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Geschlossene Gesellschaft

Men Caves

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images (4), Imago (5), Rüdiger Meyer (1), PR (1)

Ausgerechnet einige der prestigeträchtigsten Golfclubs der Welt haben sich jahrzehntelang gegen die Aufnahme von Frauen gewehrt - und zwei von ihnen tun es noch bis heute.

Von Muirfield bis Augusta National: Diese zehn Clubs sorgten mit ihrer Weigerung, Frauen in ihre Reihen aufzunehmen, für Skandale.

2012

AUGUSTA NATIONAL

KAMPF UM DIE SPONSOREN

Nirgendwo sonst wurde der Kampf um die Aufnahme von weiblichen Mitgliedern so öffentlichkeitswirksam ausgetragen wie in Augusta National. Der Grund dafür: Martha Burk. Nachdem der von Bobby Jones gegründete Männerclub 70 Jahre lang ungestört unter sich bleiben konnte, nahm sich die Vorsitzende des National Council of Women's Organizations 2002 Augustas Chairman Hootie Johnson zur Brust. Ihr Argument: Da der Club in der Öffentlichkeit steht und durch die Ausrichtung des Masters unzählige Millionen verdient, habe der Ausschluss von Frauen eine fatale Signalwirkung. Johnson gab sich trotz des Drucks uneinsichtig: "Unser Club hat eine Kameradschaft und einen engen Zusammenhalt entwickelt, die uns so lange gute Dienste geleistet haben, dass es uns schwerfällt, über Veränderungen nachzudenken." Irgendwann würde man vielleicht auch Frauen zulassen, "aber nicht mit vorgehaltenem Bajonett". Ein Jahr später ließ Burk die Situation noch einmal eskalieren, indem sie sich direkt an die Sponsoren des Masters wandte, um finanziellen Druck zu erzeugen. Aber auch das funktionierte nicht: Augusta verzichtete 2003 und 2004 einfach freiwillig auf Werbeunterbrechungen während der TV-Übertragung und nahm die Einnahmeverluste in Kauf. Zum Verhängnis wurde dem Club ausgerechnet eine eigene, ungeschriebene Regel. Seit Jahren wurden die Vorstandsvorsitzenden der wichtigsten Masters-Sponsoren automatisch zu Mitgliedern von Augusta National berufen.

Geschlossene Gesellschaft: Geschlossene Gesellschaft:
Glücklicherweise waren diese deutlich progressiver als der Herrenclub aus Georgia, und als IBM 2012 Ginni Rometty als ersten weiblichen CEO ernannte, geriet der neue Augusta-Chairman Billy Payne in eine Zwickmühle: Entweder müsste der Club mit seiner Mitgliederpolitik brechen oder einem seiner wichtigsten Geldgeber vor den Kopf stoßen. Payne entschied sich für ersteren Weg, wollte dabei aber den öffentlichen Eindruck wahren, es sei aus freien Stücken geschehen. Beim Masters 2012 trat Rometty noch ohne das symbolische Kleidungsstück auf. Stattdessen verkündete Augusta National am 20. August 2012, der ehemaligen US-Außenministerin Condoleezza Rice sowie der Bankerin Darla Moore eine Mitgliedschaft angeboten zu haben. Beide sagten zu und haben seither weibliche Gesellschaft bekommen. Auch wenn der Club seine Mitgliederlisten streng geheim hält, ist bekannt geworden, dass die ehemalige USGA-Präsidentin Diana Murphy, die spanische Bankerin Ana Botín, Schwedens Weltklassegolferin Annika Sörenstam und Pebble-Beach-Chefin Heidi Ueberroth in den rund 300 Mitglieder zählenden Club aufgenommen wurden. Und natürlich Ginni Rometty. Die IBM-Chefin erhielt 2014 ihre Einladung für Augusta National. Früh genug, um einen Skandal zu vermeiden, und spät genug, um weiterhin den Anschein zu wahren, sie sei nicht der Grund gewesen, dass Augusta National mit seiner exkludierenden Mitgliederpolitik gebrochen hat.

