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Valencia – Teil 2

Ein starkes Comeback

Von Rudi Schaarschmidt, Fotos: PR

An einige Löcher wird man sich noch längere Zeit erinnern wie zum Beispiel an das großartige Par 5 der 15. Oder an die Schlussbahn, die zeigt, dass ein Par 4 nicht lang sein muss, um auch die Besten maximal zu fordern. Obwohl sie selbst von den schwarzen Profi-Tees nur 327 Meter lang ist, geht es von einem erhöhten Abschlag in ein Tal, an dessen Sohle zu beiden Seiten Bunker auf ungenaue Drives warten. Die letzten 80 Meter führen steil bergauf, sodass auch deutlich längere Drives am Ende wieder in die Talsohle zurückrollen. So hat fast jeder einen etwa 80 Meter langen Schlag bergauf in ein quer liegendes Handtuch von einem Grün, dessen Front von hohen Bunkern beschützt wird und hinter dem ein Bunker sowie die steile Steinwand der Clubhausterrasse warten. Was sich hier abspielt, ist für alle, die auf der Clubterrasse gerade ihren Cortado genießen, oftmals besser als Kino.

Ebenfalls ganz erheblich von der Flutkatastrophe betroffen war Foressos Golf, gut 20 Kilometer südlich des Stadtzentrums. Die Lage wirkt erst einmal abschreckend: Die Autobahnausfahrt endet praktisch am Golfplatz und hinter dem Clubhaus, einer Masía aus dem 17. Jahrhundert, erhebt sich der Wachturm vom benachbarten Gefängnis. José Gancedo, der für über 20 Plätze an den spanischen Küstenstreifen verantwortlich zeichnet und dem der Beiname "Picasso des Golfts" anhaftet, hat auf dem flachen Gelände allerdings 18 sportliche und anspruchsvolle Löcher erschaffen, die 2007 eröffnet wurden. Vor allem die Grüns, von denen die meisten verschiedene Plateaus aufweisen, machen Spaß. Der Club wirbt mit dem längsten Grün Europas - das schmale, aber 70 Meter (!) lange und stufige Monster an Loch 7 kann von heute auf morgen aus einem kurzen Par 3 ein langes machen und umgekehrt. Die Bahnen 2, 14 und 16 teilen sich zudem das größte Dreifach-Grün Europas und sollen Gancedos Gespür für spektakuläre, aber spielbare Architektur widerspiegeln.

Valencia: Valencia:
Die Bahnen werden gesäumt von unfassbar vielen Palmen und Olivenbäumen und 14 Seen, von denen bei unserem Besuch einige leider nicht mit Wasser gefüllt waren. Besonders bedauerlich erwies sich dies an der 13. Das Par 4 ist das Signature Hole, da es als Dogleg eigentlich um einen großen See herumführt, doch ohne Wasser ist der optische Augenschmaus nicht gegeben. In puncto Platzpflege kann Foressos nicht mit den renommierteren drei Mitbewerbern der Region mithalten. Würde ich in diesem unprätentiösen Club auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Golf-Erlebnis spielen? Nein. Aber um in netter Atmosphäre in angenehmer Gesellschaft eine spannende Runde für einen schmalen Taler zu spielen, lohnt sich ein Besuch jederzeit.

Zum Abschluss unserer Reise fahren wir direkt ans Meer ins "Parador El Saler". Parador ist eine staatliche Hotelkette, die ihre Gäste zumeist in historischen Gebäuden, Burgen, Schlössern oder Klöstern empfängt - oder, wie in diesem Fall, an einem Golfplatz. Nachdem El Saler 1968 eröffnet worden war, wurde er kurz darauf zum besten Golfplatz Kontinentaleuropas gewählt. Javier Arana Ybarra war spanischer Amateur-Champion, Kapitän des Nationalteams, Mitbegründer des spanischen Golfverbands, Greenkeeper und gilt als bester Golfplatzarchitekt des Landes. Während seines jahrzehntelangen Schaffens hat er genau zehn Anlagen erschaffen. Mit El Saler, seinem neunten Projekt, gelang ihm sein Meisterwerk. Nachdem er den Auftrag erhalten hatte, auf diesem Traumgrundstück einen Kurs zu bauen, wohnte er einen Monat lang in einem Zelt am Strand, nur um die vorherrschenden Windrichtungen zu studieren. Anschließend hat er keine zwei aufeinanderfolgenden Bahnen in dieselbe Richtung gebaut, damit sich die Spieler an jeder Bahn aufs Neue auf veränderte Windverhältnisse einstellen müssen.

Valencia:
Das Gelände erstreckt sich über einen Kilometer den Strand entlang. Arana verteilte Löcher am Meer und im Wald über die ersten und zweiten neun Löcher und verbindet damit meisterhaft die Sanddünen, den Pinienwald und den Übergang zwischen beiden. Damit folgte er dem Mantra seines Lehrmeisters Tom Simpson: "Es sind nicht einzelne Löcher, die einen großartigen Golfplatz ausmachen. Es ist vielmehr die Beziehung, die zwischen einem Loch und dem nächsten besteht."

Eine gute Beziehung sollte man auf diesem Platz vor allen Dingen zum eigenen Putter haben. Die durchschnittlich 40 Meter tiefen Grüns verleihen dem Platz je nach Fahnenposition eine zusätzliche Vielseitigkeit. Die 8 (Par 4) entlang der Küste und das Par 3 der 17 sind Javier Aranas hervorstechende Geniestreiche auf diesem anspruchsvollen Golfplatz, der sich ebenfalls bereits in den Geschichtsbüchern der European Tour verewigt hat.

