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Der Blick des Architekten

Die Frauen im Hintergrund

Von Tony Ristola, Fotos: Tony Ristola

Zwei der berühmtesten Par-3-Löcher der Golfwelt haben wir Frauen zu verdanken. Unser Kolumnist würdigt Marion Hollins und Alice Dye, ohne die das 16. Loch von Cypress Point und die 17 von TPC Sawgrass nie existiert hätten - sowie aberdutzende Plätze, die davon inspiriert wurden.

BESSER GEHT'S NICHT:
Die 16 von Cypress Point - das wahrscheinlich spektakulärste Golfloch der Welt.


Frauen machen die Arbeit und Männer streichen den Ruhm ein. Warum sollte es im Bereich der Golfarchitektur anders sein als sonst im Leben? Würde man eine Umfrage unter Golfern machen, welche die berühmtesten und besten Par-3-Löcher der Welt sind, so würden die 16 des kalifornischen Cypress Point Club und das legendäre Inselgrün von TPC Sawgrass garantiert in den Top 3 landen. Würde man danach fragen, wer die Bahnen gebaut hat, würde ein Drittel vermutlich nur mit den Schultern zucken. Schließlich sind wir Golfarchitekten wie Filmregisseure: die anonymen Künstler im Hintergrund. Doch selbst Golfer, die sich ein wenig mit Architektur beschäftigen, dürften mit ihrer Antwort danebenliegen, würde ihre Wahl doch vermutlich auf Alister MacKenzie und Pete Dye fallen.

Dass die Ausnahmelöcher diesen beiden großartigen Architekten zugeschrieben werden, ist erst einmal nicht verwunderlich. Immerhin waren sie die offiziellen Designer der Plätze und sind im Bereich der Golfarchitektur das, was vielleicht Christopher Nolan und Steven Spielberg im Regiebereich sind. Aber so wie die besten Regisseure eine Second Unit haben, die im Anonymen oft die besten Szenen drehen, hatten MacKenzie und Dye zwei Frauen im Hintergrund, die einen großen Anteil am Erfolg der Designs haben.

In Cypress Point etwa war es Marion Hollins (siehe auch ab Seite 94). Die ehemalige US-Amateurmeisterin im Golf leistete entscheidende Beiträge zur Entwicklung und Gestaltung einiger der legendärsten Golfanlagen, darunter der Women's National Golf Club, Pasatiempo, Augusta National und eben Cypress Point. Hollins war zur damaligen Zeit als Sportdirektorin für Del Monte Properties tätig und schlug Firmenchef Samuel F.B. Morse 1924 vor, auf einem rund 60 Hektar großen, spektakulären Küstengrundstück einen exklusiven Privatclub zu errichten. Als Architekt hatte Hollins ursprünglich Seth Raynor vorgesehen, ein Schützling von C.B. Macdonald und an der Ostküste bereits bestens bekannt. Nach dessen plötzlichem Tod wurde Alister MacKenzie engagiert. Doch im Hintergrund war Hollins maßgeblich an der Konzeption und der Ausgestaltung der Details beteiligt - und nirgends so immens wie an der legendären 16.

