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Geschlossene Gesellschaft – Teil 2

Men Caves

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images (4), Imago (5), Rüdiger Meyer (1), PR (1)

2021

PORTMARNOCK

ZUKÜNFTIGE MAJOR-CHANCEN

Seit seiner Gründung im Jahr 1894 war der irische Club laut Satzung "Gentlemen" vorbehalten. Frauen durften zwar auf dem Platz spielen und auch Umkleiden und das Restaurant nutzen, aber keine stimmberechtigten Mitglieder werden. Als 2003 die Austragung der Irish Open durch staatliche Mittel gefördert werden sollte, begann eine Protestwelle gegen den Club. Die Irish Ladies Golf Union und der National Women's Council stellten sich gegen eine Auszahlung der Fördergelder in Höhe von 250.000 Euro. Sie hatten insofern Erfolg, als die Irish Open seither nie wieder in Portmarnock stattfand. Kurz darauf leitete die irische Gleichstellungsbehörde ein Verfahren gegen den Club wegen Verstoßes gegen den Equal Status Act aus dem Jahr 2000 ein und gewann in erster Instanz, wodurch der Club als sofortige Folge seine Schanklizenz verloren hätte. Statt die Satzung zu ändern, ging der Club lieber in Berufung und gewann erst vor dem irischen High Court und 2009 sogar vor dem Supreme Court in einer knappen 3 : 2-Entscheidung. 2021 kippte die Männerbastion Portmarnock aber dennoch. Bei einer Abstimmung stimmten 83,4 Prozent der Mitglieder dafür, den Passus "who shall be gentlemen" aus der Satzung zu streichen. In einem ersten Zug nahm der Club daraufhin drei weibliche Ehrenmitglieder auf, 2022 wurden dann neun von zehn zur Wahl stehende Frauen als Vollmitglieder in den Club aufgenommen. Offiziell wurde dieser Schritt aus freien Schritten vollzogen. Doch nur kurze Zeit später wurde bekannt, dass Portmarnock mit dem R&A in Verhandlung steht, ob die Open Championship nicht zum ersten Mal in Irland abgehalten werden könnte. Neben Änderungen am Platz ist eine Voraussetzung dafür, dass der Veranstalter keine Frauen ausschließt.

Geschlossene Gesellschaft:
2017

MUIRFIELD

TURNIERENTZUG

Kaum ein Club hat sich beim Versuch, Frauen aufzunehmen, so in die Nesseln gesetzt wie die Honourable Company of Edinburgh Golfers. Der 1744 gegründete Traditionsclub hat seit 1892 beachtliche 16 Mal die Open Championship ausgerichtet und ist damit nach dem Old Course in St. Andrews der populärste aktive Austragungsort des einzigen europäischen Major-Turniers. Die Open 2013 in Muirfield hatte die Mitgliederpolitik des Clubs allerdings wie unter einem Brennglas sichtbar gemacht. Um dem öffentlichen Beschuss zu entkommen und den Platz in der Open-Rotation nicht zu verlieren, setzte man im Mai 2016 eine Mitgliederabstimmung an. Allerdings verhielt man sich dabei so geschickt wie der Hamburger Senat bei der Olympiaabstimmung und dachte sich: "Wird schon schiefgehen." Und es ging schief. Zwar stimmten 64 Prozent der Mitglieder dafür, Frauen aufzunehmen, für die Annahme des Antrags wäre aber eine Zweidrittelmehrheit erforderlich gewesen. Für den Club ein unfassbares PR-Desaster. In Edinburgh beklebte ein Kollektiv öffentliche Parkbänke mit Plaketten, die im Namen der Frauen der Stadt Muirfield-Mitgliedern verboten, hier Platz zu nehmen. Und der R&A reagierte schnell und konsequent, indem man ankündigte, den Club aus der Open-Rotation zu streichen, solange die Mitgliederpolitik nicht geändert wird. Clubkapitän Henry Fairweather gab sich geknickt: "Der Vorstand des Clubs ist der Ansicht, dass eine klare und eindeutige Abstimmung zugunsten der Aufnahme von Frauen als Mitgliedern erforderlich ist, damit wir beginnen können, das Ansehen des Clubs wiederherzustellen, das durch den Ausgang der vorherigen Abstimmung Schaden genommen hat." Im März 2017 wurde erneut abgestimmt und dieses Mal votierten 80,2 Prozent für die Aufnahme von Frauen. Tatsächlich wurden 2019 die ersten zwölf Damen aufgenommen - die Open Championship ist bisher allerdings noch nicht zurückgekehrt.

