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Technik-Kolumne

L wie Ladies?

Von Fabian Wagner, Fotos: HIO

Leichter, kürzer, weicher: Was lange Zeit als Rezept für Damenschläger galt, hat mit wirklich passendem Equipment erstaunlich wenig zu tun.

Vor ein paar Wochen stand eine Kundin bei mir im Fitting und fragte, noch bevor sie den ersten Ball geschlagen hatte: "Ich brauche wahrscheinlich einfach einen Damenschläger, oder?" Sie spielt seit drei Jahren Golf, hat ein Handicap um die 28 und genau das im Bag, was der Markt lange unter einem Damenset verstanden hat: etwas kürzere Länge als Standard und einen ziemlich leichten, weichen Schaft mit einem L auf dem Label.

Ich kenne diesen Gedanken gut: Frauen spielen Damenschläger. Klingt logisch, ist technisch jedoch ungefähr so präzise wie die Aussage, alle Frauen bräuchten dieselbe Schuhgröße. Denn einem Golfschläger ist ziemlich egal, wer ihn schwingt.

DAS PROBLEM MIT DEM L


L, A, R, S, X - die Buchstaben auf Golfschäften sehen nach einem ordentlichen System aus. Das Problem: Ein wirklich einheitliches System gibt es nicht. Die Hersteller definieren ihre Flex-Kategorien unterschiedlich, ein Regular-Schaft kann sich deshalb deutlich anders verhalten als der nächste.

Besonders absurd wird es beim Buchstaben L. Er steht für "Ladies" und verbindet eine technische Eigenschaft des Schafts direkt mit dem Geschlecht. In unseren Fittings sehen wir regelmäßig Frauen, die mit einem Regular-Schaft bessere Ergebnisse erzielen - und genauso Männer, die mit einem leichteren oder flexibleren Schaft besser performen. Uns interessiert, was mit Launch, Spin, Ball Speed und Streuung passiert. Der Buchstabe auf dem Schaft kommt in dieser Gleichung ziemlich weit hinten.

Technik-Kolumne:

WAS SICH TECHNISCH WIRKLICH VERÄNDERT HAT


Der eigentliche Fortschritt der letzten Jahre liegt beim Gewicht. Beim Driver sind Graphitschäfte längst Standard, interessanter ist, was bei den Eisen passiert. Moderne Stahlschäfte wiegen etwa zwischen 70 und 140 Gramm, Graphitschäfte mittlerweile zwischen rund 35 und 120 Gramm. Die Bereiche überlappen sich also massiv. Graphit ist heute kein Synonym mehr für "weich" oder "Anfänger": Es gibt Graphitschäfte um die 95 Gramm, die genauso steif sein können wie deutlich schwerere Stahlschäfte.

Damit fällt eine Grenze weg, die es früher tatsächlich gab. Gewicht und Biegeverhalten lassen sich heute viel unabhängiger voneinander betrachten. Ein leichteres Set-up kann bedeuten, dass weniger Masse beschleunigt werden muss - und damit helfen, mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit zu erzeugen.

Das ist gerade beim Fitting von Golferinnen interessant. Viele Frauen bringen im Durchschnitt weniger Schlägerkopfgeschwindigkeit mit als Männer und können deshalb von einem leichteren Set-up profitieren. Die entscheidenden Wörter sind in diesem Satz jedoch "können profitieren", schließlich kann zu leicht genauso falsch sein wie zu schwer. Manche Spielerinnen verlieren das Gefühl für den Schlägerkopf, das Timing leidet und die Streuung wächst. Ich sehe deshalb immer wieder Frauen, bei denen wir bewusst zu einem schwereren Schaft greifen - und plötzlich wird das Treffmoment besser. Dieser Disclaimer passt nur leider nicht besonders gut auf einen Aufkleber im Golfshop.

UND WIE KURZ HÄTTEN SIE IHN GERN?


Bei der Länge des Schlägers passiert dasselbe. Damenschläger sind traditionell kürzer als Herrenschläger, weil Frauen durchschnittlich kleiner sind. Für die einzelne Spielerin sagt das dennoch wenig aus. Körpergröße, Armlänge, Ansprechposition, Bewegung und Treffmoment entscheiden gemeinsam darüber, welche Länge individuell funktioniert. Einer großen Frau pauschal einen kürzeren Schläger in die Hand zu drücken ergibt genauso wenig Sinn, wie einem kleinen Mann wie selbstverständlich eine Standardlänge zu verkaufen.

