Bestenlisten noch höher stehen wie Pacific Dunes, Tara Iti oder Royal County Down. Barnbougle Dunes blieb immer meine Nummer eins. Aber ist Tasmaniens Perle wirklich so gut? Oder war es nur eine Jugendliebe, die im Rückblick unnatürlich hochgehalten wird? Um das herauszufinden, nutzte ich einen Rückflug aus Neuseeland, um meinen Schwarm zu besuchen und herauszufinden, ob der Funke zwölf Jahre später noch überspringt. Und siehe da: Es war ein Waldbrand!

Die angenehmsten Orte der Welt:
Mittlerweile hat sich Barnbougle längst etabliert. Zu den beiden brillanten Plätzen Dunes und Lost Farms ist mit Barnbougle Run ein Kurzplatz hinzugekommen und die Greenfees halten sich dennoch im Rahmen. In Bandon Dunes, Oregon, reichen 215 Euro in der Hauptsaison gerade mal für neun Löcher, in Barnbougle kann man dafür so viel spielen, wie man will. Und das auf zwei Plätzen, die auch 21 bzw. 15 Jahre nach ihrer Eröffnung ganz ohne Fotofilter noch genauso schön sind wie bei ihrem Debüt.

Auf Lost Farm haben Bill Coore und Master-Sieger Ben Crenshaw vor allem bei den Par 5 bewiesen, warum sie aktuell zu den besten Designern der Welt gehören. Jedes von ihnen muss vom Tee durchdacht gespielt werden, will man sich nicht in die Bredouille bringen. Die Par 4 sind ein atemberaubender Mix aus kurzen Versionen, die das taktische Gefühl austesten, und langen, die das technische Können auf die Probe stellen. Und bei den Par 3 hatten die Designvirtuosen so viele tolle Ideen, dass sie gleich sechs bauten und Lost Farm zum 20-Loch-Platz machten - und auf dem angrenzenden Bougle Run ein weiteres Dutzend aus den Dünen schnitzten.

Noch besser sind die Par 3 allerdings auf der anderen Seite des Forester River, der die pittoreske Grenze zu Barnbougle Dunes bildet. Nirgendwo sonst auf der Welt habe ich bisher eine bessere Sammlung an One-Shottern gesehen. Am berühmtesten ist "Tom's Little Devil", die gerade einmal 112 Meter lange 7, deren extrem welliges Grün rundherum von Kratern verteidigt wird und äußerst anfällig für Wind ist. Aber auch die 16, zu deren Tee man am Forester River entlang zum höchsten Punkt der Anlage gelangt, ist eine solche Augenweide, dass ich regelrecht auf die Knie falle und darüber nachdenke, einen Antrag zu stellen. Doch das ist leider vergebliche Liebesmüh. Anders als bei den meisten Weltklasseplätzen gibt es keine Möglichkeit, Mitglied zu werden. In Barnbougle setzt man weiter auf freie Liebe. Offensichtlich bin ich nicht der Einzige, der sein Herz im tasmanischen Bridport verloren hat. GP

 
WOHNEN

WOHNEN

Aufgrund der Abgelegenheit der Region gibt es nur zwei sinnvolle Übernachtungsmöglichkeiten: die Cottages von The Dunes und die hochwertige Lodge von Lost Farm. Die geräumigen Suites mit Blick auf den Golfplatz haben Ledersofas und ein Badezimmer, das alle Wünsche bedient. Doch die größte Trumpfkarte ist das Restaurant, das neben großartigem Essen einen unübertrefflichen Blick über den Platz und die Bass-Straße bietet, die morgens und abends in spektakuläres Licht getaucht werden.

Golfplätze in der Region

LOST FARM

LOST FARM

20 Löcher, Par 78, 6.503 Meter

Adresse
425 Waterhouse Rd., Bridport TAS 7262
Tel. +61 (0)3.6310.8400
barnbougle.com.au

Greenfee
150 Euro, Tages-Greenfee: 200 Euro (für beide Plätze 215 Euro)

Mit dem 2010 eröffneten Lost Farm wurde Barnbougle endgültig zur Golf-Destination. Erstaunlicherweise konnten Bill Coore und Ben Crenshaw für ihren Zweitplatz mit noch größeren Dünen arbeiten, die so spektakulär waren, dass sie sich nicht auf 18 Löcher beschränken konnten. Und so finden sich auf der Scorekarte von Lost Farm gleich 20 - ganz ohne Füllermaterial. Insbesondere die vier Par 5 sind absolute Weltklasse, aber auch etliche der sechs Par 3 brennen sich tief in die Netzhaut ein.

