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Technik-Kolumne

Eisen-Mix statt Ego-Trip

Von Fabian Wagner, Fotos: HIO

Warum Combo-Sets immer beliebter werden: Es gibt im Golf ein paar Mythen, die sich hartnäckig halten. Eine davon lautet: Ein Eisensatz gehört komplett zusammen, also Eisen 4 bis Pitching Wedge aus derselben Serie - gleicher Look, gleiche Modellfamilie, damit es im Bag ordentlich aussieht.

Aus Fitting-Sicht ist nicht entscheidend, ob alle Eisen denselben Namen tragen, sondern, ob jeder Schläger im Bag seine Aufgabe erfüllt. Und genau hier kommen Combo-Sets ins Spiel.

Combo-Set bedeutet, dass verschiedene Schlägermodelle sinnvoll kombiniert werden. Meist denkt man dabei zuerst an lange Eisen: etwas mehr Unterstützung und Fehlertoleranz im Eisen 4, 5 oder 6, dafür kompaktere Eisen im Scoring-Bereich. Aber eigentlich ist der Gedanke viel weitgreifender. Es geht darum, das Bag nach Aufgaben zu bauen.

WARUM TOURSPIELER COMBO-SETS NUTZEN


Auf der Tour geht es darum, für jede Distanz den besten Ballflug zu erzeugen. Ein Eisen 4 hat eine andere Aufgabe als ein Eisen 9. Das lange Eisen muss hoch starten, genug Carry liefern und kontrollierbar landen. Das kurze Eisen muss vor allem präzise sein, Spin erzeugen und eine klare Distanz abdecken.

Deshalb kombinieren viele gute Spieler unterschiedliche Modelle: im langen Bereich für mehr Fehlertoleranz, im kurzen Bereich für mehr Kontrolle und Feedback.

BEISPIELE:

TAYLORMADE UND PXG


Bei TaylorMade könnte ein Combo-Set zum Beispiel aus P790 und P770 bestehen. Der P790 bietet im längeren Bereich mehr Ballgeschwindigkeit, Launch und Fehlertoleranz. Der P770 ist kompakter und kontrollierter. Ein mögliches Set-up wäre: P790 im Eisen 4 bis 6, P770 von Eisen 7 bis Pitching Wedge.

Bei PXG funktioniert das ähnlich. Ein Spieler könnte im langen Bereich auf 0311 XP Gen8 setzen und im kürzeren Bereich auf 0311-P-Eisen wechseln. Oder auch: 0311 P im Eisen 5 und 6, 0311 T ab Eisen 7.


Technik-Kolumne:

FÜR WEN SIND COMBO-SETS GEEIGNET?


Combo-Sets ergeben für deutlich mehr Spieler Sinn, als viele glauben. Der Klassiker sind die langen Eisen. Viele Amateure haben ein Eisen 4 oder 5 im Bag, obwohl diese Schläger kaum echten Mehrwert liefern: flacher Ballstart, kaum Carry-Distanz-Unterschiede, häufige schlechte Treffer. Dann ist die bessere Frage nicht: "Bin ich gut genug für ein Combo-Set?", sondern: "Warum spiele ich einen Schläger, der mir auf dem Platz nicht hilft?" Ein Hybrid, ein Fairwayholz oder ein fehlertoleranteres langes Eisen ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern oft einfach die bessere Lösung.

COMBO-SETS HÖREN NICHT BEI DEN LANGEN EISEN AUF


Der obere Bereich des Bags ist wichtig. Aber der größere Hebel liegt für viele Spieler im unteren Bereich: bei den Scoring Clubs, denn dort müssen Distanzkontrolle, Spin, Flugkurve und Gefühl passen. Dies ist besonders relevant, da heute Hybride nicht mehr nur als Ersatz für Eisen 3 oder 4, sondern teils bis in den Bereich von Hybrid 7 oder 8 gespielt werden. Für viele Spieler lösen Hybride das Problem der langen Eisen so bereits sehr gut.

