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Gleneagles

Öko? Logisch!

Von Rüdiger Meyer, Fotos: PR

Luxus und Nachhaltigkeit passen in etwa so zusammen wie Rory McIlroy und Bryson DeChambeau. In Gleneagles will man trotzdem beweisen, dass beides zusammengeht.

Gleneagles: Kaum ein Name im Golfsport steht mehr für Opulenz als das Resort im Süden der Highlands. Direkt nach dem Ersten Weltkrieg öffneten hier mit dem King's und dem Queen's zwei Golfplätze von Weltformat, 1924 feierte auch das Hotel seine prunkvolle Eröffnung. Seither ist Gleneagles ein Treffpunkt der Reichen und Schönen. Millionäre verbringen hier ihren Urlaub, beim Ryder und Solheim Cup duellierte sich die Elite des Golfsports und 2005 gaben sich George W. Bush, Tony Blair, Gerhard Schröder und Wladimir Putin zum G8-Gipfel ein Stelldichein. Nicht gerade das Umfeld, in dem man einen Vorreiter in Sachen Klimaschutz erwarten würde. Doch genau das zu werden hat sich Gleneagles im Jahr 2024 vorgenommen. "Zum 100. Geburtstag danken wir Schottlands atemberaubender Landschaft, die direkt an unserem Erfolg beteiligt war", erklärte Managing Director Conor O'Leary. "Es ist an der Zeit, unsere Anstrengungen zum Schutz dieser wertvollen Naturgüter für künftige Generationen zu verstärken und unseren Beitrag zur Bewältigung der globalen Klimakrise zu leisten." Um diesen Worten auch Taten folgen zu lassen, schuf O'Leary eine neue Stelle für Morwen "Mo" Mands. Die ehrgeizige Aufgabe für die neu berufene Direktorin für Sustainability: Gleneagles bis 2040 klimaneutral zu machen. Wie ambitioniert dieses Projekt ist, zeigt ein Vergleich. Mit 344 Hektar Land ist Gleneagles 60 Prozent größer als Monaco, doch das Fürstentum will erst zehn Jahre später klimaneutral werden. Das wirft die Frage auf, ob die Ziele von Gleneagles realistisch sind oder nur ein Marketingversprechen. Um das herauszufinden, treffen wir uns mit Mo Mands im herrschaftlichen "Gleneagles Hotel" und sprechen über ihre Mission - und haben gleich zu Beginn eine Frage, die sich förmlich aufdrängt: Wie will man diese ehrgeizigen Ziele einhalten, wenn man es mit einem mehr als 100 Jahre alten Gebäude zu tun hat, das zudem noch unter Denkmalschutz steht?

Es gibt natürlich Aspekte, bei denen wir das kulturelle Erbe dieses wunderschönen Gebäudes respektieren müssen. In den letzten zwölf Monaten haben wir über 250 Fenster saniert, indem wir beispielsweise die Dichtungen ausgetauscht haben. Das wird Wärmeverluste verringern. Ein Schwerpunkt liegt auf der Umstellung unserer Heizungsanlage. Zunächst einmal müssen wir allerdings verstehen, was die richtige Option ist. Natürlich gibt es Wärmepumpen, doch die Technologie ist für ein Gebäude dieser Größe möglicherweise noch nicht ausgereift. Wir haben auch einige Heizkessel, die wasserstofftauglich sind, aber da stellt sich die Frage nach der Verfügbarkeit des Brennstoffs. Biokraftstoffe wären eine kurzfristige Lösung, aber damit hätten wir immer noch keine langfristige. Wir müssen flexibel bleiben, wie wir tatsächlich umstellen.

Gleneagles: Die Kinderversion von 'The Falcon and the Winter Soldier'
Die Kinderversion von 'The Falcon and the Winter Soldier'

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SEETANG WIRKT ÄHNLICH WIE DARMBAKTERIEN UND HILFT DABEI, DASS DER BODEN WIRKLICH GESUND BLEIBT.
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Mit anderen Worten: In Gleneagles setzt man wie auch in Deutschland auf das Zauberwort Technologieoffenheit. Das gilt nicht nur für das Hotel, sondern auch für die Golfplätze. Wann immer sich ein Golfclub auf die Fahne schreibt, ökologisch nachhaltig zu arbeiten, ist der erste Ansatz, neue "Facharbeiter" einzustellen: Robomäher. Doch bei unseren drei Runden auf dem King's, Queen's und dem PGA Centenary läuft uns kein Rasenfriseur über den Weg. Kein Zufall, weiß Mo Mands.

