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Polen

Eldorado im Osten

Von Jan Langenbein, Fotos: Rüdiger Meyer

Auf einem spätsommerlichen Roadtrip durch Westpommern und Masuren machen uns drei echte Pioniere unseres Sports klar: Das golferische Glück ist nicht nur im Westen zu finden.

Über Diskussionen wie hierzulande, ob Golf denn nun Breitensport sei oder nicht, kann Slawomir Pinski nur müde lächeln. Der Selfmade-Golfer par excellence griff 1994 aus purem Interesse zum ersten Mal zum Golfschläger und war schnell angefixt. Drei Jahre voll autodidaktischen Trainings und Schwungstudien mithilfe von European-Tour-Übertragungen und Pinski war nicht nur Captain des Amber Baltic Golf Club nahe der polnischen Ostseeküste, sondern auch Amateurmeister des damaligen Golf-Entwicklungslands.

Mittlerweile ist er seit über 20 Jahren Direktor des Binowo Park Golf Club unweit von Stettin und erklärt uns bei Piroggen mit Hackfleisch und Pilzen, was es bedeutet, hier eine Golfanlage zu bauen und zu betreiben: "Als Ende der 90er die Idee aufkam, dass dieses Stück Land ideal für einen Golfplatz wäre, wurde uns schnell klar, dass wir nicht nur einen Golfplatz, sondern uns die Golfer gleich dazu bauen müssen." Kein Wunder, schließlich hatten jahrzehntelange Sowjetherrschaft und der lange Arm Moskaus die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zaghaft aufkommenden Anfänge des Golfsports in Polen im Keim erstickt. Erst das friedliche Ende des Kommunismus zum 1. Januar 1990 ermöglichte einen Neustart der polnischen Golfgeschichte - auf einer nahezu weißen Leinwand, denn Golfanlagen gab es in Polen zu Zeiten des Eisernen Vorhangs nicht. Unberührte Natur und für Golfanlagen perfekte Landstriche dagegen im Überfluss.

Polen:

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In Florida würde man so etwas Milliardärs-Golf nennen - in Polen kostet ein vergleichbares Vergnügen unter der Woche nur 41 Euro.
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In Binowo Park entschied der aus Schweden stammende Besitzer und Investor daher, erst einmal mit einem Neunloch-Pitch & Putt-Platz zu beginnen. "Das war nötig", erläutert Slawomir, der seit Baubeginn der Anlage mit an Bord war, das clevere Business-Konzept.

"Schließlich gab es in Stettin und im Umland keine Golfer. Wir mussten einen einfachen und preisgünstigen Einstieg in den Sport ermöglichen - und was eignet sich besser, um Anfänger an Golf heranzuführen, als ein für jeden zugänglicher Kurzplatz?" Die Rekrutierungsmaßnahme fruchtete, und als nach einem Jahr genügend Stettiner am Golfsport einen Narren gefressen hatten, wurde der 18-Loch-Championship-Platz eröffnet. Am Konzept der "Nachwuchsförderung" quer durch alle Altersklassen hat sich bis heute nichts geändert, denn während Slawomir uns mit spürbarer Euphorie die Geschichte "seiner" Anlage erzählt, schwingen auf der Driving Range etwa 50 Stettiner/-innen unter Aufsicht des Club-Pros die Schläger. Sowohl die bunt gemischten Freizeit-Outfits dieser Gruppe als auch die äußerst kreativen Schwünge lassen keinen Zweifel daran, dass jeder dieser 50 zum ersten Mal im Leben versucht, einen Golfball zu schlagen. "Wenn nur zwei oder drei von ihnen dabeibleiben, so war es für uns ein wirklich erfolgreicher Schnupperkurs", sagt unser Gastgeber, während wir mit vollen Mägen an der bunten Truppe vorbei in Richtung ersten Abschlag schlendern, um endlich selbst draufhauen zu dürfen. Der Platz in Binowo Park fackelt dann auch nicht lange und macht bereits auf dem dritten Grün, dem höchsten Punkt der Anlage, deutlich, welch ein Potenzial Polen als Golfland tatsächlich hat. Die unverbaute Aussicht über die sanften Hügel Westpommerns ist eine echte Augenweide und es ist einer Handvoll echter Pioniere zu verdanken, dass der Blick von hier oben nicht nur über Wälder, Seen und Weizenfelder, sondern eben auch über Fairways und Grüns schweift.