Von Anfang an hatten sowohl Raynor als auch MacKenzie einen perfekten Ort für das Grün ausgemacht: eine felsige Landzunge, die in den Pazifik hinausragte und von der anderen Seite der Bucht wirkte, als würde man tatsächlich eine Insel anspielen. Es gab nur ein Problem: Von der angedachten Teebox aus waren mehr als 200 Meter Pazifik zu überwinden - mit Hickory-Schlägern und Balata-Bällen. Für MacKenzie schien die Herausforderung für Amateur-Golfer zu groß, weswegen er wie zuvor Raynor die Bahn eher für ein Par 4 geeignet erachtete. Bei einer gemeinsamen Besichtigung bewies Hollins ihm das Gegenteil, indem sie einen Ball auf dem anvisierten Abschlag droppte und mühelos auf die von MacKenzie vorgesehene Grünfläche spielte. Von Hollins überzeugt, dass ein Par 3 machbar ist, ließ MacKenzie einige Longhitter aus der Region Bälle schlagen, um die optimale Position für den Abschlag zu ermitteln. Das Ergebnis ist eine der berühmtesten Spielbahnen der Golfgeschichte. Nicht nur, weil der 200-Meter-Schlag über den Pazifik der ultimative Risk-and-Reward-Schlag ist, sondern weil Alister MacKenzie und Marion Hollins Spielern, die ein solches Carry nicht in ihrem Repertoire haben, die Möglichkeit eröffnen, mit einem kürzeren Schlag über Wasser auf ein Fairway vorzulegen. Cypress Point wurde 1928 eröffnet, gilt seit Langem als einer der schönsten und bewundertsten Golfplätze der Welt und war indirekt für die Zusammenarbeit von Bobby Jones und Alister MacKenzie in Augusta National verantwortlich. All das wäre ohne Marion Hollins nicht möglich gewesen, die im Jahr 2022 posthum in die World Golf Hall of Fame aufgenommen und zum Ehrenmitglied der American Society of Golf Course Architects ernannt wurde.

Ironischerweise ist das berühmteste Loch von Alice Dye ebenfalls ein Forced Carry über Wasser - aber nur etwa halb so lang. In jedem Frühjahr steht bei der Players Championship im TPC Sawgrass das 17. Loch mit seinem gerade einmal 364 Quadratmeter großen Grün im Fokus, das an seinen großzügigsten Stellen 28 Meter breit und 23 Meter tief ist. Mit einer Länge zwischen 111 und 125 Metern ist die 17 in Sawgrass das schwierigste kurze Par 3 auf der PGA Tour - obwohl, oder gerade weil, die größte Herausforderung dieses Schlags psychologisch ist. So stellte einst PGA-Profi Lee Trevino trocken fest: "Wäre das Wasser Gras, wäre dieses Loch das wohl einfachste Par 3 der Welt." Für Greenfee-Spieler misst das Loch 85 bis 105 Meter und trotzdem landen jedes Jahr zwischen 100.000 und 150.000 Bälle im Wasser - das sind zwei bis drei Bälle pro Spieler. Das Ironische ist: Eigentlich hätte die 17 gar kein Inselgrün sein sollen.

Der Blick des Architekten:
TPC SAWGRASS
Die 17 des Stadium Course: Die vorderen Abschläge sind so platziert, dass schwächeren Spielern die gesamte Tiefe des Grüns zur Verfügung steht.


Konzipiert war die Bahn als mittellanges Par 3, dessen Grün nur an einer Seite an einen kleinen Teich grenzt. Doch dann machten die geografischen Bedingungen diese Pläne zunichte. Genau an dieser Stelle fanden Platzarbeiter den am besten für den Bau der restlichen Fairways geeigneten Sandboden und bedienten sich nach Belieben, was ein riesiges Loch zur Folge hatte. Pete Dye geriet in Panik, weil ihm plötzlich eine Bahn fehlte. Doch dann hatte seine Ehefrau und Mitarbeiterin Alice den rettenden Einfall: "Warum errichtest du nicht einfach in der Mitte eine Spundwand und wirfst etwas Sand und Rasen darauf?", fragte sie und wurde damit selber zum Teil der Legende von TPC Sawgrass.

Zudem errichteten sie eine zweite, kleinere Insel inmitten des anderthalb Hektar großen Sees, die Platz für einen Baum bot, um der Notmaßnahme mehr Natürlichkeit zu verleihen. Dass diese Bahn so ikonisch geworden ist, liegt auch daran, wie sie eingebunden ist. Als Heimatplatz der Players Championship ist Pete und Alice Dyes Inselgrün eine mutige und originäre Designentscheidung, die nicht nur optimal ihren angedachten Zweck erfüllt, sondern auch zum exakt richtigen Moment einer Runde platziert wurde.