Valencia: Valencia:
Bernhard Langer sicherte sich 1984 den ersten seiner beiden Spanish-Open-Titel mit einer 62er-Schlussrunde - bis heute der Platzrekord. Als das Turnier 2013 zum vorerst letzten Mal in El Saler Station machte, hätte Maximilian Kieffer sein erstes volles Jahr auf der Tour beinahe mit seinem ersten Tourtitel gekrönt - zog aber im historisch längsten Stechen der Tourgeschichte nach zwei Stunden gegen den Franzosen Raphaël Jacquelin den Kürzeren. Als sie zum zehnten Mal in Folge die schwierige 18 spielten, beendete Jacquelin die Hoffnungen von Kieffer mit einem Birdie.

Ebenso wie dieses Stechen bleibt auch El Saler lange im Gedächtnis. Und vielleicht ist genau das der wahre Heilige Gral des Golfsports: nicht Vollkommenheit, sondern Golfplätze zu finden, auf denen Wind, Dünen, Wald und Architektur so harmonisch zusammenfinden, dass man für ein paar Stunden vergisst, wie unmöglich dieses Spiel eigentlich ist.

 

Golfplätze in der Region

CLUB DE GOLF ESCORPIÓN

CLUB DE GOLF ESCORPIÓN

18 Löcher, Par 71, 6.298 Meter

Adresse
Carretera Bétera a San
Antonio de Benagéber,
46117 Bétera, Valencia
Tel. +34 961.601.2110
clubescorpion.com

Greenfee
16. September bis 31. Mai: 150 bis 170 Euro, 01. Juni bis 15. Juli, 01.-15. Sept.: 116 bis 138 Euro, 16. Juli bis 31. August: 97 bis 106 Euro

Ein semiprivater Country Club für die High Society von Valencia. Die wenigsten der 2.600 Mitglieder dieses flachen Parkland-Kurses dürften in ihrem Leben schon mal Straßenbahn oder Bus gefahren sein. Sie haben die Wahl zwischen den älteren Neunloch-Schleifen Lagos und Masía von Ron Kirby und den später hinzugefügten Nuevos von Alfonso Vidaor. Man ist zwar nicht auf Greenfee-Spieler angewiesen, aber an gewissen Tagen und Tageszeiten lässt man sie zu.

Killerloch
Die Schlussbahn der Lagos-Schleife ist ein Par 5 (bis zu 506 m), bei dem am Anfang und am Ende große Seen auf Fehlschläge lauern. Der Weg zum Grün verengt sich immer mehr. Eine große Kiefer zur Linken, ein vorgelagerter Wasserlauf und ein großer See zur Rechten machen den dritten Schlag knifflig.
www.clubescorpion.com

EL BOSQUE CLUB DE GOLF

EL BOSQUE CLUB DE GOLF

18 Löcher, Par 72, 6.470 Meter

Adresse
Carretera de Godelleta km 4.1,
46370 Chiva, Valencia
Tel. +34 961.808.009
elbosquegolf.com

Greenfee
95 bis 135 Euro (je nach Saison und Tageszeit)

Einer von nur sechs Clubs in Spanien, die aus der Feder von Robert Trent Jones sen. stammen, dessen Philosophie man vor allem an den großartigen erhöhten Grünkomplexen erkennt. Die 1975 eröffnete Anlage kommt heute daher wie ein edler Country Club. Neben einem fantastischen Golfplatz gibt es noch Padel-Courts, einen Swimmingpool und ein Fußball-Kleinfeld. Und von den riesigen Terrassen des dreistöckigen Clubhauses hat man einen Logenblick auf das grandiose Schlussloch.

Killerloch
Die 9 (Par 4, 384 m) ist ein weich gezogenes Dogleg mit einem Fairway wie ein Schildkrötenrücken, der nach links hängt, wo ein Wassergraben die komplette Spielbahn begleitet. In Drive-Länge verhindern Bunker die Ideallinie. Das Grün (quasi der Schildkrötenkopf auf einem schmalen Hals) ist erhöht, von Bunkern bestens bewacht und fällt zur False Front hin ab - für den Durchschnitts-Amateur ist ein Par illusorisch.
www.elbosquegolf.com

CAMPO DE GOLF EL SALER

18 Löcher, Par 72, 6.355 Meter

Adresse
Avenida de los Pinares 151,
46012 El Saler, Valencia
Tel. +34 963.060.720
golfenparadores.es

Greenfee
110 bis 125 Euro (je nach Saison und Tageszeit), Parador-Hotelgäste zahlen die Hälfte

Im Naturpark Albufera direkt an der Mittelmeerküste hat Javier Arana durch Dünen und den dahintergelegenen Pinienwald auf den Front Nine wie auch auf den Back Nine eine Mischung aus Links- und Parkland-Kurs geschaffen. Dabei hat der Baske das Prinzip der Triangulation beherzigt: Keine zwei aufeinanderfolgenden Löcher sind in dieselbe Richtung ausgerichtet, sodass man sein Spiel ständig an die vorherrschenden Winde anpassen muss, Loch für Loch.

Killerloch
Wie es sich für einen Platz gehört, auf dem zahlreiche Tour-Events ausgetragen wurden, ist das Schlussloch das härteste Brett: ein Par 4 (404 m), das sich in einer leichten Linkskurve über mehrere Wellen zum erhöhten Grün zieht. Neben der schieren Länge, die keinen 80-Prozent-Schlag erlaubt, machen insgesamt sieben Bunker das Leben zusätzlich schwer.
www.golfenparadores.es

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