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Costa de Prata

Silver Surfer

Von Rüdiger Meyer, Fotos: PR, Rüdiger Meyer

Wer zum Golfen nach Portugal fliegt, wählt meist die Algarve oder das boomende Comporta südlich von Lissabon. Doch für golferische Vielfalt sollte man aus der Hauptstadt gen Norden an die Silver Coast fahren.

Einmal im Jahr steht die Silver Coast im Fokus der Sportöffentlichkeit. Die Region, die sich grob zwischen Porto und Lissabon erstreckt und ihren Namen der auf dem Atlantik reflektierenden Sonne verdankt, sorgt im Winter mit der Big Wave Challenge in Nazaré für spektakuläre Bilder. Schließlich messen sich hier die besten Surfer der Welt nicht nur untereinander, sondern vor allen Dingen mit den bis zu 30 Meter hohen Wellen, die sich aufgrund eines Unterwassergrabens formen. Doch die einzigen Wellen, die ich reiten möchte, liegen auf den Fairways der vier Plätze, die sich im Umkreis von 20 Minuten um die historische Stadt Óbidos befinden. Für Golfer ist die Region nahe dem Surfer-Paradies Peniche immer noch ein Geheimtipp. Dabei finden sich hier vier Golfplätze, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Ein Paradebeispiel dafür ist der Ort, an dem 1997 alles begann: Praia d'El Rey. Der vom Amerikaner Cabell B. Robinson gestaltete Kurs ist ein wilder Stilmix aus Resort-Platz, Parkland-Design und Links-Golf. Wer jetzt ausruft: "Das sind ja drei Dinge auf einmal, das geht nun wirklich nicht!", dürfte genauso erstaunt reagieren wie der Vater aus einer Süßigkeitenwerbung der 90er, denn es geht ganz ausgezeichnet. Der Resort-Teil ist dabei zumindest optisch das notwendige Übel. Vom und zum Clubhaus führen die Bahnen zwischen Villen hindurch, sorgen aber wenigstens nicht wie in vielen anderen Urlaubsregionen für klaustrophobische Gefühle. Die Landezonen für Drives sind großzügig, gleichzeitig sorgen Doglegs wie an Loch 1 oder 2 dafür, dass man ohne die richtige Strategie auf dem Tee das Green in Regulation bereits vergessen kann.

Costa de Prata:

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BEREITS DER BLICK AUF DIE SCOREKARTE ZEIGT, DASS SEVE DEN PLATZ FÜR SEINESGLEICHEN ANGELEGT HAT.
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Da in Praia d'El Rey von zwei Tees gestartet wird, um den Platz effektiv auszulasten, gehe ich an diesem Morgen von Bahn 10 aus ins Rennen. Schnell wird klar, warum mir wenige Minuten zuvor, als ich aus dem "Praia d'El Rey Marriott" trat, ein Ball vor die Füße hoppelte, denn der Abschlag der 12 liegt nur 80 Meter vom Hoteleingang entfernt. Zwar sollen Fangnetze Querschläger abfangen, jedoch haben die schweren Frühjahrsstürme ihre Spuren hinterlassen, sodass die Fangquote nur noch so hoch ist wie die eines Anglers im Baggersee. Doch die Premiumlage des Hotels direkt am Atlantik signalisiert bereits, dass ab jetzt der aufregende Teil des Platzes beginnt. Am Grün der 12 öffnet sich der Blick über Strand und Meer, die auf den nächsten Löchern zu meinen Begleitern werden. Zwei Par 4 und ein Par 3 führen parallel zum Wasser entlang und die einzigen Häuser sind zwei pittoreske, langsam zerfallende Hütten neben dem 13. Grün. Bis vor 50 Jahren waren hier Polizisten stationiert, die Ausschau nach Schmugglern hielten. Heute stehen sie leer, denn das einzige Verbrechen, was dort noch zu beobachten ist, ist mein Slice an der 14, mit dem ich den Ball fast auf den Strand befördere.

So traumhaft die Szenerie auf den Back Nine auch ist, das beste Loch von Praia d'El Rey findet sich auf der Anfangsschleife. An Bahn 4 kehrt man dem Wasser zwar den Rücken zu, dafür fällt der Blick auf einen majestätischen Blow-out-Bunker, der das Grün auf der linken Seite verteidigt. Mit gerade einmal 304 Metern von den Backtees verleitet das kurze Par 4 zum Angriff, doch durch Dünen auf der linken und rechten Seite wird die Bahn immer mehr zum Flaschenhals: ein perfekt austariertes Risk-Reward-Szenario. Im Anschluss beginnt dann der dritte Teil des Platzes: Die Löcher fünf bis neun führen durch einen Nadelwald, sorgen für Parkland-Charakter und fordern höchste Präzision - unterbrochen nur von einem coolen Par 3, das nicht nur einen Carry-Schlag über einen Teich verlangt, sondern auch noch von einem erhöhten Abschlag gespielt wird.

