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Masters 2019

Der größte Golfer aller Zeiten, Teil 3

Von Fritz Lüders, Fotos: Getty Images

Seine unglaubliche Geschichte wird weitergeschrieben: Nach elf Jahren Pause und zwei Comebacks gewinnt Tiger Woods wieder ein Major und setzt die Jagd auf Rekordhalter Jack Nicklaus fort.

Völlig egal, ob man heute für Tiger Woods oder jemand ganz anderen war: Was sich gegen 20.30 Uhr deutscher Zeit auf und neben dem 18. Grün in Augusta abspielte, war nicht weniger als einer der größten Momente in der Geschichte des Sports - des Golfs sowieso. Dabei geht es nicht nur um das sagenhafte Comeback von Tiger. Schließlich hat er dieses schon im September mit seinem Sieg bei der Tour Championship perfekt gemacht. Nein, der Sieg heute ist vor allen Dingen sein erster Majortitel seit elf (!) Jahren, sein 15. insgesamt, und sein Reiseticket zurück an die immer näher kommende Weltspitze. Mit diesem Major-Erfolg nach so langer Zeit und nach so viel Tiefschlägen beweist er, dass er wirklich der größte aller Zeiten ist!

Noch vor gut einem Jahr war der Satz "Bevor das passiert, gewinnt Tiger Woods wieder ein Major" ein beliebter zynischer Vergleich in unserer Redaktion für Dinge, die völlig außerhalb des Möglichen lagen. Zu utopisch war ein solches Szenario.

Das gilt ab heute nicht mehr. Und noch etwas macht seinen heutigen Sieg so unglaublich, so besonders: Mit diesem Triumph hat Tiger tatsächlich wieder realistische Chancen, den Major-Rekord von Jack Nicklaus (18 Titel) doch noch einzustellen. Wer hätte das gedacht?

Tiger Woods holt sich sein fünftes Grünes Jackett


Dabei begann dieser Finalsonntag in Augusta alles andere als gut für Tiger Woods. Zwei Schläge lag er hinter dem Führenden Francesco Molinari und nur seine größten Fans rechneten sich ernsthafte Siegchancen aus. Schließlich weiß spätestens seit der The Open oder seit dem Ryder Cup 2018 jeder, wie fehlerfrei Molinari spielen kann, wenn er gut drauf ist. Hinzukommend hat Woods noch nie ein Masters nach Rückstand vor der Finalrunde gewonnen.

Diese Statistik drohte sich anfangs auch zu bestätigen. Während Tiger auf den ersten neun Löchern gute Birdie-Chancen liegen ließ und immer mal wieder Bogeys in Kauf nehmen musste, verteidigte Molinari aggressiver als Roberto Carlos zu seinen besten Zeiten. Jedes Mal wenn der Italiener in Bedrängnis kam, lochte er seinen Par-Putt. Ganz gleich, wie weit dieser war.

"Das Masters beginnt erst Sonntagnachmittag auf den zweiten Neun", ist ein beliebter Spruch unter Golffans. Schließlich scoren die meisten Spieler erst auf den Bahnen 10 bis 18. Heute galt jedoch: "Das Masters beginnt an Loch 12." Reihenweise Titelaspiranten nagelten dort nämlich ihre Kugel in das Wasser vorm Grün. Und auch Molinari, der vor seinem Abschlag noch alleine in Führung lag, haute an besagter Stelle seinen Ball in den Teich. Woods hingegen roch die riesengroße Chance und platzierte die weiße Murmel sicher in der Mitte des Grüns. Ab diesem Zeitpunkt schlug sich das Schicksal auf Tigers Seite. Während Francescos Spiel im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runterging, gelang Woods beinahe alles. Und wenn es mal nicht so lief - wie beim Abschlag an der 13 - dann halfen Bäume nach, die den Ball zurück aufs Fairway lenkten.

Die tausenden Zuschauer, die in Augusta nicht Zuschauer sondern Patrons genannt werden, kauten trotzdem auf ihren Fingernägeln, hielten sich sogar die Augen zu. Die Spannung stieg ins Unermessliche. Schuld war unter anderem Major-Maschine Brooks Koepka, der sich Bahn für Bahn nach oben arbeitete und nur um zwei Zentimeter und einen Schlag das Play-off verpasste.

Die Konkurrenz spielte für Woods, der ebenfalls nicht den besten Tag erwischte und erstmals wieder zahlreiche Fairways verfehlte. Doch brachte sich der G.O.A.T. (Greatest Of All Time) beinahe noch selber um den Sieg. Mit zwei Schlägen Vorsprung ging er auf die 18. Bahn. Und während den alten Tiger aus den vergangenen Überflieger-Zeiten die Zuschauermassen kaltgelassen haben, schossen diesmal Tränen in die Augen des Familienvaters. Trotz voller Konzentration begriff er wohl, was sich da gerade abspielte. Zittrig war seine Annäherung und auch der Par-Putt wollte nicht fallen. Mit dem Bogey ergriff er dennoch die letzte Chance und brauchte anschließend ein paar Sekunden, um die Emotionen, die sich seit 2008 bei ihm anstauten, hinauszulassen. Nach orientierungslosen Blicken riss er doch noch die Faust nach oben und brüllte minutenlang seine Freude heraus. Herzlichen Glückwunsch, Tiger Woods!



Gratulieren müssen wir jedoch auch einem unbekannten Fan. Dieser war sich vor dem Masters so sicher, dass Tiger am Ende jubeln wird, dass er 80.000 Euro auf ihn setzte! Das Ganze bei einer Quote von 14/1. Neben eines gigantischen Siegs von Woods darf sich dieser Unbekannte nun auch noch über 1,3 Millionen Dollar freuen. Es gibt wohl schlechtere Tage

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