Nun können alle Kollegen im Büro bestätigen, dass ich nicht jeder Modeerscheinung hinterherlaufe. Aber der Zero-Torque-Hype ist auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Nicht dass ich auf dem Putting-Grün Yips hätte, aber es passiert mir einfach zu oft, dass ich bei langen Distanzen am Ende mit drei statt zwei Putts vom Grün gehe. Auch wenn die Schuld vermutlich bei mir selbst zu suchen ist, ist es einfacher, das Ganze aufs Material zu schieben. Die perfekte Möglichkeit, meinen unkooperativen Putter zu entsorgen, ergab sich, als unser Kolumnist Fabian über das Fitting mit Zero-Torque-Puttern schrieb. Ein kurzer Anruf und nur wenige Wochen später stehe ich neben Fitter Hagen Fahr im Hamburger HIO-Studio und schaue mir die neuesten Zero-Torque-Modelle an.
Bevor ich meine Hand an die magischen Putter legen darf, drückt mir Hagen zunächst einmal einen Revealer in die Hand. Der Plexiglaszylinder sieht auf den ersten Blick aus wie eine durchsichtige Pringles-Dose oder etwas, was ältere Männer bei Beate Uhse kaufen, und hat ebenfalls eine spannende Funktion. Der Schläger wird darin eingespannt und von den Händen isoliert. Wenn man nun damit puttet, wird der Revealer seinem Namen gerecht und enthüllt, wie sehr der Putter verdreht. Zur Illustration spannt Hagen zuerst meinen aktuellen Caledonia-Blade-Putter ein, der bei der Puttbewegung hin- und herwackelt wie Götterspeise. Als ich das Gleiche mit einem Zero-Torque-Putter versuche, wird der Wackelpudding plötzlich zur Crème brûlée und bleibt stabil. Bereits bei diesem kleinen Experiment wird mir klar: Das ist ein Gamechanger.


Schon nach wenigen Minuten kristallisieren sich bei mir zwei Favoriten heraus: der Allan Pistol von PXG sowie der OZ.1i HS von LAB Golf. Beide eint, dass sie mir ein vertrautes Gefühl geben. Die frühen Zero-Torque-Modelle haben allesamt auf einen Center-Schaft gesetzt. Diese beiden neueren Modelle schaffen durch clever designte Hosel die optische Illusion eines Center-Schafts, sind aber Heel Shafts und damit näher an meinem bisher gewohnten Putter. Vielleicht führt auch dies dazu, dass ich gerade bei diesen beiden Modellen bereits in der Ansprechposition hohes Selbstvertrauen habe und den Ball fast immer sauber treffe. "Ich habe das Gefühl, ich kann keinen Fehler machen", spreche ich meine Gedanken laut aus. Das Gefühl wird von Hagens Daten bestätigt: Selbst bei meinen schlechtesten Putts komme ich maximal ein Grad von außen, und sogar als ich den Ball weiter vorne an der Spitze treffe, rollt er noch bis zur Fahne auf der Leinwand - und das, obwohl mir in der Simulation vollkommen das Gefühl für das richtige Tempo fehlt. Als ich erneut einen virtuellen Sieben-Meter-Putt nicht nur an der Fahne vorbei, sondern fast vom Grün ins Wasser putte, hat Hagen Mitleid mit mir und verkürzt die Distanz so, dass Pixel und Realität übereinstimmen.




