Ein Paradebeispiel dafür ist der Ort, an dem 1997 alles begann: Praia d'El Rey. Der vom Amerikaner Cabell B. Robinson gestaltete Kurs ist ein wilder Stilmix aus Resort-Platz, Parkland-Design und Links-Golf. Wer jetzt ausruft: "Das sind ja drei Dinge auf einmal, das geht nun wirklich nicht!", dürfte genauso erstaunt reagieren wie der Vater aus einer Süßigkeitenwerbung der 90er, denn es geht ganz ausgezeichnet. Der Resort-Teil ist dabei zumindest optisch das notwendige Übel. Vom und zum Clubhaus führen die Bahnen zwischen Villen hindurch, sorgen aber wenigstens nicht wie in vielen anderen Urlaubsregionen für klaustrophobische Gefühle. Die Landezonen für Drives sind großzügig, gleichzeitig sorgen Doglegs wie an Loch 1 oder 2 dafür, dass man ohne die richtige Strategie auf dem Tee das Green in Regulation bereits vergessen kann.

»BEREITS DER BLICK AUF DIE SCOREKARTE ZEIGT, DASS SEVE DEN PLATZ FÜR SEINESGLEICHEN ANGELEGT HAT.«
So traumhaft die Szenerie auf den Back Nine auch ist, das beste Loch von Praia d'El Rey findet sich auf der Anfangsschleife. An Bahn 4 kehrt man dem Wasser zwar den Rücken zu, dafür fällt der Blick auf einen majestätischen Blow-out-Bunker, der das Grün auf der linken Seite verteidigt. Mit gerade einmal 304 Metern von den Backtees verleitet das kurze Par 4 zum Angriff, doch durch Dünen auf der linken und rechten Seite wird die Bahn immer mehr zum Flaschenhals: ein perfekt austariertes Risk-Reward-Szenario. Im Anschluss beginnt dann der dritte Teil des Platzes: Die Löcher fünf bis neun führen durch einen Nadelwald, sorgen für Parkland-Charakter und fordern höchste Präzision - unterbrochen nur von einem coolen Par 3, das nicht nur einen Carry-Schlag über einen Teich verlangt, sondern auch noch von einem erhöhten Abschlag gespielt wird.


Die Folgen sind noch bis heute spürbar. Als ich am Clubhaus vorfahre, komme ich mir kurz vor wie Tom Hanks in "Cast Away". Mit einem großen Unterschied: Statt selber Feuer machen zu müssen, zaubert mir die Küche ein exzellentes Menü auf den Tisch. Momentan befindet sich das Resort in einer Übergangsphase. 2024 haben neue Eigentümer das Guardian Bom Sucesso Golf Resort übernommen und sich als eine der ersten Maßnahmen die Fertigstellung des Hotels auf die Fahne geschrieben, die bis 2027 erfolgen soll. Die Hoffnung ist, dass damit ebenso die Villen an Attraktivität gewinnen und neue Eigentümer finden. Es wäre wünschenswert, denn beim Spiel zwischen den mittlerweile ein wenig aus der Zeit gefallenen Häusern komme ich mir vor, als würde ich Crossgolf in einer Geisterstadt spielen.

Wohnen
PRAIA D'EL REY MARRIOTT
Das 1997 eröffnete Fünfsternehotel ist bis heute das bekannteste und beliebteste Übernachtungsangebot an der Silver Coast. Direkt neben dem zwölften Loch von Praia d'El Rey gelegen bietet es über den Garten direkten Zugang zum Meer. Neben 177 Zimmern und Suiten gibt es ein Spa und ein Fitnesscenter sowie dank Indoor- und Outdoor-Pool zu jeder Jahreszeit Schwimmgelegenheiten auch außerhalb des Meeres.EVOLUTEE HOTEL & SPA
Das Boutique-Hotel liegt lediglich 200 Meter vom ersten Tee des Golfplatzes Royal Óbidos entfernt und thront über den Apartments des "Scenic Resort". Mit nur 40 Zimmern und Suiten hat das "Evolutee" eine familiäre Atmosphäre, was besonders im Spa und im Health Club angenehm ist. Ein Restaurant und mehrere Bars komplettieren das Angebot, wobei Lunch und Dinner im Clubhaus aufgrund der Aussicht über den Platz attraktiver sind.Golfplätze in der Region

Praia d'el Rey
18 Löcher, Par 73, 6.434 MeterAdresse
Avenida Dom Pedro Primeiro
2510-452 Vale de Janelas
Tel. + 351 262.905.005
praia-del-rey.com
Greenfee
bis 02. Juli: 122 Euro, 03. Juli bis 05. September: 82 Euro, 06. Sept. bis 13. November: 94,50 Euro, 15. November bis 28. Februar '27: 89 Euro
Bevor die Silberküste zur Golf-Destination wurde, gab es bereits Praia d'El Rey. 1997 öffnete das Design von Cabell B. Robinson seine Pforten. Auf den Front Nine arbeitet man sich zwischen Villen hindurch Richtung Wasser, spielt ein Par 3 parallel zum Meer und biegt danach in einen Pinienwald ab, wo Genauigkeit höchste Priorität hat. Die Back Nine sind dann zu großen Teilen so nah am Wasser gebaut wie man selber, wenn man die Schönheit dieser Bahnen erblickt. Nur schade, dass es zum Finale noch einmal zwischen den Villen entlanggeht.
Killerloch
Nur drei Par 4 sind kürzer als die von den Backtees 375 Meter lange 15 und dennoch hat sie auf der Scorekarte die dritthöchste Schwierigkeit. Dies liegt zum einen an der exponierten Lage direkt am Meer, die dem Wind volle Angriffsfläche bietet. Zum anderen befindet sich direkt in der Landezone ein Hügel, in den zwei Bunker modelliert wurden, aus denen man nur mit dem Sand Wedge aufs Fairway pitchen kann.
www.praia-del-rey.com

