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Die angenehmsten Orte der Welt

Insel der Extreme

Von Rüdiger Meyer

Spektakuläre Strände und 1.900 Meter hohe Berggipfel, üppige Vegetation und karge Landschaften, Sonnenschein und dicker Nebel - all dies vereint Madeira auf einer Fläche kaum größer als Hamburg. Und nirgends lassen sich diese Gegensätze besser erleben als auf den Golfplätzen von Palheiro und Santo da Serra.

Als der amerikanische Star-Architekt Robert Trent Jones sen. 1988 den Auftrag erhielt, einen Platz auf Madeira zu errichten, war dies wahrlich ein Kraftakt. Ohne viel Hilfe von Maschinen mussten auf einem üppig bewachsenen Berg 27 Löcher angelegt werden - eine Aufgabe, die der 82-Jährige nicht selbst bewältigen konnte. Das Gros der Arbeit übernahm daher sein Assistent William F. Boswell, der dafür auf ungelernte Arbeiter von der Insel zurückgreifen musste, die keine Ahnung von Golf hatten - dachte er zumindest. Als sie an der heutigen Bahn 4 des Machico Course arbeiteten, einem majestätischen Par 3, das über eine Schlucht gespielt wird, wollte Boswell den Einheimischen einmal zeigen, wo der Bartel das Birdie herholt, und schlug Bälle in Richtung des anvisierten Grüns. Als er danach einem Arbeiter seinen Schläger in die Hand drückte, wusste dieser nicht mal, wie man den Schläger anfasst, und bekam den Ball nach einer Griffkorrektur kaum vom Tee. Doch dann griff sich einer seiner Kollegen Boswells Eisen 3. Der Architekt erinnert sich: "Auch er hielt den Schläger cross-handed, ließ sich aber von mir nicht korrigieren. Der Ball schoss in die Luft und landete genau auf dem Grün! Ich war völlig fassungslos. Die Mitarbeiter grinsten und lachten, wohl wissend, dass er mich vorgeführt hatte." Was Boswell nicht wusste: Bereits in den 1930ern gab es auf dem Gelände von Santo da Serra einen später brach liegenden Golfplatz; seine "ungelernten" Helfer hatten dort als Caddies gearbeitet und vom besten Spieler des Ortes gelernt, der zufällig cross-handed war.

Die angenehmsten Orte der Welt: Robert-Redford-Klassiker: 'In der Mitte entspringt ein Cart-Weg'
Robert-Redford-Klassiker: 'In der Mitte entspringt ein Cart-Weg'

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MAN FRAGT SICH MANCHMAL, OB MAN WIRKLICH AUF EINEM GOLFPLATZ UNTERWEGS IST ODER VERSEHENTLICH ILLEGAL IN EINEM BOTANISCHEN GARTEN AUFGETEET HAT.
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Für die Einheimischen ist Golf bis heute ein Nischensport geblieben, aber für Madeira-Touristen ist ein Golfurlaub so attraktiv wie eh und je. Das liegt einerseits an den ganzjährig perfekten Golfbedingungen. Die subtropische Lage sorgt dafür, dass auf der Hauptinsel selbst im kältesten Monat Februar noch Durchschnittstemperaturen von 17 °C erreicht werden und auch im regenreichen Dezember nur an neun Tagen im Monat der Regenschirm zum Einsatz kommt. Andererseits sind aber auch die Golfplätze selbst äußerst reizvoll, was ihrer exponierten Lage zu verdanken ist, die spektakuläre Ausblicke auf den Atlantik und die Gebirgszüge der Insel ermöglicht.

Santo da Serra etwa liegt 660 Meter über dem Meeresspiegel und bietet im Osten der Insel traumhafte Panoramen auf Schluchten, Buchten und die kleineren Nachbarinseln. Jedoch sollte man nicht den Fehler begehen, sich zu sehr von diesen optischen Reizen ablenken zu lassen, denn besonders wenn der Wind kräftig bläst - und das tut er hier oft -, wird jeder Fehler gnadenlos bestraft. Das mussten selbst gestandene European-Tour-Profis feststellen. Als hier 1993 das erste von bisher 20 Malen die Madeira Islands Open ausgetragen wurde, blieben gerade einmal zwölf Spieler unter Par. Das aus den Neunlochschleifen Machico und Desertas bestehende originale Trent-Jones-Routing ist bis heute das beste geblieben, obwohl sich auch die mit zwei brutalen Bahnen beginnende Serras-Schleife sehen lassen kann.

Die angenehmsten Orte der Welt: Die angenehmsten Orte der Welt:
Dennoch sollte man nicht den gesamten Golfurlaub in Santo da Serra verbringen, denn was visuelle Reize angeht, setzt Palheiro Golf noch einmal einen drauf. Nur 20 Minuten von Funchals Stadtkern entfernt hat der amerikanische Golfplatzarchitekt Cabell B. Robinson seine Bahnen so schön angelegt, dass man sich manchmal fragt, ob man wirklich auf einem Golfplatz unterwegs ist oder versehentlich illegal in einem Botanischen Garten aufgeteet hat - zumal der Platz tatsächlich direkt an die Palheiro Gardens grenzt. Die 18 Löcher winden sich traumhaft zwischen Kiefernwäldern, die in den letzten Jahren ein wenig ausgedünnt wurden, um die wunderschöne Vista der Anlage besser auszunutzen. Die Bahnen selber sind seit ihrer Eröffnung im Jahr 1993 aber nahezu unverändert geblieben, was ihnen einen speziellen Charakter verleiht - und einen ganz besonderen Anspruch, denn eine gerade Spielbahn findet sich hier kaum.

