OPEN CHAMPIONSHIP 2026 Zwei 62er Runden und Kontroverse um Bryson DeChambeau
18.07.2026 | Von Rüdiger Meyer, Foto(s): Getty ImagesEigentlich hätte der Open-Freitag ganz im Zeichen des Australiers Lucas Herbert stehen sollen, der nur um Zentimeter verpasste, als erster Mensch der Open-Geschichte eine 61 zu spielen. Am Ende reihte er sich gemeinsam mit Sam Burns in den elitären 62er-Club ein. Doch dann redete alles nur über Bryson DeChambeau.
Der polarisierende Amerikaner war dank Nick Faldos harscher Kritik ("Er hat null Ahnung von Strategie") vor dem Turnier bereits unfreiwillig ins Rampenlicht geraten, doch in der zweiten Runde spielte er sich aus eigener Kraft hinein. Mit einem Birdie-Birdie-Finish hatte er sich in den letzten Flight gespielt und Faldos Kritik ad absurdum geführt. Doch dann geriet dies alles in den Hintergrund, weil plötzlich Bilder über den Äther gingen, die DeChambeau zurück auf dem Platz in einer animierten Diskussion mit Offiziellen zeigten. Was war passiert?
Am kurzen Loch 5 hatte DeChambeau versucht, das Grün mit dem Drive zu attackieren, ihn aber nach rechts in eine der übelsten Roughpassagen von Royal Birkdale verzogen. Beim Planen, wie er sich irgendwie aus der misslichen Lage befreien kann, stapfte er einige Male wie ein Elefant im Porzellanladen im hohen Rough herum, was dazu führte, dass einige der zuvor aufstehenden Grashalme plötzlich in Schräglage geraten waren. Die (vermutlich unabsichtliche) Konsequenz: Im Rückschwung musste sich Bryson nun keine Sorgen mehr machen, dass sich sein Schlägerkopf im Gras verhaken könnte. Er kam sauber an den Ball und konnte ihn zumindest durch das Grün spielen und kam mit einem Bogey davon - bis Schiedsrichter Grant Moir sich einschaltete. Er nahm sich die auf den TV-Bildern nicht ganz eindeutig zu sehende Situation noch einmal vor und entschied nach langer Diskussion, DeChambeau zwei Strafschläge für einen unabsichtlichen Verstoß gegen Regel 8.1 aufzubrummen, wodurch der US-Open-Champion von Platz 2 auf Platz 5 zurückfiel.
Statt die Sache wie ein Gentleman zu nehmen und wie viele andere vor ihm eine unglückliche Regelsituation mit Würde hinzunehmen, schmollte DeChambeau und ließ offen, ob er überhaupt noch zur dritten Runde antreten würde. Am späten Abend machte er dann allerdings doch noch einen Rückzieher und ließ via Social Media verlauten: "Ich bin natürlich enttäuscht über die Entscheidung. Ich stimme ihr nicht zu, aber so ist es nun mal. Das spornt mich richtig an. Auf ins Wochenende. Holen wir's!"
Die Kontroverse um DeChambeau kam einigen Stars vielleicht ganz recht, weil so unterging, dass sie das Wochenende verpassten. Allen voran der Open-Sieger von 2017, Jordan Spieth, der mit 9 über Par zum ersten Mal in seiner Karriere den Cut bei einer Open verpasste. Auch dem 2023er-Champion Brian Harman erging es nicht viel besser. Zu den weiteren Opfern des Cuts gehörten der amtierende Senioren-Champion und zweifache Open-Sieger Padraig Harrington, Jason Day, Viktor Hovland, die LIV-Asse Joaquin Niemann und David Puig, Justin Rose, US-Open-Sieger Wyndham Clark, Tom Kim, der in der Vorwoche gerade noch in Schottland gewonnen hatte, Aaron Rai, die Højgaard-Zwillinge und schockierenderweise auch Matt Fitzpatrick. Der Weltranglisten-Dritte wurde dank drei Top-4-Platzierungen in seinen letzten vier Starts bei den Buchmachern als einer der Top-Favoriten gehandelt. Stattdessen wird er das Wochenende jetzt damit verbringen, seinen jüngeren Bruder Alex anzufeuern, der seine sensationelle Saison fortsetzt und auf Platz 8 liegt.
Und die ganz großen Namen? Scottie Scheffler legte wie immer eine unaufgeregte Runde hin und lauert auf Platz 8 in aussichtsreicher Position genauso wie Lokalfavorit Tommy Fleetwood und der Spanier Jon Rahm, der nach einem wilden Schlägerwurf nur eine Verwarnung statt Strafschlägen kassierte. Und Rory McIlroy rettete sich nach einer frustrierenden ersten Runde mit einer 67 zumindest noch ins Wochenende. Top-Favorit bei den Buchmachern ist neben Scheffler aber der Amerikaner Cameron Young, der dieses Jahr bereits die Players Championship und die Cadillac Championship gewonnen hat und nach zwei 67er-Runden auf Platz zwei liegt. Überhaupt: Auf den ersten sieben Plätzen liegen mit Young, DeChambeau, Jackson Suber, Ryan Gerard und Sam Burns fünf Amerikaner. Höchste Zeit für das europäische Kontingent, am Wochenende dieses Bild zu richten.












