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Preview Solheim Cup

Kontinental-Macht

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Imago (1), Getty Images (1), Marc Runnacles/LET, Tristan Jones/LET

Was haben die letzten fünf europäischen Solheim-Cup-Siege gemeinsam? Es war immer eine Deutsche dabei. Seit 2003 nahmen sechs deutsche Damen an neun Kontinentalwettstreiten teil.

Und dennoch hat Esther Henseleit in den Niederlanden eine realistische Chance, die bisher erfolgreichste deutsche Eurofighterin zu werden.

Preview Solheim Cup: Preview Solheim Cup:

ELISABETH ESTERL

1 TEILNAHME / 2003 (SIEGER)
1 SIEG, 1 UNENTSCHIEDEN, 1 NIEDERLAGE

Die ersten Solheim Cups waren auf europäischer Seite ein Dreiländerspiel von Schweden, England und Schottland. Lediglich Frankreich und Belgien konnten bei den ersten fünf Austragungen in die Phalanx einbrechen. Doch mit der siebten Auflage 2002 wurde es endlich ein europäisches Event mit Spielerinnen aus sieben verschiedenen Ländern und Elisabeth Esterl als Reservistin. Ein Jahr später durfte die Deutsche schließlich selbst Wettkampfluft schnuppern. Im ersten Solheim Cup auf kontinentaleuropäischen Boden spielte sich Elisabeth Esterl mit konstanten Leistungen ins Team von Catrin Nilsmark. Als Zweite der LET Order of Merit war die damals 27-jährige Esterl sogar eine der Leistungsträgerinnen, durfte gleich in den Vormittags-Vierern antreten und sorgte mit Sophie Gustafson in einer nahezu perfekten Morgen-Session dafür, dass Europa mit 3,5 : 1,5 in Führung ging. Auch am zweiten Tag blieb Esterl ungeschlagen, als sie mit Iben Tinning einen hart erkämpften halben Punkt erspielte. Fünf Punkte brauchte Europa in den Einzeln am Sonntag nur noch, um sich die Trophäe zurückzuholen. Obwohl Kapitänin Nilsmark attestierte, dass "Lisl Esterl sehr gut in ihren Matches gespielt hat", wurde die Deutsche ins augenscheinlich bedeutungslose zehnte Match gesetzt. Und so kassierte sie gegen Laura Diaz eine 5&4-Niederlage, konnte am Ende aber dennoch den dritten Solheim-Cup-Triumph der Europäerinnen feiern. "Ich hoffe, das wird Damengolf in Deutschland etwas populärer machen und dazu führen, dass man merkt, dass nicht nur Bernhard Langer in Deutschland Golf spielt", wünschte sich Esterl während des Turniers. Ihre Hoffnung blieb vorerst leider unerfüllt.

BETTINA HAUERT

1 TEILNAHME / 2007
0 SIEGE, 0 UNENTSCHIEDEN, 2 NIEDERLAGEN

Mit 21 Jahren qualifizierte sich die Hagenerin Hauert erstmals für die Ladies European Tour, doch die unmittelbaren Erfolge blieben aus. In ihrem vierten Profijahr lief schließlich alles zusammen. Im Mai gewann sie bei der Ladies Swiss Open das erste Vierloch-Play-off der LET-Geschichte, und als sie im letzten Turnier vor Ende des Qualifikationszeitraums den zweiten Platz belegte, war Hauert ihr Platz im Solheim Cup nicht mehr zu nehmen. In das Event im schwedischen Halmstad GK ging sie mit jeder Menge Rückenwind, hatte sie doch 14 Tage vorher das Finnair Masters gewonnen und damit den zweiten Platz in der Order of Merit gefestigt. Kapitänin Helen Alfredsson war trotzdem nicht überzeugt und ließ die Deutsche an Tag eins an der Seitenlinie schmoren. Als Hauert am zweiten Tag endlich randurfte, kassierten ausgerechnet Iben Tinning und sie die einzige europäische Niederlage des Tages. Auch am Sonntag war Hauert nicht vom Glück verfolgt. Nachdem die Einzel Richtung Team USA gekippt waren, kam es ausgerechnet in ihrem Match zur Entscheidung. Als ihre US-Gegnerin Nicole Castrale an der 16 den Sack zumachte, hatten die Europäerinnen zum ersten Mal seit elf Jahren wieder ein Heimspiel verloren. Hauert blieb 2007 die einzige europäische Spielerin, die keinen Punkt beisteuern konnte, und bekam im Lauf ihrer Karriere leider keine Chance mehr, ihre Bilanz aufzubessern.

