Dies wird vor allem bei einem Besuch des Civil Rights Institute deutlich. Gegenüber der 16th Street Baptist Church, in der am 15. September1963 bei einem Bombenanschlag des Ku-Klux-Klan vier afroamerikanische Mädchen ums Leben kamen, entstand eine Gedächtnisstätte, um an den beschwerlichen Kampf um Bürgerrechte zu erinnern, der heute so aktuell ist wie lange nicht mehr. Unter den Gewürdigten des Civil Rights Institute finden sich auch zwei Einwohner unseres nächsten Stopps: In Alabamas Hauptstadt Montgomery war Martin Luther King jr. als Pastor aktiv und Rosa Parks startete dort den Busboykott, der zur Initialzündung der Bürgerrechtsbewegung wurde. Mitte Mai zogen wieder Tausende Menschen vor das Parlamentsgebäude von Montgomery, um gegen die drohenden Wahlrechtsbeschränkungen der Republikaner zu protestieren.

Da der gemeinhin als am besten geltende Judge Course noch bis Herbst umgebaut wird und der Legislator sehr gewöhnlich aussieht, spielen wir den Senator Course und reiben uns erst einmal verwundert die Augen. Mitten in Alabama findet sich ein Golfplatz, der versucht, den Stil schottischer Links-Plätze nachzuahmen. Dies gelingt nur so halb, weil die starken Regenfälle der Vorwochen deutlich machen, dass der Untergrund wenig mit den harten Links-Böden zu tun hat, die wir von den Britischen Inseln gewohnt sind. Entsprechend muss man hier die Grüns hoch anspielen. So ist der Links-Stil eher ein optischer Effekt, der allerdings für einen der visuell reizvollsten Plätze des Robert Trent Jones Golf Trail sorgt.


Für mich sind es die orangen Tees, was insbesondere an unserem letzten Stopp passend ist, denn es ist die Farbe der Auburn Tigers. Weil Alabama kein einziges Profi-Team aus einer der vier großen Ligen beheimatet, ist hier alles auf College-Football ausgerichtet und dabei besonders auf die große Rivalität zwischen den Dauersiegern der Alabama Crimson Tide und den zuletzt 2010 siegreichen Auburn Tigers. Aus diesem Grund ist der häufigste Gruß in Alabama auch nicht "Hello" oder "How are you?", sondern "Roll Tide" und "War Eagle", die beiden Schlachtrufe der rivalisierenden Universitäten. Klar, mit welchem davon wir als Golfer eher sympathisieren - auch wenn uns ein Eagle bis zu unserem letzten Stopp verwehrt bleibt.

Wie herausragend solche Zweitversuche sein können, beweist uns Stacy Brown beim heimlichen Highlight unseres Trips. Die Gastronomin hat mit dem Fast-Casual-Franchise Chicken Salad Chick ein kleines Vermögen verdient, mit ihrem neuen Projekt "Botanic" im Vorort Opelika aber das genaue Gegenteil gemacht. Zusammen mit Ehemann King Braswell, einem Gärtner, hat sie ein unbeschreiblich elegantes Fine-Dining-Restaurant in einen Botanischen Garten gesetzt und dabei fast schon eine Metapher für den Robert Trent Jones Golf Trail erschaffen. So wie Stacy altes Mauerwerk und gar einen abgewrackten Kornsilo genommen und einer neuen Bestimmung zugeführt hat, hat der Trail den Ruf von Golf in Alabama so sehr rehabilitiert, dass dies auch ein Elefant im Porzellanladen nicht niederreißen kann.



