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Der Blick des Architekten

Nachhaltig bauen, um zu bestehen

Von Tony Ristola, Fotos: Tony Ristola

Nicht alles, was gut ist, muss teuer sein. Das gilt nicht nur für den Kauf eines Autos, sondern insbesondere auch für den Bau eines Golfplatzes. Man braucht nur das richtige Konzept, weiss unser Kolumnist Tony Ristola.

Bild oben: DONALD ROSS: THE JOY OF DESIGNING
Eine klassische Designarbeit von Donald Ross aus dem Jahr 1929. Ganz seinem renommierten Stil entsprechend konzentrieren sich Ross' Pläne vor allem auf die strategischen Elemente: den Grünkomplex, die Abschläge und die detailreiche Bunkergestaltung, während die natürliche Landschaft bewusst erhalten bleibt. Die Bauzeichnungen enthalten zudem kurze handschriftliche Anmerkungen, die den beabsichtigten Charakter der fertigen Spielbahn vermitteln.


Die gesamten Entwicklungskosten korrelieren stark mit der Qualität eines Golfplatzes. Tatsächlich kostet die Entwicklung eines hochwertigen Golfplatzes zwei- bis zweieinhalbmal so viel wie die eines Platzes niedriger oder mittlerer Qualität." Obwohl diese Aussage aus der KPMG Golf Development Cost Survey mittlerweile fast zwei Jahrzehnte alt ist, repräsentiert sie noch immer die weitverbreitete, aber irreführende Vorstellung, dass außergewöhnlicher Golfsport enorme Investitionen erfordert. Die Analyse ist vereinfachend und grundlegend fehlerhaft, weil sie sich auf das Messbare statt auf das Wesentliche konzentriert.

Die renommiertesten Golf-Rankings der Welt entlarven diesen Irrtum. Die aktuelle Golf.com-Bestenliste der Top-100-Plätze der Welt beinhaltet 62 Plätze, die vor 1935 gebaut wurden. Unter den Top 100 der USA sind es rund 58 und in Großbritannien listet "Golf Monthly" sogar 78 Plätze aus der Zeit vor 1935. Diese Ära arbeitete mit Baumethoden und Werkzeugen, die eher an die 1500er-Jahre als an 1950 erinnerten. Dennoch bewies sie, dass Golfplätze von Weltklasse trotz erheblicher Einschränkungen wirtschaftlich gebaut werden konnten.

EINE ÄRA DER BEGRENZUNGEN


Die klassischen Plätze entstanden mit von Pferden gezogenen Pflügen und ansonsten in reiner Handarbeit. Bestenfalls kam ein primitiver Traktor zum Einsatz. Unter diesen extremen Bedingungen waren die Designer gezwungen, sich auf das wirklich Entscheidende zu konzentrieren: elegante Routings, starke Grünkomplexe, strategische Raffinesse und natürliche Schönheit.

Weil die Architekten keine Berge versetzen konnten, waren standardisierte Lösungen kaum möglich. Stattdessen mussten kreative, standortspezifische Antworten entwickelt werden. Das Ergebnis sind Plätze mit markanten Merkmalen und unverwechselbaren Spielbahnen, die dem Gelände folgen, anstatt gegen es anzukämpfen. Die zentrale Lehre daraus ist Zurückhaltung. Mehr Geld auszugeben und mehr zu bauen ist immer einfach. Die einzige wirklich relevante Frage lautet jedoch, ob dadurch der Golfplatz tatsächlich besser wird.

