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Freddy Schott – Teil 2

Zwischen Genie und Wahnsinn

Von Rüdiger Meyer, Interview: Wolfgang Block, Fotos: Mike Meyer, Jan Oliver Pemöller, BMW Golfsport

Wenn es danach geht, hat Freddy Schott sein Golf-Abitur mit 1,0 gemacht, denn sportlich kann man kaum einen härteren Weg gehen - und erfolgreich absolvieren. Obwohl er 2024 deutlich stabiler spielt, einen starken Schlussspurt hinlegt und mehr als eine Viertelmillion Euro Preisgeld einspielt, verfehlt er den Erhalt der Tourkarte um Haaresbreite. Doch die Blöße einer Rückkehr auf die Challenge Tour will er sich nicht geben. Stattdessen spielt er die kleinen Turniere auf der DP World Tour, in die er mit seinem reduzierten Status noch hineinrutschen kann. Und er fragt Turnierveranstalter, ob sie vielleicht eine Sponsoreneinladung für ihn hätten. Doch das Wichtigste: Er spielt gutes Golf. In seinen ersten fünf Turnieren landet er viermal unter den Top 16, wodurch er sich einen besseren Status erspielt und automatisch in mehr Turniere reinrutscht. Doch zur Mitte der Saison ist die Form wieder weg und der Kampf um die Tourkarte wird erneut eine Zitterpartie. Freddy zieht die Notbremse und holt sich einen neuen Mann an die Tasche.

Takashi Ohagen, der zuvor schon als Caddie für Max Kieffer und Alexander Knappe gearbeitet hat, tritt im Herbst seinen Dienst an und hilft Freddy in den letzten Turnieren dabei, wieder in den Top 20 mitzuspielen. Die gerettete Tourkarte sieht Schott daher auch nicht allein als sein Verdienst. "Ich bin superstolz. Das war ein hartes Jahr für mich, in dem ich viel gelernt habe über mich und über das, was ich von mir erwarte. Am Ende muss ich aber auch Taka danken. Wir sind auf die letzten drei Events mit nur einer Mission gegangen und die haben wir durchgezogen. Das hat mir natürlich sehr viel Selbstvertrauen gegeben."

Freddy Schott:
So goldrichtig es war, Takashi Ohagen den Job zu geben, so schwierig war es für Freddy, seinen Interims-Caddie abzulösen, mit dem er bei der Open de France 17. geworden war: seinen Bruder Vincent. Denn Freddy Schott ist ein absoluter Familienmensch. Zu seinen Ritualen vor jeder Runde gehört eine SMS nach Hause. "Fünf Minuten vor jeder Abschlagszeit schreibe ich meiner Mama und meinem Papa beziehungsweise schicke eine Faust", verrät er. Dass die Familie für ihn ein so wichtiger Anker ist, liegt auch daran, dass die meisten Außenstehenden den Beruf des Golfprofis zu sehr romantisieren. "Viele Leute denken, das Leben eines Tour-Pros sei immer nur schön: schöne Stadt, bestes Hotel, leckeres Essen. Dabei vergessen sie, dass wir unglaublich viel Zeit allein verbringen." Umso wichtiger ist es, auf der Tour auch Freunde zu haben. Da trifft es sich gut, dass Freddys einstiger Viererpartner fast immer dabei ist. "Ohne Marcel Siem wäre ich golferisch heute nicht da, wo ich bin", schwärmte Freddy schon vor Jahren von dieser Freundschaft. Damals haben sich die beiden meistens telefonisch ausgetauscht, heute ist das anders. "Das Schöne ist, dass ich ihn nicht mehr anzurufen brauche, denn ich sehe ihn jede Woche. Deshalb laufe ich meistens einfach an seinem Zimmer vorbei und klopfe an. Dadurch, dass wir beide als Sieger auf der DP World Tour in Kategorie 3 stehen, spielen wir sogar die ganzen großen Dinger zusammen. Deshalb haben wir jetzt, was sehr schön ist, auch deutlich mehr miteinander zu tun als die Jahre davor."

Zwischen Genie und WahnsinnZwischen Genie und Wahnsinn:
Allerdings hätte Freddy Schott nichts dagegen, wenn sich dies in naher Zukunft ändern sollte. Schließlich soll für einen Mann, der gerade erst am Anfang seiner Karriere steht, die DP World Tour nicht die Endstation sein. Als aktuell 28. im Race to Dubai sind die Chancen, sich einen der zehn Qualifikationsplätze für die PGA Tour zu sichern, alles andere als unrealistisch. Entsprechend steckt Freddy auch seine Ziele für 2026 ab. "Ich möchte mir bis zum letzten Event des Jahres eine Chance auf eine PGA-Tour-Karte erhalten. Das heißt, wenn ich es schaffe, in die DP World Tour Championship zu kommen - und sei es als 50. im Race to Dubai -, habe ich noch eine Chance." Für Schott geht es dabei nicht nur darum, dass die Preisgelder höher sind. "Ich glaube, dass das Spiel in den USA sehr gut zu mir passt. Ich habe einen sehr hohen Ballflug und schlage den Ball relativ weit. Diesen Vorteil kann ich auf vielen europäischen Plätzen teilweise nicht ausspielen, weil sie für ein anderes Spiel ausgelegt sind."

Um dieses Ziel zu erreichen, hat er sogar eine alte Vorliebe abgelegt. Zu Beginn seiner Karriere hat er zum Abschluss der Turnierwoche mit seinen Jungs gefeiert, bis die Sonne aufging. "Das schaffe ich heute nicht mehr. Um den Kopf abzuschalten, gehe ich sonntags eher noch mal schön essen oder schaue mir in der Stadt noch mal etwas an." Die Zeiten des Draufgängers Freddy Schott sind also vorbei - zumindest abseits des Platzes. Freddy Schott, der Gereifte.

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