Preview Solheim Cup: Preview Solheim Cup:

SOPHIA POPOV

1 TEILNAHME / 2020 (SIEGER)
0 SIEGE, 0 UNENTSCHIEDEN, 3 NIEDERLAGEN

Als Sophia Popov 2020 die Women's British Open in Royal Troon gewann, konnte sie aufgrund der Corona-Restriktionen den ersten Major-Sieg einer deutschen Golferin nicht gebührend feiern. Doch die Privilegien des Erfolgs konnte ihr niemand nehmen - und einer davon war der Start beim Solheim Cup 2021. Kapitänin Catriona Matthew sah Popovs Stärken offenbar in ihrem Potenzial, Birdies zu erzielen, und setzte die Deutsche in beiden Fourball-Sessions ein: einmal an der Seite der erfahrenen Carlota Ciganda, dann neben der Französin Céline Boutier, die beim vorherigen Solheim Cup ohne Punktverlust geblieben war. Doch Popov musste zweimal eine Niederlage hinnehmen - und zwar der ganz bitteren Art. Das Match mit Ciganda war ein Auf und Ab, das Popov mit einem brillanten Birdie an der 16 wieder ins Gleichgewicht brachte. Doch dann gelang ihrer Gegnerin Lizette Salas an der 18 ein Birdie, das weder Popov noch Ciganda kontern konnten. Mit Boutier hatte die Deutsche einen Fehlstart und lag nach den ersten neun Löchern bereits 3down. Danach drehte Popov auf: An der 10 spielte sie Birdie, an der 12 legte sie ihre Annäherung so nah an die Fahne, dass der Putt geschenkt wurde. Und als Boutier an der 13 ihren Birdie-Putt versenkte, war das Match wieder offen. Aber dann drehte sich der Wind wieder und Europa verlor an der 17. "Wir haben alles gegeben und den zweiten Tag in Folge einfach gegen ein Team gespielt, das jede Menge Putts versenkt", analysierte Popov. Dennoch ging Europa mit einer 9 :7-Führung in die Einzel. Popov musste hier gegen US-Star Megan Khang antreten und zog nach hartem Kampf erneut den Kürzeren. "Ich hatte drei hartes Matches, die in beide Richtungen hätten schwingen können", fasste Popov ihre Woche zusammen. Dass sie als einzige Europäerin ohne Punkt blieb, störte niemanden. Schließlich gewann Europa zum zweiten Mal überhaupt ein Auswärtsspiel in den USA.

SANDRA GAL

2 TEILNAHMEN / 2011 (SIEGER) & 2015
2 SIEGE, 2 UNENTSCHIEDEN, 3 NIEDERLAGEN

Im März 2011 gewann Sandra Gal als zweite Deutsche überhaupt auf der LPGA Tour. Der Solheim Cup war dennoch unerreichbar: Als Nicht-Mitglied der Ladies European Tour war sie nicht startberechtigt. Allerdings gab es eine kaum bekannte Sonderregel, durch die ein LPGA-Sieg in eine LET-Mitgliedschaft münden kann. Die Tatsache, dass Kapitänin Alison Nicholas höchstpersönlich die dafür erforderlichen Unterlagen einreichte, war ein deutliches Signal, dass Gal einen Captain's Pick sicher hatte. Immerhin lag sie im Rolex Ranking unter den Top 50 der Welt und damit vor zahlreichen fest Qualifizierten. Ihre Qualität konnte Gal im irischen Killeen Castle aber nicht ganz auf die Bahn bringen. Ihren einzigen halben Punkt holte sie im Fourball mit Catriona Matthew, die zwischenzeitig fünf Birdies in Folge spielte. Gal ihrerseits sicherte mit einem wichtigen Birdie an der 15 die europäische Führung, doch auf der Zielgeraden drehten Christina Kim und Ryann O'Toole auf und teilten das Match noch. "Es fühlt sich nicht an, als ob wir das Match aus der Hand gegeben hätten, es war einfach ein gutes Spiel mit gutem Golf", zog Gal im Anschluss Resümee. Im Fourball am nächsten Tag hatte sie aber ebenso das Nachsehen wie im Einzel, in dem Gal von Brittany Lang mit 6&5 vom Platz gefegt wurde. Am Sieg der Europäerinnen endete dies jedoch nichts. Vier Jahre später schaffte es Gal über ihre Weltranglisten-Position wieder ins Team und durfte vor heimischer Kulisse in St. Leon-Rot Werbung für das Damengolf betreiben. Im klassischen Vierer ließ Kapitänin Carin Koch wieder das Duo Sandra Gal und Catriona Matthew auflaufen, das dieses Mal noch besser harmonierte und zwei Punkte einfuhr. Und als Gal im deutschen Duo mit Masson auch noch ein Unentschieden holte, ging sie ungeschlagen ins Einzel. Umso irritierender, dass Koch die nach Charley Hull erfolgreichste Europäerin als Letzte aufstellte. Dennoch bekam Gals Match gegen Paula Creamer Bedeutung, als die von einer Regelkontroverse angestachelten Amerikanerinnen das Feld von hinten aufräumten. Auch Creamer hatte eine Extraportion Motivation und beendete an der 15 mit ihrem Sieg Gals Hoffnungen, vor den deutschen Fans den Solheim Cup zu sichern.