"ZUM SCHEITERN VERURTEILT"


Während des letzten Golfbooms wurden gigantische Budgets von Investoren nicht als Problem, sondern als Verkaufsargument präsentiert - bis es 2008 zum Kollaps der Weltwirtschaft kam. Die Folgen waren verheerend: Zahlreiche Golfplätze wurden später für einen Bruchteil ihrer Entwicklungskosten verkauft. Mit Blick auf dieses Trümmerfeld sagte Dr. Michael Hurdzan einige Jahre später das Offensichtliche: "Blickt man heute auf die insolventen Projekte zurück, wird man feststellen, dass an allen ein Stararchitekt beteiligt war. Diese Leute kassierten hohe Honorare, gaben Geld aus wie Heu und hinterließen Golfplätze mit enormen Unterhaltungskosten, die zum Scheitern verurteilt waren."

Kurz gesagt: Weder ihre Golfplätze noch ihre Geschäftsmodelle waren nachhaltig. Fairerweise muss man sagen, dass Investoren, die bekannte Architekten engagiert hatten, nicht die Einzigen waren, die durch die Bankenkrise in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Heute, Jahrzehnte später, haben die hochpreisigen und stark modellierten Projekte jener Zeit ihren Glanz verloren. Was einst innovativ wirkte, wurde austauschbar. Plätze in Bangkok, Baton Rouge und Berlin begannen, sich zu ähneln. Der mit Bulldozern geformte, formelhafte Stil verbreitete sich so stark, dass selbst einige Architekten den Verlust von Originalität und "Mystik" beklagten. Viele dieser Plätze wirken heute seelenlos und veraltet statt zeitlos. Selbst Pete Dye, der mit TPC Sawgrass maßgeblich zur Popularisierung dieses Trends beitrug, stand später bei der Umgestaltung eines seiner stark modellierten Projekte in Florida vor dem Platz und fragte sich: "Was habe ich mir dabei gedacht?"

BESCHRÄNKUNGEN ALS CHANCE FÜR EINZIGARTIGE ERGEBNISSE


Unter den nach 1935 entstandenen Plätzen, die den Sprung in die Top-100-Rankings geschafft haben, folgen viele den zeitlosen Prinzipien der Golfarchitektur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anstatt zu demonstrieren, wie viel Erde bewegt wurde, versuchen ihre Erdarbeiten, künstliche Eingriffe zu kaschieren und harmonisch in die Landschaft einzufügen. Sie folgen damit dem siebten Prinzip von Dr. Alister MacKenzie aus dem Jahr 1920: "Der Platz sollte von schöner Natur umgeben sein und alle künstlichen Elemente sollten so natürlich wirken, dass ein Fremder sie nicht von der Natur selbst unterscheiden kann."

Der Blick des Architekten:
Bild oben: ALLES AUFS GRÜN SETZEN
Der Grün-Plan von Ross: Seine Komplexe konzentrieren sich auf die Spielfläche selbst und deren harmonische Einbindung in die umgebende Landschaft. Anstatt präzise Höhenangaben für die inneren Konturen vorzugeben, zeigt der Plan die wesentlichen Geländehöhen und enthält praktische Modellierungsanweisungen wie: "Mit sanften Übergängen (Hügel) an Grün und Fairway anbinden."


WAS ES BRAUCHT


1. PLANUNG
Alles beginnt mit intensiven Begehungen des Geländes, Gesprächen mit ortskundigen Menschen über Besonderheiten des Standorts und der Identifizierung einzigartiger Merkmale und Möglichkeiten des Grundstücks. Dieses Verständnis bildet die Grundlage für ein Konzept, das landschaftliche Schönheit, Topografie, Böden, Vegetation und ökologisch sensible Bereiche optimal nutzt.

2. KONZEPTE UND BAUAUSFÜHRUNG
Ein Routingplan, ein strategisches Konzept, grobe Erdbewegungsberechnungen, ein Bewässerungsplan sowie grundlegende Ingenieurleistungen sind notwendig, um die Kosten zu bestimmen. Je weniger das Gelände verändert wird, desto einfacher und kostengünstiger gestaltet sich das Projekt. Diese Unterlagen sollten als Ausgangspunkt und grobe Richtung dienen, nicht als starre Vorgabe. Großartige Golfarchitektur ist ein organischer, sich entwickelnder Prozess. Ein dicker Ordner voller Detailpläne mag beeindruckend wirken, vermittelt jedoch oft nur eine trügerische Sicherheit. Die besten Details entstehen selten am Zeichentisch, sondern werden erst während der Bauphase entdeckt und umgesetzt. Dafür müssen Architekt und Team vor Ort präsent sein, um diese Chancen nutzen zu können.

