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Der Blick des Architekten

Das Design eines Schlusslochs - Teil 2: Die Realität

Von Tony Ristola, Fotos: Tony Ristola

Seine Ideen für ein neues Finishing-Hole in Skandinavien beschrieb unser Kolumnist bereits vergangenes Jahr. Nun wurde der Entwurf gebaut und es gab eine Menge anzupassen. Zeit für einen Ortsbesuch.

Vor fast genau einem Jahr beschrieb ich in meiner Kolumne "Das Beste kommt zum Schluss!?" die ersten konzeptionellen Überlegungen für ein neues Schlussloch auf dem King's Course des finnischen Ålands GK. Damals schrieb ich: "Im Folgenden möchte ich den Denkprozess zur Entstehung eines groben Entwurfs beschreiben. Ich schreibe ganz bewusst ,grob', da der Entwurf während der Bauarbeiten vor Ort stets noch verfeinert wird."

Dieser erste Plan entstand nach nur einer einzigen Besichtigung des Geländes und basierte ausschließlich auf Notizen und Fotos. Es lag keine topografische Vermessung vor - für diese Spielbahn war eine solche auch nicht zwingend erforderlich. Die Mengen für Drainage, Kies, Substratgemisch sowie die Erdmassenbilanz (Aushub und Auftrag) ließen sich bereits im Vorfeld berechnen.

Der Grundentwurf war von Anfang an als freie Interpretation des berühmten Road Hole in St. Andrews gedacht, wobei die Feinheiten erst während des Baus ausgearbeitet werden sollten. Genau hierin liegt einer der großen Vorteile, wenn man seine Entwürfe selbst umsetzt, anstatt sich auf das klassische Verfahren "Planung - Ausschreibung - Bauausführung" zu verlassen: Man kann das realisieren, was das Gelände und die Gegebenheiten tatsächlich zulassen, und ist nicht an das gebunden, was lediglich auf dem Papier skizziert wurde. Wochenlange handwerkliche Arbeit und Entscheidungen direkt vor Ort führen zu Verfeinerungen, die durch reine Fernplanung niemals erreicht werden könnten. Wie Einstein treffend bemerkte: "Ich bin nicht besonders gescheit, ich bleibe nur länger an den Problemen dran."

Im Folgenden erläutere ich die wichtigsten Entscheidungen, Abweichungen und Ergänzungen, die ich am ursprünglichen Konzept vorgenommen habe. Wichtig ist dabei: Keine dieser Maßnahmen führte zu Mehrkosten oder Verzögerungen. Im Gegenteil - die tägliche Bauleitung und das eigenhändige Modellieren des Geländes sparten Zeit und Geld und werteten das Loch hinsichtlich Charakter, strategischer Tiefe und optischer Wirkung erheblich auf.

1. DAS GRÜN


Das Grün ist das entscheidende Element jeder Golfbahn. Bei diesem Abschlussloch bestimmt es die Spielstrategie, was eine detaillierte Ausgestaltung äußerst wichtig machte. Das Gelände fällt sanft von links nach rechts ab. Der ursprüngliche Plan sah ein diagonal angelegtes Grün vor, dessen linker Teil am weitesten hinten lag. Ich änderte diese Ausrichtung, da der gewünschte False-Front-Effekt (eine abfallende Vorderkante) bei einer Annäherung von links unten (Höhenunterschied ca. 1,2 m) wesentlich besser zur Geltung kam als von rechts oben (1,8 m). Auch wenn die endgültigen Konturen markanter und komplexer ausfielen als zunächst geplant, bleibt das Grün dem ursprünglichen Konzept treu: einer Interpretation des Road-Hole-Grüns in St. Andrews.

Das legendäre 17. Loch auf dem Old Course ist bekannt für seine geringe Tiefe. Es wird auf der rechten Seite von einer großen abfallenden Vorderkante (False Front) und mittig vor dem Grün von einem tiefen, tückischen Bunker verteidigt. Dahinter befinden sich eine steile Böschung, ein Weg, die Straße und die berühmte Steinmauer. Ich wollte hier eine ähnliche Dramatik und einen vergleichbaren Charakter erzielen, aber auch etwas mehr Fehlertoleranz und Spielbarkeit bieten. Das neue Grün ist daher tiefer und großzügiger modelliert, was zahlreiche interessante Fahnenpositionen ermöglicht, die wiederum die optimale Angriffslinie verändern. Das hintere Drittel des Grüns fällt sanft vom Spieler weg ab, sodass ein etwas zu langer Schlag über das Grün hinaus auf die hintere Böschung rollen und 10 bis 20 Meter dahinter zum Liegen kommen kann. Von diesem tiefer gelegenen Bereich aus betrachtet liegt das Grün etwa 1,2 bis 2,2 Meter über dem Spieler, was einen anspruchsvollen Recovery-Schlag erfordert.