Killerloch
Die 4 ist definitiv das coolste Loch des Platzes. Am äußersten Zipfel des Geländes gelegen wird das Grün von Bass-Straße und Forester River an zwei Seiten fast umspült. Direkt daneben liegt der fünfte Abschlag, der eine der anspruchsvollsten Bahnen einläutet, denn wer nach dem Drive die perfekte Ausgangsposition haben will, muss über eine gigantische Düne abkürzen. Wer auf Nummer sicher geht, macht das 443 Meter lange Par 4 automatisch zum Par 5. Logisch, dass es schwierigste Loch auf der Scorekarte ist.
www.barnbougle.com.au

BOUGLE RUN

BOUGLE RUN

14 Löcher, Par 44, 1.791 Meter

Greenfee
70 Euro

Spätestens seit Bandon Dunes 2012 den gefeierten Kurzplatz Bandon Preserve eröffnete, ist für große Golf-Resorts ein Spaß-Layout fast Pflicht geworden. In Barnbougle holte man sich dafür gleich Preserve-Architekt Bill Coore, dem beim Bau von Lost Farm bereits imposante Dünen aufgefallen waren. Für einen echten Platz hätte man diese plattmachen müssen, für einen Kurzplatz waren sie dagegen perfekt und so legte er zwei kurze Par 4 und zwölf Par 3 von 72 bis 141 Meter zwischen die Dünen, die die Dopaminproduktion im Mittelhirn auf Hochtouren bringen.

Killerloch
Die 4 ist mit 254 Metern das kürzere der beiden Par 4, jedoch auch das reizvollere. Vom hinteren Tee ist eine mit Bäumen und Sträuchern überwucherte Schlucht zu überwinden. Der Carry-Schlag ist mit 150 Metern zwar eine lösbare Aufgabe, aber wer direkt Richtung Grün spielt, muss zusätzlich noch eine kleine Bunker-Landschaft überwinden. Wer die Runde lediglich mit einem Drei-Schläger-Pencilbag spielen will, kann derweil eines der vorderen Tees nutzen und die Bahn als Par 3 ohne Carry spielen.

DUNES

DUNES

18 Löcher, Par 71, 6.148 Meter

Greenfee
siehe Barnbougle Lost Farms

Nur wenige Golfplätze sind auf so eindrucksvollen Dünen gebaut wie die einstige Kartoffelfarm von Richard Sattler. Direkt an der Bass-Straße bauten Tom Doak und Mike Clayton 2004 so unglaubliche 18 Löcher, dass jährlich Zehntausende in den Norden Tasmaniens strömen, nur um sie zu spielen. Aufgrund des unberechenbaren Winds spielt sich jede Runde anders und die klug eingesetzten Bunker sowie die mutig ondulierten Grüns sorgen dafür, dass mit jeder weiteren Runde der Spaß sogar noch zunimmt.

Killerloch
Die bis zu 446 Meter lange Bahn 8 ist auf dem Papier ein Par 4, man tut allerdings gut daran, sich vom Tee schon einmal eine Drei-Schlag-Strategie zurechtzulegen. Wer ein Green in Regulation erzielen will, muss das linke, höher gelegene Plateau des zweigeteilten Fairways treffen und anschließend beim langen Schlag ins Grün noch zwei Bunker überwinden. Deutlich entspannter ist es, wenn man stattdessen das breite rechte Fairway anvisiert, das am Tee optisch von einer Düne verdeckt wird, und anschließend auf etwa 80 Meter vorlegt, da sich auf den letzten Metern das Fairway extrem verengt. Jetzt nur noch ein Pitch auf das erhöhte Grün und wenigstens das Bogey ist in trockenen Tüchern.

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