Wir haben MowBots im Einsatz, aber in erster Linie in den Gärten, auf den Rasenflächen und der Driving Range. Die Fairway-Mäher sind Teil eines groß angelegten Programms. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 80 Prozent all unserer Betriebsfahrzeuge vollelektrisch sein sollen. Derzeit liegen wir bei 45 Prozent. Dazu gehören alle Golfbuggys, einige Ranger-Fahrzeuge und die Shuttles im Resort. Die Herausforderung liegt jedoch bei den industriellen Traktoren. Wir bräuchten wahrscheinlich immer zwei Fahrzeuge, da eines zum Aufladen bereitstehen müsste, während das andere im Einsatz wäre. Wir arbeiten gemeinsam mit unserem Partner daran zu verstehen, wie sich die Technologie entwickelt, und suchen nach den besten Lösungen.

Auf dem Golfplatz ist man bei einigen Lösungen schon deutlich weiter - und das lange vor der Sustainability-Initiative. Insbesondere bei den Themen Wasserverbrauch und nachhaltige Düngung hat sich Gleneagles bereits früh als Vorreiter etabliert, was Mo Mands vor allem einem Mann zuschreibt.

Gleneagles: Gleneagles:
Scott, unser Leiter der Agronomie, ist seit 45 Jahren hier und kennt jeden Zentimeter der Golfplätze. Außerdem ist er ein kleiner Visionär: Vor Jahrzehnten hat er bereits dafür gesorgt, dass wir Bohrbrunnen haben. Vor zwei Jahren haben wir zudem zwei Millionen Pfund in die Bewässerungssysteme des PGA Centenary investiert und 1.414 einzeln steuerbare Sprinklerköpfe installiert. Die Teams führen Feuchtigkeitsmessungen durch und bewässern nur dort, wo es nötig ist. Der Wasserverbrauch liegt bis zu 30 Prozent niedriger und auch der Energieverbrauch ist geringer. Eine ähnliche Strategie verfolgen wir mit den GPS-gesteuerten Feldspritzen, durch die sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um 14 Prozent reduziert. Zudem verwenden wir auch viele natürliche Produkte wie Seetang. Als ich anfing, hat es mir Scott so beschrieben: "Seetang wirkt ähnlich wie Darmbakterien und hilft dabei, dass der Boden wirklich gesund bleibt."

Was in Gleneagles genau lebt und blüht, war eine der ersten Fragen, mit denen sich Mo Mands bei ihrem Amtsantritt beschäftigte. Jedoch ist sie nicht über das Anwesen gegangen und hat eine Strichliste geführt. Angesichts der Dimensionen hätte dies vermutlich Jahrzehnte gedauert. Stattdessen engagierte sie Ökologen, die mit hochmodernen Messmethoden wie eDNA arbeiten.

Bei dieser Methode werden Proben aus Wasserläufen entnommen, in denen sich selbst winzige Mengen DNA nachweisen lassen. Außerdem haben wir das Anwesen zu Beginn des Jahres mit LiDAR vermessen und festgestellt, dass unsere Bäume und Hecken sieben Millionen Tonnen CO2-Äquivalent speichern. Wir verfügen jetzt also über ein vollständiges Modell mit allen Baumarten, deren Anzahl und Standorten. So können wir fundierte Entscheidungen treffen, um an den richtigen Stellen die richtigen Baumarten zu pflanzen, wodurch wir widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel werden.

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Mo Mands wirft diese Daten und Statistiken mit einer solchen Leichtigkeit aus, dass man sich vorkommt, als hätte sich Siri plötzlich in Fleisch und Blut verwandelt. Als ausgebildete Buchhalterin schwärmt sie von Zahlen wie unsereins über ein perfekt getroffenes Eisen 5. Entsprechend war eine ihrer ersten Amtshandlungen im Januar 2024, die vor ihr liegende Aufgabe zu beziffern.

Ich habe ein Faible für Daten. Und ich orientiere mich gerne an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Da meine Stelle vollkommen neu ist, war es für mich besonders wichtig, eine Ausgangsbasis zu haben. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Carbon Trust unseren gesamten CO2-Fußabdruck berechnet - und zwar in allen Bereichen. Anhand dieser Ausgangsbasis können wir unsere Ziele für 2030 und 2040 genau verfolgen. Wir wissen, wohin wir wollen, und können unsere Fortschritte daran messen.

Größtmögliche Transparenz verspricht Gleneagles dabei durch die jährliche Veröffentlichung eines Progress Report, der den Erfolg - oder Misserfolg - der Maßnahmen für die Öffentlichkeit protokollieren soll. Die Ausgangsbasis für das Resort liegt demnach bei 19.643 Tonnen CO2-Äquivalent, von denen 23 Prozent direkte Emissionen sind. Zum Vergleich: Bis 2040 muss Gleneagles seine Emissionen damit um eine Menge reduzieren, die etwa 80 Millionen Autokilometern entspricht - mehr als 2.000-mal um die Erde.

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