Viele Jahrzehnte lang brauchte man eigentlich nicht darüber zu diskutieren, auf welcher Seite dieser beiden Parallelgesellschaften die wirkliche Qualität der Golfanlagen in Sachen Design, Pflegezustand und Service zu finden war. Schließlich waren und sind die Top-100-Listen der besten Golfplätze der USA gespickt mit Country Clubs, deren Tore für Nicht-Mitglieder mindestens so verschlossen sind wie das Herz von C. Montgomery Burns für Waylon Smithers. Öffentliche Anlagen fanden sich - mit Ausnahme einiger Klassiker wie Torrey Pines oder Bethpage Black und sündhaft teurer Nobel-Resorts wie Pebble Beach - bisher so gut wie nie unter den besten Plätzen der USA.
In den vergangenen 20 Jahren zeichnet sich jedoch ein erfreulicher Trend ab. Neue Anlagen und Redesigns wie Winter Park 9 in Orlando, Charleston Municipal in South Carolina oder Gus Wortham Park in Houston haben bewiesen, dass öffentliche Golfanlagen spannendes Design, erstklassige Pflege und jede Menge Spaß für alle Spielstärken zu erschwinglichen Preisen bieten können. Von luftigen Höhen wie einer Top-100-Liste waren diese Wiesen zugegebenermaßen noch weit entfernt, doch seit im April 2023 The Park West Palm seine Tore für alle Golfer öffnete, erfuhr der Trend, dass öffentliche Golfplätze durchaus auch Weltklasseformat haben können, einen neuen Schub. Denn diese 18 Löcher in Florida haben tatsächlich das Zeug dazu, in einem Atemzug mit den besten Championship-Plätzen einer riesigen Golfnation genannt zu werden, in der sagenhaft gute Golfanlagen so verbreitet sind wie Fastfood-Ketten.


Denn The Park ist kein kompletter Neubau. Wer heute hier spielt, bewegt sich auf geschichtsträchtigem Boden. Der ursprüngliche Golfplatz an dieser Stelle wurde bereits 1947 als West Palm Beach Country Club eröffnet. Verantwortlich zeichnete damals der renommierte Golfarchitekt Dick Wilson, der in der Nachkriegszeit einige der bedeutendsten Plätze der USA entwarf wie Bay Hill oder das Blue Monster in Doral. In seiner Blütezeit galt die später als West Palm Beach Golf Course geführte Anlage als einer der besten öffentlichen Golfplätze des Landes und war Austragungsort großer Profiturniere wie etwa der West Palm Beach Open, die 1959 kein Geringerer als Arnold Palmer gewann.
Doch wie so viele Anlagen in öffentlicher Hand hatte auch dieser Platz im Laufe der Jahre mit immer größeren Problemen zu kämpfen. Wartungskosten stiegen, nötige Investitionen blieben aus und der einst gefeierte 18-Loch-Platz büßte an Qualität ein. 2018 zog die Stadt schließlich die Reißleine und schloss die Anlage, denn die operativen Verluste steigerten sich am Ende auf mehr als 60.000 Dollar monatlich.

Die Wiedergeburt begann mit einer Gruppe lokaler Golfenthusiasten rund um Seth Waugh, den damaligen CEO der PGA of America, und den Unternehmer Dirk Ziff. Gemeinsam mit Unterstützern aus einer an solventen Mitbürgern nicht gerade armen Region sammelten die beiden über 55 Millionen Dollar, um den geschlossenen Golfplatz komplett neu zu entwickeln.
Die Idee war radikal, aber einfach: Auf den fast 80 Hektar städtischen Landes sollte kein exklusiver Club entstehen, sondern ein für alle Golferinnen und Golfer offener Treffpunkt - ein Park, der ganz beiläufig auch über einen Weltklasse-Golfplatz verfügt. Deshalb trägt die Anlage auch ihren heutigen Namen. "Wie ein Park soll dieser Ort allen gehören", sagte Waugh zur Eröffnung.
Für einen Platz dieser Güteklasse braucht es selbstverständlich auch einen Architekten von Weltrang und der stand mit Gil Hanse glücklicherweise bereit. Zusammen mit seinem Design-Partner Jim Wagner entwarf der Architekt des Olympischen Golfplatzes von Rio 2016, von Castle Stuart in Schottland oder Streamsong Black nicht nur einen völlig neuen Platz. Hanse verzichtete sogar auf sein ansonsten recht happiges Designhonorar, um das Projekt zu unterstützen. Der neue Platz öffnete schließlich am 17. April 2023 seine Tore für die Öffentlichkeit. Wenige Tage zuvor hatte bereits kein Geringerer als Tiger Woods den feierlichen ersten Ball in The Park West Palm abgeschlagen und der Anlage somit den ersten Ritterschlag verliehen.