Preview Solheim Cup: Preview Solheim Cup:

CAROLINE MASSON

4 TEILNAHMEN / 2013 (SIEGER), 2015, 2017 & 2019 (SIEGER)
3 SIEGE, 3 UNENTSCHIEDEN, 8 NIEDERLAGEN

Mit vier Solheim Cups ist Caroline Masson die deutsche Rekordteilnehmerin - und gleich bei ihrem Debüt 2013 schrieben sie und ihre Teamkolleginnen Geschichte. Erstmals in der Geschichte des Kontinentalwettstreits konnte Europa einen Titel erfolgreich verteidigen. Obwohl Masson damals ein Rookie war, hatte Kapitänin Liselotte Neumann so viel Vertrauen, dass sie ihr deutsches Ass gleich viermal zückte. Masson zahlte es mit Punkten zurück, gewann beide Fourballs mit Caroline Hedwall, holte im klassischen Vierer mit Catriona Matthew ein Unentschieden und verlor ihr Einzel nur, weil sie auf Lexi Thompson traf. Dass sie zwei Jahre später beim Heimspiel in St. Leon-Rot einen Captain's Pick erhielt, war daher nicht verwunderlich. Allerdings lief es dieses Mal mit einem halben Punkt aus drei Starts nicht ganz so gut. Das hielt Annika Sörenstam aber nicht davon ab, Masson auch 2017 einen Captain's Pick zu geben und ihr so sehr zu vertrauen, dass sie in den ersten drei Vierern an den Start durfte. Unglücklicherweise gingen wie die meisten Matches auch ihre drei allesamt verloren und die USA starteten mit Riesenvorsprung in die Einzel, die Masson zumindest versöhnlich beendete, indem sie keine Geringere als Michelle Wie vom Platz fegte. Bei ihrem letzten Solheim-Cup-Auftritt 2019 qualifizierte sich die Gladbeckerin wieder regulär, hatte aber das Pech, im klassischen Vierer ausgerechnet gegen die beiden Korda-Schwestern antreten zu müssen, die in jenem Jahr jede ihrer Gegnerinnen auseinandernahmen. Dass Masson dann auch noch im Einzel Jessica Korda zog, bedeutete, dass sie am Ende nur einen halben Punkt zum knappen europäischen Sieg beisteuern konnte.

ESTHER HENSELEIT

1 TEILNAHME / 2024
1 SIEG, 1 UNENTSCHIEDEN, 1 NIEDERLAGE

Wenn Esther Henseleit in diesem Jahr im Bernardus Golf antritt, hat sie bereits eine Solheim-Cup-Erfahrung hinter sich. Und wie 2026 legte sie auch damals einen unglaublichen Schlussspurt hin, um sich ins Team zu spielen - vor allem durch ihre Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Paris. Als Henseleit kurz darauf auch noch Zweite bei der Women's Scottish Open wurde, hatte sie sich selbst als Rookie als eine Spielerin erwiesen, der Kapitänin Suzann Pettersen vertrauen konnte. Und so wurde sie gemeinsam mit Charley Hull gleich im ersten Match des Events gegen die Weltranglisten-Erste Nelly Korda ins Rennen geschickt. Dort kamen die zwei Europäerinnen schlecht aus den Startlöchern, konnten das Match aber auf der 13 für wenige Minuten ausgleichen. Dann schlug Henseleit ins Wasser, Hull verzitterte einen Par-Putt und das Match war verloren. Als die beiden am nächsten Tag wieder gemeinsam antraten, stemmte sich Henseleit dagegen, eine weitere Niederlage zu kassieren. Nachdem Hull an der 17 mit einem Katastrophenschlag ins Wasser die Führung verspielt hatte, durfte an der 18 zum Glück unsere Silber-Esther ins Grün spielen, wie auch Charley Hull fand: "Ich bin froh, dass ich den Schlag nicht hatte, ich hätte ihn vermutlich wieder übers Grün gejagt." Stattdessen legte Henseleit den Ball 30 Zentimeter an die Fahne und sicherte Europa den Punkt. Auch im Einzel gegen Andrea Lee hatte Henseleit an der 18 die Chance auf den Sieg, lochte den Dreimeter-Birdie-Putt zum Sieg aber nicht und musste sich mit einem Unentschieden begnügen. Doch selbst ein Sieg hätte den Europäerinnen nicht geholfen, die mit 12,5 : 15,5 verloren. Entsprechend motiviert ist Henseleit für ihre Encore-Performance 2026: "Das letzte Mal in den USA war es eine tolle Erfahrung, aber ich freue mich sehr, auf europäischem Boden im Team zu stehen."

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