3. DER NATUR FOLGEN
Wie A.W. Tillinghast treffend bemerkte: "Es ist leichter, der Natur zu folgen, als sie zu ignorieren." Mit den natürlichen Geländekonturen zu arbeiten reduziert die Kosten erheblich. Ein Paradebeispiel ist der Winged Foot Golf Club in New York, wo Tillinghast 1922 beide Plätze in nur vier Monaten baute!!! Heute rangiert der West Course auf Platz 13 in den USA, der East Course auf Platz 45. Ein Beweis dafür, dass Geschwindigkeit und Exzellenz möglich sind, wenn der Architekt führt und sich das Design auf das Wesentliche konzentriert.

4. ERDARBEITEN
Es sollte zwar nur bewegt werden, was wirklich notwendig ist, aber daran darf niemals gespart werden. Es muss genügend Erde bewegt werden, um die Eingriffe zu kaschieren und ein natürliches Gesamtbild zu schaffen.

5. GRÜNS UND IHRE UMGEBUNG
Sie sind die wichtigsten Gestaltungselemente eines Golfplatzes. Herausragende Grünkomplexe können selbst auf flachem, wenig inspirierendem Gelände entstehen - Mittelmaß ist daher keine Entschuldigung. Ein wesentlicher Unterschied zu vielen modernen Anlagen besteht darin, dass klassische Plätze weitgehend auf künstliche Modellierungen verzichten, die das Grün "einrahmen" sollen.

6. EXZENTRIKEN
Große Architekten akzeptieren gelegentliche Unregelmäßigkeiten oder Exzentriken, weil sie einzigartige und unvergessliche Momente schaffen können, allerdings immer mit Maß.

Der Cypress Point Club in Kalifornien zeigt solche "Eigenheiten" mit zwei aufeinanderfolgenden Par-5-Löchern und zwei Par-3-Löchern in Serie. Als Top-3-Platz in den USA und Top Ten weltweit hat diese Besonderheit seiner Qualität keineswegs geschadet.

DER WEG NACH VORN


Die Zeit vor schwerem Baugerät hinterließ die wichtigste Lehre überhaupt: Es ist möglich, zeitlose Golfplätze von Weltklasse zu bauen, die kosteneffizient errichtet und wirtschaftlich betrieben werden können. Mit einem guten Grundstück waren für wahre Exzellenz niemals gigantische Budgets nötig, sondern lediglich tiefer Respekt vor dem Gelände und dem Bauprozess. Deutschland hatte das Glück, mit Dr. Bernhard von Limburger einen solchen Architekten zu haben, der diesen Prinzipien konsequent folgte. Leider kann man heute nur noch wenige seiner Golf-Kunstwerke spielen, da ein Großteil seiner eleganten und wirtschaftlichen Arbeiten im Laufe der Zeit zerstört wurden.

 
DER AUTOR

DER AUTOR

Tony Ristola, ein Amerikaner mit finnischen Wurzeln, kann nicht nur Golf spielen - er war als Teaching- sowie Playing-Pro aktiv -, sondern fand in der Golfplatzarchitektur seine wahre Bestimmung. Zusammen mit Arbeitern, von denen die meisten noch nie einen Golfplatz gesehen hatten, schuf er mit Sand Valley in Polen sein erstes, international gefeiertes 18-Loch-Layout. Als einziger Golfplatzarchitekt garantiert er, jeden einzelnen Tag der Planungs- und Bauphase einer neuen Anlage vor Ort zu sein. www.tonyristola.com

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