Florian Fritsch:

Florian Fritsch

'Bin nicht der Typ Bam-Bam, Keule raus und drauf'

03.06.2019 | Von Janek Weiß

Kein Sieg, keine European-Tour-Karte: Die letzten Monate waren nicht einfach für Florian Fritsch. Jetzt sprach er erstmals über die Ursachen der Misere.

An allen Turnieren der European Tour kann Flo Fritsch eh nicht teilnehmen. Schließlich sind diese teilweise auf der anderen Seite der Welt und der 33-Jährige betritt aus Angst vor Abstürzen kein Flugzeug. Dennoch fuhr er mit seinem Auto die letzten Monate zu besonders wenig europäischen Turnieren, da er seine European-Tour-Karte abgeben musste. Gegenüber Süddeutsche Zeitung und BR äußerte sich der Familienvater nun erstmals über seine Probleme auf dem Platz.

Nachdem der Münchner 2016 noch zum "Player of the Year" gewählt wurde, lief es anschließend nicht immer rund. FF kämpft seitdem mit Problemen bei der Stressregulierung, um mehr Birdies auf die Karte zu bringen. "Wir alle stehen stark unter Strom. Ich hatte dazu mal E-Mail-Kontakt mit Henrik Stenson. Vorher war ich der Überzeugung, dass die Jungs, die alles gewonnen haben, einfach da rausgehen und ganz gechillt ihre Runde spielen. Doch Stenson schrieb: 'The Battle is going on.'"

Was bei Fritsch vorher zu guten Ergebnissen geführt habe, sei eine nicht vorhandene Erwartungshaltung gewesen. Sobald er damit anfing, sich mehr Chancen auszurechnen, verspannte er. Das Resultat: Ende 2018 verpasste Fritsch auch auf der Qualifying School, dem letzten Qualifikationsturnier, die Tourkarte. "Golf ist ein Sport, der - wenn man es mit der Brechstange versucht - einem Demut lehrt", sagt er in dem Interview mit SZ.

Das Problem: Solange Fritsch keine Platzierungen in den oberen Tabellenregionen bekommt, reicht auch die Summe der Preisgelder nicht aus, um genügend für eine neue Tourkarte zu sammeln. "Ich kann fünf Turniere hintereinander 30. werden und ordentliches Golf spielen, habe aber keine Chance gegen jemanden, der sich viermal komplett wegschießt und einmal Zweiter wird. Es geht im Golfsystem darum, alles auf Sieg zu setzen." Diesem Druck Stand zu halten, sei seine größte Herausforderung derzeit.

Den nächsten Auftritt auf der European Tour hat der sympathische 33-Jährige bei der BMW Open in München. Dass der Erfolg jederzeit zurückkommen kann, bewies sein Landsmann Martin Kaymer dieses Wochenende beim Memorial Tournament, wo er lange führte und Dritter wurde.