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Die angenehmsten Orte der Welt – Teil 2

Streamsong

Von Jan Langenbein, Fotos: Larry Lambrecht & Jan Langenbein

Es spricht für die Qualität der beiden Plätze, dass der sonst nicht gerade für sein kleines Ego bekannte Tom Doak auf die Frage nach der besten Spielbahn der Anlage mit Loch 9 des Red Course einen Entwurf der Konkurrenz nannte. Die einzigartige Landschaft brachte Doak und seine Mitarbeiter allerdings auf noch viel verwegenere Ideen, wie er 2017 in seinem "Little Red Book of Golf Course Architecture" verriet: "Mit meinen jüngeren Mitarbeitern diskutierte ich mehrmals über die Idee, vom Abschlag des siebten Lochs eine Zipline bis zum Grün zu bauen." Die Tatsache, dass sich zwischen Abschlag und Grün des besagten Lochs ein bei Alligatoren äußerst beliebter Teich befindet und das Durchschnitts alter des gewöhnlichen Florida-Golfers weit jenseits der Zipline-Tauglichkeit liegt, ließen diesen Traum schnell platzen. Eine gewisse Theatralik konnte sich der Erbauer des Blue Course jedoch nicht verkneifen und platzierte die Teebox der ersten Spielbahn seines Platzes auf der höchsten Düne des gesamten Geländes. Der erste Griff des Tages zum Driver bleibt für jeden Golfer daher garantiert unvergesslich.

Als sie sich an den Bau ihres Red Course machten, stellte Bill Coore beeindruckt fest: "Das hier zählt zu den ungewöhnlichsten, interessantesten und dramatischsten Land schaften, die uns jemals überlassen wurden. Dieses Gelände unterscheidet sich von allem, was wir bisher bebauen durften." Sein Designpartner, der zweimalige Masters Champion Ben Crenshaw, deutete sogar an, dass offenbar nicht allzu viel Arbeit notwendig war, hier einen Golfplatz der Spitzenklasse zu bauen, "denn dieses Gelände ist prädestiniert dafür, großartige Golflöcher freizulegen."

Die angenehmsten Orte der Welt: Grüner wird's nicht: GolfPorn  la Streamsong
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Die Tatsache, dass die 18 Grüns des Black Course zusammengenommen eine Fläche von exorbitanten 44.500 Quadratmetern ergeben, ist schlicht einzigartig.
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Bereits mit der Eröffnung von Streamsong entwickelte es sich unter architekturbegeisterten Golfern zu einer Art Glaubensfrage, welcher der beiden Plätzen denn nun der bessere sei. Ähnlich wie bei der Frage nach dem besten Burger der Vereinigten Staaten - aka Shake Shack vs. InnOut - gibt es hier kein Richtig oder Falsch. Glaubt man den zahlreichen Golfplatz-Rankings, hat der Red Course leicht die Nase vorn - nach einem absoluten Fotofinish. Nach all dem Kritikerlob dauerte es nicht lange, bis Streamsong und seine bei den Plätze an die Kapazitätsgrenzen stießen, und da es an Land nicht mangelt, lag die Lösung auf der Hand. Ein dritter Platz musste her. Tom Doak und Coore/Crenshaw dürfte sich für einen Platzarchitekten zwar so anfühlen, als müsste man bei Rock am Ring nach Metallica auf die Bühne - man kann nur verlieren -, doch mit Gil Hanse fanden die Verantwortlichen genau den richtigen Mann für diesen heiklen Job und komplettierten damit die heilige Dreifaltigkeit der zeitgenössischen Platzdesigner.

Mit einem Layout, das stark an die legendären Plätze des Sandbelt im australischen Melbourne erinnert, stellte der Schöpfer des olympischen Golfplatzes von 2016 sicher, dass zwischen den Plätzen Red, Blue und Black in Streamsong keinerlei Verwechslungsgefahr besteht. Offenbar hatte der Amerikaner beim Bau dieses Platzes vollkommen freie Hand, denn die Tatsache, dass die 18 Grüns des Black Course zusammengenommen eine Fläche von exorbitanten 44.500 Quadratmetern ergeben, ist schlicht einzigartig. Zum Vergleich kommen die 18 Grüns in Pebble Beach gerade einmal auf etwa 5.850 Quadratmeter. Drei-Putts sind auf dieser Anlage beinahe die Regel und Vier oder sogar Fünf-Putts keine Seltenheit.

Die angenehmsten Orte der Welt: Klassiker: Die angenehmsten Orte der Welt: Klassiker:
Klassiker: "Spiel mir das Lied vom Doppel-Bogey!" (l.) Auf den Trichter gekommen: wenn Platzarchitekten rotsehen (r.)
In einer Hinsicht reiht sich Hanses Platz allerdings perfekt in die Gesamtphilosophie von Streamsong ein, denn frontale Wasserhindernisse, erzwungene Carryschläge oder lauernde Ausgrenzen gibt es auch auf dem Black Course praktisch nicht. Um ei nen wirklich guten Score ins Clubhaus zu bringen, braucht es auf allen drei Plätzen des Resorts einen ausgefeilten und stressresistenten Golfschwung. Das einzigartige Design der gesamten Anlage erlaubt es aber auch Golfern mit einem Handicap jenseits von 15, hier nicht nur Spaß zu haben, sondern die subtilen Herausforderungen und die nicht immer auf den ersten Blick ersichtlichen Gefahren mit den eigenen golferischen Mitteln zu meistern. Eine Eigenschaft, die Tourplätze wie Doral oder Sawgrass nur bedingt bieten.

