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Valencia

Ein starkes Comeback

Von Rudi Schaarschmidt, Fotos: PR

Es hat lange gedauert und es sind Narben geblieben. Doch nach der Flutkatastrophe im Herbst 2024 kehrt in Valencia langsam wieder Normalität ein. Auch auf einigen der spannendsten Golfplätze des Landes.

Der Heilige Gral ist der christlichen Mythologie zufolge jener Kelch, den Jesus beim Abendmahl mit seinen Jüngern teilte und in dem sein Blut bei der Kreuzigung aufgefangen wurde. Wer daraus trinkt, soll ewiges Leben oder zumindest absolute Vollkommenheit erlangen. Was für eine Vorstellung: So könnte man möglicherweise Scottie Scheffler vom Golf-Thron stoßen. Genau diese Chance hat man in der imposanten Kathedrale von Valencia. Leider befindet sich die Reliquie, die schon Monty Python und Indiana Jones suchten, unzugänglich in einem goldenen Schrein in einer Seitenkapelle, weshalb die angestrebte Vollkommenheit Utopie bleiben muss. Wer ohnehin an der Echtheit der Reliquie zweifelt, kann einfach diese wunderschöne Stadt am Mittelmeer genießen: die großzügigen Strände, die lebhafte Marina mit ihren vielen Unterhaltungsangeboten und Restaurants und das maurische Viertel El Carmen, das zum Bummeln durch enge Gassen der Altstadt mit ihren historischen Gebäuden einlädt. Oder natürlich das moderne Wahrzeichen Valencias: die Stadt der Künste und Wissenschaften - eine Welt pulsierenden Kulturlebens mit Kino, Opernhaus und Museen, deren Gebäude so futuristisch anmuten, dass sie in der "Star Wars"-Serie "Andor" als Kulisse für den Senat dienten.

Anscheinend das Einzige, was in der mit 850.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Spaniens Mangelware ist, sind Golfplätze. Wenn man im Netz auf der Seite des offiziellen spanischen Tourismusportals nach Sport- und Freizeitmöglichkeiten in Valencia sucht, werden einem Wandern, Radfahren, Reiten und alle Arten von Wassersport angeboten. Von Golf steht da nichts. Wenn ich meine Behausung im kleinen Pulheim verlasse und ins Auto steige, kann ich in spätestens einer Viertelstunde sechs Golfclubs mit insgesamt 144 erwachsenen Spielbahnen erreichen. Wer in Valencia wohnt, hat es da deutlich schlechter erwischt: Im Umkreis von 40 Kilometern warten lediglich vier Clubs mit mindestens 18 Löchern im Speckgürtel der Metropole. Aber: Wer auf Klasse statt Masse setzt und gerne Plätze "sammelt”, auf denen bereits Tour-Events ausgetragen wurden, ist hier genau richtig.

Valencia:
Im Club de Golf Escorpión im Norden der Stadt kann man auf den Spuren des jungen Severiano Ballesteros wandeln. Seve belegte drei Wochen nach seinem ersten Masters-Triumph bei der Spanish Open 1980 den zweiten Platz. Gerade mal fünf Jahre nach der Eröffnung des Nobelclubs war es das erste Stelldichein der European Tour. 15 Jahre später gewann der Schwede Robert Karlsson hier seinen ersten von insgesamt elf Titeln auf der European Tour.

Das Clubhaus ist ein altes, vornehm renoviertes Herrschaftshaus. Mitglieder erwerben für 20.000 Euro einen Anteil, bezahlen 15.000 Euro Aufnahmegebühr und 2.000 Euro Jahresbeitrag. Da Fußball etwas fürs Volk ist, ist das schwache Abschneiden des FC Valencia und des deutlich traditionsreicheren UD Levante in La Liga kein großes Thema im Country Club der Reichen. Es gibt im auch für Greenfee-Spieler teuersten Club der Region an den Abschlägen keine Tafeln mit den Darstellungen der Bahnen. Es gibt auch keinen Course-Guide. Man kennt seinen Platz.

Auf dem riesigen Putting-Grün trifft uns dann der Schlag: Eine Glasplatte kommt gegen diesen kurzgemähten Bentgras-Teppich wie Kopfsteinpflaster daher. Die Bälle hören gar nicht auf zu rollen und machen das Putten zur größten Herausforderung auf den selbstredend gut gepflegten 27 Spielbahnen. Fünf Seen, zahlreiche Palmen und Orangenbäume sorgen für eine schöne Optik, die durch eine über den Platz führende Stromleitung etwas getrübt wird. Irgendwie aber bleibt kein Loch besonders im Gedächtnis hängen, der Platz mäandert relativ unspektakulär durchs Gelände. In Erinnerung bleiben weniger einzelne Bahnen als vielmehr die Grüns und die vielen Drei-Putts, die einen anschließend umtreiben.

Valencia: Das Pool-Liegen-Syndrom: Parken vor dem Clubhaus (r.)Valencia: Das Pool-Liegen-Syndrom: Parken vor dem Clubhaus (r.)
Das Pool-Liegen-Syndrom: Parken vor dem Clubhaus (r.)
Valencia, besser gesagt die südlichen und südwestlichen Vororte, wurden im Oktober 2024 brutal von einer Flutkatastrophe durch Starkregenfälle erwischt. Nicht zum ersten Mal, aber so verheerend wie nie zuvor: 236 Menschen haben ihr Leben verloren, 60.000 Wohnungen wurden zerstört. Es war der größte Einsatz des spanischen Militärs in Friedenszeiten. Der Wut der Bevölkerung über das Versagen der Behörden und zu späte Warnungen folgten monatelange Aufräumarbeiten. Bis heute sind an manchen Orten noch Spuren der Verwüstung sichtbar. Oder die Konsequenzen daraus. Wie im Golfclub El Bosque. Dort konnte auch ein modernes Be- und Entwässerungssystems, das zwischen 2019 und 2022 im Zuge von umfangreichen Renovierungsarbeiten installiert wurde, die Folgen des Unwetters nicht abmildern. Die Fluten wälzten sich durch die am Fuße eines Bergs im westlichen Hinterland gelegene Schlucht und hatten große Teile des Platzes mit Schlamm- und Wassermassen überzogen. Vier Monate lang war die Anlage für Aufräumarbeiten geschlossen. Heute ist davon kaum noch etwas zu spüren.