An zahlreichen Abschlägen sollte man sich gründlich überlegen, wohin man seinen Drive schlagen will, da zum einen der Höhenunterschied zwischen Tee und Fairway die üblichen Driver-Längen verändert und zum anderen die oft steil zu einer Seite hin abfallenden Landezonen mit einkalkuliert werden müssen. Hat man den Ball sicher im Fairway platziert, muss man für den Schlag ins Grün allerdings einkalkulieren, dass man deutlich unter oder über dem Ball steht. Wer damit keine Erfahrung hat, gräbt entweder den halben Golfplatz um oder toppt seine Bälle so, dass sie wie Bowlingkugeln über das Fairway rollen. Die Höhenunterschiede führen auch dazu, dass Golf in Palheiro eine echte Konditionsfrage wird - zumal die richtig harten Tests erst gegen Ende der Runde kommen.

Die angenehmsten Orte der Welt:
Mit den Bahnen 10, 12, 15 und 18 finden sich vier der fünf Par 5 erst auf den Back Nine, die von den Backtees sage und schreibe 700 Meter länger sind als die Front Nine, und das einzige Par 3 der hinteren Schleife spielt sich auch noch bergauf. Entsprechend verdient hat man sich sein Bier oder die Limo nach der Runde - und dafür gibt es auf Madeira kaum ein schöneres Plätzchen als das Clubhaus von Palheiro.

500 Meter über Funchal gelegen eröffnet es einen atemberaubenden Blick auf die Hauptstadt der Autonomen Region Madeira. Deshalb können wir allen nur empfehlen, sich für eine Teetime am Nachmittag zu entscheiden. Den Sonnenuntergang hier oben zu erleben und anschließend das von Straßenlaternen erleuchtete Funchal im Dunkeln zu betrachten ist der perfekte Abschluss eines Golftages auf Madeira.

Golfplätze in der Region

PALHEIRO GOLF

PALHEIRO GOLF

18 Löcher, Par 72, 6.086 m

Adresse
Rua do Balancal 29,
9060-414 Funchal, Madeira, Portugal
Tel. +351 291.790120
palheironatureestate.com

Greenfee
130 Euro

Gute Golfarchitekten arbeiten mit dem, was das Land ihnen gibt. Weil sich Cabell B. Robinson bei Palheiro Golf nach den zahlreichen Schluchten richten musste, wich er von der traditionellen 4-10-4-Verteilung der Bahnen ab und gestaltete fünf Par 3, acht Par 4 und fünf Par 5. Noch ungewöhnlicher: Die Front Nine sind Par 34, die Back Nine Par 38. All das stört während der Runde überhaupt nicht. Der Flow zwischen den einzelnen Bahnen wirkt absolut natürlich und der Spielspaß ist so hoch, dass man nicht mehr auf die Par-Verteilung achtet, sondern sich einfach nur auf den nächsten Schlag freut.

Killerloch
Auf den meisten Plätzen wird man vom Golfarchitekten mit einer warmen Umarmung begrüßt: Ein breites Fairway oder ein kurzes Par 5 sollen dafür sorgen, dass man mit einem guten Gefühl vom ersten Grün geht. Nicht so in Palheiro. Mit 342 Metern wirkt die erste Bahn nur auf der Scorekarte wie ein lockerer Aufgalopp, denn das Par 4 führt in einem Dogleg nach links einen Hügel hinauf. Schlimmer noch: Im unmittelbaren Sichtfeld des Clubhauses muss man mit dem Driver ein Fairway treffen, das von rechts nach links in Richtung einer bewaldeten Schlucht abfällt. Nichts für Golfer mit Lampenfieber.
www.palheironatureestate.com

SANTO DA SERRA

SANTO DA SERRA

9 Löcher, Par 36, 3.136 m (Machico),
9 Löcher, Par 36, 3.105 m (Desertas),
9 Löcher, Par 36, 3.194 m (Serras)

Adresse
Santo António da Serra,
9200-152 Machico, Madeira, Portugal
Tel. +351 291.550100
santodaserragolf.com

Greenfee
145 Euro

Robert Trent Jones sen. hat viele Plätze designt, aber kaum einer hat eine schönere (und anspruchsvollere) Lage als Santo da Serra. Zehn Jahre dauerte es, bis Trent Jones' Plan komplett in die Realität umgesetzt wurde, doch die lange Arbeit hat sich gelohnt. Nur wenige Plätze sorgen für solch einen Nervenkitzel, sei es weil die Ausblicke so schön sind oder der nächste Schlag so anspruchsvoll. Um bei starkem Wind aus einer Schräglage genau zu kalkulieren, wie der Schlag auszuführen ist, muss man schon fast Russell Crowe in "A Beauiful Mind" sein.

Killerloch
Bereits im Bau galt die Bahn 4 des Machico Course als Signature Hole und an diesem Status hat sich bis heute nichts geändert. Das zwischen 144 und 198 Meter lange Par 3 wird komplett über eine Schlucht gespielt, wobei mit jeder Teebox der Schlag nicht nur länger wird, sondern auch einen unangenehmeren Winkel bekommt. Selbst wer den Carry schafft, ist nicht auf der sicheren Seite, denn bei einem zu langen Schlag muss man hoffen, in einem der Grünbunker zu landen, um der nächsten Schlucht zu entgehen.
www.santodaserragolf.com

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