Costa de Prata: Challenge: Wer findet nach fünf Bier noch sein Haus in Nazaré? (l.)Costa de Prata: Challenge: Wer findet nach fünf Bier noch sein Haus in Nazaré? (l.)
Challenge: Wer findet nach fünf Bier noch sein Haus in Nazaré? (l.)
Höhenunterschiede sind das Salz in der Suppe von Bom Sucesso, das, anders als der Name suggeriert, bisher kein großer Erfolg war. Als das Resort konzipiert wurde, hatten die Verantwortlichen ein ehrgeiziges Ziel, das vor allem auf Immobilien-Unikate abzielte. 23 renommierte Architekten wie der Deutsche Hans Kollhoff oder der Brite Sir David Chipperfield, Planer des Neuen Museums in Berlin, wurden angeheuert, um Villen und Hotels zu errichten, deren verbindendes Element begrünte Dächer, eine einstöckige Anlage und die Bahnen eines 18-Loch-Golfplatzes sind, die sich zwischen ihnen entlangschlängeln. Es gab nur ein Problem: Mitten in die Bauphase fiel die Weltfinanzkrise, die Portugal in eine jahrelange Rezession stürzte.

Die Folgen sind noch bis heute spürbar. Als ich am Clubhaus vorfahre, komme ich mir kurz vor wie Tom Hanks in "Cast Away". Mit einem großen Unterschied: Statt selber Feuer machen zu müssen, zaubert mir die Küche ein exzellentes Menü auf den Tisch. Momentan befindet sich das Resort in einer Übergangsphase. 2024 haben neue Eigentümer das Guardian Bom Sucesso Golf Resort übernommen und sich als eine der ersten Maßnahmen die Fertigstellung des Hotels auf die Fahne geschrieben, die bis 2027 erfolgen soll. Die Hoffnung ist, dass damit ebenso die Villen an Attraktivität gewinnen und neue Eigentümer finden. Es wäre wünschenswert, denn beim Spiel zwischen den mittlerweile ein wenig aus der Zeit gefallenen Häusern komme ich mir vor, als würde ich Crossgolf in einer Geisterstadt spielen.

 
Wohnen

Wohnen

PRAIA D'EL REY MARRIOTT

Das 1997 eröffnete Fünfsternehotel ist bis heute das bekannteste und beliebteste Übernachtungsangebot an der Silver Coast. Direkt neben dem zwölften Loch von Praia d'El Rey gelegen bietet es über den Garten direkten Zugang zum Meer. Neben 177 Zimmern und Suiten gibt es ein Spa und ein Fitnesscenter sowie dank Indoor- und Outdoor-Pool zu jeder Jahreszeit Schwimmgelegenheiten auch außerhalb des Meeres.

EVOLUTEE HOTEL & SPA

Das Boutique-Hotel liegt lediglich 200 Meter vom ersten Tee des Golfplatzes Royal Óbidos entfernt und thront über den Apartments des "Scenic Resort". Mit nur 40 Zimmern und Suiten hat das "Evolutee" eine familiäre Atmosphäre, was besonders im Spa und im Health Club angenehm ist. Ein Restaurant und mehrere Bars komplettieren das Angebot, wobei Lunch und Dinner im Clubhaus aufgrund der Aussicht über den Platz attraktiver sind.

Golfplätze in der Region

Praia d'el Rey

Praia d'el Rey

18 Löcher, Par 73, 6.434 Meter

Adresse
Avenida Dom Pedro Primeiro
2510-452 Vale de Janelas
Tel. + 351 262.905.005
praia-del-rey.com

Greenfee
bis 02. Juli: 122 Euro, 03. Juli bis 05. September: 82 Euro, 06. Sept. bis 13. November: 94,50 Euro, 15. November bis 28. Februar '27: 89 Euro

Bevor die Silberküste zur Golf-Destination wurde, gab es bereits Praia d'El Rey. 1997 öffnete das Design von Cabell B. Robinson seine Pforten. Auf den Front Nine arbeitet man sich zwischen Villen hindurch Richtung Wasser, spielt ein Par 3 parallel zum Meer und biegt danach in einen Pinienwald ab, wo Genauigkeit höchste Priorität hat. Die Back Nine sind dann zu großen Teilen so nah am Wasser gebaut wie man selber, wenn man die Schönheit dieser Bahnen erblickt. Nur schade, dass es zum Finale noch einmal zwischen den Villen entlanggeht.