Guardian Bom Sucesso
18 Löcher, Par 72, 6.238 MeterAdresse
Avenida do Hotel Nş 1
2510-662 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.310
bomsucessoresort.pt
Greenfee
ca. 80 Euro
Der von Martin Ebert und Donald Steel designte Platz beginnt unspektakulär. Die neben dem Parkplatz beginnenden Front Nine weisen zwar schon Höhenunterschiede auf, die Bahnen sind jedoch typisch Resort-Platz. Dies ändert sich auf den Back Nine. Die Löcher werden mutiger, unkonventioneller und steigern sich in ihrer Qualität, bis sie von der 16 bis zur 18 in einem fantastischen Crescendo enden. Die leer stehenden Häuser, die wie ein Museumsdorf die Fairways säumen, stören allerdings den Gesamteindruck.
Killerloch
Bahn 17 von Bom Sucesso liegt auf dem höchsten Punkt der Anlage und bietet einen spektakulären Blick auf die Umgebung. Doch davon sollte man sich nicht ablenken lassen, schließlich fordert das 525 Meter lange Par 5 bei jedem Schlag höchste Konzentration. Die im Birdie-Book wie eine Amöbe aussehende Bahn schlängelt sich wie ein gespiegeltes C mit einem engen Fairway um eine Schlucht und endet in einem brillanten Grün, das gleichzeitig erhöht und in einer Senke liegt.
www.bomsucessoresort.pt

Royal Óbidos
18 Löcher, Par 72, 6.692 MeterAdresse
Cabeço da Serra 2510-665 Vau, Óbidos
Tel. +351 262.965.220
royalobidos.com
Greenfee
bis 31. Mai, September u. Oktober: 94 Euro, Juni bis August: 77 Euro, ab November: 73,75 Euro
Dass Royal Óbidos das letzte Design von Seve Ballesteros ist, merkt man bereits an der Länge. Massive 6.700 Meter misst das Par 72 von den Backtees und anders als bei den anderen drei Plätzen der Silberküste spielt hier Wasser eine massive Rolle, vor allem auf den Back Nine. Dies allerdings nicht wegen des Ozeans, den man nur in der Ferne sieht, sondern durch neun künstliche Teiche, die sieben Grüns auf tückische Weise verteidigen. Selten sah man die Persönlichkeit eines Architekten deutlicher, denn vom Tee reduzierte der wild drivende Spanier das Wasser, aber beim Spiel ins Grün setzt der Eisen-Zauberer auf Präzision.
Killerloch
Bahn 2 ist ein Par 5, das kaum härter sein könnte. Auf der von den Backtees 548 Meter langen Bahn hat Seve die Drive-Landezone zum Flaschenhals gemacht. Longhitter können den Teich zwar überspielen, müssen dann aber zwei Bunker navigieren. Wer vor den Teich vorlegt, hat von dort an auf der linken Seite nur Wasser, das das Grün an drei Seiten verteidigt. Man könnte es niemandem verübeln, danach frustriert vom Platz zu gehen und lieber die direkt nebenan liegende Minigolf-Anlage auszuprobieren.
www.royalobidos.com

West Cliffs
18 Löcher, Par 72, 6.382 MeterAdresse
Estrada do Rio Cortiço 4
2510-665 Vau, Óbidos
Tel. + 351 262.249.880
westcliffs.com
Greenfee
ca. 189 Euro (bis 15. Nov.), ca. 135 Euro (ab 15. Nov. - Feb. 2027)
Elf Jahre lang arbeitete Pete Dyes Nichte Cynthia Dye McGarey an dem Layout, ehe es realisiert werden konnte. Diese Detailarbeit resultierte in einem der besten und anspruchsvollsten Layouts Portugals. Wer sich hier die falschen Tees an der 1 aussucht, wird an vielen der Forced Carries scheitern. Aber selbst wer die richtigen Boxen wählt, muss sich noch mit wilden Grüns und fantastischen Bunkern auseinandersetzen, die jedoch etwas weniger Sand gebrauchen könnten.
Killerloch
Loch 7 ist schon unter normalen Umständen eine Domina: brutal und sexy. Tee und Grün des bis zu 537 Meter langen Par 5 liegen etwa auf einer Höhe, doch das Fairway in der Mitte hat eine tiefe Senke, in der sich eine Waste Area befindet, nach sintflutartigen Regenfällen im Februar temporär aber ein (als Boden in Ausbesserung gekennzeichneter) Teich. Wer das Green in Regulation dennoch erreicht, hat das Par immer noch nicht sicher, denn das Grün kippt von hinten nach vorne und hat zudem viele subtile Ondulierungen.
www.westcliffs.com



