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Kaufberatung 2019

Die neuen Faiwayhölzer

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images

Bereits im vergangenen Jahr erwiesen sich einige der neu entwickelten Fairwayhölzer als derartig leistungsstark, dass sich die Frage aufdrängte: Wozu eigentlich noch einen Driver im Bag haben? Die Längenjagd setzen die führenden Hersteller mit ihren Hölzern auch 2019 fort. Leichter wird die Suche nach dem passenden Holz für dein Bag dadurch allerdings nicht.

Beim Kauf eines neuen Fairwayholzes bleiben viele Golfer in der Familie. Mit anderen Worten: Es wird das passende Holz 3 oder Holz 5 zum bereits gekauften und gefitteten Driver bestellt. Aus optischer Sicht macht diese Strategie durchaus Sinn, schließlich muss man sich bei Schlägern derselben Marke und Produktfamilie nicht an ein neues Finish des Schlägerkopfs gewöhnen. Beim Kauf eines neuen Fairwayholzes sollte jedoch bedacht werden, dass sich der Schwung mit diesem Holz durchaus von einem Schwung mit dem Driver unterscheidet, bei dem der Ball in der Aufwärtsbewegung getroffen werden sollte. Außerdem ist der Einsatzbereich eines Fairwayholzes deutlich vielseitiger als der eines Drivers. Ein optimal gefittetes Holz ist nicht nur eine Waffe vom Tee und ein treuer Freund auf jedem erreichbaren Par 5, sondern kann sich auch rund ums Grün bei delikaten Chips von kurz gemähten Grasflächen als äußerst hilfreich erweisen. Aus diesem Grund macht es auch für Amateurspieler Sinn, den Kauf eines neuen Fairwayholzes losgelöst vom eigenen Driver anzugehen. An Vielfalt auf dem Holzmarkt 2019 mangelt es jedenfalls nicht.

Das sind die neuen Fairwayhölzer


Bereits seit der zweiten Saisonhälfte 2018 sind die TS2- und TS3-Hölzer von Titleist auf der PGA Tour im Einsatz. Wie auch bei den TS2- und TS3-Drivern bildet das neu entwickelte Speed-Chassis das Fundament der aktuellen Titleist-Fairwayhölzer. Um das ausgegebene Ziel von mehr Ballgeschwindigkeit zu erreichen, haben die Titleist-Ingenieure in beiden Modellen den Active Recoil Channel 3.0 verbaut. Dieser fällt größer als bei den vorangegangenen Schlägergenerationen aus und gibt der Schlagfläche mehr Flexibilität für einen ausgeprägteren Trampolineffekt und höhere Ballgeschwindigkeiten, vor allem bei Treffern im unteren Teil der Schlagfläche.

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Ohne Schnörkel und im kleinen Schwarzen präsentieren sich die drei Mizuno-Fairwayhölzer

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BEI DER ENTWICKLUNG DER EPIC FLASH FAIRWAYHÖLZER HATTEN DER SUPERCOMPUTER UND DIE DARIN ARBEITENDE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ FREI
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Das Schlägerkopfvolumen beider Modelle ist mit 175 ccm identisch, eine etwas rundere Form beim TS3 und eine spitzer nach hinten verlaufende Krone beim TS2 sorgen allerdings für unterschiedliche Silhouetten in der Ansprechposition. Der größte Unterschied zwischen den beiden Titleist-Fairwayhölzern liegt jedoch im Schwerpunkt. Dieser ist beim TS2 im hinteren Teil der Sohle fixiert, um einen hohen Ballstart und maximale Fehlertoleranz zu erreichen. In der Sohle des TS3 ist dank des SureFit-CG-Systems der Schwerpunkt für jeden Spieler individuell einstellbar, was insbesondere bessere Spieler ansprechen wird. Diese grobe Kategorisierung spiegelt sich auch in den angebotenen Loftwerten wider. Während das TS3 ein Spektrum von 13.5 bis 18 abdeckt, ist das TS2 auch mit 21 Loft erhältlich. Daraus zu schließen, das TS3-Fairwayholz sei die bevorzugte Waffe der Tourspieler, während Amateure besser mit dem TS2 auf die Runde gehen sollten, wäre allerdings falsch, denn auch unter den Titleist-Staff-Spielern gibt es einige Fans der TS2-Hölzer wie beispielsweise Jordan Spieth und Bill Haas.

Eine ähnliche Strategie bei der Abstimmung der Produktpalette verfolgt TaylorMade, denn auch die nur wenige Hundert Meter vom Titleist-Schlägerentwicklungszentrum in Carlsbad angesiedelten TaylorMade-Designer haben mit dem M5-Fairwayholz einen Schläger entwickelt, der sich überwiegend an bessere Spieler richtet. Zum ersten Mal in einem Fairwayholz kommt das aus den letztjährigen Drivern bekannte Twist Face zum Einsatz, dessen einzigartige Form bei Treffern außerhalb der Mitte der Schlagfläche korrigierend eingreifen kann. Mehr Länge und vor allem größere Präzision vom Tee wie auch vom Fairway ist die Folge.