2. SEITLICHES WASSER UND KOSTENEFFIZIENTE ERDBEWEGUNG


Obwohl ursprünglich nicht geplant, entstand ein seitliches Wasserhindernis - in sicherem Abstand zur rechten Seite des Grüns -, als das für den Unterbau des Grüns benötigte Material ausgehoben wurde. Diese Aushubfläche dient nun als Wechsel-Feuchtzone mit variierendem Wasserstand sowie als Hauptentwässerungspunkt für das Grün und das angrenzende Fairway. Das Ufer fällt steil ab und schafft einen klaren Übergang vom Fairway zum Hindernis; die Sohle ist mit vor Ort gesammelten Steinen übersät und weist zudem Inseln aus heimischen Gräsern sowie flache Rinnen auf. Mit der Zeit wird sich das Areal sicherlich zu einem attraktiven ökologischen Lebensraum entwickeln, der von heimischen Pflanzen geprägt ist.

3. VORDERER BUNKER


Der ursprüngliche, lang gestreckte Grabenbunker vor dem Grün wurde durch einen kleineren, tieferen Bunker in der Mitte ersetzt, der an den legendären Road-Hole-Bunker in St. Andrews erinnert. Dieses neue Hindernis ist genauso tief wie sein berühmtes Vorbild.

Zwar hätte ein Grabenbunker in trockeneren Klimazonen durchaus funktioniert, allerdings hätte die Grasnarbe unter der starken Beanspruchung entlang der linken Seite in diesem nördlichen Klima gelitten. Durch die nun vorhandene einzelne Bunkerlösung in der Mitte verteilt sich der Spielbetrieb auf natürliche Weise, wodurch die Qualität der Rasenfläche erhalten bleibt.

Der Blick des Architekten:
DAS GEBAUTE SCHLUSSLOCH DES KING'S COURSE
Die Darstellung des Ist-Zustands veranschaulicht die schrittweisen Verfeinerungen, die erst durch das tägliche tatkräftige Engagement vor Ort entstehen - sinnvolle Ergänzungen des Konzepts, die ohne zusätzlichen Zeit- oder Kostenaufwand realisiert wurden.


4. DER HAUPTENTWÄSSERUNGSGRABEN


Ursprünglich verlief ein 350 Meter langer Graben entlang der tiefsten Stelle des Geländes über das Grundstück. Dieser wurde unterirdisch verrohrt und zu einer dezenten, natürlich wirkenden Entwässerungsmulde umgestaltet. Wäre es nicht das 18. Loch gewesen, hätte ich daraus ein geschwungenes, bachähnliches Hindernis gebaut. Da es sich allerdings um das Abschlussloch handelte, gestaltete ich den Bereich bewusst frei von Hindernissen, damit Golfer für leicht unpräzise Schläge keine Strafschläge in Kauf nehmen müssen.

5. RECHTS UND LINKS DES FAIRWAYS


Die beiden ursprünglich geplanten zentralen Fairway-Bunker, die vor allem für Longhitter gedacht waren, wurden gestrichen. Diese Entscheidung stand im Einklang mit dem langfristigen Ziel, die Gesamtzahl der Bunker auf dem Platz auf etwa 15 zu reduzieren.

An ihrer Stelle wurde entlang der rechten Seite der Landezone ein großer, 35 Meter langer Grasbunker angelegt. Mit seinen fließenden Hügeln und Wellen stellt er eine Herausforderung für spielstarke Golfer dar, bleibt aber für Durchschnittsgolfer gut zu bewältigen. Die Kuppen werden mit dichtem Rough akzentuiert; dies trägt dazu bei, dieses und andere ähnlich geformte Elemente optisch und ökologisch in die umgebende Landschaft einzubinden. Ein zweiter, ähnlich großer Grasbunker befindet sich auf der linken Seite, etwa 70 bis 100 Meter vor dem Grün. Die Idee zu diesen großflächigen Grashindernissen entstand aus der Erkenntnis, dass sie umso besser wirken, je größer sie sind. Bei künftigen Überarbeitungen können bei Bedarf kleinere Sandbunker ergänzt werden, um für zusätzliche Abwechslung und einen besonderen Reiz zu sorgen. Ein dritter, eher konventioneller Grasbunker liegt etwa 40 Meter vor dem Grün am Rand des Wasserhindernisses und markiert dessen Beginn.

