Vier Tage später steht der Düsseldorfer bei der Scottish Open am Tee von Loch 10 des Renaissance Golf Club und schlägt seinen ersten Drive wieder in den Bunker. Dieses Mal kann er nicht entkommen und notiert das Bogey. Es ist der Auftakt einer Albtraum-Serie, die Schott als Profi noch nie erlebt hat. Auf neun seiner ersten zehn Löcher kassiert er einen Schlagverlust, später kommen sogar noch ein Doppel- und ein Triple-Bogey hinzu. Das einzige Birdie wirkt dagegen fast, als wolle ihn der Platz verhöhnen. Nicht nur ist Schott Letzter, zwischen ihm und dem Vorletzten liegen auch so viele Schläge wie zwischen dem Ersten und dem 145. Ein Großteil der European-Tour-Spieler hätten an dieser Stelle eine Verletzung vorgetäuscht und zurückgezogen. Doch das geht gegen den Stolz von Schott. Er steht am nächsten Tag wieder am ersten Tee. Der Cut ist nicht zu schaffen, aber er spielt auf drei Par 3 das Birdie und rehabilitiert sich mit einer beachtlichen 68. Freddy Schott, der Kämpfer.
Doch was bringt ihn dazu, in solchen Situationen nicht aufzugeben? Das verriet uns ein entspannter Freddy bereits im Juni, als wir ihn bei einem Event von Golf House und seinem Sponsor Ecco in Green Eagle trafen. "So was ist einfach Golf. Aber es ist auch genau das, was einen immer wieder motivieren wird, dass dich Golf einfach so unglaublich erdet. In einem Moment kannst du gefühlt alles machen, was du willst. Und im nächsten stehst du auf dem Platz und es klappt nichts mehr. Es ist einfach der geilste Sport der Welt."


»ICH HABE MIT 13 JAHREN DIE HERRENCLUB-MEISTERSCHAFT GEWONNEN, DAS WAR ZIEMLICH COOL.«
Den neuen Job beginnt er überraschenderweise nicht in Deutschland. "Meinen ersten Start als Profi habe ich auf der Sunshine Tour gemacht, weil sich das für mich damals angeboten hatte mit meiner Base in Kapstadt", erinnert er sich. Bei der Gauteng Championship verpasst er nach Runden von 77 und 74 allerdings deutlich den Cut.
Doch nur sechs Wochen später wird er bei der Cape Town Open bereits Siebter. Noch besser läuft es, als er nach Europa zurückkehrt. Im September gewinnt er gleich bei seinem ersten Start auf der Pro Golf Tour die Gelpenberg Open - obwohl der junge Mann auf dem Siegerfoto, der damals noch als Frederik Schott in den Startlisten steht, kaum Ähnlichkeit hat mit dem, der uns im Restaurant von Green Eagle gegenübersitzt. Frederik hatte noch kurz geschorene Haare, Freddy hat eine majestätische Langhaarmähne zu seinem Markenzeichen gemacht.

Dass der Sprung in die europäische Elite-Liga für den Rheinländer so schnell gekommen ist, nimmt ihm eine harte Entscheidung ab: "Ich habe mir zu Beginn drei Jahre gegeben, um auf die DP World Tour zu kommen. Hätte das nicht funktioniert, hätte ich mir Gedanken gemacht, ob Golfprofi überhaupt das Richtige für mich ist." Jedoch gibt er zu, dass eine Alternative zur Golf-Karriere nicht existierte. "Mein Plan B wäre spontan zustande gekommen, ich habe mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Ich glaube auch, dass man mit einem Plan B zu bequem wird. Wenn du da hochwillst, darfst du dich nicht mit einer Situation anfreunden, die eigentlich nicht dem entspricht, was du willst."
Das, was Freddy will, ist gewinnen. Doch davon ist er in seiner ersten Saison auf der DP World Tour weit entfernt. Bei zehn der ersten 13 Turniere verpasst er den Cut. Nach fünf Monaten auf der großen Tour stehen gerade einmal 14.000 Euro Preisgeld zu Buche - brutto. "Ich glaube, die meisten unterschätzen, welche Kosten wir Profis alle tragen müssen", gibt er zu bedenken. Rechnet man die Reisekosten nach Südafrika, Mauritius, in den Nahen Osten, nach Singapur, Indien, Japan und China dagegen, liegt er vermutlich nicht über dem Existenzminimum. Zwar legt er die Eingewöhnungsprobleme mit der Zeit ab, sichert sich ein Top-Ten-Resultat in Dänemark und überzeugt bei der Porsche European Open als 14., aber am Ende des Jahres ist die Tourkarte weg. Wenn auch nur für wenige Tage. Wie schon bei den Monday-Qualifiern beweist Freddy auch auf der Q School, dass er bestehen kann, wenn die Existenz auf dem Spiel steht. Nach sechs zermürbenden Tagen sichert er sich nicht nur die Tourkarte, er gewinnt das Mammut-Event sogar, holt sich einen Preisgeldscheck über 20.000 Euro und - noch viel wichtiger - jede Menge Selbstvertrauen. "Ich habe jede einzelne Sekunde genossen. Ich weiß wieder, dass ich gewinnen kann; es spielt keine Rolle, dass es nur die Q School ist."
Vier Monate später darf er wieder von einem Sieg träumen, dieses Mal von einem richtigen. Bei der Porsche Singapore Classic geht er nach zwei Runden als Führender im letzten Flight auf die Schlussrunde. 24 Stunden später hat sich das Blatt allerdings komplett gewendet. Nach zwei katastrophalen Löchern und einer 76 muss er am Sonntag im ersten Flight von der 10 ran. "Es fühlt sich echt scheiße an! Das ist kein schönes Gefühl", fasst er die Situation zusammen, der er rückblickend aber auch Positives abgewinnen kann. "So etwas ist auch Teil des Lernprozesses. Vieles lernt man leider Gottes nur auf die harte Tour."



