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Sächsische Schweiz

Zwinger Club

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Rüdiger Meyer

Für Architektur-Fans ist Dresden eine begehrte Adresse. Doch auch Golfer können hier auf ihre Kosten kommen.

Dresden ist nicht zwangsläufig ein Städtename, den man mit Golf verbindet. Doch tatsächlich hat der Golfsport hier eine lange Tradition. 1932 bauten die renommierten Golfplatzarchitekten Harry Colt und John Morrison für den neu gegründeten Dresdner Golf Club einen Neunlochplatz. Die Erweiterung auf 18 Löcher scheiterte an finanziellen Schwierigkeiten und nach dem Zweiten Weltkrieg soll ein sowjetischer Major alle zurückgelassenen Schläger zerbrochen und damit das Kapitel Golf in Dresden symbolisch beendet haben. Wer auf ein Satellitenbild schaut, kann noch die einstigen Fairways im Wald entdecken, die mittlerweile von Kleingärtnern besiedelt sind. Deren beliebte Gaststätte "Bühlauer Waldgärten" war einst das elegante, von Architekt Prof. Dr. Wilhelm Kreis im Bauhausstil errichtete Clubhaus.

Danach gab es in der DDR keinen Platz mehr für "bourgeoisen Blödsinn", wie Erich Honecker den Golfsport einst tituliert haben soll. Doch kaum war die Mauer gefallen, feierte Golf die Auferstehung. Heute gibt es im Dresdner Umland gleich drei Golfplätze mit unterschiedlichem Charakter. Diese Stehaufmännchen-Mentalität kann stellvertretend für die Widerstandsfähigkeit der sächsischen Landeshauptstadt herangezogen werden. Im Winter 1945 wurden bei den in ihrer Intensität umstrittenen Luftangriffen auf Dresden 25.000 Menschen getötet und mehr als sechs Quadratkilometer der Innenstadt zerbombt, darunter am 13. und 14. Februar der Zwinger und die Semperoper. Die Frauenkirche wehrte sich mit all ihren Kräften, stürzte am Morgen des 15. Februar allerdings ebenfalls ein. Die für ihre prächtige Architektur als "Florenz an der Elbe" gepriesene Stadt lag in Trümmern.

Auch wenn der Innenhof des Zwingers gerade wegen Bauarbeiten komplett aufgerissen ist, erinnert heute wenig an die Zerstörung von damals. Stattdessen lauschen an jeder Ecke Touristengruppen gespannt den enthusiastisch vorgetragenen Schilderungen der Nachtwächter, die die Geschichte Dresdens noch einmal aufleben lassen.

Sächsische Schweiz: Golfclub Herzogswalde
Golfclub Herzogswalde

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DIE FLACHEN, ABER TÜCKISCHEN GRÜNBUNKER SIND FAST IMMER FRONTAL ANGELEGT, WESHALB DIE GLEICHE MAXIME WIE FÜR BASKETBALLER GILT: LIEBER ZU LANG ALS ZU KURZ.
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Zu ihr gehört auch der Dresdner Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill, der sich im frühen 19. Jahrhundert mit dem von ihm geprägten Leitsatz "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" gegen Napoleon auflehnte - und den Tod fand. Sein Geburtshaus und seine Ländereien bildeten die Grundlage für den Golfclub Dresden Elbflorenz, der 1992 das Dresdner Comeback für den Golfsport eröffnete. Die interessante Topografie des Geländes hat dabei einige Attribute des Platzes diktiert. Weil sich mitten durch die Anlage ein breites Tal zieht, in das dem Gesetz der Schwerkraft folgend das Wasser abfließt, wurden hier einige Teiche angelegt, die mal als Inselgrün, mal beim Drive und mal beim Transportschlag ins Spiel kommen. Doch trotz dieser Hindernisse und viel Baumbestands sind die 18 Löcher alles andere als Ballfresser. Die überraschend großzügig geschnittenen Fairways lassen vom Tee zahlreiche Optionen für einen Sicherheitsschlag. Nur wer die Grüns gerne flach anspielt, könnte in die Bredouille kommen. Die flachen, aber tückischen Grünbunker sind fast immer frontal angelegt, weshalb die gleiche Maxime wie für Basketballer gilt: lieber zu lang als zu kurz. Das Gleiche haben sich die Club-Verantwortlichen wohl auch an Loch 13 gedacht, das durch ein Abschlagspodest um einige Meter verlängert wurde. Auch die nächsten zwei Bahnen sind etwas ungewöhnlich, wurden sie doch aus einem zusätzlich angekauften Waldstück herausgeschlagen. Weil man auf den anderen 16 Bahnen jedoch schon ein Par 66 ist, muss man vom Grün der 14 rund 150 Meter zurücklaufen, um zum Abschlag des nächsten Par 3 zu kommen.

