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Par-Therapie

Postolowo Golf Club

Von Rüdiger Meyer

Wer an Silvester einen Kick will, besorgt sich Knaller aus Polen, wo sie größer, spektakulärer, lauter und brandgefährlich sind. Im polnischen Postolowo wurde die Polenböller-Philosophie zu einem Golfplatz, bei dem spätestens die absurde Bahn 16 die gute Laune wegfetzt.

LOCH 16 • PAR 3 • 205 METER (WEISS) • HCP 11


POLENKRACHER


ORT
POSTOLOWO NAHE DANZIG, POLEN
ERBAUT
1990
DESIGN
JEREMY TURNER
PAR
72
LÄNGE
7.101 METER
PLATZART
PARKLAND
155! Wer diese Zahl auf der Scorekarte sieht, kann sich sicher sein, in den kommenden Stunden ein masochistisches Erlebnis der Sonderklasse zu bekommen, denn dieses Slope-Rating klassifiziert die höchstmögliche Schwierigkeit für einen Bogey-Golfer. In ganz Europa gibt es nur vier Plätze, die diese maximale Selbstkasteiung ermöglichen: die Backtees von Le Golf National, der Black River Golf Course in Bratislava, die Backtees des Stadium Course von Camiral und eben die weißen Tees des Postolowo Golf Club. Dabei trifft Architekt Jeremy Turner nur die halbe Schuld. Als er sein Design fertig hatte, maß es nur gut 5.900 Meter und hatte ein Slope-Rating von 132, doch 2006 streckte der Club das Design durch neun neue Backtees auf sage und schreibe 7.101 Meter. Ob auch die 16 darunter war, ist nicht ganz nachzuvollziehen, angesichts der Lage der weißen Teebox allerdings sehr wahrscheinlich. Sie wurde direkt hinter dem 15. Grün ans Ufer des großen Teichs gezwängt, der das erinnerungswürdigste Designelement des Platzes bildet. Sage und schreibe 205 Meter misst das Par 3 von hier, und da nicht selten der Wind ins Gesicht bläst, sollten Amateure auf dieses Tee nur gehen, wenn ihnen das Bag zu schwer ist und sie ihre Bälle im Teich verklappen wollen.

Par-Therapie:
Nun sind lange Par 3 über Wasser nicht generell zu verdammen, die bis zu 222 Meter lange 16 von Cypress Point gilt nicht umsonst als eine Golf-Ikone. Alister MacKenzie war aber klug genug, für schwächere Spieler ein breites Fairway zu bauen, auf das man selbst von den Backtees nur 120 Meter Pazifik überwinden muss, um das Loch als Par 4 spielen zu können. Die 16 von Postolowo bietet so etwas nicht: Hier müssen von Weiß mindestens 165 Meter überwunden werden und der Schlag kerzengerade bleiben. Aber selbst das ist noch im Rahmen, denn wer hier von Weiß spielt, findet vermutlich Gefallen daran, erniedrigt zu werden. Das viel größere Problem ist jedoch, dass auch die vorderen Tees eine unfassbare Sprengkraft besitzen und jede Runde in Stücke reißen können. Mit 172 Metern von den gelben und blauen Tees ist immer noch eine satte Distanz zu bewältigen, aber vor allem ist der Winkel ins Grün sogar noch anspruchsvoller. Da die Teebox weiter rechts gesetzt ist, droht nun auf der rechten Seite auch noch Gefahr durch überhängende Bäume, die zudem die rechte Ecke des Grüns verdecken. Darüber hinaus gibt es auch hier keine Chance vorzulegen, da dort ein tückischer Grünbunker ins Spiel kommt und alles links davon in Richtung Wasser läuft. Wer also nach 15 Loch in Postolowo auf wundersame Weise eine gute Runde am Laufen hat, sollte am besten das Loch links liegen lassen, einen Strich notieren und sich an der 17 darüber freuen, nicht explodiert zu sein und keinen Schläger frustriert in den Teich geworfen zu haben.

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