Zusammengesetzt wird das M5-Fairwayholz aus einem Schlägerkopf, einer aus fünf Lagen bestehenden Carbon-Krone und einem verstellbaren Stahlgewicht in der Sohle, das heftige 65 Gramm auf die Waage bringt und es dem Spieler erlaubt, die Flugkurve auf eine Draw- oder Fade-Tendenz hin zu beeinflussen. Darüber hinaus erlaubt das neu designte Loft- Sleeve-Hosel, den Loft um jeweils zwei Grad nach oben oder unten anzupassen, was das M5-Fairway zum variabelsten Holz macht, das TaylorMade je zur Marktreife gebracht hat.

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Einstellmöglichkeiten in der Sohle oder im Hosel sucht man im M6-Fairway vergeblich. Das ebenfalls mit Twist Face ausgestattete Holz ist mit fünf verschiedenen fixierten Loftwerten erhältlich und verfügt über einen tief platzierten Schwerpunkt, der es auch Golfern mit weniger athletischen Schwüngen wie denen von Dustin und Tiger erlaubt, den Ball vom Fairway aus auf eine hohe und tragende Flugbahn zu schicken, ohne dabei das Trägheitsmoment und damit die Fehlertoleranz einzuschränken. Um Amateuren beim Kampf gegen den Slice zu helfen, ist das M6-Fairwayholz auch als D-Type mit ausgeprägter Draw-Gewichtung erhältlich. Fans hat das M6-Holz allerdings auch in den höchsten Höhen der Weltrangliste, denn Rory McIlroy war beim Tournament of Champions zum Saisonauftakt in Hawaii davon überzeugt, dass er die Variabilität des M5 nicht benötigte, und nahm ein M6 Fairwayholz mit 15 Loft mit ins Turnier.

Auf der Suche nach einem passenden Fairwayholz kommen nicht allzu viele Golfer auf die Idee, bei Mizuno vorbeizuschauen, schließlich handelt es sich bei den Japanern aus Hiroshima um ausgewiesene Eisen-Experten. Doch mit den neuen ST190-Hölzern haben die Mizuno-Ingenieure eine echte Alternative zu den Platzhirschen auf dem Markt für Hölzer geschaffen. Verpackt in ein äußerst schickes schwarzes Gewand, das sicher auch Darth Vader gut gefallen würde, verrichten eine vergrößerte Schlagfläche aus H1770-Maraging-Stahl und eine Amplified Wave Soleplate ihre Arbeit, deren Wellenform kein Design-Gag ist, sondern für Performance sorgt. Eine größere erste Welle liefert Stabilität und einen vergrößerten Sweet-Spot für mehr Fehlertoleranz, ohne ungewünscht mehr Backspin zu generieren bei nicht mittig getroffenen Schlägen. Kei Tsuji, Chefdesigner bei Mizuno, zur neuen Schlagfläche: "Das vergrößerte Face des ST190 ist nicht nur vom Tee hilfreich, es verleiht dem Schlägerblatt auch einen größeren Rahmen, mit dem er in Bezug auf die Ballgeschwindigkeit eher wie ein Driver performt." Neben den Loftwerten 13 und 18 ist auch eine ST190-3TS-Variante verfügbar, deren variables Hosel Lofteinstellungen zwischen 13 und 17 ermöglicht. Wir hatten die Möglichkeit, bei der PGA Merchandise Show in Orlando zum ersten Mal Hand an die ST190-Hölzer zu legen, und sind der Meinung, dass dies die wohl schönsten Fairwayhölzer der Saison 2019 sein dürften.

Noch - sprichwörtlich - exotischer als ein Mizuno-Fairwayholz wäre es, ein Exotics- oder PXG-Holz ins Bag zu nehmen. Argumente für einen Kauf haben beide Hersteller jedoch auf ihrer Seite. Mit dem neuen CBX 119 haben die Entwickler bei Exotics um Mastermind David Glod das getan, was sie am besten können: ein extrem heißes und somit unglaublich langes Fairwayholz bauen. Eine Titanium-Schlagfläche mit variabler Wandstärke im Cup-Face-Design wird mit einem Schlägerkopf aus Stahl hartverlötet und in der Sohle kommt ein Materialverbund aus Stahl und Carbon zum Einsatz. Richtig gelesen: Das Carbon kommt hier nicht wie üblich in der Krone, sondern in der Sohle zum Einsatz, was den Schwerpunkt des Schlägerkopfs folgerichtig anhebt. Das Resultat ist ein Holz, das in puncto Fehlertoleranz sicher nicht zur Spitzenklasse gehört, im Hinblick auf die Schlaglängen, die es dank äußerst niedriger Spin-Werte produziert, jedoch ist es Weltklasse. Das Exotics CBX 119 ist sicher nichts für Golfer mit mittlerem oder hohem Handicap. Longhitter, denen nichts mehr Spaß macht, als Sonderpreise für den Longest Drive mit nach Hause zu nehmen, sind bei Exotics dagegen absolut richtig.