Auf dem Weg zurück in unser Hotel im Stadtzentrum von Stettin verrät eine Google-Suche, dass die erst 1993 gegründete Polnische Golf-Union mittlerweile über 6.000 Mitglieder zählt. Die Pionierarbeit scheint also Früchte zu tragen.

Polen: Sehr clever, Gary: ein Inselgrün ohne WasserPolen: Sehr clever, Gary: ein Inselgrün ohne Wasser
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EINFACH MAL BAUEN


Einem weiteren dieser Golfvorreiter laufen wir am nächsten Tag über den Weg. Oder vielleicht sollte man Arthur Gromadzki, der wie die Jungfrau zum Kinde zu einer der besten Golfanlagen Polens kam, besser als unfreiwilligen Vorreiter bezeichnen?

Doch der Reihe nach. Als wir nach 60 Autominuten über Alleen und Landstraßen in Modry Las südöstlich von Stettin ankommen, ist auf der Terrasse des nagelneuen Clubhauses gerade Nerventest mit hohem Einsatz im Gange. Gut ein Dutzend Spieler eines Berliner Golfclubs haben den goldenen Herbst genutzt, um den kurzen Trip hierher zu unternehmen, und vertreiben sich die Wartezeit auf ihr Mittagessen mit einem Pitch-Contest in den rund 80 Meter entfernten Radun-See. Der ist mehrere Kilometer lang und aus dieser Entfernung kaum zu verfehlen. Doch einen armen Tropf erwischt es tatsächlich, und als sein getopptes Eisen 8 keine 40 Meter weit fliegt und in der Böschung zum Seeufer hängen bleibt, ist eine Lokalrunde fällig.

Auf dem Parkplatz wartet bereits Arthur in einem japanischen Kleinbus darauf, uns seine Anlage zu zeigen. Die hohe sechsstellige Zahl auf dem Kilometerzähler und die vielen Schweizer Autobahnvignetten auf der Windschutzscheibe fallen uns sofort auf, und wie sich herausstellt, spielte dieses gut eingefahrene Automobil eine nicht unwichtige Rolle bei der Entstehung des Modry Las Golf Club.

Polen: Danzig, Altstadt: die Ostsee um die Ecke
Danzig, Altstadt: die Ostsee um die Ecke
Als führender Kopf einer amerikanischen Investmentfirma begann der in die Schweiz übergesiedelte Finanzfachmann Mitte der 90er Land in seiner Heimat Polen, genauer gesagt nahe der Kleinstadt Choszczno, aufzukaufen, ohne einen wirklichen Plan für diese exotische Erwerbung zu haben. "Irgendwann waren es dann 130 Hektar und ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Ein Freund in der Schweiz hörte jedoch davon und war ganz besessen darauf, das Land einmal zu besuchen. Ich konnte mir nicht vorstellen warum, doch er meinte, das klingt wie der ideale Ort für einen großartigen Golfplatz." Gromadzki selbst spielte zu dieser Zeit kein Golf und tat die Idee des Freunds als Spinnerei ab: Wer sollte schließlich inmitten der polnischen Provinz weitab aller Ballungsräume Golf spielen wollen?

Fast forward: Der Schweizer Golffreund blieb glücklicherweise hartnäckig und meinte, seinen Augen nicht zu trauen, als er das fantastische Stück Land zum ersten Mal sah. Es folgte jahrelange Überzeugungsarbeit, den Nicht-Golfer zum Bau einer Anlage zu bewegen, und als dann endlich kein Geringerer als Gary Player als Architekt zur Verfügung stand, rollten in Modry Las tatsächlich die Bagger. Der Besitzer der Anlage pendelte während dieser Zeit regelmäßig im Kleinbus zwischen seinem Wohnsitz in Genf und dem scheinbar völlig unvernünftigen Projekt in seiner polnischen Heimat hin und her, ehe 2009 die bis dahin zweifellos besten 18 Löcher des Landes eröffnet wurden.

