Die wichtigsten Fakten: Die PGA Tour wird ab 2028 in eine Championship Series und eine Challenger Series geteilt. Die besten 120 Spieler sind Teil der Championship und können in jedem Jahr zwischen Februar und August in 18 oder 19 Turnieren um jeweils mindestens 20 Millionen Dollar Preisgeld spielen - eine Summe, die es bisher nur in den acht Signature Events gibt.
Die Challenger Series wiederum ersetzt de facto in Teilen die Korn Ferry Tour. Hier spielen 144 Profis, die im Fegefeuer zwischen großer Karriere und sportlicher Bedeutungslosigkeit stehen. Sie spielen ebenfalls um die 20 Turniere, die mit jeweils vier Millionen Dollar dotiert sind. Am Ende der Saison tauschen die 20 Besten der Challenger Series und die 20 Schlechtesten der Championship Series die Plätze. Wer einen kürzeren Weg nehmen will, muss lediglich zwei Challenger-Turniere (oder ein Major) in einer Saison gewinnen und wird automatisch hochgestuft. Das vielleicht Wichtigste liegt jedoch woanders: Die Spielfelder sind fix. Weder gibt es die Möglichkeit, Turniere in beiden Ligen zu spielen, noch gibt es Sponsoreneinladungen für Stars, die mit ihrem guten Namen bezahlen wollen. Sollten in einer Woche theoretisch 20 Spieler eine Pause einlegen wollen, sind die Felder eben um 20 Spieler kleiner.


»Dass die eigentliche Saison nur grob sechs Monate dauert, ist auch ein Zugeständnis an den Rest der Welt.«
Allerdings ist das neue Modell auch nicht vorrangig entstanden, um die Spieler glücklich zu machen. Vielmehr ging es um die wichtigste Einnahmequelle aller Sportligen der Welt: die Fernsehübertragungsrechte. Zwar laufen die bisherigen Verträge noch bis ins Jahr 2030, aber verhandelt wird erfahrungsgemäß schon deutlich früher und ein attraktiveres Produkt verbessert nun mal die Verhandlungsgrundlage der PGA Tour. Auch wenn die Golfübertragungen in den letzten Monaten in den USA einen kleinen Boom erlebten und die höchsten Werte seit 2007 erreichten, kann sich die Liga nicht mit den Quoten-Giganten NBA oder gar NFL messen - allein schon, weil sie tagsüber stattfindet. Deshalb machte Commissioner Deane Beman die Fernsehrechte der PGA Tour einst attraktiver, indem er Turniersponsoren eng mit der TV-Werbung verknüpfte: Die Sponsoren wurden zugleich zu Werbekunden der Übertragungen, wodurch Sender ein besser kalkulierbares Geschäftsmodell erhielten.
Brian Rolapp wollte jetzt von den Sendern direkt wissen, wie er das Geschäftsmodell aufwerten kann. Sein Ziel war es, "Mehrwert für all unsere Partner einschließlich unserer Medienpartner" zu generieren, wie er in einem Interview bei CNBC verriet. Dafür klopfte er bei allen jetzigen Partnern und potenziellen, etwa Streamingdiensten, Ideen ab: "Stellt euch vor, ihr hättet ein leeres Blatt Papier und könntet unser Wettbewerbsmodell neu gestalten - wie würde es aussehen?" Wie viel letztlich davon umgesetzt wurde, deutete Rolapps CCO Dhruv Prasad an: "Wir haben nicht jede Empfehlung berücksichtigt, wir haben nicht jede Empfehlung umgesetzt, aber wir haben sie auf jeden Fall im Hinterkopf behalten." Man kann sich sicher sein, dass eine davon war, den gordischen Knoten FedEx Cup endlich zu zerschlagen.
Das kaum verständliche System, das ursprünglich den besten Spieler des Jahres küren sollte, wechselte häufiger als die Bewohner von Downing Street No. 10 und soll jetzt durch ein übersichtlicheres Play-off ersetzt werden, das einen jahrelangen Wunsch von Fans erfüllt: mehr Match Play. Bisher wurde dies von der Tour immer mit Rücksicht auf die TV-Partner abgelehnt, aber in Zeiten von Streaming und Featured Groups wirkt es plötzlich deutlich attraktiver.

Die freie Zeit von Oktober bis Januar soll jetzt eine Möglichkeit bieten, dass die Matt Fitzpatricks und Collin Morikawas dieser Welt auch häufiger außerhalb der USA zu sehen sein werden. Dafür will die PGA Tour in Zusammenarbeit mit der DP World Tour im Herbst einige internationale Turniere aufwerten. Der Zeitpunkt im Kalender legt nahe, dass dies in erster Linie Südafrika und insbesondere Australien betreffen wird. Den Anstoß dafür hat vielleicht Rory McIlroy in diesem Jahr durch seinen Start bei der Australian Open gegeben: "Es gibt Golfturniere, die bedeuten ein bisschen mehr, und jeder in Australien empfindet Stolz für seine Open", zeigte sich der Nordire dort begeistert und schien damit auch Scottie Scheffler anzustecken, der Australien als eines seiner Top-Ziele für die Zukunft ausmachte.
Doch trotz allem vorsichtigen Optimismus gibt es etliche Knackpunkte, vor allem bei den Superstars. McIlroy etwa unterschreitet dieses Jahr die Mindestanzahl an Starts auf der PGA Tour und konnte nicht einmal durch 20 Millionen Dollar Preisgeld dazu gebracht werden, an drei Signature Events teilzunehmen. Eine Strafe muss er offenbar nicht fürchten. So etwas sollte ab 2028 besser nicht mehr passieren. Zudem regt sich an der Basis zumindest anonymer Widerstand, wie Rex Hoggard vom Golf Channel berichtet: "Ein Europäer sagte mir, er würde lieber zurück auf die European Tour gehen, als auf der PGA Tour für vier Millionen Dollar zu spielen." Ob man diese Drohung ernst nehmen muss, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Wer nur im unteren Mittelfeld herumkrebst, hat es vielleicht auch nicht verdient, um das ganz große Geld zu spielen. Und ob jemand aus gekränkter Ehre wirklich auf die Chance verzichtet, im Jahr darauf wieder um eine halbe Milliarde Dollar Preisgeld spielen zu können, muss bezweifelt werden. Wie sagte Gordon Gekko doch so schön: "Gier ist gut!"



