Seve Ballesteros
Golfs letzter Rockstar - Tribut an einen Helden
Von Rainer SchillingsJedes Genre hat seinen Meister. Menschen, die ihre Profession in neue Sphären heben und Millionen inspirieren. Was Jimi Hendrix für die Musik, James Dean für das Kino und Andy Warhol für die Kunst bedeuteten, das bedeutete Seve Ballesteros für den Golfsport. Es sind immer die Besten, die zu früh gehen und so zu Ikonen werden.
Dass Seve den Titel holt, einen von über 90 in seiner Karriere, ist eigentlich eine Nebensächlichkeit. Es ist diese Art zu siegen, die ihn besonders macht. Auf meine Frage, woher er denn wusste, wie stark der Wind die Flugbahn beeinflussen würde, antwortete Ballesteros mit seinem spanisch rollenden Akzent: "Because I know the sea." Weil er das Meer kennt. Und wie. Seve war stets der ungekrönte König der Katastrophen. Meistens wenigstens.
"Jede Generation bringt einen Golfer hervor, der besser ist als die anderen. Ballesteros ist so einer, der für das Golfspiel alle Qualitäten besitzt: Gefühl, Kraft, Mut und Charisma", so beschrieb der amerikanische Altstar Lee Trevino den früheren Rivalen. Aber es war mehr als nur die Tatsache, dass Severiano Ballesteros in einem Atemzug mit Jack Nicklaus, Tom Watson, Gary Player und auch mit Tiger Woods genannt werden muss. Seve war allein schon wegen seiner Herkunft der krasse Gegenentwurf zum klassischen Golf-Establishment. Ein Mann, dem bei seiner Geburt am 9. April 1957 nichts in die Wiege gelegt wurde außer seinem Talent. Und der alles dafür tat, aus der Not eine Tugend zu machen. Er sollte auf die Kuhherde seines Vaters aufpassen. Also trieb er sie zum Golfplatz. Er hatte nichts weiter als einen Schlägerkopf. Also suchte er stundenlang nach halbwegs geraden Ästen, die er zum Schaft umfunktionierte und mit Wasser aufquellen ließ, damit beides einiger massen zusammenhielt - wenigstens für ein paar Schläge des Glücks. Es gab keine Bälle, also nahm er Steine. Er schwänzte die Schule, nur um am Strand "Golf" zu spielen. Als Caddy war es ihm strengstens verboten, auf dem ehrwürdigen Golfclub Pedreņa selbst aktiv zu sein. Also verlegte er seine Trainingsrunden auf jene Stunden, wenn der Mond die Fairways in fahles Licht tauchte und er wie ein Fuchs über die Bahnen schleichen konnte. Oder manchmal auch auf die glücklichen Momente, wenn der Caddymeister betrunken in der Schlägerhalle lag.
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