Designs dieser Güteklasse lassen sich nicht durch die Plexiglasscheibe eines Golfkarts er fahren, dessen sind sich auch die Betreiber in Streamsong bewusst und haben sich daher zu einem Schritt entschieden, der ihrem Resort in puncto Einzigartigkeit in den Vereinigten Staaten die Krone aufsetzt. In der Hochsaison von Neujahr bis Ende März werden ausschließlich Golfer auf die Plätze gelassen, die zu Fuß unterwegs sind. Lediglich wenn die Temperaturen Zentralfloridas im Hochsommer die Kategorie "Glutofen" erreichen, stehen den Gästen Buggys zur Verfügung.

"If you build it, they will come", orakelte Kevin Costner einst in "Field of Dreams" und meinte damit ein Baseballfeld irgendwo weit hinterm Mond in Iowa. Streamsong liegt beinahe genauso weit abseits, dennoch strömen die Golfer von überall auf der Welt in dieses ehemalige Tagebaugebiet. Und nahezu jeder von ihnen verlässt diesen einzigartigen Ort mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

 

Golfplätze in der Region

Streamsong Blue

Streamsong Blue

18 Löcher, Par 72, 6.562 Meter
Adresse: 1000 Streamsong Dr, Bowling Green, FL 33834, USA
Tel. +1 888.294.6322
www.streamsongresort.com
Greenfee Resort-Gäste: ca. 82 Euro (Nebensaison) bis ca. 220 Dollar (Hochsaison), Tagesgäste: ca. 113 Euro (Nebensaison) bis ca. 257 Dollar (Hochsaison)

Mit oft gigantisch breiten Fairways impft Platzarchitekt Tom Doak den Golfern ein trügerisches Gefühl der Sicherheit ein - zumindest was die Abschläge angeht. Strategisch optimal platzierte FairwayBunker und im Verhältnis relativ kleine und fiese Grüns verleihen diesen 18 Löchern dennoch jede Menge Biss. Doaks Designphilosophie, seine Plätze um die vorhandenen natürlichen Gegebenheiten he rum zu bauen, verleiht diesem erst sechs Jahre alten Platz eine Aura, als würde hier bereits seit Jahrzehnten gespielt.

Killerloch: Die 7, ein unendlich oft fotografiertes, spektakuläres Par 3 mit Furcht einflößendem Wasserhindernis, mag zwar das Signature Hole sein, das wahre Highlight ist jedoch die 13, ein kurzes Par 4 mit Bunkern rund um das erhöhte Grün tiefer als Death Valley.

Streamsong Red

Streamsong Red

18 Löcher, Par 72, 6.536 Meter

Vom ersten Abschlag an stellt der Red Course klar, dass die folgenden 18 Löcher kein entspannter Spaziergang werden. Zwischen majestätischen Dünen fordert das leicht bergauf verlaufende, 434 Meter lange Biest von einem Par 4 zwei solide Schwünge, möchte man nicht mit einem Doppel-Bogey in den Tag zu starten. Bill Coore und Ben Crenshaw nutzten für ihr Meisterwerk in Streamsong die einmalige Topografie und idealen Bodenbedingungen virtuos und schufen dadurch ei nen Golfplatz, der nicht nur optisch einmalig ist, sondern auch Anforderungen an Golfer aller Spiel stärken stellt, die auf kaum einer anderen Anlage so zu finden sind.

Killerloch: Auf der gesamten linken Seite von Wasser flankiert, ist Loch Nummer 7 mit seinen lediglich 482 Metern ein äußerst anspruchsvolles Par. Teuflische Bunker rechts der Landezone und ein direkt ans Wasser gequetschter Grünkomplex runden diese brillante Spielbahn ab.

Streamsong Black

Streamsong Black

18 Löcher, Par 73, 6.703 Meter

Im September 2017 eröffnete mit Gil Hanses Streamsong Black der bislang jüngste Golfplatz des Resorts und es genügt ein Fakt, um die skurrile Einzigartigkeit dieses Platzes zu beschreiben: Zusammengenommen sind sei ne Grüns beinahe einen halben Quadratkilometer groß (!). Passend dazu spendierte Hanse dieser Anlage noch einen eigenen Putting-Course direkt vor der Clubhausterrasse mit dem vielsagenden Namen "Der Fehdehandschuh". Aus diesem Grund ist der Besuch des Putting-Grüns vor einer Runde auf Streamsong Black sicherlich wichtiger als eine Stippvisite auf der Driving Range.

Killerloch: Bei dem Design des PunchbowlGrüns der neunten Spielbahn ließ Gil Hanse sich wohl vom weltberühmten Barringer Krater in Arizona inspirieren.

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