Laufen dürfte für viele Besucher, die in die Sächsische Schweiz kommen, allerdings das geringste Problem sein, schließlich ist die Region für ihre spektakulären Wandertouren bekannt - sei es die sechs Kilometer lange, über mehr als 800 Stufen führende Wanderung zu den Schwedenlöchern oder der Weg über die Basteibrücke, die zu den größten Sehenswürdigkeiten der Sächsischen Schweiz gehört. Wie aus einem "Harry Potter"-Film steht die Brücke aus Sandstein über der Mardertelle-Schlucht und ermöglicht einen atemberaubenden Ausblick auf die fast 200 Meter tiefer liegende Elbe.

Der mehr als 1.000 Kilometer lange Fluss ist auch der Blickfang von der nur wenige Autominuten entfernten Festung Königstein. Allerdings war die traumhafte Aussicht nur ein schwacher Trost für alle diejenigen, die wie der SPD-Urvater August Bebel im sächsischen Alcatraz einsaßen. Heute besuchen jährlich mehr als 400.000 Menschen das neuneinhalb Hektar große Felsplateau und sind überwältigt. Beim majestätischen Blick auf den imposanten Fluss kann man verstehen, dass die UNESCO das Elbtal einst als Weltkulturerbe klassifizierte - und den Status wieder entzog, als die Stadt im Norden die umstrittene Waldschlösschenbrücke errichten ließ.

Sächsische Schweiz: Skandal: Rotlichtviertel direkt neben der Kirche (l.). Beeindruckend: Kurvenlage wie ein Sportwagen (r.)Sächsische Schweiz: Skandal: Rotlichtviertel direkt neben der Kirche (l.). Beeindruckend: Kurvenlage wie ein Sportwagen (r.)
Skandal: Rotlichtviertel direkt neben der Kirche (l.). Beeindruckend: Kurvenlage wie ein Sportwagen (r.)
Elbaufwärts führt uns auch die Fahrt zu unserem nächsten Golfplatz. Am Rand der Dresdner Heide entstand 1995 der Golfplatz in Ullersdorf, der ideal geeignet für Anfänger, Gruppen und Attacken aufs Handicap ist. Wasser kommt eigentlich nur an drei Bahnen richtig ins Spiel und die 50 bis 60 Bunker sind so platziert, dass man sie bei einer klug angelegten Strategie auch immer aus dem Spiel nehmen kann. Mit mehr als 6.000 Metern wirkt die Länge zwar auf den ersten Blick imposant, das relativiert sich aber dadurch, dass es ein Par 73 ist. Mit 381 Metern ist sogar das Erreichen des längsten Par 4 auch für durchschnittliche Golfer nicht völlig aussichtslos, zumal die Bahn vom Tee sogar leicht bergab führt. Der einzige echte Brecher ist die 542 Meter lange 5, der dementsprechend eine seltene Ehre für ein Par 5 zuteilwird: Handicap-Index 1. Die Bunker in Ullersdorf sind dabei recht ähnlich angelegt wie die in Elbflorenz: Ihre Kanten sind niedrig genug, dass man aus den Sandhindernissen chippen und manchmal sogar putten könnte. Das sieht auf dem dritten Dresdner Golfplatz in Herzogswalde hingegen ganz anders aus.

