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Par-Therapie

Green Eagle Nord Course

Von Rüdiger Meyer

Die Bahn 10 des Nordkurses von Green Eagle ist ein großartiges Golfloch - wenn man ein Mann ist. Für Frauen (und viele Senioren) wird sie dank eines Cross-Hazard, das direkt in der Drive-Landezone liegt, schnell zum Albtraum.

LOCH 10 • PAR 4 • 305 METER (ROT) • HCP 2


KEEP CALM AND CARRY ON


ORT
WINSEN/LUHE, DEUTSCHLAND
ERBAUT
2006
DESIGN
MICHAEL BLESCH
PAR
73
LÄNGE
5.307 METER
PLATZART
INLAND-LINKS
Forced Carries sind das Salz in der Suppe jedes Golfplatzes. Das wusste schon Alister MacKenzie, dessen achtes Prinzip zum Golfplatzdesign lautet: "Es sollte eine ausreichende Anzahl an heroischen Abschlägen geben, bei denen Hindernisse überwunden werden müssen." Doch der legendäre Architekt von Augusta National wusste auch, dass man dieses Rezept leicht versalzen kann, deshalb führte er weiter aus: "Der Platz sollte so angelegt sein, dass dem schwächeren Spieler unter Verlust eines Schlags stets eine alternative Route offensteht." Genau daran scheitern viele moderne Golfplätze. Leidtragende sind in erster Linie Damen, Senioren oder Anfänger. Die Bahn 10 des Nordkurses von Green Eagle ist kein außergewöhnlich gravierender Verstoß gegen dieses Prinzip. Sie hat bei der Austragung des ersten Amundi German Masters dieses Problem nur deutlich vor Augen geführt, da die Turnierveranstalter zu einer Notlösung griffen: Die Teebox wurde kurzerhand aufs Fairway verlegt. Der Grund: ein langer Forced Carry über zwei Teiche, die an dieser Stelle nah beieinanderliegen und das Fairway auf einer Länge von knapp 50 Metern unterbrechen. Für männliche Profis, die von den Backtees spielen, kein Problem: Sie legen ihren Abschlag einfach auf 250 Meter ins Fairway und haben anschließend 200 Meter bis Mitte Grün. Für Frauen stellt sich die Situation völlig anders dar. Ihr Abschlag liegt gut 145 Meter weiter vorne in einer Waste Area, was viele männliche Amateure zunächst als unfairen Vorteil interpretieren. Tatsächlich ist dieser Abschlag für Frauen dagegen so etwas wie eine klassische Zwickmühle. Spielen sie defensiv, liegen sie an der gleichen Stelle wie die Herren nach ihrem Abschlag. Sind sie aggressiv, brauchen sie einen Drive, der mindestens 190 Meter geradeaus fliegt. Eine Aufgabe, die die Verantwortlichen der LET im ersten Jahr des Amundi German Masters als zu hoch ansahen.

Par-Therapie:
Und hierbei handelt es sich, wohlgemerkt, um Damen, die damit Geld verdienen. Im Amateurbereich sieht es noch einmal anders aus. Eine 2025er-Studie der USGA stellt fest: "Den Ergebnissen zufolge sollte ein erzwungener Carry von mehr als 90 Metern vermieden werden, wenn Golferinnen und andere Spieler mit geringerer Schwunggeschwindigkeit davon betroffen sind. Bei 70 Metern waren 45 Prozent der Golferinnen, die einen erzwungenen Carry versuchten, immer noch erfolglos." Mit anderen Worten: Alister MacKenzies achtes Prinzip hat immer noch Gültigkeit. Nun könnte man gerade im Fall von Green Eagle berechtigt argumentieren, der Platz sei in erster Linie auf große Turniere und damit für bessere Spieler ausgelegt. Allerdings gibt es schon seit einiger Zeit keine Handicap-Beschränkung für den Nordkurs mehr, sodass dies in der Realität etwas anders aussieht. Tatsächlich ist es in Green Eagle auch nicht der einzige Forced Carry von beträchtlicher Länge. Viele davon sind aber über Waste Areas, wo kein Ballverlust droht, was den Frustfaktor deutlich geringer macht. Aber weltweit gibt es Hunderte Plätze, bei denen Forced Carries eingebaut werden, ohne zu bedenken, welch unterschiedliche Wirkung sie auf verschiedene Spielstärken besitzen - und der Großteil davon ist noch deutlich gravierender als in diesem Beispiel. Genau deshalb sollte man sie wie von Alister MacKenzie gewünscht doch mit Bedacht einsetzen.

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