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Stephan Eberharter

Einfach im Schwung bleiben

Von Wolfgang Block, Fotos: Thomas Eberharter, Getty Images

Stephan Eberharter. Zweifacher Gesamtweltcupsieger, Olympiasieger, Abfahrtsmaschine - und Golfer. Wer sich mit 130 km/h die Streif hinuntergestürzt hat, braucht offensichtlich auch nach der Karriere eine Sportart, die mental maximal zerstörerisch sein kann.

Beim Skifahren weißt du meistens, warum du verloren hast. Beim Golf kann dich dagegen ein völlig harmloser Dienstagvormittag emotional ruinieren." Stephan Eberharter kennt den Unterschied zwischen Ski und Golf ziemlich genau. "Kein anderer Sport ist mental so brutal wie Golf", sagt der Tiroler. Und man glaubt ihm sofort. Schließlich kommt diese Aussage von jemandem, der die Streif nicht aus der Fernsehperspektive kennt, sondern aus der Hocke bei Vollgas.

Eberharter gehört zu den erfolgreichsten Skifahrern der Welt. Seinen Durchbruch hatte der Zillertaler 1991 mit zwei Goldmedaillen bei den Weltmeisterschaften in Saalbach-Hinterglemm. Die nächsten 13 Jahre tourte er durch die Skiwelt und sicherte sich 29 Weltcup-Siege, drei Weltmeistertitel und vier olympische Medaillen. 2002 und 2003 wurde er Gesamtweltcup- sowie Abfahrtsweltcup-Sieger und sicherte sich dazu noch die Super-G-Wertung. 2004 dann die Krönung einer großen Skikarriere: Im Januar gewann er zum zweiten Mal das legendäre Abfahrtsrennen auf der Streif in Kitzbühel - mit einem sensationellen Vorsprung von 1,21 Sekunden vor dem Amerikaner Daron Rahlves. Das ist wie das Masters mit zwölf Schlägen Vorsprung zu gewinnen. Eberharters Abfahrt gilt bis heute als die perfekte Fahrt auf der Streif. Im September 2004 erklärte der 34-Jährige seinen Rücktritt vom Skirennsport.

Doch seine Liebe zum Golfsport beginnt nicht erst danach. Bereits 1996 hat der Ausnahmesportler das Gentleman's Game für sich entdeckt. In Uderns entstand gerade der Golfclub Zillertal und Eberharter erinnerte sich daran, dass er ein paar Jahre zuvor zu seinem Weltmeistertitel ein komplettes Golfbag von TaylorMade geschenkt bekommen hatte, das damals ungenutzt im Skikeller verschwand. Als ihm sein Bruder von der frisch eröffneten Driving Range in Uderns erzählte, wurde das Golfbag entstaubt, und die Brüder schlugen die ersten Bälle auf der Range. "Golf war damals für uns ein kompletter Exotensport. Wir hätten auch mit Cricket anfangen können. Zum Glück gab es einen Pro, der uns zeigte, wie man den kleinen weißen Ball richtig trifft."

Der Zillertaler spielt daraufhin regelmäßig und ernsthaft. Bereits in der zweiten Saison wurde der Ski-Champion Single-Handicapper. "Nach sechs Stunden Skitraining auf dem Gletscher gab es damals nichts Besseres, als eine Runde Golf zu spielen. Skifahren und Golf waren die perfekte Ergänzung", erzählt er. Die Golfverrücktheit ging so weit, dass er manchmal sogar direkt nach einem Weltcuprennen noch eine 18-Loch-Runde nachlegte.

Stephan Eberharter: Ob Skifahrer oder Golfer: Die Angst vorm Schneemann ist immer dabeiStephan Eberharter: Ob Skifahrer oder Golfer: Die Angst vorm Schneemann ist immer dabei
Ob Skifahrer oder Golfer: Die Angst vorm Schneemann ist immer dabei

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Als ehemaliger Profisportler ist es schwierig, mit den nicht so guten Tagen zurechtzukommen.
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Neben seinen anderen Hobbys Motorradfahren und Radfahren hat Golf den Vorteil, dass Knochenbrüche eher ausbleiben. "Wenn ich heute zurückblicke, wäre eine Golfkarriere für meinen Körper sicher die bessere Wahl gewesen", resümiert er. "Und man kann an der Weltspitze sicher besser Geld verdienen als im Skisport."