Die Gruppe aus Berlin steht mittlerweile für die zweiten 18 Löcher des Tages am ersten Abschlag und wir möchten wissen, warum es die Golfer gerade hierher verschlagen hat. "Der Golfplatz ist fantastisch und alles andere als überfüllt. Die Anreise aus Berlin ist ein Klacks, und selbst wenn es einen wie vorhin erwischt und eine Lokalrunde fällig wird, so ist das finanziell deutlich erträglicher als beispielsweise in Wannsee", erklärt Stefan aus Spandau und bringt so in einem Satz drei unwiderlegbar positive Argumente für eine Golfurlaub bei unseren Nachbarn im Osten unter. Es sind nicht nur die beinahe beschämend niedrigen Preise, die für Greenfees, Essen und Unterkünfte fällig werden, sondern vor allem die Tatsache, dass volle Startzeitenlisten oder ewige Wartezeiten hinter im Schneckentempo über den Platz kriechenden Vierer-Flights vollkommen unmöglich sind.

 
Wohnen

Wohnen

MODRY LAS
Radun
Im Obergeschoss des nagelneuen Clubhauses bieten elf hervorragend ausgestattete Gästesuiten die Möglichkeit, keine 100 Meter vom ersten Abschlag des Championship-Platzes entfernt zu übernachten. Auf dem riesigen Areal von Modry Las stehen zudem Bungalows mit Blick auf den See und Apartments, die ganze Flights aufnehmen können, zur Verfügung.
www.modrylas.pl

HOTEL BARLINEK
Barlinek
Wer abends lieber etwas Abstand vom Golfplatz sucht, der wird 25 Autominuten von Modry Las entfernt fündig. Die 25 Gästezimmer des Dreisternehotels bieten einen malerischen Blick auf den Berlinchener See, dessen Uferweg sich hervorragend für eine morgendliche Joggingrunde eignet. Im Hotelrestaurant kommt gehobene regionale Küche auf den Tisch, die eine willkommene Abwechslung zum Clubhausessen bietet.
www.hotelbarlinek.pl

SAND VALLEY GOLF RESORT
Paslek
Mehr als hundert Gästebetten verteilen sich am Rande des Golfplatzes in Sand Valley auf 15 luxuriös im skandinavischen Stil eingerichtete Villen. Jede dieser Bleiben ist mit einer offenen Küche, einer Sauna, einem Kamin und High-Speed-Internet ausgestattet und allesamt bieten genügend Platz für den perfekten Buddy-Trip. Eine Handvoll dieser Häuser erlauben sogar einen Blick vom eigenen Swimmingpool auf Loch 3 (Par 3, 130 Meter).
www.sandvalley.pl

Golfplätze in der Region

SAND VALLEY GOLF RESORT

SAND VALLEY GOLF RESORT

18 Löcher, Par 72, 6.529 Meter

Adresse
Sand Valley St. 23
14-400 Paslek
Tel. +48 55.248.24.00
www.sandvalley.pl

Greenfee
Mo.-Fr.: ca. 63 Euro, Sa. & So.: ca. 75 Euro

Viele der Fairways in Sand Valley sind so breit, dass selbst fieser Hook oder markerschütternder Slice nicht ausreicht, die Spielbahn zu verfehlen. Easy Sailing also? Weit gefehlt, denn die Grüns des vor elf Jahren eröffneten Designs von Lassi Pekka Tilander und Tony Ristola sind nicht von dieser Welt. Auf diesem Golfplatz kann kurz gemähtes Gras zum absoluten Albtraum werden, denn eine Fairwaylage heißt hier noch lange nicht, einen machbaren Schlag zur Fahne zu haben. Wer immer schon einmal wissen wollte, wie sich Traumziele la Bandon Dunes, Sand Hills oder Barn-bougle Dunes wohl spielen mögen, der kann sich in der polnischen Provinz einen authentischen Eindruck verschaffen.