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Bob Parsons, der lautstarke Kopf hinter PXG, hat seine Entwicklungsmannschaft angetrieben, die zweite Generation der 0341X-Hölzer zur Marktreife zu bringen, und zu Beginn der Saison 2019 war es dann endlich so weit. Auch hier hat man sich dazu entschieden, zugunsten geringerer Spin-Werte den Schwerpunkt weiter nach vorne zu verlagern, was zu einem mittelhohen Ballstart und einer bohrenden Flugbahn führt. Inspiriert wurden die PGX-Entwickler beim Design der neuen Hölzer von amerikanischen Muscle-Cars. Die haben ihren Motor und somit den Schwerpunk schließlich ebenfalls vorne platziert und neigen deshalb in den Händen unqualifizierter Fahrer schnell zum Aus-der-Kurve-Fliegen.

Mit seinem kompakten Schlägerkopf und der sportlichen, mattschwarzen Carbon-Optik wirkt ein Cobra-King-F9-Speedback-Tour-Fairwayholz selbst im Regal eines Pro-Shops, als hätte man es gerade aus der Tasche von Rickie Fowler gezogen. Zwölf Gramm zusätzliches Gewicht wurden in Form von Wolfram in Inneren des Kopfs hinter der Schlagfläche positioniert, um besseren Spielern nicht nur die Länge und das Feedback zu liefern, die diese wünschen, sondern ihnen auch die Möglichkeit zu bieten, Schläge nach Belieben und Fähigkeit zu shapen.

Für Spieler mit einem Handicap zwischen 5 und 25 steht die reguläre Version des King-F9-Speedback-Fairway zur Verfügung, das ebenfalls mit einer extrem präzise gefertigten, CNC-gefrästen Schlagfläche punkten kann. Die untere Hälfte dieser Schlagfläche wurde mit weniger Krümmung versehen, um Bällen, die dort getroffen werden, nicht nur mehr Höhe mit auf den Weg zu geben, sondern auch den Spin im grünen Bereich zu halten.

Bei der Entwicklung der Epic-Flash-Fairwayhölzer hatten der Supercomputer und die darin arbeitende künstliche Intelligenz frei, aber trotzdem steckten die Ingenieure in Carlsbad die Köpfe zusammen, um einem Weg zu finden, das gerade Gelernte auch in den neuen Fairwayhölzern zum Einsatz zu bringen. Das Ergebnis ist eine aus 455-Carpenter-Stahl4 geschmiedete Flash-Face-Schlagfläche, die dank der Face-Cup-Bauweise hohe Ballgeschwindigkeiten auch bei Treffern außerhalb des Sweet-Spots liefert.

Dazu trägt auch die bereits aus dem Vorgängermodell bekannte Jailbreak-Technologie bei, deren zwei interne Stabilitätsstreben die Krone mit der Sohle verbinden und es dadurch dem Schlägerkopf erlauben, die im Treffmoment aufgenommene Energie schneller wieder an den Ball abzugeben. Das neu entwickelte und leichtere OptiFit-Hosel macht es in Zukunft noch einfacher, die Spezifikationen und Winkel der Schlagfläche im Handumdrehen zu verändern.

Wie schon in den vergangenen Jahren bei den Callaway- Drivern und -Fairwayhölzern ist auch in dieser Saison eine Sub-Zero-Version des Epic-Flash-Fairway für Spieler mit einer hohen Schwunggeschwindigkeit verfügbar, deren rohe Gewalt bei Standardhölzern zu viel Spin erzeugt. Zwei austauschbare Gewichte in der Sohle ermöglichen es, den Schwerpunkt des Schlägerkopfs zu verändern. Wird das schwerere im vorderen Slot verschraubt, bewirkt diese Konfiguration einen flacheren Ballstart mit weniger Spin. Ein im hinteren Slot platziertes 16-Gramm-Gewicht hebt die Flugbahn wie auch die Spin-Werte leicht an.

Die 13.5-Variante des Callaway-Epic-Flash-Sub-Zero-Fairwayholzes kam bei Phil Mickelsons Sieg beim AT&T National Pro-Am in Pebble Beach im Februar dieses Jahres zum Einsatz. Auch bei den Epic-Flash-Fairwayhölzern ist das einzige Haar, das wir in der Suppe finden können, die unserer Meinung nach ungeschickte Farbgebung. Die Möglichkeit, den Schlägerkopf mithilfe des Callaway-Custom-Programms mit einer von zehn zur Auswahl stehenden Farben anfertigen zu lassen, wie es bei den Epic-Flash-Drivern möglich ist, besteht bei den Epic-Flash-Fairwayhölzern leider nicht.

Bei der Wahl des richtigen Fairwayholzes für die Saison 2019 gilt es also zu beachten, dass nicht jeder Hersteller dieselbe Philosophie verfolgt. Wer zu einem Holz mit Schwerpunkt im vorderen Teil der Schlagfläche greifen sollte und welcher Spieler mit einer weiter hinten platzierten Masse besser beraten ist, hängt nicht nur von der Schwunggeschwindigkeit, sondern auch von anderen Faktoren ab. Ein individuelles Fitting ist daher vor dem Kauf unbedingt erforderlich.

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