1990 feierte Vijay Singh in El Bosque den zweiten Turniersieg seiner Profikarriere. Zwei Jahre später reckte José María Olazábal den Siegerpokal in die Höhe. Das 1975 eröffnete Juwel von Robert Trent Jones, der unter anderem auch die spanischen Meisterwerke Valderrama und Real Sotogrande gebaut hat, ist unser persönlicher Favorit. Das hügelige Profil sorgt für ebenso abwechslungsreiche wie anspruchsvolle und wunderschöne Spielbahnen, von denen keine einer anderen gleicht. Fast alle Fairways fallen zu einer Seite hin ab und müssen strategisch angespielt werden, was ebenso tricky ist wie die großartigen Grünkomplexe, die in der Champions League spielen.

Golfplätze in der Region

CLUB DE GOLF ESCORPIÓN

CLUB DE GOLF ESCORPIÓN

18 Löcher, Par 71, 6.298 Meter

Adresse
Carretera Bétera a San
Antonio de Benagéber,
46117 Bétera, Valencia
Tel. +34 961.601.2110
clubescorpion.com

Greenfee
16. September bis 31. Mai: 150 bis 170 Euro, 01. Juni bis 15. Juli, 01.-15. Sept.: 116 bis 138 Euro, 16. Juli bis 31. August: 97 bis 106 Euro

Ein semiprivater Country Club für die High Society von Valencia. Die wenigsten der 2.600 Mitglieder dieses flachen Parkland-Kurses dürften in ihrem Leben schon mal Straßenbahn oder Bus gefahren sein. Sie haben die Wahl zwischen den älteren Neunloch-Schleifen Lagos und Masía von Ron Kirby und den später hinzugefügten Nuevos von Alfonso Vidaor. Man ist zwar nicht auf Greenfee-Spieler angewiesen, aber an gewissen Tagen und Tageszeiten lässt man sie zu.

Killerloch
Die Schlussbahn der Lagos-Schleife ist ein Par 5 (bis zu 506 m), bei dem am Anfang und am Ende große Seen auf Fehlschläge lauern. Der Weg zum Grün verengt sich immer mehr. Eine große Kiefer zur Linken, ein vorgelagerter Wasserlauf und ein großer See zur Rechten machen den dritten Schlag knifflig.
www.clubescorpion.com

EL BOSQUE CLUB DE GOLF

EL BOSQUE CLUB DE GOLF

18 Löcher, Par 72, 6.470 Meter

Adresse
Carretera de Godelleta km 4.1,
46370 Chiva, Valencia
Tel. +34 961.808.009
elbosquegolf.com

Greenfee
95 bis 135 Euro (je nach Saison und Tageszeit)

Einer von nur sechs Clubs in Spanien, die aus der Feder von Robert Trent Jones sen. stammen, dessen Philosophie man vor allem an den großartigen erhöhten Grünkomplexen erkennt. Die 1975 eröffnete Anlage kommt heute daher wie ein edler Country Club. Neben einem fantastischen Golfplatz gibt es noch Padel-Courts, einen Swimmingpool und ein Fußball-Kleinfeld. Und von den riesigen Terrassen des dreistöckigen Clubhauses hat man einen Logenblick auf das grandiose Schlussloch.

Killerloch
Die 9 (Par 4, 384 m) ist ein weich gezogenes Dogleg mit einem Fairway wie ein Schildkrötenrücken, der nach links hängt, wo ein Wassergraben die komplette Spielbahn begleitet. In Drive-Länge verhindern Bunker die Ideallinie. Das Grün (quasi der Schildkrötenkopf auf einem schmalen Hals) ist erhöht, von Bunkern bestens bewacht und fällt zur False Front hin ab - für den Durchschnitts-Amateur ist ein Par illusorisch.
www.elbosquegolf.com

CAMPO DE GOLF EL SALER

18 Löcher, Par 72, 6.355 Meter

Adresse
Avenida de los Pinares 151,
46012 El Saler, Valencia
Tel. +34 963.060.720
golfenparadores.es

Greenfee
110 bis 125 Euro (je nach Saison und Tageszeit), Parador-Hotelgäste zahlen die Hälfte

Im Naturpark Albufera direkt an der Mittelmeerküste hat Javier Arana durch Dünen und den dahintergelegenen Pinienwald auf den Front Nine wie auch auf den Back Nine eine Mischung aus Links- und Parkland-Kurs geschaffen. Dabei hat der Baske das Prinzip der Triangulation beherzigt: Keine zwei aufeinanderfolgenden Löcher sind in dieselbe Richtung ausgerichtet, sodass man sein Spiel ständig an die vorherrschenden Winde anpassen muss, Loch für Loch.

Killerloch
Wie es sich für einen Platz gehört, auf dem zahlreiche Tour-Events ausgetragen wurden, ist das Schlussloch das härteste Brett: ein Par 4 (404 m), das sich in einer leichten Linkskurve über mehrere Wellen zum erhöhten Grün zieht. Neben der schieren Länge, die keinen 80-Prozent-Schlag erlaubt, machen insgesamt sieben Bunker das Leben zusätzlich schwer.
www.golfenparadores.es

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