AUCH DER GRIFF KENNT KEIN GESCHLECHT


Kleinere Hände, dünnerer Griff? Kann passen, muss aber nicht. Manche Golferinnen fühlen sich mit dünneren Griffen wohl, andere bevorzugen bewusst mehr Material in der Hand. Auch weichere Materialien können sinnvoll sein, etwa um Vibrationen stärker zu dämpfen. Interessant ist ohnehin, wie viele vermeintliche "Damenlösungen" längst im Golfmarkt angekommen sind: Leichte Schäfte, leichte Köpfe oder weichere Griffe sind heute keine Nischenprodukte mehr, sondern Optionen, die bei ganz unterschiedlichen Spielern funktionieren können. Auch hier gilt: ausprobieren statt zuordnen.

Technik-Kolumne:

DER SCHLÄGER WIRD ZUM DESIGNOBJEKT


Parallel verändert sich, wie wir über Golf-Equipment denken. Der Schläger soll nicht mehr nur funktionieren, sondern darf auch persönlich aussehen. Schaftfarben, Griffe, farbige Ferrules, Schriftzüge, Stampings oder Laserings bieten heute deutlich mehr Möglichkeiten, einen Schläger nach dem eigenen Geschmack zu gestalten. Auch Marken wie Malbon stehen für diesen Wandel: Golf wird stärker mit Mode, Lifestyle und Popkultur verbunden und löst sich ein Stück weit von der klassischen Clubhaus-Ästhetik. Gerade weibliche Creators haben diese Entwicklung auf Social Media früh mitgeprägt und gezeigt, dass Golf auch jünger, modischer und individueller aussehen kann.

Eigentlich passt das ziemlich gut zur Entwicklung beim Equipment: Individualität ersetzt zunehmend starre Kategorien.

WAS ICH GOLFERINNEN EMPFEHLEN WÜRDE


Egal ob ihr seit zwei oder seit 20 Jahren Golf spielt, verabschiedet euch von der Vorstellung, aufgrund eures Geschlechts schon zu wissen, welches Equipment zu euch passen müsste. Bringt zum Fitting mit, was ihr aktuell spielt, und lasst euch nichts allein über Kategorien wie "Damen" oder "Herren" verkaufen. Vor allem aber: Fragt nach dem Warum. Wenn ein bestimmter Schaft, Kopf oder eine andere Länge empfohlen wird, sollte nachvollziehbar sein, was sich dadurch bei Ball Speed, Launch, Spin, Carry oder Streuung verbessert. Ein Fitting ist schließlich nicht dafür da, um eine vorgefertigte Annahme zu bestätigen, sondern um herauszufinden, welches Set-up tatsächlich funktioniert.

DAS ERGEBNIS ZÄHLT


Zurück zu meiner Kundin vom Anfang. Wir haben ihr bestehendes Set vermessen und anschließend verschiedene Schäfte, Gewichte und Set-ups getestet. Am Ende wurde ihr neuer Eisenschaft nicht leichter, sondern schwerer. Sie konnte den Schläger besser kontrollieren, traf den Ball konstanter und gewann mit dem Eisen 7 rund zwölf Meter carry. Vor allem aber wurde ihre Streuung deutlich enger. Hätte ich ihr einfach einen "Damenschläger" in die Hand gegeben, hätten wir dieses Setup wahrscheinlich nie gefunden. Natürlich funktionieren bei vielen Golferinnen weniger Gewicht, mehr Flex oder kürzere Längen. Diese Unterschiede zu ignorieren wäre genauso falsch. Aber aus Durchschnittswerten individuelle Empfehlungen abzuleiten ist eben noch kein Fitting.

 
Fabian Wagner

Fabian Wagner

Master-Fitter bei HIO Fitting

Eigentlich hat Fabian Wirtschaftsinformatik studiert, doch dann kam Golf dazwischen, das ihn seit Beginn des Studiums nicht mehr loslässt. Im Laufe der vergangenen Jahre hat der Münchener bereits Hunderten Golferinnen und Golfern zu neuen, passenden Golfschlägern verholfen und half auch bereits gestandenen Tour-Pros, das passende Werkzeug zu finden.

www.hio-fitting.de

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