Dann stellt sich die Frage: Muss man im langen Eisenbereich überhaupt noch kompliziert kombinieren? Oder liegt der größere Hebel nicht eher bei den Scoring Clubs? Sehr oft ist genau das der Fall. Viele Amateure verlieren nicht deshalb Schläge, weil ihr Eisen 5 nicht perfekt ist, sondern weil sie zwischen 40 und 110 Metern keine klare Struktur haben. Welche Distanz überbrückt das Pitching Wedge? Was passiert danach?

Eine typische Frage ist: Nehme ich das Approach Wedge aus dem Eisensatz oder ein klassisches 50-Grad-Wedge mit ins Bag? Oder vielleicht sogar beides? Das Approach Wedge aus dem Set passt oft gut zum Pitching Wedge. Es ist meist etwas fehlertoleranter und funktioniert besonders gut für volle Schwünge. Ein klassisches 50-Grad-Wedge ist dagegen oft vielseitiger für halbe Schläge, flachere Flugkurven, kontrollierten Spin und gefühlvolle Pitch- und Chip-Shots rund ums Grün. Beides kann richtig sein. Entscheidend ist dabei, wie der Schläger eingesetzt wird.

Manchmal können sogar beide Schläger sinvoll sein. Durch die Loftentwicklung bei modernen Players- und Game-Improvement-Eisen hat das Pitching Wedge teilweise nur noch 42° Loft. Dadurch entsteht eine klaffende Lücke zum klassischen 50°-Wedge und es wäre sinnvoll, zusätzlich ein Approach Wedge (zum Beispiel mit 46°) ins Bag zu packen.

Technik-Kolumne:

AUCH DIE WAHL DES RICHTIGEN SCHAFTS GEHÖRT ZUR COMBO-FRAGE


Wenn ein Spieler ein klassisches 50-Grad-Wedge spielt, stellt sich direkt die nächste Frage: gleicher Schaft wie in den Eisen oder mehr Gewicht im Wedge-Schaft?

Wird das 50-Grad-Wedge überwiegend voll geschlagen, kann der Eisenschaft sinnvoll sein. Der Übergang vom Pitching Wedge zum Gap Wedge fühlt sich dann homogener an. Wird das 50-Grad-Wedge eher als Scoring Wedge genutzt, für Dreiviertel-Schwünge, Pitches und kontrollierte Flugkurven, kann ein schwererer Wedge-Schaft für mehr Kontrolle, Gefühl für den Schlägerkopf und ein ruhigeres Tempo helfen.

Ein Combo-Set umfasst also nicht nur verschiedene Köpfe, sondern es geht auch um Schaft, Loft, Lie, Bounce, Sohle und Einsatzbereich.

FAZIT


Ein Combo-Set ist kein modischer Trend, sondern eine logische Konsequenz aus einem guten Fitting, um das eigene Bag nach Aufgaben zu bestücken. Für den einen bedeutet das: Eisen 4 raus, Hybrid rein. Für den anderen: mehr Fehlertoleranz im Eisen 5 und 6, mehr Kontrolle ab Eisen 7. Und für den nächsten liegt die wichtigste Combo-Frage nicht bei den langen Eisen, sondern bei der Kombination der Wedges. Wenn ein Combo-Set dir dort Hilfe gibt, wo du sie benötigst, und Kontrolle bietet, wo du sie nutzen kannst, dann ist es nicht kompliziert, sondern einfach smart.

 
Fabian Wagner

Fabian Wagner

Master-Fitter bei HIO Fitting

Eigentlich hat Fabian Wirtschaftsinformatik studiert, doch dann kam Golf dazwischen, das ihn seit Beginn des Studiums nicht mehr loslässt. Im Laufe der vergangenen Jahre hat der Münchener bereits Hunderten Golferinnen und Golfern zu neuen, passenden Golfschlägern verholfen und half auch bereits gestandenen Tour-Pros, das passende Werkzeug zu finden.

www.hio-fitting.de

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