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Bewerbung für den nächsten Tarantino: Mr. Blue, Mr. Green und Mr. Orange

BMW International Open – Teil 2

The Rookie

Von Rüdiger Meyer, Fotos: Rüdiger Meyer, BMW Golfsport

Von der ließ sich am Schlusstag vor allem Hennie du Plessis anstecken. Der Südafrikaner war als Vierter in die Schlussrunde gegangen und versuchte, Eichenried zu überpowern. Seine Driving-Show kulminierte in einem 320-Meter-Hieb an Loch 15, der die Grundlage für sein siebtes Birdie lieferte. Eine Performance, mit der Spielpartner Thomas Rosenmüller nicht mithalten konnte. Der Korn-Ferry-Tour-Spieler, der extra für die BMW International Open aus den USA angereist war, lag nach einer sensationellen dritten Runde plötzlich mitten im Titelrennen, musste sich nach einer Even-Par-Runde aber mit Platz sechs begnügen. Doch auch sonst konnte keiner mit du Plessis Schritt halten. Der als Führender gestartete Österreicher Bernd Wiesberger war mit fünf Schlägen ins Hintertreffen geraten, und als Michael Hollick an der 16 ein Bogey spielte, hatte auch er plötzlich schon drei Schläge Rückstand auf seinen Landsmann. Doch dann kam es zu einem Schlussspurt, der in die Annalen der BMW International Open eingeht.

BMW International Open:
Nachdem sich Hennie du Plessis an der 17 mit einem Bogey den einzigen Ausrutscher des Tages geleistet hatte, öffnete sich die Tür zum Sieg für Hollick wieder so weit, dass er sein Eisen 5 in den Spalt zwängen konnte. An der 17 nahm er den Schläger, um den Ball zwei Meter an die Fahne zu legen und das Birdie zu spielen. Als Hollick seinen Schlag ins Grün der 18 spielen musste, war die Ausgangslage klar: Birdie zum Play-off, Eagle zum Sieg. 219 Meter von der Fahne entfernt im Rough liegend griff Hollick erneut zu seinem treuen Eisen 5 und legte den Ball sieben Meter an den Stock - sieben Meter, die zwischen Sieg und Verlängerung entscheiden.

BMW International Open: Mr. Juli aus dem Pin-up-Kalender von Bryson DeChambeau (r.)BMW International Open: Mr. Juli aus dem Pin-up-Kalender von Bryson DeChambeau (r.)
Mr. Juli aus dem Pin-up-Kalender von Bryson DeChambeau (r.)
Als sein Putt fast schon provokant langsam aufs Loch zurollt, geht ein langsam anschwellendes Raunen über die bis zum Bersten gefüllte Tribüne, das in einem Jubelsturm gipfelt, als der Ball ins Loch fällt und der Südafrikaner seine rechte Faust so energisch in die Münchner Luft schlägt, dass sie selbst Muhammad Ali niedergestreckt hätte. Es ist die Entladung von Emotionen, die der Mann aus Durban 18 Löcher lang nicht an sich herangelassen hat. "Ich war den ganzen Tag irgendwie vollkommen ruhig", verriet er im anschließenden Siegerinterview. "Als ich gestern Abend ins Bett gegangen bin, habe ich lustigerweise gedacht, wenn ich die Chance hätte, auf dem letzten Loch ein Eagle zu spielen, wäre das schon was Besonderes."

BMW International Open: Kölle alaaf: bessere Stimmung als am Rosenmontag
Kölle alaaf: bessere Stimmung als am Rosenmontag
Und als er daran denkt, welche Möglichkeiten sich jetzt für ihn und seine junge Familie ergeben, muss er kurz ein paar Tränchen verdrücken. Zu überwältigend ist das, was ihm in den vergangenen Monaten widerfahren ist. "Vor vier Jahren habe ich die Schläger quasi schon an den Nagel gehängt und mit Coaching begonnen", rekapituliert er noch einmal den Weg, der ihn auf die DP World Tour und in München an einen Punkt geführt hat, den er offenbar selber nie erwartet hätte. "Das erste Jahr [auf einer neuen Tour; Anm. d. Red.] ist immer schwer, alles ist unbekannt und man spielt sich die Seele aus dem Leib, nur um die Tourkarte zu halten, aber hier sind wir nun." Und der Weg muss noch nicht zu Ende sein, denn in den letzten Jahren hat sich die BMW International Open als echtes Sprungbrett für die ganz große Bühne erwiesen. Von den letzten fünf Gewinnern in Eichenried haben sich vier anschließend die Spielberechtigung für die PGA Tour gesichert. Dort wäre Michael Hollick dann wieder Rookie und könnte endgültig für kinoreifen Stoff sorgen.

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