Stephan Eberharter wird mit der Zeit zum ambitionierten Hobbygolfer. Nicht zu verbissen, aber eben so, wie Weltklasseathleten Dinge tun: mit Ehrgeiz und Anspruch. Er gibt offen zu, dass der kleine Perfektionist in ihm nie verschwunden ist. Wenn er Sport macht, soll es "professionell aussehen".

"Ich hatte immer Spaß an Sport. Ich habe viel geturnt, Trampolinspringen gemacht - als Profisportler hast du deinen Körper gut unter Kontrolle und lernst neue Bewegungsabläufe leichter." Auf dem Weg des Weltmeisters zum Clubmeister im Golfclub Zillertal-Uderns bekommt er es unter anderem mit einem weiteren Zillertaler Abfahrtsolympiasieger zu tun: Der elf Jahre ältere Leonhard Stock teilt die Faszination Golf. Auch andere ehemalige Ski-Kollegen haben den Golfsport für sich entdeckt und so trifft Eberharter immer öfter auf Österreichs alpine Vergangenheit - von Franz Klammer bis Hansi Hinterseer. Skiprofis stehen inzwischen gerne am ersten Tee. Und Eberharter begleitet regelmäßig seinen Vater, der mit 94 Jahren noch seine Runden auf dem Platz im Zillertal dreht.

Über den Golfsport spricht Eberharter ehrlich: "Mal ist es großartig, mal frustrierend." Eben Golf. Es gibt Tage, an denen man sich bei 30 Grad fragt, was man hier eigentlich macht. Vier-Putt-Katastrophen schmerzen vermutlich ähnlich wie ein ausgelassenes Tor beim Skirennen.

"Als ehemaliger Profisportler ist es schwierig, mit den nicht so guten Tagen zurechtzukommen", sagt Eberharter. "Ich müsste viel Zeit für das Training aufbringen, um Golf auf dem Niveau zu spielen, das ich gerne spielen möchte. Ich belasse es dann lieber auf Hobbyniveau und helfe meinem Vater beim Bällefinden. Das fällt ihm in seinem Alter schon eher schwer."

Auf Eröffnungsveranstaltungen und Pro-Am-Turnieren sind der zweifache österreichische "Sportler des Jahres" und seine Golfschläger noch immer gern gesehene Gäste. "Ich habe mit Bernd Wiesberger einmal eine Runde Golf gespielt und ich habe riesigen Respekt vor der Leistung der Profis. Golf ist ein mental brutaler Sport und ähnlich wie im Skirennsport ist man als Amateur meilenweit von der Leistung der Profis entfernt - das ist eine ganz andere Welt."

Vielleicht liegt genau hierin die Verbindung zwischen Skirennen und Golfrunden: Beide bestrafen Zögern. Beide verlangen völlige Konzentration. Und beide können dich innerhalb von Sekunden komplett auseinandernehmen.

 
Stephan Eberharter

Stephan Eberharter

Mit zwei Goldmedaillen im Super-G und in der Alpinen Kombination bei den Ski-Weltmeisterschaften in Saalbach-Hinterglemm gelang Stephan Eberharter 1991 der große Durchbruch. Im gleichen Jahr wurde er in Österreich zum "Sportler des Jahres" gewählt. Nachdem er 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano bereits Silber im Riesenslalom geholt hatte, nahm Eberharter vier Jahre später den kompletten Medaillensatz mit: Gold im Riesenslalom, Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt. In Letzterer gelang ihm in seiner Abschiedssaison 2004 außerdem noch ein Erfolg, der ihn in Österreich unsterblich macht: Auf der legendären Streif in Kitzbühel legte Eberharter das perfekte Abfahrtsrennen hin und deklassierte die Konkurrenz um 1,21 Sekunden.

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