Florian Fritsch
Erase and rewind
Von Jan LangenbeinVom Spitzenamateur zum erfolgreichen Profi - und plötzlich geht gar nichts mehr: Florian Fritsch hat sehr jung extreme Höhen und Tiefen erlebt. und daran war nicht sein Golfspiel schuld. Das Comeback-Interview.
Einige Jahre später sitze ich mit Florian am Halfway House unseres Golf Clubs und erzähle ihm diese Geschichte. "Das war eine coole Zeit", grinst er. "Wir hatten ein tolles Team und haben es uns auch nicht verkneifen können, beim Longest Drive eine kleine Motivation für die nächsten Flights à la 'Versuch's erst gar nicht, du kommst eh nicht so weit' auf den Zettel zu schreiben. Das war ein großer Spaß!"
Zusammen mit Stephan Gross, Sean Einhaus und einigen anderen ebenso starken Spielern entwickelte sich die Mannschaft aus St. Leon-Rot zu so etwas wie dem FC Bayern der Golf-Bundesliga. Deutsche Meisterschaften wurden in Serie eingefahren, rote Trikots inbegriffen.
Als es in der Bundesliga nichts mehr zu gewinnen gab, entschied er sich auf dem Weg zum Profi für die Zwischenstation College-Golf an der Universität von South Carolina. Gereift und fit für das Leben auf der Tour kehrte er nach drei Jahren aus den USA zurück und sorgte sofort auf der EPD und der Challenge Tour für Furore, bis ein für Außenstehende überraschender Schritt einschlug wie eine Bombe: Er verkündete seinen Rückzug aus dem Profigeschäft. Nach einer Pause und mit klarem Kopf trat er dann Ende 2010 bei der Q-School zur European Tour an und sicherte sich souverän die Tourkarte.
Wie fühlt es sich an, die Karte für die European Tour am Bag hängen zu haben?
Zum ersten Mal die Spielberechtigung für die European Tour zu haben, ist großartig. Es war natürlich der Plan, dort irgendwann einmal hinzukommen, aber ich habe das immer sehr bescheiden gesehen. Wenn ich die Jungs beim Spielen beobachtete, dachte ich: "Mal schauen, ob ich überhaupt gut genug dafür bin". Dann kamen Ergebnisse, mit denen ich nicht gerechnet hatte. In den letzten Jahren habe ich eines gelernt: Im Golf kann alles sehr schnell gehen.
Für einen Profisportler ist es sehr ungewöhnlich, zu denken: "Vielleicht bin ich nicht gut genug." Eigentlich erwartet man eine "Ich-kann-es-mit-jedem-aufnehmen"-Einstellung. Ist diese Zurückhaltung ein Charakterzug von dir?
Es gibt unterschiedliche Attitüden. Ich möchte mein bestes Golf spielen, unabhängig davon, was die anderen machen. Klar gibt es auch die Einstellung: "Ich will den anderen in den Hintern treten. Egal, ob ich gut oder schlecht spiele, Hauptsache, ich bin besser." Das ist nicht mehr mein Ding. Ich habe großen Respekt vor Spielern, die schon etwas erreicht haben.
Der Auftakt in die Saison war sehr erfolgreich. Was war der Grund, dass dieses Jahr alles aufging?
Das ist die Summe vieler glücklicher Umstände. Es gibt viele Menschen und Sponsoren in meinem Umfeld, denen ich das zu verdanken habe. Aber es gibt auch ganz praktische Gründe. Meine Ergebnisse im letzten Jahr haben mir überhaupt erst das Geld eingespielt, an der Qualifying School teilzunehmen. Ohne meinen fünften Platz auf der Challenge Tour und meinen zweiten Platz beim EPD-Tour-Finale hätte ich garantiert keine Q-School gespielt. Als ich mich letztes Jahr dazu entschied, mit dem Profigolf aufzuhören, war die Anmeldefrist für Ausbildungsverträge zum Golflehrer bereits abgelaufen. Ein glücklicher Zufall. Wer weiß, ich wäre jetzt vielleicht in meinem zweiten Ausbildungsjahr und nicht auf der Tour.
Eine Saison European Tour kostet richtig viel Kohle. Stimmt's?
Es ist wirklich sauteuer! Man sieht nur das Preisgeld auf der Moneylist. Aber je nach Land werden 10 bis 30 Prozent sofort abgeführt. Dazu kommen noch Flüge und Hotels. Ein fest angestellter Caddy verdient 1.000 bis 1.500 Euro die Woche plus Boni von üblicherweise 5 bis 10 Prozent vom Preisgeld. Es bleibt also nicht so viel, wie man meinen könnte, dann kommt nämlich noch das Wichtigste: Das ist alles noch vor Steuern.
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