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Irland

Das keltische Südfrankreich

Von Jan Langenbein, Fotos: Getty Images, Jan Langenbein, PR

Die Grüne Insel hat endlich wieder vollständig geöffnet, und während alle Golfwelt zu den Weltklasseplätzen im Westen und Norden pilgert, machen wir uns auf in Irlands weit unbekannteren Südosten, wo die Golfplätze nicht weniger grandios sind und die Sonne scheinbar niemals Urlaub macht.

Als unser Kleinbus vom Parkplatz des Dubliner Flughafens rollt und sich in den fließenden Verkehr auf die Autobahn in Richtung Süden einfädelt, wird mir bewusst, dass unser letzter Besuch auf der Grünen Insel tatsächlich schon mehr als zwei Jahre zurückliegt. Beinahe so lange hatten die Iren ihre Golfplätze für sich. Das freute zwar die Golfer, verursachte allerdings in den Golfclubs, bei ihren Schatzmeistern und nicht zuletzt bei der irischen Tourismusindustrie, die zu einem erheblichen Teil von Schläger schwingenden Amerikanern und Kontinentaleuropäern gestützt wird, für schlaflose Nächte.

Doch nun sind sie scheinbar alle hier, die Golfer aus der ganzen Welt, die ihre Teetimes der vergangenen 24 Monate auf Golfplätzen wie Ballybunion, Waterville, Lahinch oder Old Head wie einen Schatz gehütet und auf die Saison 2022 geschoben haben. Und wir sind Teil dieser Invasion von Golfern, die das Spiel endlich wieder in seiner ursprünglichen Form, nämlich zwischen Dünen den Elementen ausgesetzt, spielen möchten.

Entlang der M50-Ringautobahn um Dublin zieht Golfplatz um Golfplatz am Busfenster vorbei, auf einer mit riesigen Fangzäunen gesicherten Driving Range feilen Büroangestellte und Handwerker nach Feierabend an ihrem Schwung und die Schilder in entgegengesetzter Richtung tragen den Namen eines echten Sehnsuchtsorts für Golfer: Portmarnock. Vielleicht beim nächsten Mal, unser Ziel liegt weiter südlich.

Irland:

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Noch lacht ihr, aber in vier Stunden werdet ihr wissen, warum ich ganz sicher in der Hölle landen werde.
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Es fühlt sich gut an, wieder in einem Land zu sein, in dem Golf so sehr Volkssport und fester Bestandteil einer jeden Gemeinde ist wie hierzulande der Fußball, und als wir auf den Parkplatz des European Club einbiegen, freuen wir uns wie Grundschüler, die in der ersten Woche der Sommerferien endlich in den Europa-Park dürfen.

Tatsächlich ist der Name nicht das Einzige, was der süddeutsche Vergnügungspark und dieser einzigartige Links-Platz gemein haben. Sind es im Badischen die Achterbahnen und Kettenkarussells, die am Ende eines Tages für Schwindel sorgen, rufen hier in Irland mannstiefe Topfbunker und wilde Grünkonstruktionen oft denselben Effekt hervor. Seit seiner Eröffnung 1992 ist der European Club das Baby und der private Sandkasten des Pat Ruddy, einem Charakter, wie er nur in Irland heranwachsen kann.

Eigentlich hätte Ruddy katholischer Priester werden sollen, doch anstelle der Bibel verschlang er als Jugendlicher lieber die Werke des legendären britischen Golfautors Henry Longhurst. Also wurde er eine Art Prediger in Sachen Golf, baute als Architekt einige der berühmt-berüchtigsten Plätze Irlands, darunter den Sandy Hills Links in Rosapenna und den Glashedy Links von Ballyliffin. Das Kronjuwel seines Schaffens ist jedoch ohne Zweifel sein 1992 eröffneter European Club, in dem er Tag für Tag seine Mitglieder und Gäste aus aller Welt empfängt.

Irland: Sozialer Wohnungsbau: Das Waschbecken läuft überIrland: Sozialer Wohnungsbau: Das Waschbecken läuft über
Sozialer Wohnungsbau: Das Waschbecken läuft über
"Herzlich willkommen! Schön, dass ihr euch hertraut", empfängt uns Ruddy grinsend vor dem Clubhaus. Der Himmel ist strahlend blau und das Thermometer zeigt angenehme 22 C, untypischerweise bläst nicht einmal das kleinste bisschen Wind über die Anlage. "Warum sollten wir uns an einem solchen Tag nicht trauen?", entgegne ich naiverweise. "Noch lacht ihr, aber in vier Stunden werdet ihr wissen, warum ich ganz sicher in der Hölle landen werde."