2017

KASUMIGASEKI

DABEI SEIN IST ALLES

Dass das Internationale Olympische Komitee moralisches Rückgrat beweist, ist selten geworden. Aber im Vorfeld der Sommerspiele in Tokio hat das IOC tatsächlich einen Beitrag zur Gleichberechtigung in Japan geleistet. Nachdem Golf 2016 in Rio de Janeiro seine Rückkehr in den olympischen Zirkus gefeiert hatte, musste auch Tokio 2020 einen Austragungsort für die Golfwettbewerbe finden. Die Wahl fiel auf den 1929 gegründeten Traditionsclub Kasumigaseki. Der Club erlaubte es zwar Frauen, auf seinem Platz zu spielen, aber nicht am Wochenende - und an eine Mitgliedschaft war ohnehin nicht zu denken. Ein gefundener Angriffspunkt für Yuriko Koike, die 2016 als erste Frau zur Gouverneurin von Tokio gewählt wurde. Sie brachte die Praxis des Clubs auf die öffentliche Agenda und setzte damit Thomas Bach und seine Getreuen unter Druck. Im Februar 2017 verkündet IOC-Vizepräsident John Coates, dass man sich einen anderen Austragungsort suchen würde, wenn Kasumigaseki seine diskriminierende Praxis nicht aufgeben würde. Das Problem des Clubs: Alle Entscheidungen mussten vom 15-köpfigen Aufsichtsrat einstimmig getroffen werden - und wann können sich 15 Männer schon mal auf irgendetwas einigen? Und so zeigte sich Club-Chairman Kiichi Kimura erst einmal ein wenig angefressen: "Es ist äußerst ärgerlich, dass sich die Situation so schnell zu dem entwickelt hat, was sie jetzt ist. Im Moment sind wir verwirrt." Am 20. März 2017 knickte der Aufsichtsrat schließlich ein und beschloss, Frauen in den Club aufzunehmen und ihnen fortan auch am Sonntag Spielrechte zu gewähren. Im Mai 2018 erhielt Nobuko Hirayama eine der drei ersten vollwertigen Mitgliedschaften. Sie hatte 1995 zuvor die Mitgliedschaft ihres Vaters geerbt, wurde aber 23 Jahre lang als Mitglied zweiter Klasse behandelt. Dann kamen zum Glück die Olympischen Spiele in das Land der aufgehenden Sonne.

Geschlossene Gesellschaft:
KEINE FRAUEN AKZEPTIERT

BURNING TREE CLUB

GERICHTLICHE AUSEINANDERSETZUNG

Bereits die überlieferte Entstehungsgeschichte des Privatclubs in Bethesda, Maryland, ist problematisch. Der Legende nach sollen vier Männer in einem benachbarten Club von einem langsamen Frauen-Flight aufgehalten worden sein und aus Protest den Burning Tree Club gegründet haben. 2003 veröffentliche ESPN einen Artikel über den Club, der Realsatire sein könnte, wenn es nicht so traurig wäre. Die Anti-Frauenpolitik war so drakonisch, dass weibliche Taxifahrerinnen nicht aufs Gelände gelassen wurden, eine Secret-Service-Agentin am Tor kehrtmachen musste und in den 1950ern eine abgestürzte Flugzeugpilotin isoliert wurde, als sei sie ein Alien in Area 51. Nur im Dezember durften Frauen für zwei Stunden am Tag auf das Clubgelände - damit sie ihren Ehemännern Weihnachtsgeschenke im Pro-Shop kaufen konnten. Um ihre Politik zu wahren, brach man 1981 sogar mit der Tradition, Richter des Supreme Court zu Mitgliedern zu machen. Dort hatte man es gewagt, mit Sandra Day O'Connor einer Frau eine Robe zu geben. Ironischerweise bekam Day O'Connor wenige Jahre später die Chance auf eine kleine Revanche. 1983 verklagten zwei Steuerzahler den Club, weil er als reiner Männerclub einen steuerlichen Vorteil in Maryland genoss. Das Montgomery-County-Gericht in Person von Richterin Irma Raker gab ihnen recht, wodurch dem Club Steuernachteile von 186.000 Dollar drohten. Der Club legte Berufung ein und behauptete, die Entscheidung sei ein Angriff auf die Vereinigungsfreiheit. Um doch noch den finanziellen Verlusten zu entkommen, rief der Club 1989 schließlich den Supreme Court an, doch Sandra Day O'Connor und ihre acht Kollegen lehnten es ab, den Fall anzunehmen. Die finanziellen Nachteile, die sich zu der Zeit bereits auf jährlich mehr als 300.000 US-Dollar angehäuft hatten, waren aber nicht hoch genug, um Frauen im Club zu tolerieren.

