
»MAN FRAGT SICH MANCHMAL, OB MAN WIRKLICH AUF EINEM GOLFPLATZ UNTERWEGS IST ODER VERSEHENTLICH ILLEGAL IN EINEM BOTANISCHEN GARTEN AUFGETEET HAT.«
Santo da Serra etwa liegt 660 Meter über dem Meeresspiegel und bietet im Osten der Insel traumhafte Panoramen auf Schluchten, Buchten und die kleineren Nachbarinseln. Jedoch sollte man nicht den Fehler begehen, sich zu sehr von diesen optischen Reizen ablenken zu lassen, denn besonders wenn der Wind kräftig bläst - und das tut er hier oft -, wird jeder Fehler gnadenlos bestraft. Das mussten selbst gestandene European-Tour-Profis feststellen. Als hier 1993 das erste von bisher 20 Malen die Madeira Islands Open ausgetragen wurde, blieben gerade einmal zwölf Spieler unter Par. Das aus den Neunlochschleifen Machico und Desertas bestehende originale Trent-Jones-Routing ist bis heute das beste geblieben, obwohl sich auch die mit zwei brutalen Bahnen beginnende Serras-Schleife sehen lassen kann.


An zahlreichen Abschlägen sollte man sich gründlich überlegen, wohin man seinen Drive schlagen will, da zum einen der Höhenunterschied zwischen Tee und Fairway die üblichen Driver-Längen verändert und zum anderen die oft steil zu einer Seite hin abfallenden Landezonen mit einkalkuliert werden müssen. Hat man den Ball sicher im Fairway platziert, muss man für den Schlag ins Grün allerdings einkalkulieren, dass man deutlich unter oder über dem Ball steht. Wer damit keine Erfahrung hat, gräbt entweder den halben Golfplatz um oder toppt seine Bälle so, dass sie wie Bowlingkugeln über das Fairway rollen. Die Höhenunterschiede führen auch dazu, dass Golf in Palheiro eine echte Konditionsfrage wird - zumal die richtig harten Tests erst gegen Ende der Runde kommen.

500 Meter über Funchal gelegen eröffnet es einen atemberaubenden Blick auf die Hauptstadt der Autonomen Region Madeira. Deshalb können wir allen nur empfehlen, sich für eine Teetime am Nachmittag zu entscheiden. Den Sonnenuntergang hier oben zu erleben und anschließend das von Straßenlaternen erleuchtete Funchal im Dunkeln zu betrachten ist der perfekte Abschluss eines Golftages auf Madeira.
Golfplätze in der Region

PALHEIRO GOLF
18 Löcher, Par 72, 6.086 mAdresse
Rua do Balancal 29,
9060-414 Funchal, Madeira, Portugal
Tel. +351 291.790120
palheironatureestate.com
Greenfee
130 Euro
Gute Golfarchitekten arbeiten mit dem, was das Land ihnen gibt. Weil sich Cabell B. Robinson bei Palheiro Golf nach den zahlreichen Schluchten richten musste, wich er von der traditionellen 4-10-4-Verteilung der Bahnen ab und gestaltete fünf Par 3, acht Par 4 und fünf Par 5. Noch ungewöhnlicher: Die Front Nine sind Par 34, die Back Nine Par 38. All das stört während der Runde überhaupt nicht. Der Flow zwischen den einzelnen Bahnen wirkt absolut natürlich und der Spielspaß ist so hoch, dass man nicht mehr auf die Par-Verteilung achtet, sondern sich einfach nur auf den nächsten Schlag freut.
Killerloch
Auf den meisten Plätzen wird man vom Golfarchitekten mit einer warmen Umarmung begrüßt: Ein breites Fairway oder ein kurzes Par 5 sollen dafür sorgen, dass man mit einem guten Gefühl vom ersten Grün geht. Nicht so in Palheiro. Mit 342 Metern wirkt die erste Bahn nur auf der Scorekarte wie ein lockerer Aufgalopp, denn das Par 4 führt in einem Dogleg nach links einen Hügel hinauf. Schlimmer noch: Im unmittelbaren Sichtfeld des Clubhauses muss man mit dem Driver ein Fairway treffen, das von rechts nach links in Richtung einer bewaldeten Schlucht abfällt. Nichts für Golfer mit Lampenfieber.
www.palheironatureestate.com

SANTO DA SERRA
9 Löcher, Par 36, 3.136 m (Machico),9 Löcher, Par 36, 3.105 m (Desertas),
9 Löcher, Par 36, 3.194 m (Serras)
Adresse
Santo António da Serra,
9200-152 Machico, Madeira, Portugal
Tel. +351 291.550100
santodaserragolf.com
Greenfee
145 Euro
Robert Trent Jones sen. hat viele Plätze designt, aber kaum einer hat eine schönere (und anspruchsvollere) Lage als Santo da Serra. Zehn Jahre dauerte es, bis Trent Jones' Plan komplett in die Realität umgesetzt wurde, doch die lange Arbeit hat sich gelohnt. Nur wenige Plätze sorgen für solch einen Nervenkitzel, sei es weil die Ausblicke so schön sind oder der nächste Schlag so anspruchsvoll. Um bei starkem Wind aus einer Schräglage genau zu kalkulieren, wie der Schlag auszuführen ist, muss man schon fast Russell Crowe in "A Beauiful Mind" sein.
Killerloch
Bereits im Bau galt die Bahn 4 des Machico Course als Signature Hole und an diesem Status hat sich bis heute nichts geändert. Das zwischen 144 und 198 Meter lange Par 3 wird komplett über eine Schlucht gespielt, wobei mit jeder Teebox der Schlag nicht nur länger wird, sondern auch einen unangenehmeren Winkel bekommt. Selbst wer den Carry schafft, ist nicht auf der sicheren Seite, denn bei einem zu langen Schlag muss man hoffen, in einem der Grünbunker zu landen, um der nächsten Schlucht zu entgehen.
www.santodaserragolf.com