In dieser Begrüßung stecken zwei Informationen, die Ruddy äußerst wichtig sind: Sein Platz zählt zu den schwierigsten Irlands, vielleicht sogar der Welt, und wenn er etwas nicht leiden kann, so ist es langsames Spiel. Auf den Scorekarten, die alle Lämmer hier zur Schlachtbank führen, steht schließlich fett geschrieben: "Stay awake - Get around wirthout delays - You are an athlete!"

Was soll man über einen Links-Platz sagen, den Rory McIlroy als den wahrscheinlich besten Platz, den er je gespielt habe, bezeichnet, auf dem er sich jedes Mal wieder über die körperliche und mentale Herausforderung freue, die Ruddy ihm abverlangt, über dessen Fairways seit Jahrzehnten die besten Golfer des Planeten marschieren und auf dem der Platzrekord trotzdem "nur" eine bescheidene 67 (-4) ist, aufgestellt von einem gewissen Tiger Woods? Weil das Dünenland Platz für mehr als 18 Löcher bot, baute Ruddy einfach 20 und überlässt den Golfern, wie viele sie spielen wollen.

Irland: Falsch abgebogen: Irland oder Spanien?
Falsch abgebogen: Irland oder Spanien?
Als wir später mit viel zu wenigen Bällen, schmerzhaft hohen Zahlen auf den Scorekarten, aber auch einem unmissverständlichen Grinsen im Gesicht zurück ins bescheidene Clubhaus kommen, zapft Pats Nachwuchs Sidon und Gerard bereits Guinness und ihr Vater ist bereit, Hof zu halten. Neben den famosen 20 Löchern des Links ist eine Rede zur Lage der Golfnation von Pat Ruddy nämlich die heimliche Attraktion eines Besuchs im European Club. Ruddy ist mittlerweile 76 Jahre alt, wirkt aber eher wie 90 und dies ist keinesfalls eine Beleidigung, sondern ein vor Hochachtung strotzendes Kompliment. Denn normalerweise bräuchte es mindestens 100 Jahre, um all die Erfahrungen und das Wissen über den Golfsport im Allgemeinen und die Golfplatzarchitektur im Besondern zusammenzutragen und sie in Yoda-hafte Golfweisheiten zu verpacken: "Nicht fair Golf ist!" oder "Überlegt spielen und das Fairway treffen ihr müsst!" nehmen wir mit nach Hause. Aber nicht nur das, auch eine signierte Ausgabe seines Buchs "The Perfect Golf Links" und ein Stück von Mrs. Ruddys hausgemachter Apfeltorte bekommt jeder zum Abschied überreicht. Golf im European Club ist eine echte Familienangelegenheit - körperliche Züchtigung eingeschlossen.

 
WOHNEN

WOHNEN

THE GLENVIEW HOTEL

DELGANY, CO. WICKLOW
Eine halbe Autostunde südlich von Dublin bietet dieses Viersternehotel mit seinen 71 Zimmern und Suiten ein ideales Basislager, um die Südostküste und den "Garten Irlands", wie die Gegend um Wicklow von den Einheimischen genannt wird, zu erkunden. Der Leisure Club samt Pool ist riesig, das "Woodlands Restaurant" bietet gehobene Küche und viele Golfplätze, darunter der European Club, liegen praktisch vor der Haustür.
www.glenviewhotel.com

KELLY'S RESORT HOTEL

ROSSLARE, CO. WEXFORD
Das Resort der Familie Kelly ist eine echte Institution in Irland und kann auf eine Geschichte zurückblicken, die bis ins Jahr 1895 reicht. Daher bietet dieses einmalige Hotel vom gemütlichen Lesezimmer im ältesten Teil des Gebäudes bis hin zum übermodernen Sea Spa und zu mehreren vorzüglichen Restaurants alles, was das Strandurlauberherz begehrt. Während der Sommerferien trifft sich vom Partyvolk bis zu Erholungsuchenden hier halb Irland.
www.kellys.ie

MOUNT JULIET ESTATE

THOMASTOWN, CO. KILKENNY
Als Teil der "Autograph Collection" sind beide Hotels des Mount Juliet Estate, "Hunters Yard" und das "Manor House", auf absolutem Fünfsterne-Niveau über jeden Zweifel erhaben. Die Szenerie des riesigen Landsitzes ist spektakulär, sämtliche Zimmer und Suiten geschmackvoll und hochwertig möbliert und ein Privatkino mit zwölf Sitzplätzen steht ebenfalls zur Verfügung. Neben einem Weltklasse-Golfplatz findet sich hier selbstverständlich auch ein Gestüt für die Reiter, fließen zwei Flüsse für die Angler und wartet eine Range auf die Bogenschützen - standesgemäß!
www.mountjuliet.ie

