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Mason Howell

Grosse Erwartungen

Von Rudi Schaarschmidt, Fotos: Getty Images

Nicht viele können von sich behaupten, mit 18 bereits an drei Majors teilgenommen zu haben. Mason Howell gehört dazu und viele glauben, das ist erst der Anfang.

Mason Howell löste Tiger Woods 2025 als drittjüngster Champion der US-Amateur-Geschichte ab. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, dass der 19-Jährige die nächste große Nummer im Golf wird. Bevor er in diesem Jahr sein Studium an der University of Georgia beginnt, machte er einen Abstecher in die Niederlande zur KLM Open, wo uns das Nachwuchstalent aus Georgia Rede und Antwort stand.

Mason, mit Tiger Woods in einem Atemzug genannt zu werden, klingt wie eine Verpflichtung zu einer großen Profi-Karriere. Ist das Ansporn oder Belastung?
Dass mein Name nun neben all den anderen Namen auf dieser Trophäe steht, ist unglaublich. Und in irgendetwas vor Tiger zu liegen, können nicht viele Leute von sich behaupten. Aber das bedeutet auch mehr Druck. Trotzdem bleibt es weiterhin Golf: Man schlägt am ersten Loch ab und locht am 18. Loch ein. Ich weiß, dass ich noch jung bin und jede Menge Zeit habe, weiter hart zu arbeiten, mich zu verbessern und einfach Spaß zu haben. Ich bin gerade 19 geworden und durfte schon an zahlreichen Profi-Turnieren teilnehmen, darunter einige Majors. Vor einem oder zwei Jahren hätte ich mir das niemals träumen lassen und ich versuche, mir keinen zusätzlichen Druck aufzuerlegen.

Du reist um die Welt, hast Sponsoren und führst kein typisches Leben eines 19-Jährigen. Fehlt dir was?
Ich habe das Gefühl, dass ich einen ziemlich ausgeglichenen Lebensstil habe. Wenn ich zu Hause bin, treffe ich mich gerne mit meinen Freunden. Wir spielen dann Basketball, Tennis oder Karten. Pickleball wird auch immer beliebter. Oder wir gehen angeln. Und natürlich trainiere ich auch, aber ich bin eben nicht den ganzen Tag auf dem Golfplatz. Ich liebe diesen Sport und möchte nicht, dass sich das ändert. Also gilt es, einen goldenen Mittelweg zu finden, bei dem ich mich nicht verausgabe und trotzdem Spaß habe.

Du hast bei deinen bisherigen Profi-Turnieren noch keinen Cut geschafft...
Der Toleranzbereich für Fehler auf den Profi-Touren ist sehr klein. Jeder Schlag zählt. Es kommt vor, dass man gutes Golf spielt und den Cut trotzdem um ein paar Schläge verpasst. Bei den letzten drei PGA-Tour-Turnieren, an denen ich teilgenommen habe, lag ich jedes Mal nur zwei Schläge hinter dem Cut. Es war wirklich knapp. Es ist einfach der Unterschied zwischen ein paar Putts, ein paar guten Eisenschlägen oder ein paar guten Chips. Ich weiß, dass mein Spiel auf dem richtigen Niveau ist. Ich weiß, dass ich gut genug bin, um bei diesen Profi-Turnieren den Cut zu schaffen. Das ist das Ziel.

Wie bist du zum Golfsport gekommen?
Mein Vater hat immer die PGA Tour im TV geschaut. Schon als ich noch ganz klein war, bin ich zu ihm auf den Schoß geklettert, habe stundenlang mitgeschaut und war fasziniert. Dann habe ich ein Plastikschläger-Set bekommen. Mit vier Jahren habe ich mich zu Halloween als Bobby Jones verkleidet. Und immer wenn mein Dad in seinen Golfclub gefahren ist, durfte ich mit und ein paar Bälle schlagen. Mit sechs habe ich an den ersten Juniorenturnieren teilgenommen. Ich habe so ziemlich jede Sportart ausprobiert - Tennis, Football, Baseball, Fußball, Basketball -, aber mit zwölf Jahren habe ich alles andere aufgegeben. Immer wenn ich Training hatte, kam ich enttäuscht nach Hause, weil ich keine Zeit hatte, zum Golfplatz zu fahren.

