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Florian Fritsch – Teil 2

Erase and rewind

Von Jan Langenbein

Zu deiner Zeit in St. Leon-Rot warst du einer der besten Amateure Deutschlands. Ihr habt Meistertitel gesammelt wie andere Briefmarken. Das muss eine tolle Zeit gewesen sein, oder?
Ja, absolut. Als ich Profi wurde, waren es fünf Meistertitel. Mittlerweile sind es sieben. In einem Jahr hatten wir sechs oder sieben Nationalspieler in der ersten Mannschaft und 2006 bestand der komplette deutsche WM-Kader aus Spielern aus St. Leon-Rot.

Wie lief das denn ab auf Trainingsrunden? Wenn so viele, so gute Spieler miteinander trainieren, wie wird da gezockt?
Ich bin nicht der Spielertyp, der den direkten Konkurrenzkampf sucht. Deshalb war ich kein Teil dieser Spielchen. Aber natürlich hatten wir Jungs, die das exzessiv betrieben. Stephan Gross, Sean Einhaus und Markus Brandt sind oft zum Mannschaftstraining erschienen, haben 30 Minuten Bälle geschlagen und sind dann sofort auf den Platz zum Zocken verschwunden.Mittlerweile zocke ich gern während der Proberunden, weil die immer unglaublich lange dauern. Zocken hilft, die Konzentration hochzuhalten.

Wenn man am Ende seiner Amateurkarriere ganz oben steht, welche Optionen hat man für die Zeit danach?
2004 stand ich vor der Frage, was genau ich eigentlich machen möchte. Zu dieser Zeit war ich Nummer eins in Deutschland und Nummer sieben in Europa. Zwei Jahre zuvor hatte mich bereits ein College-Trainer angesprochen und gemeint, wenn ich jemals darüber nachdenken sollte, ans College in die USA zu gehen, solle ich ihn anrufen. Es gab also drei Optionen. Ersten noch zwei weitere Jahre als Amateur zu spielen, viel zu trainieren und dann Profi zu werden, zweitens sofort den Sprung ins Profilager zu wagen oder drittens ans College zu gehen. Mein Trainer, Frank Adamovicz, meinte damals, dass man auch als Sportler etwas für das Gehirn tun sollte. Das hörte sich alles sehr vernünftig an und so ging ich an die University of South Carolina und spielte dort College-Golf.

Wie ist das Leben als Golfer am College? Viel Party?
Überhaupt nicht. Dafür blieb keine Zeit, man studiert nämlich tatsächlich und spielt nicht nur Golf. Die Seminare waren sehr breit gefächert. Dreimal in der Woche hatten wir um 6.15 Uhr Fitnesstraining. Der Wecker klingelte also um 5.30 Uhr. Nach dem Fitnessraum folgten vier Stunden Unterricht bis etwa 14 Uhr und dann wurde trainiert. Am Abend standen dann Hausaufgaben an und am nächsten Tag das gleiche Programm.

Nach deiner Rückkehr aus den USA bist du dann Profi geworden. Was hat dir gesagt, dass es damals der richtige Zeitpunkt war?
Man fühlt sich einfach bereit. 2008 bin ich nach Deutschland zurückgekommen und habe einige Turniere als Amateur mitgespielt. Auch die Q-School habe ich noch als Amateur bestritten und bin dann erst im Januar 2009 Profi geworden.

Irgendwann begannen dann Sachen schiefzulaufen…
Da überspringen wir aber eineinhalb Jahre Erfolg. Ich hatte gleich zu Beginn meiner Zeit als Profi zwei Turniere auf der Challenge Tour mit dem zweiten Platz abgeschlossen. Beim ersten Mal musste ich mich im Playoff geschlagen geben und das zweite Mal hatte mich Christoph Günther noch mit einer 62er Schlussrunde abgefangen. So war ich plötzlich auf der Challenge Tour, wo mein eigentlicher Plan doch war, die EPD Tour zu spielen...Dann fing es an, dass ich Probleme mit dem Fliegen bekam. Ich war das nicht gewohnt, da ich nie Schwierigkeiten in einem Flugzeug hatte. Aber die Flugangst entwickelte sich immer stärker, bis schließlich der Punkt erreicht war, an dem ich sagte: "Es geht nicht mehr!"

Während deiner Zeit am College bist du doch auch ständig geflogen. Gab es da keine Probleme?
Nein, kein bisschen. Dort habe ich viel Zeit im Flieger verbracht. Es gab für die Flugangst allerdings viele Gründe. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wo die Reise hingehen soll. Profigolf ist im Vergleich zum Amateursport eine andere Welt. Plötzlich gibt es keine Teamkollegen, keinen Verband und keinen Nationaltrainer mehr. Ich begann, mir Gedanken zu machen, ob ich das wirklich noch will. So kam es dann zu dem einen Jahr Auszeit.

Wie waren die Reaktionen auf deinen Rücktritt vom Profigolf?
Sehr unterschiedlich. Es gab Personen, die sahen, dass es mir nicht gut ging, und mich unterstützten. Es gab natürlich auch Kritiker, die meinten, ich hätte so viel Potenzial und würde das nun einfach wegwerfen. Da habe ich immer erwidert: "Warum muss ich Sklave meines eigenen Talents sein?"

War dieser Schritt von Beginn an als Auszeit geplant oder dachtest du zu diesem Zeitpunkt: "Das war's! Ich bin raus!"?
In einer solchen Extremsituation folgen die Gedankengänge keiner geraden Linie mehr. Es gab Momente, in denen ich für den Rest meines Lebens keinen Schläger mehr anfassen wollte. Ich habe auch darüber nachgedacht, nur die Turniere zu spielen, die mit dem Auto oder mit dem Zug zu erreichen sind. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dieses Jahr Auszeit genommen zu haben. Um mal ein Bild zu bemühen: Ich bin der Ansicht, dass jeder Mensch über ein Fass an Lebensenergie verfügt, und immer, wenn man Energie in ein Projekt steckt, wird dieses Fass leerer. Ich hatte nichts mehr, was dieses Fass auffüllte. Jetzt werden sicher ein paar Leute die Augen verdrehen und mich einen Philosophen schimpfen (lacht).

Ein weiterer Punkt war, dass ich fremde Erwartungen an mich damals zu meinen eigenen gemacht hatte. Ich trat bei Turnieren an, weil es von mir erwartet wurde, und nicht, weil ich es wollte. Ich fühlte mich fremdgesteuert und verlor so die Freude am Spielen. Heute ist das anders. Ich handle nun in kompletter Eigenregie.

Hast du aktiv an deiner Flugangst gearbeitet oder hat sich das mit dem beschriebenen Wechsel der Einstellung von selbst gelegt?
Daran arbeite ich im Moment. Es ist noch nicht so weit, dass ich gern in ein Flugzeug einsteige oder plane, in der nächsten Zeit den Pilotenschein zu machen (lacht).

Mehr über Florian in der aktuellen GolfPunk.

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