Golfplätze in der Region

ROSSLARE GOLF CLUB

ROSSLARE GOLF CLUB

OLD COURSE
18 Löcher, Par 72, 6.205 Meter

Adresse
Warren Middle
Rosslare, Co. Wexford
Tel. +353 53.913.2203
www.rosslaregolf.com

Greenfee
Mo. - Fr.: 55 Euro, Sa. & So.: 70 Euro

Kein Wunder, dass auf dieser malerischen Sandbank neben schicken Ferienhäusern auch 30 Golflöcher (neben dem Old Course verfügt der Rosslare GC noch über eine Zwölflochschleife) Platz gefunden haben, ist dieser Küstenabschnitt doch der sonnigste Irlands. Der 1905 gegründete Golfclub zog 1928 hierher, nachdem das Architektenduo Fred Hawtree und J.H. Taylor einen klassischen "9 in & 9 out"-Links-Kurs in die Dünen gebaut hatten. Diese fallen nicht allzu hoch aus und auch die Grünkomplexe sind äußerst fair gehalten, was Rosslare Old zu einem Erlebnis für alle Spielstärken macht. Eines der größten Schnäppchen auf der grünen Insel ist es obendrein.

Killerloch
Loch 11 ist eine dieser Bahnen, bei denen man am Abschlag sein Leben darauf verwetten würde, einem Par 5 gegenüberzustehen, um dann beim Blick auf die Scorekarte eines Besseren belehrt zu werden. Neben der schieren Länge verdeckt obendrein noch eine Düne beim kniffligen Schlag ins Punchbowl-Grün die Sicht auf die Flagge.
www.rosslaregolf.com

THE EUROPEAN CLUB

THE EUROPEAN CLUB

18 (+2) Löcher, Par 71 (77), 6.746 (7.119) Meter

Adresse
Ardanairy
Brittas Bay, Co. Wicklow
Tel. +353 404.47415
www.theeuropeanclub.com

Greenfee
Mo. - Fr.: 230 Euro, Sa. & So.: 250 Euro, Wintersaison: 120 Euro

Pat Ruddy, seines Zeichens Erschaffer und Besitzer des European Club, empfängt die Gäste mit einem Begrüßungstext im Yardage Guide, der mit den Worten "A Primeval Golf Challenge" überschrieben ist. Übersetzt für Hobby-Golfer heißt das so viel wie: "Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren", schließlich sind diese 20 Spielbahnen (ja, 20!) das in Sachen Anspruch Knackigste, was die Grüne Insel zu bieten hat. Dennoch kommt der Spaßfaktor nie zu kurz, denn diese Wiese birgt einige wahnsinnige Designdetails wie das 115 Meter lange Grün der 12.

Killerloch
Mit satten 443 Metern ist Loch 7 von den Backtees für Normalsterbliche schlicht unspielbar. Aber auch von den "vorderen" Abschlägen wartet ein Monster von einem Par 4 auf seine Opfer, das links und rechts des Fairways von Bälle fressendem Marschland flankiert wird, in dem bereits ganze Suchtrupps verschollen sind.
www.theeuropeanclub.com

MOUNT JULIET ESTATE

MOUNT JULIET ESTATE

18 Löcher, Par 72, 6.642 Meter

Adresse
Mount Juliet Estate
Thomastown, Co. Kilkenny
Tel. +353 56.777.3000
www.mountjuliet.ie

Greenfee
Mo. Fr.: 125 Euro, Sa. & So.: 160 Euro, Wintersaison: ab 85 Euro

Dieser 1991 von Jack Nicklaus und Christy O'Connorsen fertiggestellte Championship-Platz ist Parkland-Golf vom Allerfeinsten. Inmitten eines sechs Quadratkilometer großen irischen Landsitzes, dessen Geschichte bis in das Jahr 1752 zurückreicht, hat der "Golden Bear" 18 seiner besten Lochschablonen entlang majestätischer Bäume durch ein verwunschen wirkendes Tal und über sattgrüne Wiesen gelegt. 2002 und 2004 gastierten hier die Besten der Besten im Rahmen der WGC American Express Championship und nach einer erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr kehren die Irish Open 2022 nach Mount Juliet zurück.

Killerloch
Mit seinem leichten Dogleg nach rechts einen recht steilen Hang hinunter ist das Fairway von Loch 13 alles andere als einfach zu treffen. Hier den Schlag ins Grün vom kurz gemähten Gras zu spielen ist jedoch absolut essenziell, denn das von frontalem Wasser und einer imposanten Steinmauer gesäumte Grün macht selbst erfahrenen Golfern Angst.
www.mountjuliet.ie

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