Alice Dye hat aber noch viel mehr geleistet, als einen perfekten Verwendungszweck für ein großes Loch zu finden - im TPC Sawgrass, wo PGA Commissioner Dean Beman nach getaner Arbeit schwärmte: "Pete ist ein großartiger Architekt, weil er mit Alice eine großartige Partnerin hatte", und bei jeder anderer ihrer gemeinsamen Arbeiten. Oft werden ihre Beiträge dabei leider auf Anekdoten reduziert. Beim Bau des Ocean Course auf Kiawah Island etwa soll sie ihrem Ehemann gesagt haben: "Du baust einen Platz direkt am Meer, aber der Golfer kann es nicht sehen", woraufhin er die Fairways erhöhen ließ. Doch Alice Dye war mehr als nur die schärfste Kritikerin ihres Ehegatten. Sie war von Anfang an in den gesamten Designprozess eingebunden, fertigte Zeichnungen und Pläne an und setzte sich auch immer wieder auf den Bulldozer.

Tatsächlich lässt sich sogar konstatieren, dass sie den größten Anteil daran hat, dass Dye-Designs zeitlos gut geblieben sind. Während Pete das grundlegende Routing entwarf, kümmerte sich Alice um die Details und legte dabei besonderen Fokus auf die Spielstrategie der einzelnen Löcher und darauf, wie sie sich durch den Einsatz von Bunkern, Wasser oder anderen Hindernissen beeinflussen lässt. Das beste Beispiel für ihre Arbeit findet sich im Harbour Town Golf Club auf Hilton Head Island. Nachdem Pete Dye das Routing entwickelt hatte, steckte er beim Bau von Loch 13 plötzlich in einer Klemme: Er hatte keine Idee, wie die Bahn aussehen sollte. Alice schnappte sich eine Serviette, zeichete ein Dogleg darauf und fand die Lösung, woraufhin sie mit dem Bau des Lochs beauftragt wurde. Ihr ist es zu verdanken, dass die liebevoll "Mickey-Mouse-Ohren" genannten Grünbunker dem Loch bis heute einen großen Wiedererkennungswert gegeben haben. Doch auch hier wurde ihr der Ruhm nicht immer zuteil, wie sich Architekt Bill Coore 2019 erinnerte: "Pete hat mir erzählt, dass er während eines Turniers an der 13 stand und Zuschauer darüber reden hörte, dass Jack Nicklaus das Grün gestaltet habe. Er ging zu ihnen hin und sagte: ,Das stimmt nicht. Meine Ehefrau hat dieses Grün designt.' Als er wieder wegging, hörte er einen der Zuschauer sagen: ,Wow, die Betrunkenen sind heute ja früh unterwegs.'"

Doch zumindest innerhalb der Architektur-Industrie hat die 2019 verstorbene Pionierin längst den ihr zustehenden Respekt bekommen. Sie war nicht nur die erste Frau, die in die American Society of Golf Course Architects (ASGCA) aufgenommen wurde, 1997 wurde sie sogar deren Präsidentin. Dass die Society sie auf ihrer Webseite als First Lady der Golfarchitektur in den USA bezeichnet, ist allerdings in zweierlei Hinsicht inkorrekt. Im chronologischen Sinn, weil Marion Hollins davor kam, und im politischen Sinn, weil "First Lady" fälschlicherweise impliziert, sie habe nur repräsentative Pflichten erfüllt.

 
Der Autor

Der Autor

Tony Ristola, ein Amerikaner mit finnischen Wurzeln, kann nicht nur Golf spielen - er war als Teaching- sowie Playing-Pro aktiv -, sondern fand in der Golfplatzarchitektur seine wahre Bestimmung. Zusammen mit Arbeitern, von denen die meisten noch nie einen Golfplatz gesehen hatten, schuf er mit Sand Valley in Polen sein erstes, international gefeiertes 18-Loch-Layout. Als einziger Golfplatzarchitekt garantiert er, jeden einzelnen Tag der Planungs- und Bauphase einer neuen Anlage vor Ort zu sein. www.tonyristola.com

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