6. SCHEUNEN UND ERDWÄLLE


Zwei große, restaurierte, rot gestrichene Holzscheunen aus alter Zeit rahmen die Spielbahn ein. Die eine steht etwa 50 Meter links vom Grün; die andere befindet sich rund 170 Meter vom Abschlag und 20 Meter vom linken Fairway-Rand entfernt.

Einst verlief eine Straße zwischen dem künftigen Fairway und der historischen Scheune, umgeben von Wikinger-Grabstätten. Obwohl die Straße für die Landwirte nützlich war, stellte sie einen optischen Störfaktor dar, der jedoch nicht verlegt werden durfte. Wir lösten dieses Problem, indem wir einen 1,20 Meter hohen Erdwall aus dem Material errichteten, das bei der Geländevorbereitung angefallen war. Anstatt den Aushub abzutransportieren, nutzten wir ihn zur Modellierung einer Landschaftsform, die wie ein Relikt aus der Vergangenheit der Scheune wirkt.

Der Blick des Architekten:
Bild oben: DAS ENTSTANDENE GRÜN
Größer als ursprünglich geplant und daher mit deutlich stärkeren Modellierungen versehen lässt das gebaute Grün mehr Spielvarianten zu als beim eigentlichen Road-Hole-Grün. Da das hintere Drittel vom Spieler weg abfällt, ist - ganz im Sinne des historischen Vorbilds - beim Angriff auf das Grün eine gewisse Vorsicht geboten.


Der Wall kaschiert nun die Straße, harmoniert mit den historischen Scheunen und fungiert ähnlich wie die Steinmauer beim Abschlag des Road Hole: als Hindernis, das bei einer aggressiven Spielweise überspielt werden muss. Die zur Straße hin gewandte Seite des Walls ist mit heimischen Gräsern bepflanzt, während die Fairway-Seite einen Übergang vom Semi-Rough zum Fairway-Rasen bildet. Weitere Erdwälle wurden sowohl entlang des zu den Abschlägen führenden Cart-Weges als auch rund um das Grün angelegt. Sie alle wirken authentisch, da sie einen glaubwürdigen Bezug zu den Scheunen herstellen. Diese Methode wird auch an einigen weiteren Löchern angewandt - aber nur dort, wo es sinnvoll ist.

Dieses neue Schlussloch im Ålands GK gibt die Richtung für die zukünftige Umgestaltung des ehemaligen königlichen Jagdgebiets vor. Es etabliert eine Formensprache, die sich deutlich von den in Mitteleuropa üblichen Standards abhebt und von minimalistischen Golfplatzdesigns inspiriert ist, wie sie vor über einem Jahrhundert - als Erdbewegungen auf das absolut Notwendige beschränkt bleiben mussten - üblich waren.

Der Blick des Architekten:
Die Grüns verzichten auf moderne Modellierungen mit künstlichen Hügeln und weisen stattdessen oft steile Böschungen auf. Im übrigen Platzverlauf kommen dezente Erdwälle, Grasbunker unterschiedlicher Größe sowie sorgfältig modellierte Gräben zum Einsatz. Letztere kaschieren ihre eigentliche Funktion als Entwässerungselemente und dienen zugleich als interessante Spielelemente, die keine Strafschläge nach sich ziehen.

Im Kern handelt es sich um einen Prozess der Reduktion und der kreativen Wiederverwendung des vor Ort vorhandenen Materials, um einen authentischen Charakter im Stil alter Golfplätze zu schaffen. Das Ergebnis ist ein unverwechselbarer Platz, der ästhetisch ansprechend und strategisch anspruchsvoll ist, sich harmonisch in den historischen Kontext des Geländes einfügt und - was besonders erfreulich ist - sowohl im Bau als auch in der Pflege überraschend kosteneffizient bleibt.

 
Der Autor

Der Autor

Tony Ristola, ein Amerikaner mit finnischen Wurzeln, kann nicht nur Golf spielen - er war als Teaching- sowie Playing-Pro aktiv -, sondern fand in der Golfplatzarchitektur seine wahre Bestimmung. Zusammen mit Arbeitern, von denen die meisten noch nie einen Golfplatz gesehen hatten, schuf er mit Sand Valley in Polen sein erstes, international gefeiertes 18-Loch-Layout. Als einziger Golfplatzarchitekt garantiert er, jeden einzelnen Tag der Planungs- und Bauphase einer neuen Anlage vor Ort zu sein. www.tonyristola.com

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