KEINE FRAUEN AKZEPTIERT

BUTLER NATIONAL

VERLUST VON GOLFTURNIEREN

Anders als viele andere Clubs auf dieser Liste kann sich Butler National in Illinois nicht auf eine jahrzehntelange Tradition als Männerclub berufen: Er wurde erst 1972 von Namensgeber Paul Butler gegründet. Um sich von den familienorientierten Country Clubs in der Umgebung Chicagos abzuheben, sollte sich das Angebot auf Golf fokussieren und exklusiv für Männer sein. Der von George Fazio entworfene Platz kam so gut an, dass 1974 die prestigeträchtige Western Open auf Butler National ausgerichtet wurde. 1990 geriet die Politik des Clubs als Kollateralschaden einer anderen Kontroverse ins Rampenlicht. Weil Shoal Creeks rassistische Mitgliederpolitik zum Verlust der PGA Championship führte, legten die Veranstalter der bedeutendsten Golfturniere neue Richtlinien fest: Von nun an durften Austragungsorte keine diskriminierende Mitgliederpolitik mehr haben. Butler National wollte seine Richtlinien jedoch nicht ändern und musste daraufhin die Western Open an den benachbarten Cog Hill Golf & Country Club abtreten. In den 36 Jahren seither gab es immer wieder Versuche, die archaische Mitgliederpolitik aufzuweichen, doch die Befürworter waren den Gegnern immer unterlegen. Der bisher letzte öffentlich gewordene Versuch wurde im November 2012 unternommen. Weil die Austragung eines Major-Turniers dem Club einen siebenstelligen Geldsegen bringen würde, kam es zu einer Urabstimmung über die Aufnahme von Frauen. Drei Viertel aller Mitglieder hätten dem Vorschlag zustimmen müssen, aber der Vorschlag wäre selbst an einer einfachen Mehrheit gescheitert. Obwohl der Club in einer finanziellen Notsituation stand, stimmten gerade mal 40 Prozent der Männer dafür, ihren heiligen Rasen mit Frauen zu teilen.

Geschlossene Gesellschaft:
1994

COLUMBIA CC

STEUERLICHE NACHTEILE

Es ist irgendwie bezeichnend, dass direkt um die US-Hauptstadt Washington ein Hort an reinen Männerclubs existierte. Nur wenige Kilometer vom Burning Tree Club entfernt war der Columbia Country Club bereits seit 1898 eine reine Männerdomäne. Im Zuge der Steueruntersuchungen des Generalstaatsanwalts von Maryland geriet auch die Praxis des CCC ins Visier der Finanzprüfer. Nachdem Burning Tree in höchster Instanz eine gerichtliche Niederlage kassiert hatte, drohte auch beim Nachbarn ein Verlust der Steuerprivilegien. Im Columbia Country Club konnte man sich diesen finanziellen Nachteil nicht erlauben, sodass man beschloss, die Satzung zu ändern und auch Frauen in den Club aufzunehmen. Allerdings nicht sofort, schließlich müsse man erst einmal die - natürlich rein männliche - Warteliste abarbeiten. Dennoch durfte man die Steuervorteile behalten und sparte so laut "Washington Post" allein 1993 satte 750.000 Dollar. Doch selbst eine Satzungsänderung konnte die Einstellung zahlreicher Mitglieder nicht ändern. Als sich die demokratische Senatorin Mary Boergers im Club-Restaurant mit einem Unterstützer treffen wollte, wurde ihr anfangs der Zutritt verwehrt. Noch peinlicher für den Club war ein Fall, der 2006 publik wurde. Hilary Bruggen, die 1997 zu den ersten Frauen gehörte, denen ein Mitgliedsantrag gewährt wurde, steckte mitten in einer Scheidung. Weil die Mitgliedschaft unter dem Namen ihres Mannes geführt wurde, sollte sie entweder den Club verlassen oder noch einmal 50 Prozent der Aufnahmegebühr bezahlen. Ihr Ehemann durfte ganz normal weiter bleiben.

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