Hattest du als Jugendlicher Vorbilder?
Harris English und Rory McIlroy. Ich komme aus demselben Club wie Harris und kenne ihn ziemlich gut. Ich kann ihm spontan texten und er antwortet sofort. Harris war der Typ, zu dem wir alle aufschauten. Er ist so gelassen. Er legte großen Wert darauf, dass wir Spaß mit unseren Kumpels hatten, gegeneinander antraten und dass immer etwas auf dem Spiel stand, zum Beispiel dass der Verlierer Liegestütze machen oder dem Gewinner Snacks kaufen musste. Und Rory war für mich als Kind so etwas wie Tiger Woods für die vorherige Generation. Er war ganz klar mein Lieblingsgolfer.

Und dann stehst du beim Masters 2026 in Augusta in einem Flight mit Rory, deinem Idol. Wie war das?
Einerseits ist es die pure Freude und steigert dein Selbstvertrauen, weil du weißt, dass du mit einem der weltbesten Golfer im gleichen Flight bist. Andererseits ist es ein einschüchterndes Gefühl. Und am ersten Abschlag in Augusta National verstärkt das die Nervosität natürlich zusätzlich. Aber es war etwas ganz Besonderes, weil er so ein toller Mensch ist. Und als er am 17. Loch in Augusta einen Chip versenkt hat - das war eine der lautesten Reaktionen des Publikums, die ich je live miterlebt habe.

Nachdem du Rory jetzt getroffen hast: Gibt es noch einen anderen Superstar, mit dem du dich gerne zum Abendessen treffen würdest?
Michael Jordan. Er ist definitiv der Größte aller Zeiten. Er ist einer meiner Lieblingssportler und ich würde ihn wirklich gerne mal treffen.

Stimmt die Geschichte, dass du im Alter von neun Jahren einen Ball von Rory bekommen hast?
Ja. 2016 hat er mir nach seinem Sieg bei der Tour Championship in Atlanta einen Ball geschenkt und den hatte ich beim Masters in der Hosentasche. Am ersten Abschlag habe ich Rory einen kleinen Streich gespielt und gesagt: "Hey, Rory, ich spiele mit diesem Nike-Ball, der an der Seite total zerkratzt ist." Er fand das ziemlich lustig. Ich habe natürlich nicht mit diesem Ball gespielt, aber es war ein guter Witz und er hat herzlich gelacht. Das hat die Stimmung am ersten Abschlag aufgelockert.

Eine andere unglaubliche Story ist dein Platzrekord in deinem Heimatclub Glen Arven.
Als ich 14 war, ging ich eines Nachmittags mit fünf College-Spielern auf die Runde. Meine Eltern hatten mir gesagt, ich solle nur neun Löcher spielen, weil wir eine Reservierung zum Abendessen hatten. Der Besitzer des Restaurants war unser Gastgeber, also durften wir nicht zu spät kommen. Als mein Vater kam, um mich abzuholen, flehte ich ihn an, weiterspielen zu dürfen. Ich hatte auf den Front Nine eine 28 gespielt. Mein Vater erlaubte es mir. Das hatte sich im Club herumgesprochen. Es bildete sich eine kleine Zuschauermenge und es wurde spannend. Ich war supernervös, aber am 18. Loch versenkte ich einen Neunmeter-Putt zur 59. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich nicht nur niedrige Ergebnisse erzielen, sondern diese auch im Wettkampf umsetzen konnte.

Du gehst im Herbst an die University of Georgia. Wirst du deinen Abschluss machen oder ist es möglich, dass du vorher abbrichst und auf die Tour gehst?
Wenn sich die Gelegenheit böte, Profi zu werden, würde ich mit meiner Familie und meinem Team darüber sprechen, was die beste Option wäre. Im Moment habe ich vor, aufs College zu gehen und einen Abschluss zu machen. Aber man weiß ja nie...

Was sind deine Träume im Allgemeinen? Gibt es etwas, das du unbedingt erreichen möchtest?
Ich möchte auf jeden Fall ein Major-Turnier gewinnen und Teil eines siegreichen Ryder-Cup-Teams sein. Ich liebe Teamgolf, vor allem wenn es darum geht, sein Land zu vertreten, wie beim Walker Cup, das war unglaublich. Die Nationalhymne am Abend vor dem ersten Spiel zu hören, dieser Stolz auf die USA und gemeinsam mit Jungs zu spielen, die dieselben Ziele haben - das ist großartig. Normalerweise sind wir Konkurrenten, aber in dieser Woche kommt man zusammen. Das ist etwas Besonderes. Und ich liebe Match Play.

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