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Titan Golf

Putter-Revolution mit 3D-Druck?

Von Fritz Lüders, Fotos: Titan Golf

Mit einer speziell für Wedges entwickelten Beschichtung traten die Jungs von Titan Golf einst an, das Kurzspiel zu revolutionieren, und das mit beachtlichem Erfolg. Nun haben sie sich aufs Grün gewagt.

Zwei Jahre ist es nun her, dass wir Klaus Eisenmenger und seinem Unternehmen Titan Golf nördlich von Hamburg einen Besuch abstatteten, nachdem uns wieder Legenden la "die besten Wedges überhaupt" und "Mehr Spin geht wirklich nicht mehr!" zu Ohren gekommen waren. Und tatsächlich, Doc Brown, wie wir den Metallurgie- Experten Eisenmenger umgehend tauften, hatte es geschafft, mit einem Plasmabrenner, der bis zu 10.000 Grad Celsius erreicht, eine von ihm entwickelte Beschichtung auf die Schlagflächen von Wedges zu brennen, die nicht nur enorm viel Spin im kurzen Spiel liefert, sondern auch extrem haltbar ist und den Schläger damit zum ewigen Begleiter auf Golfrunden macht. Die von Klaus Eisenmenger in Zusammenarbeit mit seinem Team und PGA-Pro und Local-Hero Ben Parker entwickelte Wedge-Beschichtung hat sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt.

Damals konnten Kunden ihre eigenen Wedges, egal ob fabrikneu oder bereits gespielt, nach Hamburg schicken und Titan Golf kümmerte sich um die Spezialbeschichtung. Dieser Service wird immer noch angeboten, das Sortiment hat sich allerdings deutlich erweitert. Titan Golf bieten nun mit den Razorback SD-1 auch Wedges an, die in kompletter Eigenentwicklung entstanden. Deren Schlagflächen sind dank der SIQ-Beschichtung nicht nur quasi unzerstörbar, sondern liefern auch Spin-Werte, von denen Amateurgolfer bisher nur zu träumen wagten. Doch damit ist das Innovationspotenzial des Titan-Golf-Teams noch längst nicht erschöpft.

Eisenmenger hat bereits den nächsten Trumpf im Ärmel. "Gemeinsam mit führenden Köpfen aus der 3-D-Drucktechnik haben wir in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, diese Technologie auch im Golfschlägerbau einsetzen zu können." Und die Früchte dieser Arbeit in Form des Charlie genannten Putters, des ersten auf dem Markt erhältlichen 3-D-gedruckten Putters der Welt, liegen nun hier vor uns auf dem Tisch.

Titan Golf: Die spezialbeschichteten Razorback-Wedges sind in zwei verschiedenen Finishes und Loftwerten zwischen 50 und 60 erhältli
Die spezialbeschichteten Razorback-Wedges sind in zwei verschiedenen Finishes und Loftwerten zwischen 50 und 60 erhältli

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IM 3-D-DRUCKVERFAHREN SIND FORMEN UND DESIGNS MÖGLICH, DIE MIT EINER CNC-FRÄSE UNDENKBAR WÄREN
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Mehr als 24 Monate Entwicklungsarbeit stecken in diesem Hightech-Schläger. Die ersten Experimente galten dem Material und hier gab es keinen Versuch, der nicht absurd genug sein konnte. Das Team experimentierte mit Holz, mit Milchpulver und mit Kunststoffen. Doch schnell wurde klar, dass nur 3-D gedrucktes Metall infrage kommt, wie Eisenmenger klarstellt: "Wir haben uns für eine sehr feste und gleichzeitig schwere Legierung aus Metall entschieden, hauptsächlich weil dieses Material deutlich langlebiger ist als sämtliche Kunststoffe."

Laser-3-D-Druckgeräte, wie sie hier zum Einsatz kommen, haben nichts mit den 3-D-Druckgeräten von Toshiba oder anderen Herstellern gemein, die mittlerweile auch schon für Privathaushalte erschwinglich sind. Diese Hightech- Maschinen kosten ab 500.000 Euro aufwärts und haben den Vorteil, dass sie den Produktentwicklern nicht nur nahezu freie Wahl bei der Wahl des Materials lassen, sondern vor allem auch absolute Freiheit bei der Formgestaltung ermöglichen. Im 3-D-Druckverfahren sind Formen und Designs möglich, die mit einer herkömmlichen CNC-Fräse undenkbar wären. So kam Charlie zu seiner charakteristischen Gitterform, die mit anderen Herstellungsmethoden niemals zu realisieren wäre.

Natürlich floss auch das aus der Wedge-Beschichtung gewonnene Know-how in die Putter-Entwicklung und deshalb wurde der Charlie-Schlagfläche besondere Aufmerksamkeit gewidmet. "Die Topografie der Schlagfläche ist unglaublich wichtig, um gute Putt-Ergebnisse zu erzielen. Wir haben unzählige Prototypen gebaut und diese mit allen erdenklichen Groove- Formen versehen: flache, tiefe, breite, schmale, diagonale, s-förmige etc. Danach wurden diese mit dem Putt- Computer unter der High-Speed-Kamera getestet und dabei haben wir festgestellt, dass ein Modell ohne Grooves mit einer leicht abgeänderten Beschichtung, wie wir sie bei den Wedges verwenden, mit Abstand die besten Werte im Hinblick auf konstante Roll-Ergebnisse lieferte", rekapituliert Eisenmenger. Nicht nur das, Golfprofis, die als menschliche Testroboter beteiligt waren, bescheinigten diesem beschichteten Putter auch das angenehmste Feedback im Treffmoment.

Titan Golf: Der Charlie-Putter ist nicht nur technisch, sondern auch optisch absolut einzigartig auf dem Golfmarkt.Titan Golf: Der Charlie-Putter ist nicht nur technisch, sondern auch optisch absolut einzigartig auf dem Golfmarkt.
Der Charlie-Putter ist nicht nur technisch, sondern auch optisch absolut einzigartig auf dem Golfmarkt.
Als die ersten Bälle über das Indoor-Putting-Grün rollen, ist dem gesamten Team der Stolz auf ihre Entwicklung deutlich anzusehen. Jürgen Mehrtens, der damals gemeinsam mit Ben Parker an Eisenmenger mit der Bitte herantrat, sich doch mal ihrer viel zu schnell verschleißenden Wedges anzunehmen, bringt es auf den Punkt: "Das Tolle an der Zusammenarbeit mit Klaus ist die Tatsache, dass Ideen und Grundsätze aus ganz anderen Technologiezweigen in den Golfsport mitgebracht werden und dadurch ein echter Mehrwert für die Szene entsteht."

Dass diese Technologien alles andere als Hokuspokus sind und selbst unter Profibedingungen tatsächlich funktionieren, bewies Ben Parker mit zwei Top-Ten-Platzierungen auf der Challenge Tour 2018. Aber nicht nur Profis können die Vorzüge der ultraharten Schlagflächen aus Hamburg bei jedem Chip spüren, auch wir sind äußerst erfreut darüber, dass Pitches zur Fahne nun ab und zu nach der Landung auch mal den Rückwärtsgang einlegen.

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