Der jüngste Beitrag zur sächsischen Golfszene hat 2017 eine Erweiterung und gleichzeitig auch ein Facelift bekommen. Das sorgt bereits bei der Anfahrt für einen unvergesslichen Anblick. Aus Richtung Dresden kommend sticht bereits kurz vor der Ortseinfahrt ein mit Golfbahnen überzogener Hügel ins Auge und sorgt einerseits für etwas Sorge vor der bevorstehenden Anstrengung, andererseits aber auch für Vorfreude ob der wunderschönen Optik. Die verstärkt sich noch, sobald man das moderne, architektonisch sehr interessante Clubhaus betritt. Von hier aus sieht man auch gleich den unterschiedlichen Charakter des Platzes: links die alte Parkland-Neunlochschleife, die noch konventionelle Golfarchitektur bietet, rechts die neuen neun Löcher des Links sowie der Kurzplatz Little Links, bei dem Architekt Christian Althaus seinen bereits aus Föhr bekannten Bunkerstil angewendet hat mit tiefen Sandhindernissen, die von langen, natürlichen Gräsern umwachsen sind.

Mit einem fast 6.300 Meter langen Par 72 macht Herzogswalde bereits auf der Scorekarte seine sportlichen Ambitionen deutlich, doch im Alltagstest spielt er sich noch anspruchsvoller. Einige Bahnen wie die 11 führen so steil hinauf, dass neben der Koordination auch die Kondition der Golfer gefordert wird. Und wenn die Böen aus einer unüblichen Richtung wehen und man am Abschlag von Loch 7 plötzlich 200 Meter gegen den Wind schlägt, ist der Griff zum Driver fast schon zwangsläufig.

Sächsische Schweiz: Dresden Ullersdorf
Dresden Ullersdorf
Der imposante One-Shotter ist dennoch nicht das beeindruckendste Par 3 Dresdens. Diese Ehre gebührt erstaunlicherweise dem benachbarten Little Links. Wer über Kurzplätze lacht und sie links liegen lässt, verpasst etwas. Zwar sind einige der neun Bahnen tatsächlich konventionelles Pitch and Putt, doch Löcher wie die 3 und die 7 haben nicht nur eine reelle Länge, sie sind auch mit perfekt ausgearbeiteten Bunker-Landschaften bestückt, die visuell Freude machen und einen echten spielerischen Test bieten. Dass das Ganze wie auch auf den anderen beiden Dresdner Plätzen in völliger Abgeschiedenheit möglich ist, erstaunt. Schließlich sind sowohl Herzogswalde als auch Ullersdorf und Elbflorenz von der Altstadt aus in weniger als 30 Autominuten zu erreichen. Eine weitere Gemeinsamkeit der drei Anlagen ist ihre Weitläufigkeit. Über 100 Hektar belegt der Golfclub Herzogswalde und beweist, dass es im Dresdner Umland nach der Wende an bezahlbarem Land nicht gemangelt hat. So konnte man vielerorts landwirtschaftliche Flächen aus ihrem Aschenputtel-Dasein erwecken und in märchenhaften Golfspaß verwandeln.

Nicht die einzige märchenhafte Transformation, die sich bei Dresden abgespielt hat. Schließlich diente das Barockschloss Moritzburg einst als Kulisse für den beliebten tschechischen Weihnachtsklassiker "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", der jedes Jahr in der Adventszeit Millionen Deutsche aufs Neue begeistert. Vielleicht wäre es nach 50 Jahren Zeit für eine sommerliche Neuverfilmung, in der Prinz und Prinzessin nicht auf dem Pferd durch den Schnee reiten, sondern auf grünen Wiesen den Schläger schwingen. Arbeitstitel: "Drei Golfplätze für Aschenbrödel".

 
Wohnen

Wohnen

PULLMAN DRESDEN NEWA
Nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt überblickt das Hotel die Prager Straße. Wer mit dem Auto anreist, kann für rund 20 Euro pro Nacht einen der Tiefgaragenplätze buchen. Vom 23 Quadratmeter großen Classic-Zimmer bis zur doppelt so großen Junior Suite werden alle Ansprüche bedient. Auf dem Weg zu den nur 1,5 Kilometer entfernten Altstadt-Attraktionen wie Zwinger, Frauenkirche oder Semperoper liegen zahlreiche Restaurants und Bars. Wer vom Essen schnell zurück ins Zimmer möchte, kann auch das Restaurant "Le Boulevard" in Anspruch nehmen, das auf internationale Küche setzt.
www.pullman-hotel-dresden.de

Golfplätze in der Region

Dresden Ullersdorf

Dresden Ullersdorf

18 Löcher, Par 73, 6.081 Meter

Adresse
Am Golfplatz 1
01454 Ullersdorf
Tel. +49 (0)3528.4806-0
www.golfanlage-ullersdorf.de

Greenfee
80 Euro (Mo.- Fr.), 100 Euro (Sa. & So.)