Das bezieht sich glücklicherweise nicht nur auf die Möglichkeit, Startzeiten zu buchen, sondern auch auf das Design der 18 Löcher. Schon am ersten Abschlag wird klar, dass Hanse hier keinen klassischen Florida-Golfplatz gebaut hat. Die Fairways sind ungewöhnlich breit, die Grüns komplex modelliert und statt Wasserhindernissen dominieren sandige Waste Areas und tiefe Bunker. Das Gelände liegt auf einem natürlichen Sandrücken entlang der Atlantikküste - ein geologisches Detail, das Hanse perfekt auszunutzen versteht.
Wie es sich für einen modernen Weltklasse-Golfplatz gehört, bestraft The Park nicht jeden aus der Richtung geschlagenen Drive mit dem Todesurteil. Bei den Annäherungsschlägen zur Fahne und spätestens auf den teilweise riesigen Grüns wird dann jedoch schnell deutlich, dass ein guter Score hier ein wirklich komplettes Golfspiel verlangt. Selbst Tiger Woods war bei seinem ersten Besuch äußerst angetan und bezeichnete The Park als "one-ball course": einen Platz, auf dem man kaum Bälle verliert.
Klingt alles zu schön, um wahr zu sein? Nicht wirklich, schließlich ist The Park West Palm absolut real und wirklich für jeden Golfer zugänglich. Dass die Startzeiten einer solch grandiosen Anlage beinahe so beliebt sind wie Tee Times auf dem Old Course in St. Andrews und die Greenfee-Preise aufgrund von Dynamic Pricing für internationale Gäste an gefragten Tagen auch mal die 300-Dollar-Grenze überschreiten können, sind Nebenwirkungen, die man für öffentliches Golf dieser Güteklasse mittlerweile in Kauf nehmen muss.
Wert ist eine Runde in The Park das auf jeden Fall. Allein schon aufgrund der Tatsache, dass ein revolutionärer Golfplatz mit dem Motto "Open Golf" ausgerechnet in West Palm Beach liegt - keine zwei Kilometer Luftlinie von Mar-a-Lago entfernt, wo bekanntermaßen ein anderer weltberühmter Golfer wohnt, der einer solchen Anlage garantiert niemals einen Besuch abstatten würde. Schließlich gibt es hier weder künstliche Wasserfälle noch goldene Wasserhähne und schon gar keine Top-secret-Dokumente auf den Toiletten. Zum Glück.
Golfplätze in der Region

The Park West Palm
18 Löcher, Par 71, 6.533 MeterAdresse
7301 Georgia Ave.,
West Palm Beach, FL 33405
theparkwestpalm.com
Greenfee
ca. 85 bis 300 Euro (saisonabhängig)
Als neue Benchmark, was eine öffentliche Golfanlage leisten kann, ist The Park in vielerlei Hinsicht bahnbrechend. Herzstück dieser Anlage sind die von Gil Hanse und Jim Wagner entworfenen 18 Löcher, die mit breiten Fairways locken, aber selbst Profi-Golfer mit genialen Bunkern und extrem komplexen Grüns bei jedem Schlag zur Fahne fordern. Kommt dann noch der häufig blasende Wind aus Richtung des Intracoastal Waterway hinzu, hat man es mit einem waschechten Links-Erlebnis zu tun - in Florida (!). Ein Besuch in The Park West Palm sollte für jeden Besucher des Sunshine State zum Pflichtprogramm gehören. Doch Achtung: Nach einer Runde hier wird die Wehmut nach Golf dieser Güteklasse enorm sein, kaum hat man wieder deutschen Boden betreten.
Killerloch
Die bis zu 446 Meter lange Bahn 8 ist auf dem Papier ein Par 4, man tut jedoch gut daran, sich vom Tee schon mal eine Drei-Schlag-Strategie zurechtzulegen. Wer ein Green in Regulation erzielen will, muss das linke, höher gelegene Plateau des zweigeteilten Fairways treffen und anschließend beim langen Schlag ins Grün noch zwei Bunker überwinden. Deutlich entspannter ist es, wenn man stattdessen das breite rechte Fairway anvisiert, das am Tee optisch von einer Düne verdeckt wird, und anschließend auf etwa 80 Meter vorlegt, da sich auf den letzten Metern das Fairway extrem verengt. Jetzt nur noch ein Pitch auf das erhöhte Grün und wenigstens das Bogey ist in trockenen Tüchern.
www.theparkwestpalm.com