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2014

ROYAL & ANCIENT GOLF CLUB

VORBILDFUNKTION

In St. Andrews hat man sich bereits seit Hunderten Jahren auf die Fahnen geschrieben, die Richtung des Golfsports zu diktieren. Schließlich wachen der Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews gemeinsam mit der USGA über unsere Golfregeln und sind auch in allen sonstigen Angelegenheiten die Hüter des Sports. Umso befremdlicher war es, dass der Royal & Ancient zwar im Endeffekt auch darüber entscheiden durfte, wie Frauen Golf zu spielen haben, höchstselbst aber keine einzige Frau in seinen Reihen vorweisen konnte. 2004 versuchte man, dieser unangenehmen Diskussion durch einen bürokratischen Trick zu entkommen. Der Club gliederte die Regulierungsfunktion aus, indem er mit dem R&A eine eigene Organisation gründete. Doch niemand fiel auf diesen Winkelzug herein und der Druck von außen blieb - schließlich steht das Clubhaus des Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews hinter dem ersten Tee des Old Course und hat damit eine prominente und äußerst symbolische Lage inne. Nachdem im Jahr 2012 selbst Augusta National damit begonnen hatte, Frauen in seine Reihen aufzunehmen, mehrten sich die Stimmen, unter anderem vom ehemaligen Premierminister Gordon Brown, dass man auch in St. Andrews nachziehen sollte. 2014 stimmte R&A-Chef Peter Dawson endlich zu und erklärte, der Club würde in Kürze über seine Mitgliederpolitik abstimmen. Am 18. September des gleichen Jahres wurden die 2.400 Mitglieder zur Wahl aufgerufen. Von den 75 Prozent, die sich daran beteiligten, stimmten 85 Prozent dafür, endlich auch Frauen aufzunehmen. Insgesamt hatten also mehr als 1.500 Mitglieder die Zeichen der Zeit erkannt. Das Ergebnis war so überwältigend, dass noch am gleichen Tag die Änderung umgesetzt wurde. Zu den ersten Mitgliedern zählten Prinzessin Anne, Annika Sörenstam, das amerikanische Hall-of-Fame-Mitglied Louise Suggs, die schottische Amateurin Belle Robertson, die afroamerikanische Pionierin Renee Powell und Dame Laura Davies.

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1990

PENINSULA CC

SCHEIDUNGSOPFER

Die ersten 60 Jahre hielt der kalifornische Peninsula Golf & Country Club sämtliche Mitgliedschaften für beide Geschlechter offen. Doch 1970 wurde entschieden, dass Familienmitgliedschaften nur auf den Ehemann ausgestellt werden, wodurch Frauen im Fall einer Scheidung sämtliche Mitgliedsrechte verlieren könnten. Genau dieser Fall trat 1981 ein. Mary Ann Warfield erhielt in ihrem Scheidungsvergleich die Mitgliedschaft zugesprochen, doch der Club akzeptierte dies aufgrund seiner Satzungsklausel nicht. Mary Ann Warfield reichte Klage ein. Der Rechtsstreit zog sich über mehr als zehn Jahre und landete vor dem kalifornischen Supreme Court. Am 29. Juni 1995 bekam Warfield in letzter Instanz recht, was jedoch nur formale Konsequenzen hatte. Denn der Club hatte die Klausel bereits im Juli 1990 aus der Satzung gestrichen und so geändert, dass diese proprietäre Mitgliedschaft nun von Personen ab 21 Jahren gehalten werden kann, unabhängig vom Geschlecht. "Warfield vs. Peninsula Golf & Country Club" wurde aber zum Präzedenzfall, nach dem sich ein Club nicht einfach auf seinen privaten Charakter berufen kann, um Frauen von bestimmten Mitgliedschaftsrechten auszuschließen.

2021

PINE VALLEY

FREIWILLIGE ÖFFNUNG

Wann immer eine Liste der besten Golfplätze der Welt veröffentlicht wird, ist Pine Valley ganz weit oben zu finden. Der 1913 gegründete Club in New Jersey ist aufgrund seiner Exklusivität auch für die meisten Männer unerreichbar, aber für Frauen war es von den Statuten her unmöglich. Mit einer Ausnahme: Helen Crump Street rettete den Club in den Anfangsjahren vor dem Bankrott und erhielt dafür eine Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit. Das Erstaunlichste ist, dass von außen nie Druck auf den Club ausgeübt wurde. Vielleicht, weil Pine Valley nie Ambitionen hatte, Großereignisse auszutragen. Umso überraschter waren alle, als am 30. April 2021 eine interne E-Mail von Clubpräsident Jim Davis an alle Mitglieder gesendet wurde: "Heute Abend haben wir bei unserer Jahreshauptversammlung eine historische Änderung an der Satzung von Pine Valley beschlossen. Die Zukunft des Golfsports muss sich in Richtung Inklusion bewegen und ich freue mich, mitteilen zu können, dass die Trustees und Mitglieder des Pine Valley Golf Club einstimmig und mit großer Begeisterung dafür gestimmt haben, sämtliche geschlechtsspezifischen Formulierungen aus unserer Satzung zu entfernen."

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