Direkt nach der Wende wurde der Beschluss gefasst, landwirtschaftliche Flächen in eine Golfanlage zu verwandeln. Im August 1995 eröffnete der von Olcher Knoop gestaltete Platz, der sanft onduliert am Rand der Dresdner Heide entlangführt. Das großzügige Gelände ermöglicht fehlertolerante Bahnen, die mit wenigen, dafür gut platzierten Bunkern aufwarten.

Killerloch
Vom Abschlag der 3 sieht es aus, als ob ein zentraler Fairway-Bunker für einen blinden Drive sorgt. Eine optische Täuschung, denn tatsächlich biegt das 244 Meter kurze Par 4 davor zu einem Dogleg nach links ab, das mit einem aggressiven Schlag über eine Hecke drivebar ist. Wer konservativ spielt, hat simple Schläge von 140 und 100 Metern, aber vor dem Grün stehen zwei noch nicht ausgewachsene Bäume, die in einigen Jahren die Annäherung deutlich erschweren dürfen.
www.golfanlage-ullersdorf.de

Golfclub Herzogswalde

Golfclub Herzogswalde

18 Löcher, Par 72, 6.294 Meter;
9 Loch, Par 27, 866 m (Little Links)

Adresse
Am Golfplatz 1
01723 Wilsdruff, OT Herzogswalde
Tel. +49 (0)35209.310590
www.golfclub-herzogswalde.de

Greenfee
65 Euro (Mo.- Fr.), 70 Euro (Sa. & So.), 25 Euro (Tagesfee Little Links)

1996 als Neunlochplatz eröffnet, wurde der Parkland Course 2017 um den Links-Platz (und den Little Links mit neun Par 3) erweitert. Resultat ist eine Anlage mit zwei Gesichtern: Während der Links vor allem durch die typischen Bunker-Landschaften von Christian Althaus verteidigt wird, kommen auf dem Parkland Wasserhindernisse und etwa 200 Meter zusätzliche Länge zum Zuge.

Killerloch
Das sieht man nicht alle Tage: ein Par 3 mit Handicap 1. Doch sie sind auch selten 202 Meter lang. Ja, Bahn 7 geht leicht bergab und oft hilft der Wind, aber die Länge ist nicht alles. Am Abschlag lässt einem die mondkraterartige Bunker-Landschaft das Herz in die Hose sacken. Dahinter wartet jedoch ein abfallendes Fairway, das den Ball Richtung Grün bugsiert. Wer die Bunker links umgeht, droht derweil im Grünbunker zu landen.
www.golfclub-herzogswalde.de

Dresden Elbflorenz

Dresden Elbflorenz

18 Löcher, Par 73, 5.996 Meter

Adresse
Ferdinand-von-Schill-Str. 4a
01728 Bannewitz OT Possendorf
Tel. +49 (0)35206.2430
www.golfclub-dresden.de

Greenfee
80 Euro (Mo.- Fr.), 100 Euro (Sa. & So.)

Dresdens ältester Golfclub öffnete 1992 seinen Betrieb auf dem Anwesen des ehemaligen Freiheitskämpfers Ferdinand von Schill. Architekt Dieter Sziedat legte die 18 Bahnen über sehr hügeliges Gelände, wodurch immer wieder blinde Schläge gefordert sind und man bei Annäherungen neben dem Wind auch immer den Höhenunterschied berücksichtigen muss. Nahezu jedes Grün muss hoch angespielt werden, da die Sand- und Wasserhindernisse in der Regel frontal angelegt wurden.

Killerloch
Wenn man nicht wie Augusta unbegrenzt Land hinzukaufen kann, muss man bei der Verlängerung des Platzes improvisieren. An der 13 hat man einfach die weißen Tees auf Stelzen gesetzt. Nachteil: Man sieht, was vor einem liegt. Nicht nur ist der erste Teil des 431 Meter langen Par 5 ein enges Höschen, mitten im Fairway stehen auch noch zwei mächtige Bäume in Drive-Länge, die das Dogleg nach rechts noch schwieriger gestalten.
www.golfclub-dresden.de

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