Killerloch
Besonders die beiden kurzen Par-4-Löcher 5 und 16 bleiben nach der Runde in Erinnerung. Einen Ball zu verlieren ist auf beiden Bahnen eigentlich unmöglich, doch dank höhergelegter und fies ondulierter Grüns stehen auch auf unter 300 Meter "langen" Par 4 schnell Doppel-Bogeys auf der Karte.
www.sandvalley.pl

POSTOLOWO GOLF CLUB

POSTOLOWO GOLF CLUB

18 Löcher, Par 72, 7.101 Meter

Adresse
Postolowo,
83-042 Elganowo
Tel. +48 600.247.248

Greenfee
Mo.-So.: ca. 61 Euro

Mit mehr als 7.000 Metern Länge von den Backtees ist Postolowo nicht nur ein echtes Monster, sondern hielt jahrelang auch den Titel des längsten Championship-Platzes in Europa. Lediglich Plus-Handicapper und Profis sollten deshalb so wahnsinnig sein, auf die Meisterschaftsabschläge zu marschieren. Alle Amateur-Golfer seien gewarnt, schließlich ist dieser Golfplatz selbst von den gelben Tees ein knüppelharter Test, der zahlreiche lange Carry-Schläge verlangt und im langen Spiel so gut wie nichts verzeiht. Auf den Grüns werden die Aufgaben dann zum Glück lösbarer - wenn es da nicht schon zu spät ist.

Killerloch
Man sollte sich auf Loch 4 den Spaß des Umwegs über den weißen Abschlag machen und heilfroh sein, seinen Drive nicht von hier spielen zu müssen. Denn diese Teebox verlangt nicht weniger als 235 Meter carry über Wasser bis zum Fairway.

MODRY LAS GOLF RESORT

MODRY LAS GOLF RESORT

18 Löcher, Par 72, 6.649 Meter

Adresse
Radun
73-200 Choszczno
Tel. +48 667.710.410
www.modrylas.pl

Greenfee
Mo.-Fr.: ca. 42 Euro, Sa. & So.: ca. 61 Euro

Gary Player, dessen Design-Company für dieses Championship-Layout verantwortlich zeichnet, meinte zur Eröffnung 2009: "Es ist ein klasse Golfplatz, den wir in eine bildschöne Naturlandschaft voll alter Kiefern entlang riesiger Seen und Felder voller Wildblumen gebaut haben." Übertrieben hat der "Black Knight" damals nicht, denn kommt auf den ersten Löchern entlang des Radun-Sees beinahe Kanada-Feeling auf, erinnern die Back Nine verdächtig an Skandinavien. Riesige Grüns mit teils heftigen Ondulierungen und Run-of-Zonen stellen sicher, dass hier niemals Langeweile aufkommt.

Killerloch
Die Ehre des schwierigsten Lochs einer Anlage wird selten einem Par 5 zuteil. Loch 2 in Modry Las bietet mit seinen 505 Metern Länge, einem strammen Dogleg und einem Bälle fressenden Wassergraben jede Menge Möglichkeiten zu verzweifeln.

MODRY LAS GOLF RESORT

BINOWO PARK GOLF CLUB

18 Löcher, Par 72, 6.013 Meter

Adresse
Binowo 62
74-106 Stare Czarnowo
Tel. +48 918.0415.33
www.binowopark.pl

Greenfee
Mo.-Fr.: ca. 42 Euro (Tages-Greenfee), Sa. & So.: ca. 53 Euro (Tages-Greenfee)

Der im Jahr 2000 eröffnete 18-Loch-Platz des Binowo Park Golf Club liegt zwar am Rande des Bukowa-Urwalds, klaustro-phobisch enge, von alten Bäumen gesäumte Spielbahnen muss jedoch niemand befürchten. Als Gemeinschaftswerk schuf der Club zu Beginn des neuen Jahrtausends einen Platz auf hügeligem Gelände, der auf den ersten neun Löchern auch Anfängern die Möglichkeit bietet, das Handicap zu stutzen, auf den Back Nine mit prominenten Wasserhindernissen auf sechs Spielbahnen dann jedoch spürbar tougher wird.

Killerloch
Das Finish in Binowo Park hat es in sich: Mit 172 Metern über Wasser ist Loch 17 ohne Zweifel das kniffligste Par 3 der Anlage und auch die 18 erfordert zwei äußerst präzise Schläge, wenn man mit einem Birdie abschließen möchte.

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