Killerloch
Nur drei Par 4 sind kürzer als die von den Backtees 375 Meter lange 15 und dennoch hat sie auf der Scorekarte die dritthöchste Schwierigkeit. Dies liegt zum einen an der exponierten Lage direkt am Meer, die dem Wind volle Angriffsfläche bietet. Zum anderen befindet sich direkt in der Landezone ein Hügel, in den zwei Bunker modelliert wurden, aus denen man nur mit dem Sand Wedge aufs Fairway pitchen kann.
www.praia-del-rey.com

Guardian Bom Sucesso

Guardian Bom Sucesso

18 Löcher, Par 72, 6.238 Meter

Adresse
Avenida do Hotel Nş 1
2510-662 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.310
bomsucessoresort.pt

Greenfee
ca. 80 Euro

Der von Martin Ebert und Donald Steel designte Platz beginnt unspektakulär. Die neben dem Parkplatz beginnenden Front Nine weisen zwar schon Höhenunterschiede auf, die Bahnen sind jedoch typisch Resort-Platz. Dies ändert sich auf den Back Nine. Die Löcher werden mutiger, unkonventioneller und steigern sich in ihrer Qualität, bis sie von der 16 bis zur 18 in einem fantastischen Crescendo enden. Die leer stehenden Häuser, die wie ein Museumsdorf die Fairways säumen, stören allerdings den Gesamteindruck.

Killerloch
Bahn 17 von Bom Sucesso liegt auf dem höchsten Punkt der Anlage und bietet einen spektakulären Blick auf die Umgebung. Doch davon sollte man sich nicht ablenken lassen, schließlich fordert das 525 Meter lange Par 5 bei jedem Schlag höchste Konzentration. Die im Birdie-Book wie eine Amöbe aussehende Bahn schlängelt sich wie ein gespiegeltes C mit einem engen Fairway um eine Schlucht und endet in einem brillanten Grün, das gleichzeitig erhöht und in einer Senke liegt.
www.bomsucessoresort.pt

Royal Óbidos

Royal Óbidos

18 Löcher, Par 72, 6.692 Meter

Adresse
Cabeço da Serra 2510-665 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.220
royalobidos.com

Greenfee
bis 31. Mai, September u. Oktober: 94 Euro, Juni bis August: 77 Euro, ab November: 73,75 Euro

Dass Royal Óbidos das letzte Design von Seve Ballesteros ist, merkt man bereits an der Länge. Massive 6.700 Meter misst das Par 72 von den Backtees und anders als bei den anderen drei Plätzen der Silberküste spielt hier Wasser eine massive Rolle, vor allem auf den Back Nine. Dies allerdings nicht wegen des Ozeans, den man nur in der Ferne sieht, sondern durch neun künstliche Teiche, die sieben Grüns auf tückische Weise verteidigen. Selten sah man die Persönlichkeit eines Architekten deutlicher, denn vom Tee reduzierte der wild drivende Spanier das Wasser, aber beim Spiel ins Grün setzt der Eisen-Zauberer auf Präzision.

Killerloch
Bahn 2 ist ein Par 5, das kaum härter sein könnte. Auf der von den Backtees 548 Meter langen Bahn hat Seve die Drive-Landezone zum Flaschenhals gemacht. Longhitter können den Teich zwar überspielen, müssen dann aber zwei Bunker navigieren. Wer vor den Teich vorlegt, hat von dort an auf der linken Seite nur Wasser, das das Grün an drei Seiten verteidigt. Man könnte es niemandem verübeln, danach frustriert vom Platz zu gehen und lieber die direkt nebenan liegende Minigolf-Anlage auszuprobieren.
www.royalobidos.com

Royal Óbidos

West Cliffs

18 Löcher, Par 72, 6.382 Meter

Adresse
Estrada do Rio Cortiço 4
2510-665 Vau, Óbidos
Tel. + 351 262.249.880
westcliffs.com

Greenfee
ca. 189 Euro (bis 15. Nov.), ca. 135 Euro (ab 15. Nov. - Feb. 2027)

Elf Jahre lang arbeitete Pete Dyes Nichte Cynthia Dye McGarey an dem Layout, ehe es realisiert werden konnte. Diese Detailarbeit resultierte in einem der besten und anspruchsvollsten Layouts Portugals. Wer sich hier die falschen Tees an der 1 aussucht, wird an vielen der Forced Carries scheitern. Aber selbst wer die richtigen Boxen wählt, muss sich noch mit wilden Grüns und fantastischen Bunkern auseinandersetzen, die jedoch etwas weniger Sand gebrauchen könnten.

Killerloch
Loch 7 ist schon unter normalen Umständen eine Domina: brutal und sexy. Tee und Grün des bis zu 537 Meter langen Par 5 liegen etwa auf einer Höhe, doch das Fairway in der Mitte hat eine tiefe Senke, in der sich eine Waste Area befindet, nach sintflutartigen Regenfällen im Februar temporär aber ein (als Boden in Ausbesserung gekennzeichneter) Teich. Wer das Green in Regulation dennoch erreicht, hat das Par immer noch nicht sicher, denn das Grün kippt von hinten nach vorne und hat zudem viele subtile Ondulierungen.
www.westcliffs.com

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