Dass ich Letzteres nicht für völlig unrealistisch halte, liegt an einer Beobachtung, die ich auf meinem Heimatplatz gemacht habe. Gefühlt fällt mein Ergebnis besser aus, wenn ich zügig zum Ball gehe, unterwegs schon den passenden Schläger aus dem Bag ziehe und ohne großes Herumgehampel sofort schlage. Allerdings kenne ich meinen Heimatplatz auch in- und auswendig, sodass ich nicht lange überlegen muss. Auf Gut Kaden brauche ich aber etwas Hilfe, weshalb ich mir einen multifunktionellen Begleiter geholt habe: die Fenix 9 von Garmin. Die GPS-Smartwatch erfüllt für mich gleich zwei Zwecke. Bei der Proberunde auf dem A-Kurs von Gut Kaden hilft sie mir, die Entfernungen kennenzulernen, und dient gleichzeitig als digitale Scorekarte, damit ich ein Vergleichsergebnis für die Speed-Runde habe. Bei dieser wird die Fenix 9 eine andere Aufgabe übernehmen. Im Laufmodus soll sie meine Zeit protokollieren und mir helfen, den Puls im Auge zu behalten. Der ist das Laufen nämlich nicht gewohnt. Zwar kann ich 100 Kilometer Rennrad fahren, ohne in den anaeroben Bereich zu kommen, Laufen strengt mich jedoch so sehr an, dass ich schon in der Schule die Unaufmerksamkeit meines Sportlehrers ausgenutzt und 400 Meter des 2.000-Meter-Laufs hinter der Hochsprungmatte verbracht habe.

Die PlaysLike-Funktion bietet darüber hinaus eine Möglichkeit, Distanzen differenzierter einzuschätzen: Sie berücksichtigt Höhenunterschiede und - je nach verfügbarer Funktion und Einstellung - weitere Bedingungen. Auf einem fremden Platz kann mir außerdem der PinPointer helfen, die Richtung zur Fahne zu finden, wenn ich sie nicht direkt sehen kann. Ob mir diese Informationen tatsächlich ein besseres Ergebnis bescheren, wird sich zeigen. Zunächst muss ich für jedes Par auch ein Doppel-Bogey auf meiner Uhr notieren. Am Ende stehen frustrierende 47 Schläge auf der digitalen Scorekarte.
Dann wird es ernst und ich schalte in den Laufmodus - sowohl mental als auch auf der Fenix 9. Dass mein Puls bereits am ersten Tee bei 120 liegt, ist nicht nur der Nervosität geschuldet. Obwohl ich auf der Proberunde fünf Minuten auf vermeintliche Greenkeeper gewartet hatte, bevor ich realisierte, dass Gut Kaden zwei autonome Rasenmäher mit GPS-Steuerung hat, war ich mit den neun Löchern in 75 Minuten durch. Mit anderen Worten: Ich muss irgendwo 30 Minuten finden.
Der Auftakt ist vielversprechend. Nach einem perfekten Fade über einen Baum trennt mich nur noch ein Wedge-Schlag vom Grün - und ein Graben, der eigentlich 80 Meter Umweg bedeutet. Denn anders als echte Speedgolfer, die mit einer Handvoll Schläger über den Platz rennen, habe ich einen Trolley dabei. Also greife ich schnell zum Putter, drücke den Trolley dem Fotografen in die Hand, springe über den Graben. Nur mit der Geschmeidigkeit eines Nilpferds kann ich verhindern, dass ich das Gleichgewicht verliere. Wen wundert es, dass ich einen Puls von 156 habe, als ich meinen Putt zum Par loche?


Also nutze ich den Weg zum nächsten Tee, um durchzuschnaufen. Aus gutem Grund, die anspruchsvolle fünfte Bahn führt schließlich rechts an einem Wald entlang und zusätzlich schneidet ein Teich in die Drive-Landezone. Entgegen allen Erwartungen gelingt mir der perfekte Abschlag - vermutlich aber auch nur, weil moderne Driver eine so große Schlagfläche haben. Denn mein anschließendes Eisen toppe ich wie ein Anfänger, sodass ich ein weiteres Bogey hinnehmen muss. Immerhin gibt es von anderer Seite gute Nachrichten. Nicht nur, weil eine nette WhatsApp meiner Freundin auf der Fenix 9 aufpoppt, sondern auch, weil mein kurzer Sprint die Zwischenzeit für den zweiten Kilometer um eine Minute gedrückt hat. Als ich mich ans nächste Tee stelle, bin ich zunächst desorientiert: Die Uhr zeigt 190 Meter für das Par 3 an, obwohl die Scorekarte nur 121 Meter ausweist. Nach 30 verwirrten Sekunden merke ich, dass ich auf dem neunten Tee stehe, und laufe zügig nach vorne. Als ich kurz darauf zum Par loche, zeigt die Uhr gute 28 Minuten an. Das Ende von Kadens A-Schleife hat es allerdings in sich. Es warten die beiden längsten Par 4, ein Par 5 und jede Menge Wasserhindernisse, die wunderschön aussehen und für spannende Bahnen sorgen, bei einem Puls jenseits der 160 jedoch zum Albtraum werden. Kurz vor dem Grün der 8 kommt die nächste Zwischenzeit: Kilometer vier war der langsamste und bringt mein 45-Minuten-Ziel in Gefahr.




